Monatsbericht der Allianz-Film Februar 1950 vom 4. März 1950

Der Umsatz im Februar musste zwangsläufig niedriger als der vom Januar sein, er umfasste 4 Spielwochen. Während dieser Zeit jagte in Berlin, wie auch in Westdeutschland, eine Tanzveranstaltung die andere. Große Besuchermengen lockte auch ein erstmalig in Berlin stattfindendes Freistil-Turnier an. Die Besucherzahl lag täglich zwischen 5.000 und 7.000. Die Verlängerung der Polizeistunde und der erhöhte Verkehr in den Nachtstunden hat in Berlin zum ersten Mal bewirkt, dass die sogenannten Fastnachtsbälle populär wurden. In früheren Zeiten war das nämlich in Berlin durchaus nicht der Fall.
Neue Filme kamen von der IFA nicht zum Einsatz, da sämtliche Filme des Programms angelaufen sind. Von der ALLIANZ FILM GMBH kam als erster Film Gefährliche Gäste in der KURBEL zur Uraufführung, der über den Durchschnitt nicht herausgekommen ist. Ein Film, dem man bereits äußerlich die Sparsamkeit in der Produktion ansieht und für den auch nur eine sparsame Propaganda angebracht erscheint. Trotzdem ist es möglich, dass dieser Film in ca. 60 Berliner Filmtheatern zum Einsatz gelangt. Weitere Abschlüsse können sicher getätigt werden, wenn der Zarah Leander-Film vorführbereit ist.
Bei der Konkurrenz ist der bemerkenswerteste Filmerfolg noch immer Der dritte Mann, der übrigens am 24.2. in die verlängerte Uraufführung ging und ab 3.3. mit 14 Kopien im Einsatz ist. Auch Nachtwache hat erfreulicherweise eine große Resonanz ausgelöst, nicht nur im DELPHI-PALAST, in dem dieser Film zum Hausrekord wurde, sondern auch in den Erstaufführungs-Theatern. Die großen Propagandamittel, die diesem Film zur Verfügung gestellt wurden und die starke Unterstützung beider Kirchen hat sich hier bewährt. Einen Großerfolg erzielte auch unbegreiflicherweise der Wild-West-Film Abenteuer im Wilden Westen, der am Freitag, den 10.2., in 25 Theater gleichzeitig anlief.
Absender unbekannt hat in einer Interessentenvorstellung den Erstaufführungs-Theaterbesitzern gut gefallen, und es ist ein weit besseres Resultat wie mit Gefährliche Gäste zu erwarten.
Der Berliner Uraufführung wohnen die Hauptdarsteller Cornell Borchers. Rudolf Platte, Hubert v. Meyerinck, Marina Ried und der Regisseur Akos von Rathony bei (in mehreren Briefen an Herrn Zobel wurde diese Tatsache bereits mitgeteilt).

Premieren im Berichtsmonat:
Eigene Filme
17.2. Gefährliche Gäste in der KURBEL. Die Presse war unter Durchschnitt, Publikumsresonanz in den ersten Tagen erfreulich, ließ dann aber stark nach. Vielleicht lag es tatsächlich nur an der plötzlich eintretenden Kältewelle. Hans Schwarz, der in Berlin das Freistil-Turnier gewann, hatte die Absicht, der Premiere beizuwohnen. Er hatte an diesem Premierenabend seinen schwersten Kampf gegen den Amerikaner Virag. Bei diesem Kampf wurde Hans Schwarz unglücklicherweise aus dem Ring geworfen und zog sich Verletzungen zu. Nur der Schlussgong rettete ihn vor der entscheidenden Niederlage. Aus den angeführten Gründen war ein Erscheinen bei der Premiere somit unmöglich.

Filme der Konkurrenz
3.2. Sovexportfilm Der Ruf an das Gewissen im BABYLON.
Dieser Überläufer der TOBIS, der vor 1945 nicht mehr zur Uraufführung kam, lief hier sang- und klanglos an. Er ist stofflich einer der besten Filme, die in den letzten Jahren zu sehen, waren.
3.2. Paramount Mit Pinsel und Degen im ASTOR.
Einer der besten Lacherfolge, den ein amerikanischer Film seit längerer Zeit erzielt hat (Weg nach Rio, Weg nach Marokko). Merkwürdigerweise konnte der Film sich nicht durchsetzen. Nach den abgeschlossenen 14 Tagen und weit unter Durchschnitt liegend, wurde er herausgenommen. Die Gefahr, die durch die Bing Crosby/Bob Hope Filme droht, scheint dadurch etwas herabgemindert zu sein. Es mag sein, dass der Titel und die alleinige Komik von Bob Hope nicht ausreichen, um als Kassenreißer zu dienen.
3.2. Schorcht- Film Der Bagnosträfling im KIKI.
Dieser Film wurde bereits seit September angekündigt und fand trotz seiner sehr guten Qualität keinen Platz in den drei großen Häusern, so dass er in dem viel kleineren KIKI, in dem allgemein nur Kammerspiele und kammerspielartige ausländische Filme uraufgeführt werden, anlaufen musste. Er war 4 1/2 Wochen ein sehr gutes Geschäft und findet auch starke Beachtung in der
Erstaufführung.
7.2. MGM Die gute Erde in der KURBEL.
Dieser weitberühmte Film konnte sich trotz seines Rufes nur sehr schwach behaupten, weil derartige schwere und deprimierende Filme zur Zeit absolut abgelehnt werden.
Der Film wurde nach 7 Tagen mit einem sehr schwachen Resultat herausgenommen.
8.2. MGM Die Nacht vor der Hochzeit im STUDIO.
Einer der üblichen amerikanischen Konfektionsfilme, über den nichts weiter zu sagen ist.
9.2. MGM Ein toller Bursche im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Dieser dritte MGM Film innerhalb einer Woche erwies sich als der stärkste dank der beiden Namen Clark Gable und Lana Turner. Wenn er auch im DELPHI-PALAST nur durchschnittlichen Erfolg hatte, so ist der Drang zu diesem Film in bestimmten Wohngegenden, Neukölln und Wedding, bestimmt sehr gut.
10.2. Central Filmverleih Abenteuer im wilden Westen in 25 Theatern gleichzeitig.
Der Film ist innerhalb 4 Wochen vom Spielplan in Berlin verschwunden, und ihn gesehen zu haben, bedeutet keine Bereicherung
10.2. Viktoria-Verleih Der Posaunist in 6 Theatern gleichzeitig
Ein Überläufer, harmlos, wie viele hundert andere vor ihm.
10.2. Herzog-Verleih Kätchen für Alles in der BONBONNIERE.
14 Tage ein sehr gutes Geschäft in diesem Theater. Die Kritiken etwas über den Durchschnitt.
13.2. Herzog-Verleih Frauenarzt Dr. Prätorius im MARMORHAUS.
Hervorragender Kammerspielfilm mit sehr guten Kassenerfolgen in den ersten 3 Wochen. Der Film steht immer noch auf dem Spielplan. Ob er in der Nachaufführung den gleichen Erfolg erzielt, möchte ich bezweifeln.
15.2. Astoria-Verleih Gilda im ASTOR.
Absolut auf Publikumsstimmung vollzogene Werbung garantierte diesem Film in 14 Tagen ein überdurchschnittliches Geschäft. Trotzdem blieb ihm der Erfolg, wie in anderen Städten Deutschlands und im Ausland, versagt. Der Film lief in Berlin schwarz-weiß an. Bekanntlich ist er nach dem Technicolor-Verfahren hergestellt. [Dies entspricht nicht den Tatsachen.]
17.2. Union Verleih Alles aus Liebe im RHEINGAU.
Durchschnittsfilm aus dem Jahre 1945. Österreichische Produktion mit schwacher Resonanz. Nicht nennenswert.
17.2. Eagle-Lion-Filmverleih Unruhiges Blut im STUDIO.
Dieser Verleih startet in Berlin fast nur Farbfilme. Es scheinen die einzigen zu sein, die für dieses Unternehmen noch Durchschnittserfolge erzielen. Trotzdem ist eigenartigerweise die Bedeutung des englischen Schauspielers Steward Granger groß genug, um in gewissen Gegenden Erfolge über dem Durchschnitt zu erreichen.
17.2. DEFA-Verleih Der Kahn der fröhlichen Leute im BABYLON.
Dieser neueste Defa-Film bringt die übliche Tendenz nur tropfenweise. Er ist durchaus ansehenswert, und eine Anzahl bekannter Schauspieler bedingen einen Publikumserfolg im Osten.
21.2. Lloyd-Verleih Die FIedermaus im DELPHI PALAST AM ZOO.
Dieser ebenfalls aus dem Jahre 1945 stammende Überläufer, der im Osten und französischen Sektor von Berlin bereite gezeigte Farbfilm, erzielte für den Lloyd-Verleih einen bemerkenswerten Erfolg. Der Film wird natürlich in Anbetracht der Popularität der Darsteller ein gutes Geschäft machen.
21.2. Viktoria-Verleih Freitag der 13. in mehreren Theatern gleichzeitig.
Ebenfalls ein alter Überläufer, nur mindere Qualität.
24.2. Deutsche London-Film Ein Frauenherz vergisst nie in der KURBEL
Dieser von Duvivier inszenierte englische Film wurde hier von der Presse und auch vom Publikum abgelehnt. In allen Zeitungen tauchte der Vergleich mit seinem 15 Jahre alten Film Un carnet de bal auf.
24.2. Gloria-Verleih Eine Nacht im Séparée in der FILM-BÜHNE-WIEN.
Groß aufgezogene Premiere, wie in der FILM-BÜHNE-WIEN üblich, mit starkem Darstelleraufgebot auf der Bühne und mit dem Komponisten Nelson im Vorprogramm. Riesenpremierenerfolg und, wie bereits mehrfach erwähnt, absoluter Sitzer in allen Gegenden.
24.2. Central-Verleih Die Schatztruhe in mehreren Theatern gleichzeitig.
Ein Lustspiel aus der neueren österreichischen Produktion. Absoluter Durchschnittsfilm.
24.2. Allgemeiner Filmverleih Louisiana-Story im STUDIO.
Dieser mehr als Kulturfilm zu bezeichnende Film hat zwar hervorragende Kritiken erhalten – die mir teilweise nicht verständlich sind – sein geschäftlicher Erfolg war bedeutungslos.
27.2. National Filmverleih 13 unter einem Hut im KIKI.
Ich habe den Film noch nicht gesehen, die Pressemeldungen sprechen von einem Lustspiel. Augenzeugen glauben an einen Geschäftserfolg.
27.2. MGM Der unbekannte Geliebte in der BONBONNIERE.
Ein sehr interessanter amerikanischer Film, bei dem das Publikum leider nicht auf die schauspielerischen Leistungen der beiden Darsteller achtet, weil möglicherweise auch der Kitsch zu sehr überwuchert. Nur Durchschnittspresse, obwohl es Robert Taylors bester Film ist, den er jemals gedreht hatte.
28.2. London-Filmverleih Tödliches Geheimnis in der NEUEN SCALA
Ein psychoanalytischer englischer Film, deren Sorte sich das Publikum bereits übergesehen hatte.
2.3. RKO Schneewittchen im ASTOR.
Mit unwahrscheinlichem Erfolg angelaufener Film und mit von amerikanischer Seite noch nie gewohntem Propaganda-Aufwand
2.3. Panorama Madonna in Ketten im Filmtheater am STEINPLATZ, ein neu eröffnetes Theater.
Kritiken sind unter Durchschnitt, obwohl der Film in West-Deutschland des Prädikat „künstlerisch wertvoll“ erhalten hat.
3.3. MGM Gefährliche Liebe im STUDIO.
Absoluter Starfilm. Ob er beim Publikum ankommt, muss abgewartet werden.
3.3. Universal-Filmverleih Frühjahrsparade in mehreren Theatern gleichzeitig. Ein alter deutscher Film, der 1935 verboten wurde.