Bericht der Allianz-Film Filiale vom 28. November 1950 für November 1950

Der Umsatz im Monat November konnte auf der gleichen Höhe wie im Vormonat gehalten werden. Erfreulich ist der Umsatz von dem Film Mädchen mit Beziehungen, während die Ergebnisse von Der Schatten des Herrn Monitor enttäuschen. Es ist auch in diesem Zusammenhang angebracht, darauf hinzuweisen, dass im Augenblick die deutsche Produktion es in Bezug auf die Kriminalfilm-Sujets mit der amerikanischen und in einigen Fällen auch mit der englischen Produktion nicht aufnehmen kann. Den großen Behördenapparat, den amerikanische Produzenten bei Ihren fast als Lehrfilme anmutenden Kriminalfilmen zur Verfügung haben, kann nichts Gleichwertiges auf unserer Seite entgegengestellt werden. Den deutschen Produzenten ist deshalb zu raten, sofern es sich nicht um ausgesprochene Sensations-Drehbücher handeln sollte, die Hände von dieser Gattung Filme zu lassen.
Wie bei den beiden voraufgegangenen Monaten schon berichtet, stellt Wie ein Dieb in der Nacht einen absoluten Versager dar. Bei Gesamtanzeigen des Programms ist es ratsam, diesen Titel wegzulassen.
EPILOG. Dieser Film erreicht nicht die Kassen, die von ihm erwartet werden konnten. Hier haben sich unheilvoll die dauernden durch Schnitt verursachten Änderungen ausgewirkt. Der Film wird selbstverständlich trotzdem in allen Theatern gezeigt werden, die für unsere Filme überhaupt zugänglich sind. Bei der Disposition trat erschwerend hinzu, dass der wertvolle Bußtag- und Totensonntag-Termin nicht wahrgenommen werden konnte. Unabhängig von dem Revue- Film Die Dritte von rechts wird sich die Stärke des Einsatzes von EPILOG in der ersten Hälfte Dezember und im Januar auswirken. Von uns aus sind wir nicht daran interessiert, Termine nach dem 15.12. bis 24.12. einschl. aufzunehmen.

Premieren im Berichtsmonats
Eigene Filme: —
Filme der Konkurrenz:

1.11. Centfox Ewiges Rom im Heiligen Jahr im STUDIO.
In Sondervorführung wird dieser Film vor allem der kirchlich eingestellten Bevölkerung gezeigt. Die Kritiken waren sehr gut. Auch der geschäftliche Erfolg lässt nichts zu wünschen übrig.
2.11. Deutsche London-Film Der Seelenbräu in der FILM-BÜHNE WIEN.
Sehr guter österreichischer Film von Gustav Ucicky. der leider durch den Dialekt einige Unvollständigkeiten aufzeigt, die auch die Presse rügte. Geschäftlicher Erfolg unter Durchschnitt.
3.11. Prisma- Filmverleih Unter schwarzer Flagge in der BONBONNIERE.
Ein Charles Laughton-Film, dem in der Laufwoche ein Durchschnittserfolg beschieden war. Presse ebenfalls durchschnittlich.
3.11. Centfox Rache ohne Gnade im PRIMUS-PALAST und 8 weiteren Theatern. Es soll sich hierbei um den besten Wildwest-Film handeln, der bisher in Berlin gezeigt worden ist.
Geschäftlicher Erfolg überragend, Presse sehr gut.
3.11. Universal-Filmverleih Francis im ASTOR.
Dieser höchst originelle amerikanische Film kam selbst in Berlin nicht richtig an, obwohl er in einer meisterhaften Synchronisation gezeigt werden konnte.
Presse sehr gut, Geschäft nur Durchschnitt.
3.11. Universal-Filmverleih Zeuge gesucht in der NEUEN SCALA .
Geschäftlich absoluter Versager, dem auch ein Erfolg in den Nachaufführungs-Theatern versagt bleibt.
3.11. Deutsche London-Film Dämon Uran im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Masseneinsatz dieses Films, der geschäftlich sehr enttäuschte.
3.11. Dietz-Filmverleih Die Treppe im MARMORHAUS.
Sehr problematischer, stark realistischer deutscher Film. Geschäftlich ein Fiasko. Presse sehr unterschiedlich, im allgemeinen aber gut.
7.11. Astoria- Filmverleih Flitterwochen mit Hindernissen in der KURBEL
Durchschnittlicher Amerikaner. Diese Art Filme haben keine Chance mehr in Deutschland.
7.11. Omnium-Filmverleih Jagd auf Dillinger in der NEUEN ALHAMBRA, WINTERGARTEN usw.
Masseneinsatz. Sensationelles Geschäft in der ersten Welle. Auch in der zweiten Welle erreichte der Film, dem gar nichts Meisterhaftes anhaftet, dank des zugkräftigen Titels Durchschnittskassen.
9.11. Dietz-Filmverleih Unter der roten Robe im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Katastrophaler Film, in welchem zwel große Namen der internationalen Leinwand missbraucht wurden: Annabella und Conrad Veidt. Presse sehr schlecht. Geschäft ebenfalls.
10.11. Warner Bros. Solange ein Herz schlägt BONBONNIERE, BIO, NEUE SCALA.
Preisgekrönter amerikanischer Film, dessen Probleme uns allerdings unberührt lassen. Joan Crawford selbst, entsprechend der internationalen Anerkennung, sehr gut. Auch Presse im allgemeinen gut.
10.11. Eagle-Lion-Filmverleih Haus der Sehnsucht im MARMORHAUS.
Der beste Eagle-Lion-Film seit langer Zeit. Anerkannter Film aus Venedig. Großartige Presse und, wie fast immer in solchen Fällen, schlechtes Geschäft auch hier.
10.11. RKO Der Schrecken von Texas im SPORTPALAST und weiteren Theatern,
Massenstart. Schweigen wir darüber.
13.11. Astoria-Filmverleih Achtung! Atomspione im DELPHI-PALAST.
Dieser neue Tatsachenbericht der Columbia zeigt die gleiche Tendenz der Filme Schritte ohne Spur, Geheimagent und Stadt ohne Maske. Bei aller Aktualität des Themas konnte der Film überraschenderweise nur ein Durchschnittsgeschäft erzielen. Für den Delphi-Palast war der Film eine kleine Idee zu schwach.
14.11. National-Filmverleih Insel ohne Moral in der KURBEL.
Merkwürdige Theaterbesitzer! Der Film wurde bei der offiziellen Trade-Show von den Theaterbesitzern völlig abgelehnt, bei 37 Verträgen gestrichen und der Film verlacht. Der geschäftliche Erfolg in der Kurbel, der wirklich sensationell war, veranlasste die Theaterbesitzer natürlich sofort, den Film „reuevoll“ wieder aufzunehmen und ihn einzusetzen.
14.11. Deutsche Commerz-Film Leichte Kavallerie im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Die Wiederaufführung dieses Films mutet, gelinde gesagt, wie eine Frechheit an. Die Klasse des Films rechtfertigt eine derartige Wiederaufführung nicht. Da der gleiche Verleih im gegenwärtigen Berichtsmonat mit dem Film Rote Signale eine neue Schlappe erlitten hat, wird die Filiale dieser Firma in Berlin wohl nicht lange bestehen können, da beide Premieren mit großer Reklame gestartet worden sind.
15.11. Deutsche London-Film Föhn in der FILM-BÜHNE WIEN.
Der seit langer Zeit erwartete zweite Hans Albers-Film ergab einen starken Premierenerfolg. Während der Laufzeit allerdings, die wie Epilog 16 Tage betrug, erreichte der Film kein Durchschnittsergebnis. Der Ausflug Hans Albers in die Bergwelt ist ihm nicht gut bekommen. Presse durchschnittlich.
17.11. (Man beachte die Anzahl der Premieren an einem Tage !)
Prisma-Filmverleih Singoalla im CINEMA PARIS. Wulstiger französisch-schwedischer Film, den man hier sogar in zwei verschiedenen Fassungen zeigte, in der englischen deutsch synchronisiert und in der französischen im Original mit deutschen Untertiteln. Merkwürdigerweise konnte dieser, mit hohem Kostenaufwand gedrehte Film sich nicht durchsetzen. Wahrscheinlich deshalb, weil die Theaterleitung an diesen Film selbst mit zu viel Pessimismus herangegangen ist. Presse umstritten.
17.11. MGM Abenteuer im Harem im KIKI. Amerikanische Groteske von einer Meisterschaft, wie sie nur aus Amerika importiert werden kann. Großartiger Erfolg, zumindest am Kurfürstendamm. Presse gut.
17.11. Fortuna-Filmverleih Todeskarawane Massenstart.
Der zigste Wildwestfilm mit dem populärsten Wildwestschauspieler William Boyd. Nichts Erwähnenswertes.
[hier fehlen die Einträge von 18.11. – 23.11. 1950]
24.11. MGM Liebe in Fesseln im STUDIO.
Sehr guter amerikanischer Film mit Spencer Tracy. Sehr gute Presse und auch ein sehr bemerkenswertes Geschäft.