Bericht der Allianz Film Filiale Berlin vom 1. Juni für den Monat Mai 1951

Der Umsatz konnte gegenüber dem Monat April um ca. DM 10.000 erhöht werden. Obwohl von Seiten der Konkurrenz großartige Geschäftsfilme auf dem Spielplan standen, von denen Die Sünderin, die mit 25 Kopien im Einsatz war, alles überragte. Das absolut Positive unseres Programms ist das Nichtnachlassen des Films Die Dritte von Rechts, der, obwohl nunmehr im 6. Spielmonat stehend, immer noch besetzt wird und von den verschiedenen Theatern zum 2. und 3. Male eingesetzt wurde. Unter dem Himmel von Paris, der stolzeste Erfolg der ALLIANZ FILM seit ihrem Bestehen, hat weder in der ersten, noch in der zweiten Aufführungswelle geschäftlich enttäuscht. Ganz im Gegenteil sind die Resultate sehr beachtlich und für einen ausländischen Film in den einzelnen Theatern ungewöhnlich gut. Die Ergebnisse von Schön muss man sein und Das ewige Spiel sind unterschiedlich. Der Erfolg, den manche von Schön muss man sein wahrscheinlich erwartet haben, kann in Berlin nicht eintreten.

Premieren im Berichtsmonats
a) Eigene Filme
1.5. Weh dem, der liebt in der BONBONNIERE.
Der Film lief bis einschließlich Pfingsten. Leider fehlt es diesem Film an Temperament, und er wird überall nur ein Durchschnittsgeschäft erreichen können, da die Komiker Rudolf Platte, Meyerinck, Sima und Pfeiffer nicht zum Ausspielen kommen. Gretl Schörg ist noch nicht populär genug, um einen Film schon allein zu tragen. Arno Assmann ist ein viel besserer Charakterdarsteller wie Liebhaber. Vergleichen Sie bitte die Filme Der Ruf und Der Apfel ist ab. Er könnte von einem geschickten Regisseur auf den Gründgens-Typ gebracht werden. Der Film wird in Anbetracht des Sommerwetters normal über die Bahn gehen und wird weder nach der einen noch anderen Seite überraschen. Zweifellos ist das beste bei diesem Film der Reklamevorspann.
8.5. Der Tiger Akbar im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Der Film, dem ein sehr schlechter Ruf vorausging, bevor überhaupt an die Uraufführung in Deutschland gedacht wurde, war, wie bekannt, auch beim Start in Berlin enttäuschend. Die Unruhe in den ersten 3 Vorstellungen am Starttag veranlasste mich, die Kopie ab Mittwoch zu kürzen (Ausschnitte sind Ihnen zugeleitet worden). Der Film hat dadurch tatsächlich gewonnen. Da Herr Piel jedoch vorher unbelehrbar war, war es zu spät, um die Presse noch maßgeblich zu beeinflussen. Es steht heute fest, so bedauerlich es sein mag, dass Harry Piel, der Darsteller, keine genügende Zugkraft mehr besitzt. Der Regisseur Piel, dem bei späteren Filmen unbedingt ein guter Dialog-Regisseur zur Seite stehen muss, versteht von der Technik des Films so viel, dass eine bestimmte Gattung Film von ihm immer gelingen müsste. Da eine Zusammenarbeit mit Herrn Piel für Darsteller, Techniker und last not least für den Verleiher eine gewisse Nervenprobe ist, wird wohl Der Tiger Akbar der einzige Piel- Film im Allianz-Verleih sein. Ich möchte jedoch zugeben, dass die Bereitwilligkeit von Herrn Piel, das zu retten, was zu retten ist, bei seinem Hiersein am 25., 26. und 27.5. erkennbar war, und es muss weiter zugegeben werden, dass unsere Vorgeneration ihm auf Straßen und Plätzen begeisterte Ovationen brachte. Das Geschäft im DELPHI-PALAST AM ZOO war enttäuschend, abgesehen davon, dass Harry Piel im Berliner Westen nie die Zugkraft war.
16.5. Lockende Gefahr im MARMORHAUS.
Sonderbericht über diesen Film in Ihren Händen. Sehr gute Aufnahme, hervorragende Presse, Geschäft unter Durchschnitt, wie leider nicht anders zu erwarten war.

b) Filme der Konkurrenz

4.5. Lloyd-Film Ruf an das Gewissen in der FILM-BÜHNE WIEN.
Überläufer, trotz guter Besetzung für Berlin ohne Interesse.
4.5. Massenstart Verfemt Universal-Film.
Guter Erfolg, sonst keine weitere ernsthafte Notierung
4.5. Astoria-Verleih Eva und der Frauenarzt in CAPITOL, Kfd. und ROXY-PALAST.
Leider auch in Berlin Überraschungsgeschäft, nicht nur in der Ur-, sondern auch in der Erstaufführung.
4.5. Constantin-Verleih Waffenschmuggler von Kenya Massenstart.
Ein Film mit guten Kritiken und besserem Geschäft.
4.5. Union-Filmverleih Unvergängliches Licht in der KURBEL.
Unglücklicher Start, ungewollter Heiterkeitserfolg, an dem auch Cornell Borchers nichts retten konnte. Der Film hat so gut wie gar keine Nachbesetzung und interessiert nicht.
11.5. Siegel-Monopolfilm Grenzstation 58 im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Ein Film ohne Bedeutung, mäßige Presse, keine nennenswerte Nachbesetzung.
11.5. MGM Der große Ziegfeld in der KURBEL.
Ein Film von Weltklasse vor 15 Jahren. Technisch und darstellerisch heute überholt. Der Film ist nicht mehr konkurrenzfähig.
11.5. Gloria-Verleih Der Bandit von Sacramento Massenstart.
Wieder einer der typischen Republic-Fime, gesehen und vergessen.
15.5. MGM Auf einer Insel mit Dir im KIKI.
Hervorragender amerikanischer Film aus der Dutzendkiste, noch immer Lehrfilm für unsere deutschen Revue-Regisseure. Großes Geschäft, noch immer auf dem Spielplan.
16.5. Universal-Film Abbott und Costello unter Kannibalen in der BONBONNIERE. Amerikas populärste Komiker in einem Film, der großartig angekommen ist und ein Bombengeschäft gemacht hat. Nachfrage auch von Seiten der Theaterbesitzer sehr stark.
17.5. Adler-Filmverleih Teufel im Leib im CINEMA PARIS.
Langerwartete Premiere. Dieser Film, von dem noch heute Plakate der IFA in unserem Lager liegen, hat selbstverständlich eine hervorragende Presse gefunden und ist bis heute auch ein hervorragender Geschäftserfolg. Ich bin nicht der Ansicht, dass dieser Film in allen Gegenden ankommt, auch nicht in Berlin. Alle Zartheit und Lyrik in diesem ausgezeichneten Film ist für nervöses Großstadt-Publikum zu langatmig. Der Film ist Ihnen bekannt, er gehörte zu den besten Filmen der Welt und hat nur den einen Nachteil, dass er 3 Jahre zu spät herauskommt. In einem großen und starken Verleih allerding würde auch Teufel im Leib mehr als ein Prestige-Erfolg sein können.
17.5. United Artists Schütze Bumm in Nöten Massenstart.
Riesenerfolg, nur noch vergleichbar mit Narziss! Theaterbesitzer stehen Schlange.
18.5. Dietz-Verleih „Hyänen der Strasse“ in der FILM-BÜHNE WIEN.
Ein grossartiger amerikanischer Film mit jungen Menschen. Ich hatte Ihnen im Vorjahr davon geschrieben. Wieder ein Beweis, in der Hand eines großen Verleihers würde dieser Film Rekordkassen erreichen. Auch in der FILM-BUHNE WIEN in den ersten 14 Tagen sehr gutes Geschäft. Hervorragende Presse.
18.5. Central-Europäischer Filmverleih Aufstand in Sibirien im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Ein Italienischer Film, historischer Schinken, nicht einmal schlecht, aber so übervoll geladen mit Begebenheiten, dass es unerträglich wird. Keine Reaktion, keine gute Presse, keine Nachfrage.
18.5. Universal-Film Winchester 73 Massenstart.
Technisch hervorragend gemachter Wildwester mit Star James Stewart. Einfach und simpel, wie diese Art Filme sind, doch von unglaublicher handwerklicher Meisterschaft.
18.5. Paramount Der Weg nach Utopia im ASTOR.
Bing Crosby und Bob Hope, seit mehreren Jahren auch für Deutschland feststehende Begriffe, in einem Film, der seinen Weg machen wird.
18.5. Centfox Allotria in Florida im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Aus der amerikanischen Revue-Kiste, wie gehabt aber immer noch sehenswert und immer noch beispielhaft für die deutschen Produzenten.
25.5. Viktoria-Verleih Zimmer zu vermieten im CINEMA am Tauentzien.
Überläufer, belanglose Angelegenheit, wird nicht ernst genommen und nicht gefragt.
25.5. Centfox Herrin der toten Stadt Massenstart.
Auch hier wieder Star-Besetzung und Aufgebot aller technischen Mittel. Ein solcher Film muss gut gehen, wenn man ihn schon beim ersten Einsatz mit 20 Kopien unterstützt.
25.5. Astoria-Verleih Tokio Joe im MARMORHAUS.
Dieser Columbia-Film, durch die Geschehnisse im Fernen Osten sehr interessierend, ist von sich aus schon Zugmittel genug. stellt aber in Wirklichkeit nur Anhängsel zu Columbias All the king’s men dar, der als bester amerikanischer Film des Jahres 1950 auch in Kürze im MARMORHAUS gestartet wird.
25.5. Herzog-Film Meine Nichte Susanne. Massenstart
Der Film, heute 1 Jahr alt, fand eine sehr beifällige Presse, war im Geschäft jedoch nur am Kurfürstendamm gut, sonst, wie erwartet, enttäuschend. Dem Film sind Qualitäten nicht abzusprechen, jedoch scheint die deutsche Filmproduktion zu arm, um derartige Experimente auch wenn Sie von Herrn Liebeneiner sind, durchzuführen. A propos Liebeneiner: Sein neuer Film Das Tor zum Frieden, von einer unwahrscheinlich guten Presse aus Westdeutschland begleitet, ist völlig undiskutabel. Hier bleibt es bedauerlich, dass eine Kraft wie Liebeneiner kein anständiges Drehbuch in die Hand bekommt und nicht unter Produktionsleitern, wie Dr.Jonen, Sperber, Klotzsch oder Otto Lehmann arbeiten kann.
25.5. Schorcht-Verleih Im Namen des Gesetzes im CAPITOL, Kfd. und ROXY-PALAST, Friedenau.
Sehr guter italienischer Film. Hier jedoch der Beweis, dass mit „Vulcano„, „Bitterer Reis und „Ohne Gnade“ die neorealistischen Filme ausgeschöpft sind.
26.5. Deutsche Commerz Das Mädel aus der Konfektion in der WALDBÜHNE.
Dieser Neruh/CC-Film ist ganz ausgezeichnet gemacht und hatte einen sehr schönen Publikumserfolg. Die Nachfrage von Seiten der Theaterbesitzer ist sehr rege und über den weiteren Erfolg besteht kein Zweifel. Die Kosten des Films liegen bei DM 400.000,- Carl Boese macht jedenfalls vielen Herren in München und Hamburg noch jeden Tag einen besonderen Film vor( Wenn Männer sohwindeln und jetzt Das Mädel aus der Konfektion).
29.5. Union-Filmverleih Der alte Sünder in der KURBEL (Das Haustheater der Union).
Einer jener Wiener Filme, die nur durch die Darstellungskraft eines Paul Hörbiger gewinnen. Der Film ist für Berlin ohne jede Bedeutung, obwohl er in Süd-Deutschland geschäftlich überraschen kann.
31.5. Warner Bros. Sklavin des Herzens im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Selbst Stars wie Ingrid Bergman, Joseph Cotten und Michael Wilding konnten nicht verhindern, dass dieser Alfred Hitchcock-Film bei seiner Premiere ausgepfiffen wurde. Die Presse ist nicht immer gut gewesen, aber doch äußerst wohlwollend. Kein Wunder, die Inserate für diesen Film waren teilweise 1/2 Seite groß.