Monatsbericht Allianz-Film Januar 1950 vom 6. Februar 1950

Der Umsatz ist im Januar auf der gleichen Höhe wie im Dezember verblieben. Obwohl allgemein durch Witterungseinflüsse und durch die herannahende Faschingszeit Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind, hat sich das in unserem Fall nicht so stark ausgewirkt, trotzdem uns zugkräftige Filme zur Zeit völlig fehlen und wir tatsächlich unseren Umsatz nur durch das Hereinholen aller möglichen Lückentermine halten können. Mit der Vermietung unseres besten Films Die Kartause von Parma haben wir insofern Schwierigkeiten, als die Theaterbesitzer jetzt grundsätzlich gegen zweiteilige Filme sind und der naheliegende Vorschlag, beide Teile in einem Programm zu zeigen, wegen der außerordentlichen Länge abgelehnt wird. Trotzdem haben wir die Kartause von Parma immer im Einsatz. Von den französischen Filmen der Konkurrenz in Berlin lässt sich nur Gutes berichten von König der Nassauer, der 10 Tage in der KURBEL ein sehr gutes Geschäft gebracht hat. Die tolle Miss vom Fortuna-Verleih erzielte mit den 8 eingesetzten Kopien zunächst in den Erstaufführungs-Theatern einen Überraschungserfolg, Jetzt aber sind trotz der reichhaltigen Kopienzahl die Terminierungen rar geworden. Die französischen Filme der Transcontinent La femme du boulanger, La bête humaine, Entre onze heures et minuit sind auf den Spielplänen der Berliner Theater nicht zu finden. Die Transcontinent brachte als ersten amerikanischen Film 3 Mann aus Texas heraus, der zwar in dafür besonders geeigneten Gegenden ein Geschäft werden wird, den die Presse aber fast einstimmig abgelehnt hat.
Das Massensterben amerikanischer Filme in Berlin beweist deutlich, dass Durchschnittsware keinerlei Existenzberechtigung mehr hat. Filme wie Der große Walzer, Gullivers Reisen, Die Wildnis ruft, Erpressung, Belvedere räumt auf, Julia benimmt sich schlecht haben fast keine Nachbesetzung erhalten, obwohl einige dieser angeführten Filme großen Ruf haben. Den größten Erfolg stellt noch immer Der dritte Mann dar, der am Freitag, den 3.2., in die 5. Woche gegangen ist. Auch der diesen Film ablösende Eine Nacht im Separée, BEROLINA-FILM, verspricht ein Kassengeschäft großer Güte zu werden.

Premieren im Berichtsmonat:
Eigene Filme    —-
Filme der Konkurrenz
10.1. Fortuna-Verleih Ehekomödie in der BONBONNIERE.
Ein älterer MGM-Film, den eigenartigerweise Fortuna zur Auswertung besitzt, wurde ein guter Presse- und Publikumserfolg.
13.1. Prisma-Verleih Gesetz der Wildnis im PRIMUSPALAST.
Einer der Wildwest-Filme der billigsten Sorte, die aber im Augenblick noch immer Geschäfte machen. Die Presse hat den Film abgelehnt.
13.1. Dietz-Verleih Geliebter Lügner in der NEUEN SCALA.
Ein sehr netter deutscher Lustspielfilm, der leider durch die Verstopfung der Kurfürstendamm-Theater in einem völlig falschen Theater platziert worden ist. Hier musste er nach 8 Tagen herausgenommen werden. Am Kurfürstendamm hätte er sich bestimmt zu einem größeren Erfolg ausgewirkt. Presse sehr freundlich.
16.1. Lloyd-Film Rom in Flammen im WINTERGARTEN.
Für diese historischen Kitschfilme scheint die Erfolgsepoche zu Ende zu sein. Der Film wurde von der Presse abgelehnt, auch das Publikum nahm ihn nur einige Tage gelassen hin. Eine Nachbesetzung für diesen Film dürfte Lloyd-Film nur möglich sein dank der Kopplung mit dem Film Die Fledermaus.
17.1. Eagle-Lion-Film Adam und Evelyn in der KURBEL.
Ein sehr netter, in Locarno ausgezeichneter Film mit dem populärsten ausländischen Schauspieler in Deutschland, Stewart Granger, in der Hauptrolle. Der Film war in den zehn Tagen Laufzeit ein gutes Geschäft. Die Presse nahm ihn freundlich auf.
19.1. Schorcht-Verleih Nachtwache im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Großer Publikums- und Presseerfolg. Nach Auffassung der Berliner Presse der beste deutsche Nachkriegsfilm. Der Film erwies sich auch für 3 Wochen als sehr gutes Geschäft. Bisheriger Hausrekord für das erst kürzlich eröffnete Theater.。
20.1. Schorcht Verleih Ich mach‘ Dich glücklich im ASTOR.
Absoluter Kassenschlager dank Heinz RÜHMANN. Durch die Überfüllung der Uraufführungs-Theater wurde er jedoch trotzdem nach 14 Tagen bereits herausgenommen. 20.1. Herzog-Verleih Eroica im MARMORHAUS.
Trotz festlicher Premiere und sehr viel offiziellem Drum und Dran konnte sich der Film nur 8 Tage auf dem Spielplan halten. Die Kassen im Marmorhaus waren weit unter dem Durchschnitt.
Auch diesen Film zu vermieten kann nur dank Kopplung mit dem Film Wiener Mädeln möglich sein.
23.1. RKO Tarzan und die Amazonen im STUDIO. Erfahrungsgemäß werden uns jetzt die beiden Tarzan-Firmen MGM und RKO ihre Tarzan-Serie herüberbringen. Dieser jedenfalls erwies sich als schlechter als der erstere Tarzans Abenteuer in New York. Die Presse fasste den Film nur als Spielerei auf und beurteilte ihn dementsprechend. Das Geschäft war nicht überragend.
24.1. Herzog-Verleih Hafenmelodie in der NEUEN SCALA.
Völlig abgelehnter Film. Nach 4 Tagen Laufzeit wurde er aus dem Programm der NEUEN SCALA genommen. Auch dieser Film kann nur vom Verleih mit starken Filmen zusammengekoppelt vermietet werden.
26.1. Prisma-Verleih König der Nassauer in der KURBEL.
Der Film wurde von der Presse geteilt aufgenommen, er erwies sich jedoch als Publikumserfolg.
26.1. Schorcht-Verleih Das Fräulein und der Vagabund im KIKI.
Die Presse lehnte den Film ab. Trotz gewisser Begleiterscheinungen fand er auch keinen Zuspruch beim Publikum.
27.1. MGM Wirbel um Judy in der BONBONNIERE.
Kleiner, aber ganz auf Publikumswirkung gestellter Film, den die Presse sehr gut beurteilte und das Publikum sehr gut aufnahm. Ausgesprochene Sommerware.
27.1. Panorama Gesucht wird Majora im PANET.
Abgelehnter Film. Unter Durchschnitt im Geschäft, keine starke Resonanz.
27.1. DEFA Der Auftrag Högler im BABYLON.
Völlig naiv gemachter Tendenzfilm, den sich in West-Berlin kein Mensch ansehen würde. Presse vernichtend – außer der Ost-Presse selbstverständlich.
31.1. Transcontinent 3 Männer aus Texas im STUDIO.
Harmloser amerikanischer Unterhaltungsfilm für die Jugend. Einer von der Sorte, die im Augenblick jedoch noch erfolgreich sind.
31.1. London-Film Kleines Herz in Not im MARMORRAUS.
Den großen Ruf, dem dieser Film voraufging, kann er nicht rechtfertigen, obwohl ihn die Presse noch in Anerkennung für den Film Der dritte Mann sehr gut aufgenommen hat. Geschäftlich unter Durchschnitt im MARMORHAUS.
31.1. RKO Der Untergang von Pompeji in der NEUEN SCALA.
Historischer Schinken, nicht besser und schlechter als viele andere seiner Art, mit den etwas reicheren Mitteln der amerikanischen Film-Industrie ausgestattet. Wahrscheinlich trotz allem noch ein Geschäftsfilm. Die Presse nahm ihn durchschnittlich auf.