Bericht der IFA-Filiale Berlin für April 1949, erstellt am 16. Mai 1949

I. Film-Abschlüsse
Wir haben gewisse Schwierigkeiten, Filme in den Erst- und Zweitaufführungstheatern zu placieren, da alle Kunden den Maßstab des Films, den sie zu spielen wünschen, an die deutsche Fassung der Filme anlegen. Von den in letzter Zeit angelaufenen Filmen Der Doppeladler, Capitaine Fracasse gibt es z.B. solche nicht d.h. noch nicht und von Halsband der Königin ist die technische Wiedergabe durchaus als gelungen zu bezeichnen, das Kopienmaterial jedoch wirkt verschleiert und unklar. Sofern die Berliner Verhältnisse sich wieder den normalen nähern, müssen wir auch unbedingt von jedem der angelaufenen Filme sofort zwei bis drei Kopien zur Verfügung haben. Diese Tatsache wird jedoch auch der Generaldirektion durch Erfahrungen in anderen großen Städten Deutschlands hinreichend bekannt sein. An die Synchronisation französischer Filme muss aber – und das habe ich in einigen gesonderten Schreiben zum Ausdruck gebracht – der strengste Maßstab angelegt werden. Von den in München synchronisierten Filmen ist man bei keinem der Verleih-Unternehmen, so auch der amerikanischen und englischen Filme, zufrieden gewesen. Es gibt einige Fachleute, die in dieser Hinsicht Behauptungen aufstellen, die nahezu unglaubhaft sind. Sie lassen sich jedoch in einem Brief, vor allen Dingen ohne Angabe des Quellenmaterials, nicht niederlegen.

II. Film-Umsatz
Der Filmumsatz musste nach der erneuten und nun hoffentlich letzten Währungsreform nochmals stark zurückgehen, umsomehr als bis zum 12. Mai Verkehrsmittel für die Abendvorstellungen, besonders in den besseren Theatern, nicht mehr vorhanden waren. Nach Aufhebung der Blockade dürfen wir hoffen, dass trotz des nahenden Sommers und der Kaufgier des Publikums in bezug auf allgemeine Güter der Umsatz bald wieder eine normale Höhe erreichen wird. Eine große Einsparung stellen die ca. 10 – 15.000,- DM dar, die wir monatlich allein an Aggregatbeteiligungen bisher zu verzeichnen hatten.

III. Reklame Umsatz
Das Reklamematerial, welches in der französisches Zone hergestellt worden ist, ist in Anbetracht der teilweise minderen Qualität zu teuer berechnet. Wir bekommen von München des öfteren Masterprogramme und finden diese in der Regel propagandistisch viel stärker

V. Premieren in Berichtsmonat
a) Eigene Filme
Mit Rücksicht auf den zu erwartenden Besucherrückgang waren wir nicht interessiert, zwei Termine Mitte und Ende April wahrzunehmen
Am 3.5. starteten wir im MARMORHAUS Der Doppeladler.
Eine Premiere, die wirklich als festlich zu bezeichnen war und bei der beste Dekorationsarbeit geleistet wurde. Die Vorankündigung für den Film Die Kartause von Parma, der ebenfalls im MARMORHAUS im September uraufgeführt werden wird, fand starke Beachtung.Die Dekoration wird in unseren Filialräumen zur Ausstellung kommen und so von vielen Hunderten von Fachleuten noch gesehen werden. Die Aufnahme des Films bei der Presse war stark unterschiedlich. Neben begeisterten Stimmen gab es auch ablehnende. In Anbetracht der besonderen Verhältnisse, die noch in Berlin herrschen bzw. bis zum 12.Mai [Ende der Berliner Blockade] vorhanden waren, sind wir mit dem Geschäft zufrieden. Nach Aufhebung der Blockade ist das Geschäft sofort spürbar besser geworden.

6.5. Das Halsband der Königin in der KURBEL.
Auch diesen Film hätten wir im Marmorhaus starten können, haben aber mit Rücksicht auf „Les jeux sont faits“ und Wohin die Züge fahren die Kurbel vorgezogen. Da mit einer besseren Kopie nicht gerechnet werden konnte, waren wir zufrieden, dass der Film sofort herausgekommen ist. In einem gesonderten Brief haben wir Ihnen mitgeteilt, dass es anlässlich der Uraufführung zu einigen Protestrufen gekommen ist. Die böswillige Presse übertrieb wie üblich. Wir sahen uns veranlasst, am Freitag, dem 13.5., das Publikum in einer 6 Uhr-Vorstellung zu befragen, ob es die ungekürzte oder gekürzte Fassung des Films sehen will. Wir hatten inzwischen einen Schnitt im letzten Absatz vorgenommen. Das Publikum erklärte leidenschaftlich die weitere Vorführung des Films in der ungekürzten Fassung. Das Halsband der Königin konnte des großen Erfolges wegen verlängert werden und wird insgesamt 3 Wochen auf dem Spielplan bleiben.

b) Filme der Konkurrenz
14.4. Central-Film Dein ist mein Herz im ASTOR.
Der Film wurde völlig abgelehnt, war absolut schlechtes Geschäft und musste nach 10 Tagen Laufzeit herausgenommen werden. Central-Film hat sich mit der Vorführung dieses Films sehr geschadet, da die Verfassung der Kopie außerdem noch wegen ihrer minderen Qualität in allen Pressestimmen besonders getadelt wurde.
14.4. Eagle-Lion-Film Kampf um Jimmy im PRISMA-Filmtheater.
Der Film wurde – wie es bei allen Synchronisationen der Fall ist – mäßig aufgenommen. Dass es sich um einen schwachen Film handelt, erkennt man schon daran, dass er in keinem Kurfürstendamm-Theater uraufgeführt wurde.
19.4. Schorcht-Filmverleih Der Ruf im MARMORHAUS.
Hervorragende Kritiken, leider jedoch ein sehr schwaches Geschäft. Der äußere Rahmen dieser Uraufführung bot ein sehr friedensmäßiges Bild. Der anwesende Fritz Kortner wurde begeistert gefeiert.
19.4. MPEA Der Weg nach Marokko in der NEUEN SCALA.
Der Film wurde von der Presse fast durchweg abgelehnt, war auch in der Neuen Scala ein sehr schwaches Geschäft, dürfte aber in dicht besiedelten Arbeitergebieten Rekordkassen erzielen.
21.4. Schorcht- Filmverleih Der große Mandarin im KIKI.
Der Film bekam umstrittene Kritiken. Die schlechten Stimmen wurden wohl absichtlich gedämpft, weil sich um den letzten Film von Paul Wegener gehandelt hat. Geschäft katastrophal. Die Uraufführungsreklame hat 12.000,– DM gekostet. Der Film hat in 14 Tagen keine 20% davon eingespielt.
22.4. Fortuna-Verleih Rendezvous im Salzkammergut in der KURBEL.
Ein harmloser Unterhaltungsfilm, der einem harmlosen Publikum Freude bereitet.
26.4. MPEA Liebesbriefe in der FILMBÜHNE WIEN.
Der Film hat durchaus beachtliches Format, bekam einige sehr lobenswerte Kritiken, aber auch stark ablehnende. Das Publikum wer jedoch nicht gerade begeistert davon.
2.5. Schorcht-Filmverleih 3 x Komödie im ASTOR.
Auf diesen Film hatte ich in einem besonderen Schreiben die Generaldirektion aufmerksam gemacht. Es handelt sich um einen Film, der in der Zeit 1944/45 hergestellt wurde, aber nicht mehr uraufgeführt werden konnte. Der Film wurde zwar von der Presse nur mäßig aufgenommen, entwickelt sich aber zu einem ganz großen Schlager. Er stellt sämtliche deutschen Nachkriegsfilme in den Schatten und begeistert in einem fast unvorstellbaren Maße in Berlin. Das Sonderbare an der Vorführung ist, dass der amerikanisch zensierte ehemalige Staatsfilm auch im britischen Sektor von Berlin laufen kam. Die Feststellung ist von großer Wichtigkeit, sofern wir oder uns nahestehende Firmen Negative oder Material von nicht vollendeten deutschen Staatsfilmen haben sollten.
5.5. Eagle-Lion- Film Notlandung im KIKI.
Der Film bekam zufriedenstellende Kritiken, war aber geschäftlich ein Versager. Diese Tatsache jedoch hängt schließlich auch mehr oder weniger mit den nervenzermürbenden Verhältnissen in Berlin zusammen, die nun endlich mit dem 12.5. ihr Ende gefunden haben.
5.5. MPEA Arzt und Dämon NEUE SCALA
Der Film, der technisch hervorragend ist, an die Nerven der Zuschauer teilweise aber zu große Anforderungen stellt, wurde ebenfalls sehr umstritten von der Presse aufgenommen. Während der Vorführung zu diesem Film gibt es immer wieder Ohnmachtsanfalle. Von wichtigen Blättern wird dieser Film als geschmacklos abgelehnt.
16.5. Schorcht-Filmverleih Der Engel mit der Posaune in der FILM-BÜHNE WIEN.
Die Vorführung des Films ist heute, bei Berichtsabfassung. Es ist zu erwarten – schon allein bei den Reklamearbeiten, die von der Schorcht-Film wiederum geleistet wurden – dass man von diesem Film eine lange Laufzeit erwartet. Die Außenwände der Film-Bühne Wien und alle anderen Propagandamaßnahmen zeigen deutlich, dass hier wieder fünfstellige Zahlen ausgegeben worden sind.