Die Vorteile des Plastorama Garutso – Mehrsicht – Verfahrens

Hildegard Knef und O.W. Fischer vor der Kamera mit Garutso-Objektiven

für die Produktion, den Verleih, den Theaterbesitzer, das Publikum.

A) VORTEILE IM AUFNAHME-VERFAHREN (PRODUKTION).
I. KAMERAMANN
1.) Ein Satz GARUTSO-MEHRSICHT-OBJEKTIVE besteht aus den altgewohnten, üblichen Brennweiten wie: 24mm, 30mm, 35mm, 50mm, 75mm
und einem neuen 19mm Objektiv speziell für Großbildwand-Aufnahmen.
Die kurzen Brennweiten der GARUTSO-MEHRSICHTOBJEKTIVE ergeben keinerlei Verzeichnungen, nicht einmal bei kürzestem Abstand des Objektes von der Kamera, auch nicht bei größter Öffnung des Objektivs.

2.) Die Tiefenschärfe und Tiefenwirkung der GARUTSO-MEHRSICHT-OBJEKTIVE ist außerordentlich. Im Gegensatz zu normalen Objektiven wird diese Tiefe bei größter Öffnung erreicht.

3.) Da diese Tiefe bei VOLLER ÖFFNUNG der lichtstarken Objektive erreicht wird, ist zur Beleuchtung der Szenen sehr wenig Licht erforderlich. Hierdurch wird erreicht:
a) ein gleichmäßiger Charakter des Negativs
b) eine große Lampen- und Stromersparnis
c) der Kameramann verliert nicht die Kontrolle über die Lichtmenge, wie dies geschehen könnte, wenn er abblenden müßte, um dieselbe Tiefe zu erhalten.

4.) Eines der wichtigsten Merkmale der GARUTSO-MEHRSICHT-OBJEKTIVE ist, dass in der Wiedergabe der Rand des Negativs genau so scharf ist wie die Mitte des Bildes.

5.) Eine Neuerung in dem Aufnahmeverfahren mit den GARUTSO-MEHRSICHT-OBJEKTIVEN besteht darin, dass das Licht auf ein einziges Negativ, gleichzeitig durch 4 Objektive zusammengefasst in einer optischen Achse, einfällt. Durch diese Methode entsteht schon bei Vorführung auf normaler Bildwandgröße ein nahezu plastischer Eindruck, wodurch eine Trennung der photographierten Gegenstände (also eine MEHRSICHT) erzielt wird.

6.) Ein Film, der nach dem GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN aufgenommen ist, wird ohne Brillen betrachtet. Durch die außerordentliche Tiefenschärfe, die Trennung der photographierten Objekte (Vordergrund, Mitte, Hintergrund) und durch die photographische Qualität des Filmes erhält man den Eindruck der Wirklichkeit, wie sie das Auge sieht. Daher nennt der Erfinder in USA sein Verfahren „Real life“ (wirkliches Leben).

7.) Das Verfahren kann bei gleichbleibender Qualität und Schärfe für Schwarz-Weiß oder Farbe angewandt werden. Es kann auf gewöhnlicher Bildwand, ebenso auf jeder beliebigen Großbildwand (Wide Screen oder Panoramic Screen) vorgeführt werden. Für die normale Bildwand wird ein normales Projektionsobjektiv verwendet. Für die Großbildwand jeglicher Art und Größe wird ein normales WEITWINKEL-PROJEKTIONS-OBJEKTIV verwendet.

II. REGISSEUR
Durch die außerordentliche Tiefe und die Trennung der Objektive ergeben sich völlig neue künstlerische Möglichkeiten für die Inszenierung eines Filmes:
a) Keine Einschränkung von dramatischen Effekten zwischen den Charakteren.
b) Weniger Rückprojektion, aber wenn angewendet, bessere Qualität.
c) Da man die Möglichkeit der Benutzung von Objektiven sämtlicher üblichen Brennweiten mit der bereits beschriebenen Qualität hat, und da man nicht, wie bei anderen Großbildwand-Systemen, nur auf eine Brennweite angewiesen ist, braucht der Regisseur bei Anwendung des GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHRENS nicht auf die Intimität der Szenen zu verzichten.
d) Im Gegensatz zu anderen Großbildwand-Systemen kann das GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN bei der Verfilmung jeden Sujets angewendet werden, gleichgültig ob Monstrefilm mit Massenszenen, Revue-, Musikfilm, Lustspiel oder intimes Kammerspiel.

III. SCHAUSPIELER
Auch für die Schauspieler ergibt sich aus der außerordentlichen Tiefe, der Trennung der Objekte sowie der geringen Stärke der Lichtquellen wesentliche Vorteile:
a) Die Schauspieler können sich, ähnlich wie auf der Bühne, freier und ungezwungener bewegen und sind nicht mehr durch Rücksicht auf die Bildschärfe beengt.
b) Die lästigen Markierungen der Schärfe wegen fallen weg.

IV. PRODUZENT
1.) Aus dem Vorhergesagten ergeben sich für den Produzenten folgende wirtschaftliche Vorteile:
a) Nur ein Negativ wird benötigt.
b) Jede Kopie dieses Negativs kann auf normaler oder großer Bildwand mit einem normalen Projektionsobjektiv vorgeführt werden, ohne dass das Bild an Qualität, Plastik oder Randschärfe einbüßt.
c) GARUTSO-MEHRSICHT-OBJEKTIVE können in jede Kamera eingepasst werden, daher können Produzenten und Atelierbetriebe ihre bisher benutzten Kameras weiter verwenden.
e) Im Vergleich zu allen anderen bekannten Aufnahme-Verfahren spart der Produzent während der Produktion, denn er braucht:
Weniger Licht,
Weniger, bzw. kleinere Dekorationen,
Weniger Einstellungen, also auch
weniger Zeit.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass das GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN, obwohl umwälzend, keinerlei Schwierigkeiten in der Produktion hervorruft und die bisher eingeführten und gewohnten Arbeitsmethoden nicht umstößt, sondern im Gegenteil den Arbeitsgang für den gesamten Stab vereinfacht.-

B) VORTEILE FÜR DIE WIEDERGABE
VERLEIHER
1.) Der Verleiher ist in der Lage, die im GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN hergestellten Filme im normalen, üblichen Vermietungssystem herauszubringen; er ist nicht gezwungen, seine Vertragsabschlüsse auf bestimmte Theater, die für die Breitwandvorführung eingerichtet sind, abzustellen. Vielmehr kann er es nach Maßgabe der vorhandenen und tatsächlich getätigten Vertragsabschlüsse jedem seiner Kunden überlassen, ob er den Film im Normal-Format oder im Breitwand-Format herausbringen will. Auch hinsichtlich der Ausmaße der bei den einzelnen Theatern vorhandenen Breitwandformate ist er bei diesem Verfahren nicht gebunden, weil jeder Theaterbesitzer sich für die Ausmaße seiner Breitwandvorführung nach den räumlichen Gegebenheiten seines Theaters richten kann, solange er sich an das Größenverhältnis 1:1.85 hält. Der Verleiher ist ferner nicht genötigt, die Vermietung der im GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN hergestellten Filme mit irgend welchen Auflagen (Brillenbenutzung, spezielle Bildwände usw.) zu verbinden.

II. THEATERBESITZER und PUBLIKUM
1.) Der deutsche Theaterbesitzer kommt durch den im GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN hergestellten Film in die Lage, unter Berücksichtigung der räumlichen Verhältnisse seines Theaters sich der fortschreitenden Entwicklung auf dem Gebiet der Filmherstellung in jedem Falle anzuschließen. Gestatten die räumlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse eines Theaters keine Erweiterung der Bildwand auf Breitwand-Format, so wird ihm mit der normalen Filmkopie ein einwandfreies Bild geliefert, welches sich durch besondere Tiefenschärfe und nahezu plastische Wirkung auszeichnet, ohne dass hierzu irgendwelche technische Vorkehrungen innerhalb des Theaters (Erhöhung der Lichtstärke, Änderung des Projektions-Objektivs, Änderung der Bildwandqualität) getroffen werden müssten. Weder zur Vorführung des Normal-Bild-Formats noch für die Breitwandvorführung sind Brillen notwendig.

2.) Denjenigen Filmtheatern, die über eine Großbildwand bereits verfügen oder in der Lage sind, sich einzurichten, wird mit derselben Kopie, die auch im Normalformat Verwendung findet, ein Film von ungewöhnlicher Rand- und Tiefenschärfe und nahezu plastischer Wirkung ohne die geringste Verzeichnung geliefert. Der Theaterbesitzer erleidet keinen Verlust an Sitzplätzen, da die Sicht auf den Film von jedem Platz des Theaters gleich gut ist.

3.) Für die Breitwand-Projektion ist nur ein Minimum an Aufwendungen erforderlich:
a) Die Maße des Bildformats für die Breitwand-Vorführung sind bei der Produktion des Intercontinental-Films EINE LIEBESGESCHICHTE im GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN aus Zweckmäßigkeits-Gründen auf 1:1.85 abgestimmt worden (Normalformat 1:1.33). Das Verhältnis 1:1.85 wurde mit Rücksicht auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der deutschen Filmtheater in der nächsten Zukunft gewählt. Selbstverständlich kann auch jede Breitwand, die in einem größeren Verhältnis bereits vorhanden ist. ohne irgendwelche Mehrkosten benutzt werden. Metallisiertes oder anderes kostspieliges Spezial-Bildwand-Material ist nicht erforderlich.
b) Die Bildfenstermaske, die im Normalfalle – ebenso wie das Bild – ein Verhältnis von 1:1.33 hat, muss für die Breitwandvorführung ebenfalls ein Verhältnis von 1:1.85 haben. Bildfenstermasken dieser Größenordnung sind über den Fachhandel für alle gebräuchlichen Projektoren erhältlich.
c) Für die Breitwandprojektion finden handelsübliche Projektions-Objektive (Weitwinkel-Objektive) Verwendung, deren Brennweite lediglich um etwa 20% kürzer ist, als die für die normale Projektion verwendeten Objektive. (Im Allgemeinen werden Brennweiten zwischen 70 und 80mm in Frage kommen). Auch sind keine kostspieligen Vorsatz-Objektive notwendig. Ebenso wenig ist es notwendig, die normale Lichtstärke zu erhöhen. Trotzdem wird ein klares und randscharfes Bild erzielt.

4.) Die Breitwandvorführung erfordert kein Verstellen des Bildausschnittes während der Projektion. Sie ergibt keine „abgeschnittenen Köpfe“ und keine sonstigen Unvollkommenheiten im Bild, die eine irgendwie geartete Tätigkeit des Vorführers während der Vorführung erforderlich machen.

5. Die im GARUTSO-MEHRSICHT-VERFAHREN aufgenommenen Filme sind nicht stereoskopisch (übertriebene Photographie), aber ihre Plastik ist lebendige Photographie, die so naturecht und greifbar ist, wie die Wirklichkeit mit dem menschlichen Auge erfasst wird.
Objekte und Lebewesen fallen nicht auf den Besucher zu, auch erhält man nicht das Gefühl des Erdrücktwerdens durch irgend ein Objekt, durch irgend eine Figur von der Bildwand, so wie dies bei Stereo-Systemen – insbesondere bei Brillenverwendung – der Fall ist.

Presseheft zu Eine Liebesgeschichte
Dank an Regina Hoffmann und Lisa Roth