Bericht der IFA-Filiale Berlin für März 1949, erstellt am 15. April 1949

Monatsbericht März 1949
Der Umsatz im Berichtsmonat für die französischen Filme ist nur um 11.000,– geringer als im Monat Februar, wobei die dritte Währungsreform den entscheidenden Anteil am Rückgang hat.

Zur Zeit befinden sich eine größere Anzahl schwacher Filme im Einsatz. Die stärkeren Publikumsfilme sind in den wichtigen Erst- und Zweitaufführungs-Theatern bereits eingesetzt gewesen. Es bleibt dabei erstaunenswert, dass Der Graf von Monte Christo, der in Berlin allein von 150 vorhandenen Filmtheatern in den 3 Westsektoren in 138 Theatern gespielt wurde, in der Zeit vom 1.1.1949 bis 31.3.1949 die hervorragende Besucherzahl von 272.910 erzielte. Auch Martin Roumagnac und Der unbekannte Sänger erweisen sich als weiterhin publikumsstark. Narcisse und Unter falschem Verdacht erscheinen nun in den kleineren Theatern. Beide Filme werden 100 Abspielungen bei 150 Theatern in Berlin, die zur Verfügung stehen, erreichen. Das sind Zahlen, die normalerweise nur für die allergrößten Revue- und Sensationsfilme in den Vorkriegszeiten und bisher aufzuweisen sind. Auch die Ergebnisse mit den Filmen Adieu Chérie, Carmen, Der Doppelgänger, Engel der Nacht, Die grosse Illusion, Die Lüge der Nina Petrovna, Narcisse, Unter falschen Verdacht sind durchaus erfreulich, wobei zu bemerken ist, dass Der Doppelgänger und Die grosse Illusion bisher nur in der Originalfassung vorliegen.


Die bekannten schwachen Filme werden mit allem Nachdruck eingesetzt, der möglich ist. Hier wird auf die an Herrn Zobel abgegangenen Spezialberichte hingewiesen (Sylvia und das Gespenst) und auf einige sehr schwache Synchronisationen. Apropos Synchronisationen, hier wird in dem Berliner Fachblatt [Berliner Filmblätter] Nr.8 im Zusammenhang mit dem Aufbau der Korda-Filialen in Berlin davon gesprochen, dass diese Firma ihre Filme in Berlin synchronisieren wird. Wir zitieren wörtlich die Berliner Filmblätter:
„Die deutsche Synchronisierung der Korda-Filme soll in der gepflegten Qualität dem Spiel der Originalfassungen entsprechen. Die neue Verleih-Organisation hat daher den Auftrag der Mars-Film GmbH übertragen. Bekanntlich haben die ausländischen Firmen in einigen westdeutschen Synchronisationsstätten ungünstige Erfahrungen machen müssen.“
Den Bericht des Magistrat von Berlin, der nur deshalb in unsere Hände gelangen konnte, weil Herr Buttkus Mitglied des Film-Ausschusses für Berlin ist, werden wir der Generaldirektion in wenigen Tagen zuleiten.
Herr Bischoff, der in diesen Tagen in Berlin weilte, konnte am Vorabend seiner Abreise noch einen kurzen Einblick in dieses Schreiben nehmen. Die Kritiken der Westdeutschen Zeitungen besagen eindeutig, dass die Synchronisation französischer Filme besonders schwierig ist und deshalb außerordentliche Sorgfalt nötig haben. Wir haben die Aufgabe, die Kritik, die uns gegenüber geäußert wird, an die Generaldirektion weiterzugeben, um Verbesserungen eintreten zu lassen. Von den französischen Filmen ist eine Anzahl zweitklassig synchronisiert worden. Die Ausfertigung entspricht nicht der Klasse der französischen Filme in der Originalfassung, die das Publikum auf Grund erfolgter Kritiken erwartet.

Informationsquellen – die uns offenstehen – zufolge, liegen wir in den ersten drei Monaten des neuen Jahres vor dem Umsatz des Amerikanischen Filmverleihs in Berlin. Der Amerikanische Filmverleih hat in der Erstaufführung mit den Filmen Ninotschka und Mein Schatz ist ein Matrose ein Rekordgeschäft zu erwarten, dem wir zur Zeit nichts Gleiches entgegensetzen können. Für das neue Verleihprogramm sind nur mit den Uraufführungs-Theatern Absprachen getätigt worden, und bestimmte Filme bereits für die verschiedenen Theater vorgesehen. Auch Filme, die durch die Umorganisation nicht im Rahmen der Ifa erscheinen werden, befinden sich darunter.

Premieren in Berichtsmonat:
a) eigene Filme
15.3. Nicht schuldig. Dieser Film hat leider nicht die erwartete Aufnahme beim Publikum gefunden. Das liegt zweifellos an der Übersättigung des Publikums mit Kriminalfilmen, so dass dieser stark physiologische [gemeint: psychologische] Film nur einen Achtungserfolg errang. Hier machten sich im übrigen einschneidend sofort die Folgen der neuen Währungsreform bemerkbar. Wir dürfen jedoch mitteilen, dass in den Theatern, in denen uns eine Nachprüfung möglich war (Filmbühne Wien, Astor, Gloria-Palast, Studio – um von den Premierentheatern zu sprechen), der Rückgang noch stärker war.
1.4. Der mit Spannung erwartete Film Das Boot der Verdammten, über den der Generaldirektion Sonderberichte und Auszüge aus der Presse zugegangen sind. Das Geschäft in der Neuen Scala was in der ersten Woche sehr gut, und nach telefonischen Informationen auch an allen Tagen der zweiten Woche gleichmäßig gut. Obwohl zunächst eine stille Opposition in den Kreisen des Theaterbesitzer gegen den Film spürbar war, wurde nach Erscheinen der ersten Kritiken und nach der von uns veranstalteten Trade Show die Nachfrage rege, so dass eine zweite Kopie für Berlin für einige Wochen notwendig gewesen wäre, die aber leider nicht abgesandt werden konnte.
5.4. Orkan im KIKI.
Dieser elf Jahre alte französische Film gefiel den Feinschmeckern unter den Presseleuten noch ausnehmend gut. Das Geschäft ist in Anbetracht der augenblicklichen Umstände als gut zu betrachten. Der Film wurde für den britischen Sektor von Berlin durch den englischen Film-Offizier separat genehmigt.
8.4. Nochmals ein französischer Film in der KURBEL, das frühere Uraufführungs-Theater französischer Filme in Berlin.
Capitaine Fracasse, der sehr umstrittene Kritiken erhielt. Es gibt einige Zeitungen, die ihn mit Kinder des Olymp vergleichen und andere, die ihn völlig ablehnen. Auch hier die Reaktion beim Publikum sehr unterschiedlich. Geschäft zufriedenstellend

Filme der Konkurrenz:
16.3. Herzog-Verleih Die letzte Nacht im GLORIA PALAST.
Der Film, der an und für sich zu den besseres neuen deutschen Filmen gehört, fand bei der Presse keine gute Aufnahme. Das Geschäft war in Anbetracht der neuen Lage jedoch zufriedenstellend.
18.3. Defa Und wenn’s nur einer wär im BABYLON.
Ein Film der üblichen Einheitsparole entsprechend. Für die Ostzone sicher interessant. In den Gegenden, wo ein freier Wettbewerb möglich ist, keine Aussicht auf Erfolg.
25.3. Schorcht-Filmverleih, ein Georg Witt-Film Tragödie einer Leidenschaft im MARMORHAUS.
Anerkennenswerter Versuch eines neuen Regisseurs. Publikumsgeschäft gut, Kritiken umstritten. Bemerkenswert bei der Uraufführung dieses Films , wie bei allen Premieren der Firma Schorcht, der außerordentliche Aufwand der Propaganda- und Premierengestaltung. Ein einzelnes Inserat in einer Tageszeitung kostete 1.000 und 1.200,-.
29.3. Central-Filmverleih Anonyme Briefe im ASTOR.
Der Film wurde völlig abgelehnt und war nur in den ersten drei Tagen ein zufriedenstellendes Geschäft.
31.3. MPEA Der Draufgänger in der FILMBÜHNE WIEN .
Ein Film, auf den Berlins Filmfreunde bereits durch umfangreiche Reklame lange neugierig waren. Hier wurde wieder einmal der Beweis angetreten. dass vier Starnamen allein noch keinen guten Film machen. Das Geschäft war ebenfalls nur in den ersten Tagen zufriedenstellend und hat außerordentlich nachgelassen.

4.4. Das bunte Karussell GLORIA-PALAST.
Der erste amerikanische Farbfilm in Berlin. Sehr lustig, der richtige Film für die augenblickliche Zeit. Pressekritik gut, Geschäft bisher ebenfalls.
8.4. Defa Die Kuckucks im BABYLON.
Ein Kinderfilm, der dem Publikum gefällt. Im Wettbewerb der großen Filmnationen jedoch ohne jede Chance.
12.4. Schorcht-Filmverleih Ein Herz schlägt für Dich im COSIMA.
Ein älterer deutscher Film 1945. Nur zugelassen für die amerikanische Zone und Sektor. Klarer Publikumserfolg. Kritiken ohne Belang.
14.4. Eröffnung eines neuen Filmtheaters PRISMA mit dem englischen Film Kampf um Jimmy, Eagle-Lion-Film.
Ein anspruchsloser Film, sauber synchronisiert. Kritiken noch nicht vorliegend.
Theater intimen Charakters, sehr günstig gelegen. Das PRISMA-Filmtheater spielt die verlängerte Uraufführung von Das Boot der Verdammten. Nachfragen nach Aussagen der Geschäftsleitung sehr gut.
14.4. Central- Film im ASTOR Dein ist mein Herz, ein Richard Tauber-Film.
Stellungnahme noch nicht möglich, da noch nicht gesehen.