Bericht der Allianz-Film für Jamuar 1951 vom 3. Februar

Der Monat Januar begann sehr erfolgversprechend. Einen absoluten Rekordumsatz für Berlin dürfte der Monat Februar bringen, da ohnehin für Januar praktisch nur 3 Wochen zur Abrechnung gelangen.

Premieren im Berichtsmonat:
Eigene Filme – keine
Filme der Konkurrenz
1.1. Paramount Der besiegte Geizhals in der KURBEL.
Ein sehr netter Bob Hope-Film, dem die Presse ein gutes Urteil gab. Geschäftlicher Ablauf in Ur- und Erstaufführung unbefriedigend.
5.1. National-Film Taxi-Kitty im KIKI.
Netter deutscher Unterhaltungsfilm, der sich 3 Wochen auf dem Spielplan des Kurfürstendamms behaupten konnte und den die Presse freundlich aufgenommen hatte. Nachbesetzung nicht mehr als Durchschnitt.
5.1. Schorcht-Film Vom Teufel gejagt im DELPHI-PALAST.
Der Film wurde in der Uraufführung bereits teilweise abgelehnt, erreichte aber über 10 Tage dank der Besetzung ein besseres Durchschnittsgeschäft. Nachbesetzung zufriedenstellend.
5.1.Paramount California im STUDIO und im Massenstart.
Filme dieser Art sind schon zu Dutzenden gesehen worden. Bewundernswert immer wieder die technische Raffinesse.
9.1. Urban-Film Kleiner Schwindel am Wolfgangsee in mehreren Theatern.
Der Film wurde von der Presse überhaupt nicht notiert. Geschäftlicher Erfolg nicht zu verzeichnen.
9.1. National-Film Das doppelte Lottchen im CAPITOL, Kfd.
Einer der besten Filme der deutschen Nachkriegsproduktion, unwahrscheinlich schlecht herausgebracht, aber von derart überzeugender Qualität, dass die Erstaufführungs-Theater zu einem großen Teil den Film zweimal einsetzen konnten. Mit den Filmen Manon und Das doppelte Lottchen kann die National-Film in Berlin ihre ersten Erfolge nach fast einjährigem Bestehen aufweisen.
10.1. National-Film Die tödlichen Träume in der KURBEL.
Sehr guter Film, aber viel zu gewagt, um in der heutigen schweren Zeit Aussicht auf Erfolg zu haben. Presse sehr gut, Geschäft ungenügend, Nachbesetzung keine.
12.1. Central- Film Eva im Frack im CAPITOL, Kfd.
Sauber gemachter Film, der wiederum völlig von der Presse verrissen wurde. Geschäft am Kurfürstendamm nicht einmal Durchschnitt, in der Erstaufführung bedeutend besser.
12.1. Fortuna – Film Es begann um Mitternacht in der FILM-BÜHNE WIEN
Da Hochzeitsnacht im Paradies nach der 2. Laufwoche zu stark nachließ, wurde von der Film-Bühne Wien für 8 Tage diese neue Berliner Produktion aufgenommen. Der Film wurde, wie konnte es anders sein, von der Presse abgelehnt. Geschäft nicht genügend. 12.1. Lloyd-Film Grossstadtnacht Massenstart.
Der Film wurde überhaupt nicht notiert. Terminierungen nicht zu erblicken.
15.2. Lloyd-Film Das Geheimnis des Hohen Falken im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Verunglückter deutscher Film, der in Berlin absolut keine Chance hat.
16.1. Herzog-Film Wiener Mädeln im ASTOR.
Nur teilweise gute Presse, Geschäft merkwürdigerweise nicht mehr gut. Der Film musste nach 10 Tagen Laufzeit aus dem Theater herausgenommen werden. Die lange Wartezeit, ca.1 Jahr nach dem westdeutschen Start und der starke Einsatz des Films in Ost-Berlin werden einen großen Geschäftserfolg ausschließen.
18.1. Prisma-Verleih Das unheimliche Haus in der BONBONNIERE.
Hervorragender französischer Film, dessen Durchführung, wie oft bei französischen Filmen, zu deprimierend ist. Presse hervorragend, Geschäft in der Bonbonniere auch gut, Nachbesetzung nur ungenügend.
18.1. Schorcht-Film Bitterer Reis im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Sensationeller Start dieses mit viel Spannung erwarteten Films. Zum größten Teil sehr gute Presse, aber auch andere Auffassungen. Geschäft anhaltend gut, große Nachfrage von Seiten der Theaterbesitzer.
19.1. RKO Die Seeteufel von Cartagena in der KURBEL und im Massenstart.
In bester technischer Qualität, trotzdem aber, da zu oft dagewesen, kein besonderer Erfolg
19.1. Centfox Nachtclub-Lilly im STUDIO und im Massenstart.
Durch die deutsche Synchronisation völlig verunglückter Film, der am Premierenabend ausgepfiffen wurde.
19.2. Lloyd-Film Träumende Augen im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Ein alter Bergner Film, der vor 16 Jahren ein bedeutender englischer Filmerfolg war, heute aber technisch überholt ist und nur durch die Persönlichkeit der Hauptdarstellerin Interesse erregt. Kein großer Erfolg zu erwarten.
19.1. Paramount Diamanten-Sperrgebiet im CAPITOL, Kfd.
Einer der Filme, die man, wenn man sie gesehen hat, am anderen Tag vergessen hat, bei denen aber immer wieder die perfekte Herstellungsform fasziniert. Presse gut, Geschäft ebenfalls.
19.1. Deutsche London-Film Eine Stadt halt den Atem an in der FILM-BÜHNE WIEN
Der Film, mit großen Vorschusslorbeeren bedacht, hat geschäftlich nicht das gehalten, was er versprach. Trotzdem bleibt meisterhafte Durchführung des Films und Synchronisation festzustellen. Gutes Geschäft in der Film-Bühne Wien, aber lange nicht das erwartete Dritte-Mann-Resultat.
19.1. Centfox Jesse James – Mann ohne Gesetz im KRONEN und in Massenstart.
Filme dieser Art sind von der deutschen Produktion noch nicht zu erreichen, sie haben immer nur Durchhaltekraft für die ersten 30 Theater. Die Presse nimmt diese Art Filme in Berlin nur noch ironisch auf.
22.1. Eagle-Lion-Film Der goldene Salamander im MARMORHAUS.
Gepflegter Kriminalfilm mit interessanter Besetzung und mit wahrscheinlich gutem Erfolg, wenn der Film in der Originalfassung gezeigt worden wäre. So aber Durchschnittsgeschäft mit insgesamt 10 Tagen Laufzeit. Presse sehr gut.
23.1. Adler-Film Küssen ist keine Sünd’ im ROXY-PALAST, Friedenau, einem neuen l000-Platz-Theater.
Ein Film aus der gepflegten Wiener Kiste, etwas sauberer als die Geza von Cziffra-Filme, aber nicht so großzügig in der Ausgestaltung. Durchschnittspresse, Durchschnitts-Geschäft.
(Das ROXY, Friedenau, an sich ein interessantes Theater, begeht allerdings mit dem Einsatz des 2. Films einen großen faux pas. Infolge der finanziellen Bindung zu Frau Althoff wurde am 1. 2. Reserve hat Ruh gestartet, der bereits 19 Jahre alt ist und keinerlei Berechtigung hat, nochmals aufgeführt zu werden. Es kann sein, dass die Presse mit der Kritik zu diesem Film das Theater sehr schädigen wird.)
26.1. National Film Der Weg zum Ruhm im KIKI.
Nur für Musikfreunde interessanter Film, der außerdem nur in den letzten 10 Min. sehenswert erscheint, als der berühmte 11 jährige Dirigent Roberto Benzi dirigiert. Kein Geschäftserfolg zu erwarten, Presse sehr gut.
26.1. Centfox Amber – die grosse Kurtisane im CAPITOL, Kfd.
Kolossaler Ausstattungsfilm aus der Traumfabrik. Wunderbare Farben von unübertrefflicher Schönheit. Der Film erscheint im Gegensatz zu dem berühmten Roman stark gekürzt und konnte durch den reißerischen Mitel geschäftlich überraschen. Presse nur mäßig.
26.1. Aka-Film Letzte Liebe in der KURBEL
Mäßiger französischer Film mit Annabella, der 1 Woche im Einsatz war und von dem heute und morgen niemand mehr sprechen wird.
26.1. Universal-Film Rächer der Unterwelt in der NEUEN SCALA und Massenstart.
Der Titel sagt alles, aber wie üblich, toll gemacht.
26.1. Omnium-Film Weisse Banditen im WINTERGARTEN.
Auch dieser Film in seiner Gattung von bester Handwerkskunst, aber heute gesehen und morgen vergessen.
26.1. Transcontinent-Film Ja, in Mexiko in der BONBONNIERE.
Unter diesem Titel verbirgt sich einer der größten Geschäftserfolge der französischen Produktion in Frankreich von 1950-51 Nous irons à Paris. Der Film wurde in Berlin synchronisiert gezeigt, und, was ganz entsetzlich ist, Chansons und Gesänge wurden ebenfalls deutsch synchronisiert. Die gute Presse des Films aber ist bemerkenswert, und zwar aus dem Grunde, weil das Thema wirklich originell ist. Es kann sein, dass der Film geschäftlich überraschen kann. Darüber wird später zu berichten sein.
30.1. Warner Bros. Die Liebesabenteuer des Don Juan im ASTOR.
Dieser Film ist von so perfekter Klasse, dass es einen Vergleich mit einem deutschen Film überhaupt nicht zulässt. In diesem Film, den ein neuer Regisseur Vincent Sherman inszeniert hat, ist alles so großartig, dass, wenn jemand ehrliche Kritik übt, er sagen muss: Das ist nicht zu übertreffen! Geschäftlich von unwahrscheinlichen Möglichkeiten, Start im Astor entsprechend, Presse großartig, Farben und technische Details von so ausgezeichneter Qualität, dass man die Forderung erheben muss: jeder am deutschen Film in irgendeiner Form Beteiligte muss sich diesen Film ansehen, dessen Klasse auf absehbare Zeit kein deutscher Film erreichen kann. Es ist anzuempfehlen, dass man jeder Berührung mit diesem Film in Konkurrenztheatern aus dem Wege geht, da unweigerlich jeder Film diesem Film gegenüber sterben muss. Der Film läuft im übrigen mit unwahrscheinlichem Andrang in der Originalfassung. (Es wird ausdrücklich auf den ausführlichen Brief an Herrn Zobel vom 26.1. verwiesen).