Betrifft: Hammer-Tonfilm-Verleih

Fritz Kaelber, Vorsitzender der Abteilung inländischer Filmvertrieb im Gesamtverband der Filmherstellung und Filmverwertung, Vorstandsmitglied der Terra, Mitglied der NSDAP seit 1933. Ab Oktober 1942 war Kaelber Generaldirektor und Vorsitzender des Vorstands der Ufa.
Hans Hammer, Direktor des Verleihs Hammer-Tonfilm. Hans Hammer war beigeordneter Vorstand der Abteilung „Inländischer Filmvertrieb“. Seine Firma Hammer-Tonfilm wurde erst 1935 gegründet und bereits im Oktober 1936 liquidiert.
Der Brief stammt aus der Sammlung Theo Osterwind in der Deutschen Kinemathek, Personenarchiv, Rep.Nr. 200227. Für das Bild von Fritz Kaelber und das Logo des Hammer-Tonfilm-Verleihs danke ich Bill Gillespie.

An den
Gesamtverband der Filmherstellung und Filmverwertung e.V.
Abt. Inländischer Filmvertrieb
Friedrichstrasse 235
Berlin SW. 68.

5. Sept. 1935.

Fritz Kaelber

Von den Leitern meiner Leipziger Filiale, den Herren Hänsel und Lehmann, wurde mir vor einigen Tagen berichtet, dass im mitteldeutschen Bezirk die Vertreter der Firma Hammer den Theaterbesitzern folgendes erzählen:

a) Die Firma Hammer hätte mit der Universal-New York einen Vertrag dahin abgeschlossen, dass zwei in Hollywood herzustellende Marta Eggerth-Filme und ein Willi Forst-Film durch sie in Deutschland eingeführt und hier vertrieben würden. Des weiteren hatte die Firma Hammer von der Paramount den in Amerika herzustellenden Jan Kiepura-Film für Deutschland erworben.

b) Der wiederholt von der deutschen Zensurbehörde verbotene Fritz Lang-Film Das Testament des Dr. Mabuse, der von der Deutschen Universal vor drei Jahren in Deutschland hergestellt wurde, käme jetzt im Zuge des Universal-Hammer-Vertrages doch noch auf den deutschen Markt. Es würde dazu extra ein Vorspann hergestellt, in dem ungefähr gesagt würde: „So wie dieser Film es zeigt, würde es in Deutschland ausgesehen haben, wenn unser Führer Adolf Hitler nicht an die Macht gekommen wäre.“

Das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP

Auf von Theaterbesitzern gehegte Zweifel in die Richtigkeit dieser Mitteilungen haben die Vertreter der Firma Hammer geantwortet, dass ihr Chef, Herr Hans Hammer, ja ein persönlicher Freund des Führers sei und dass die Tatsache, dass er ganz alter Parteigenosse mit dem goldenen Ehrenzeichen sei, ihm doch vieles ermögliche, was anderen Verleihern unmöglich wäre.
Ich melde diese mir gewordenen Mitteilungen und gestatte mir, meine eigene Stellungnahme hierzu niederzulegen.
Zu a) muss ich zunächst es Herrn Hammer selbst überlassen zu wissen, ob er als Mitglied unserer Bewegung und Träger des goldenen Ehrenabzeichens einen Liefervertrag mit dem übel berüchtigten Filmjuden Carl Laemmle für eine Kombination hält, die er mit seinem nationalsozialistischen Gewissen verantworten kann.
Ich weiß nur soviel, dass ich in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Rota alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um einen Vertrag, den mein Vorgänger mit der Universal abgeschlossen hatte und der die Rota auf eine Reihe von Jahren zur Abnahme von Filmen der Universal für Deutschland verpflichtete, so schnell wie möglich zur Aufhebung kommen zu lassen. Das ist dem Rota-Vorstand auch gelungen, denn wir hatten nicht die Absicht, Ware des Herrn Laemmle nach Deutschland einzuführen, selbst dann nicht, wenn ihm der Erlös nur auf Sperrkonto gutgeschrieben werden könnte.
Es gibt in der deutschen Filmwelt niemanden, der nicht über die Machenschaften des Herrn Laemmle Bescheid weiß. Noch in bester Erinnerung sind seine Manipulationen, die er mit dem Film Im Westen nichts Neues [All Quiet on the Western Front. USA 1930. R: Lewis Milestone] in Deutschland vornehmen ließ, ein Film, der damals monatelang die Berliner Bewegung beschäftigte und der leider dann unter einer liberalistischen Regierung zur Vorführung vor den Gewerkschaften und sonstigen geschlossenen Kreisen zugelassen wurde. Der Umsatz hieraus, ca. 1 1/2 Millionen, war erheblich. Einzig und allein kämpfte damals die N.S.D.A.P., wenn auch vergeblich, gegen die Zulassung dieses Schandfilms.Aber darüber hinaus weiß jeder mit dem internationalen Filmwesen Vertraute, dass während des Krieges die übelsten Hetzfilme amerikanischer Herkunft von dem Herrn Präsidenten Carl Laemmle hergestellt wurden (so z.B. The Kaiser, the Biest [!] of Berlin). Er hat Millionen Dollar daran verdient. Den Gewinn aus Im Westen nichts Neues bezifferten seine Agenten allein mit 6 – 8 Millionen Dollar.
Unmittelbar nach der Machtergreifung verschwanden über Nacht die Berliner Repräsentanten der Universal, ohne sich bis heute noch einmal in Deutschland gezeigt zu haben. Warum? wird das böse Gewissen dieser Herren ihnen selbst sagen. Tatsache ist es jedenfalls, dass die drei jüdischen Repräsentanten der Firma Laemmle, Friedland, Keller und Wallach, in London sitzen und sich nicht wieder über die deutsche Grenze getraut haben. Es muss also wohl Gründe geben, die diese Herren im Ausland festhalten, denn andere nichtarische amerikanische Angehörige der Filmindustrie sind in Deutschland verblieben. (Metro, Paramount, Fox).
Dass es in den europäischen Filialen der Universal von aus Deutschland emigrierten Juden wimmelt, kann jeder Kundige des Auslandsgeschäftes bestätigen.
Dass die deutsche Öffentlichkeit über den Juden Laemmle viel besser Bescheid weiß als anscheinend der harmlose Herr Hammer, wird durch zahllose Zeitungsnotizen der rückliegenden Jahre unter Beweis zu stellen sein.
Dass Herr Laemmle wegen seiner Hetzfilme nach der Umwälzung sein Ehrenbürger-Recht in seiner Heimatstadt Laupheim verloren hat, steht fest.
Welcher Jubel mag also jetzt in der Wardour Street in London und in den Büros in Universalcity herrschen, wenn Herr Laemmle seinen Vertrauten (er ist nachweislich nur von Juden umgeben) den mit der Firma Hammer-Tonfilm-Verleih angeblich abgeschlossenen Vertrag zeigt!
Ich selbst kenne aus jahrelanger Erfahrung die Mentalität dieses Filmjuden sehr genau und weiß, welche Rückschlüsse er aus der Tatsache zieht, dass nunmehr seine Filme, die ich konsequent für die Rota abgelehnt habe, in dem Verleih eines Parteigenossen erscheinen, den das goldene Ehrenabzeichen schmückt.

Soweit meine persönliche Auffassung zu der politischen und moralischen Seite dieser Angelegenheit. Aber auch wirtschaftlich habe ich erhebliche Bedenken, ob es richtig ist, Filme dieser amerikanischen Hetzfirma nach Deutschland einzuführen, denn es ist uns oft genug in vertraulichen Besprechungen der Reichsfilmkammer mitgeteilt worden, dass nicht das geringste Interesse auf deutscher Seite vorhanden ist, die Einfuhr amerikanischer Filme zu fördern, da umgekehrt die Unmöglichkeit des Exportes deutscher Filme nach Amerika unter Beweis steht.
Es würde mich interessieren, welche Zusicherung die Universal über die Verwendung der hier zu erlösenden Lizenzen machen wird, denn es ist doch immerhin auffällig, dass sie seit einem halben Jahr ihren eigenen hier noch existierenden Apparat, die Deutsche Universal-Film A.G. liquidiert. Warum? – Weil die Herren in London und New York eingesehen haben, dass mit dem Namen Laemmle verknüpfte Filme vom deutschen Theaterbesitzer und Publikum abgelehnt werden.
Zu b). Bezüglich des Films Das Testament des Mabuse kann ich einfach nicht glauben, dass dieser kommunistische Hetzfilm, der selbst zur öffentlichen Vorführung in den Vereinigten Staaten verboten wurde, selbst mit dem von den Hammer-Vertretern angedeuteten Vorwort, das Licht der Öffentlichkeit in unserem Vaterlande erblicken soll.

Ich hörte in der Zwischenzeit, dass man plötzlich eine Begründung wieder ausgegraben habe, man solle doch zahlreichen kleinen Gläubigern der Hersteller-Firma auf die Weise zu ihrem Gelde verhelfen. In meiner Heimat nennt man eine solche Begründung „mit der Wurst nach der Speckseite werfen.“
Ich vertrete die Auffassung, dass es unerträglich ist, die Vertreter der Firma Hammer dauernd bei ihren Geschäften mit der Parole krebsen zu lassen, dass ja ihr Chef als alter Parteigenosse noch viel mehr leisten könne als wir normale Parteigenossen oder Volksgenossen. Die A.I.F. [Abteilung Inländischer Filmvertrieb] hat wiederholt schon Gelegenheit gehabt, das Verhalten der Firma Hammer in dieser Hinsicht tadeln zu müssen, denn selbst in Briefen an Theaterbesitzer haben die Hammer-Filialen Belehrungen darüber gegeben, welch ausgezeichneter Parteigenosse ihr Chef sei und dass in der Firma Hammer nur nach nationalsozialistischen Grundsätzen gearbeitet würde.
Ich bitte daher zu prüfen, ob es wirtschaftlich und politisch tragbar ist, wenn eine deutsche Firma die Absicht der Einfuhr von amerikanischen Filmen, die aus der Firma des Herrn Carl Laemmle kommen, verwirklicht.

Darüber hinaus vertrete ich die Ansicht, dass den Angestellten der Firma Hammer-Tonfilm-Verleih energisch untersagt werden muss, in der Ausübung ihrer Geschäfte damit zu spekulieren, dass Herr Hammer die weitgehendste Unterstützung des Führers in seinen Geschäften hat und Sonderbegünstigungen als alter Patteigenosse genießt.

Heil Hitler!
Fritz Kaelber