Archiv der Kategorie: Marlene Dietrich

Georg Jacoby: Napoleons kleiner Bruder

Die E.F.A. [Europäische Film-Allianz] hatte mir zu diesem Film einen Kameramann aus Amerika geschickt. Die Amerikaner waren bereits während des Krieges dazu übergegangen, die Schauspieler nicht so zu beleuchten wie es in Deutschland bis dahin üblich war, nämlich 2/3 Licht und 1/3 Schatten, sondern sie stellten ihre Schauspieler gegen die Sonne. Sie benutzten die Sonne sozusagen als Rückenlicht, und so gelang es ihnen, die Aufnahmen viel plastischer zu gestalten. Das Vorderlicht erzeugten sie mit Hilfe von Gold- und Silberblenden. Durch diese konnte man die Stärke des Lichtes regulieren und mit Hilfe von Schleiern, die über die Blenden gelegt wurden, sehr differenziert beeinflussen.

Gruppenfoto „Napoleons kleiner Bruder“ in Kassel. Der Kameramann Meyers sollte Snyder (Schneider) heißen. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Roberto Lindemann

 

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Rudi Sieber an Marlene Dietrich über die Berliner Premiere von Dishonored

Vorbemerkung:
Rudi Sieber berichtet, dass die deutsche Fassung von Dishonored (USA 1931; Regie: Josef von Sternberg) schon vor der Premiere um zahlreiche Szenen gekürzt wurde. Die Länge der Originalfassung gibt der Katalog des American Film Institute mit 8.100 feet an. Umgerechnet sind das 2.469 Meter (Genauer: 2.468,88 Meter). In Deutschland wurde Dishonored 1931 unter dem Titel X -27 in einer Länge von 2.563 Metern freigegeben – damit ist die deutsche Fassung fast 100 Meter länger als die amerikanische Fassung. Wie sich die deutsche von der amerikanischen Fassung unterscheidet, ist unklar. Es scheint aber, als sei die deutsche Fassung nach der Freigabe durch die deutsche Zensur noch vor der Premiere in Berlin von der Paramount selbst gekürzt worden. Und selbst diese Version erregte noch Ärger.

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Rudi Sieber an Marlene Dietrich: Dishonored und Synchronarbeit in Joinville

Paris, 11. November 1931

Von links: Leo Mittler, Camilla Horn, Rudi Sieber und Marlene Dietrich in Joinville

Geliebte, ich fange mit der wichtigsten Sache an: Dishonored, deutsch gedubbt. Man hatte es während meiner Abwesenheit in Amerika gemacht und es mir verschwiegen. Vor ein paar Tagen erfuhr ich es von Karol, erfuhr auch, dass der VI. Akt nach Hollywood geschickt worden sei zur Beurteilung.
[Jacob Karol war zu der Zeit Produktionsleiter der deutschsprachigen Filme der Paramount Produktion in Joinville]

Ich wollte den Film gern sehen, bekam ihn aber nicht zu sehen, da angeblich keine Kopie hier sei. Durch einen Angestellten (Cutter) erreichte ich es, dass ich auch den VI. Akt sehen konnte, musste aber mein Ehrenwort geben, niemandem davon etwas zu sagen! – Ich war entsetzt. Das ist ja unmöglich, so etwas in Deutschland laufen zu lassen. Du hast ihn ja auch gesehen ich hörte schon von Eurem Protest. Karol liegt mir jeden Tag in den Ohren, ich müsste das einrenken, dass Du und Joe keine Schwierigkeiten machen, der Film sei so erstklassig und Deine Stimme sei so wunderbar getroffen. Ich sage ihm immer, erst muss ich den Film sehen (er darf doch nicht wissen, dass ich den einen Akt gesehen habe), bevor ich dazu Stellung nehmen kann. Gestern rief mich Kane und erzählte mir von Eurem Protest und was ich dazu meine.
[Robert Kane, Leiter der Paramount in Joinville]

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Marlene von Marlene Dietrich (1931)

Vorbemerkung:
Der Artikel erschien im Vorfeld der deutschen Premiere von Morocco. Bei dem im Text genannten Film Entehrt handelt es sich um Dishonored, der in Deutschland noch nicht angelaufen war und dort später unter dem Titel X-27 lief. Ob der Text von Marlene Dietrich selbst verfasst oder nur von ihr autorisiert wurde, ist nicht klar.

Deutsches Originalplakat zu Morocco

Glauben Sie mir, es ist verwirrend und benimmt den Atem, wenn man sich plötzlich, nach einer Reihe ruhiger und gleichmäßiger Jahre, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit findet. Man hat sein ganzes bisheriges Leben in einem kleinen gewohnten Kreis verbracht, Familie, Freundschaft, Arbeit haben den ganzen Inhalt des Daseins bedeutet – und von einem Tag zum anderen ist man aus der Stille herausgerissen und hat aufgehört, eine Privatperson zu sein. Vielleicht hat man ein Buch geschrieben, das der Saisonerfolg geworden ist. Oder man hat ein Gemälde geschaffen, das jeder gesehen haben muß. Man hat auf der Bühne das Publikum mit sich gerissen, man hat im Film eine besondere Rolle gespielt, oder man hat einen Mord begangen – und mit einem Male ist man für die Welt ein ganz anderer Mensch, mit anderen Werten und anderen guten und schlechten Eigenschaften. Alle Bedingungen des Lebens müssen geändert werden und ändern sich vielleicht morgen schon von neuem.
Die Marlene Dietrich, die man kennt und für die man sich interessiert, hat bisher drei Gesichter. Sie ist die Kabarett-Sängerin im Blauen Engel, die Amy Jolly in Herzen in Flammen und die Spionin in Entehrt.
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The Singing Saw – Die singende Säge

From PUBLICITY DEPARTMENT, USO-CAMP SHOWS, 8 West 40th Street, New York City

New York, New York, April 11th, 1944
So you’ve never seen Marlene Dietrich play the musical saw? Well, you probably never will – – unless you’re in the army and overseas. The siren lady who owns the world’s most publicised legs also owns a carpenter’s practical tool and makes music with it; but only for servicemen to whom she is now playing at army camps in the Mediterrenean area under the auspices of USO-CAMP SHOWS through arrangement with the Hollywood Victory Commmittee. With her are comedian Danny Thomas, actor-singer Milton Frome, comedianne Lin Mayburry and pianist Jack Snyder.
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Aussage Marlene Dietrichs zum „Blauen Engel“ (1960)

Die Twentieth Century Fox produzierte 1959 unter der Regie von Edward Dmytryk ein Remake des Blauen Engel. Josef von Sternberg verklagte die Fox wegen Plagiat und Verletzung seines Urheberrechts.
Marlene Dietrich wurde am 15. März 1960 im United States District Court/ Southern District of California, Central Division durch zwei Anwälte Josef von Sternbergs (Mr. E. und Mr. B.) und einen Anwalt der Century Fox (Mr. C) vernommen. Das Protokoll der Anhörung wurde durch einen Notar beglaubigt.
Eine Kopie der Abschrift schickte Meri von Sternberg, die Witwe des Regisseurs, 1987 an Maria Riva.
Die hier publizierte Version enthält die komplette Anhörung ohne die Eingangsformalien und die Erklärung des Notars. Die Namensschreibungen wurden nicht korrigiert, die Namen der Anwälte sind nur durch ihren Anfangsbuchstaben gekennzeichnet.
Fotos wurden hinzugefügt; sie sind nicht im Originaldokument enthalten.
Das Original befindet sich in der Marlene Dietrich Collection Berlin – Deutsche Kinemathek.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Marlene Dietrich Collection GmbH. Weiterlesen

Wolfgang Fischer: Marlene Dietrich (1924)

Dies ist meines Wissens der erste größere Artrikel, der über Marlene Dietrich veröffentlicht wurde. Der „Riesenerfolg“ von Der Mensch am Wege war allerdings eine große Übertreibung. Der Film lief fast gar nicht in den Kinos und gilt heute als verschollen.
Sperrungen im Originaltext sind aufgehoben, stattdessen sind die Worte unterstrichen. Das Foto stammt aus der Zeitschrift.

Während das große Publikum die unbedeutenden, künstlich „gemachten“ Rias, Dias und Pias in- und auswendig kennt, gibt es auf der anderen Seite eine erhebliche Anzahl Weiterlesen

Marlene Dietrich: Wie ich zum Film kam

1926 erschien im Verlag der Lichtbildbühne, Berlin,  das „Lexikon des Films“, herausgegeben von Egon Jacobsohn und Dr. Kurt Mühsam. Das Personenlexikon des deutschen Films trug auf dem Cover den Titel „Wie ich zum Film kam“, der Untertitel war „Lexikon des Films“.
Die Herausgeber hatten Fragebogen an die ausgewählten Personen verschickt, die Antworten bildeten die biofilmografischen Lexikoneinträge.
Marlene Dietrichs Antworten entsprechen nicht immer, aber großenteils den Fakten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Marlene Dietrich Collection GmbH

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Meine erste Liebe (1931)

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Marlene Dietrich Collection Gmbh

 

Henny Porten

Lange, lange, bevor ich als Schauspielschülerin in ein Filmatelier geriet, um dort zu statieren – da war ich mit Grete Mosheim hinbestellt worden, und wir waren beide durch den damaligen Filmregisseur Sieber, der heute mein Mann ist, von der Reinhardtschen Schauspielschule ausgeborgt worden, um Bacchantinnen in einer lockeren Abendgesellschaft zu mimen – war ich dem Film verfallen. Oder vielmehr einer Frau, die für mein Schulmädchenherz die absolute Erfüllung von Frauentum und Schauspielkunst bedeutete. Das war Henny Porten, die damals Triumphe im Wandernden Licht  (1916. Regie: Robert Wiene) und in der Claudi vom Geiserhof (1917. Regie: Rudolf Biebrach) feierte. Henny Porten, das war vom ersten Mal an, da ich ihr lachendes Gesicht auf der Leinwand sah, das Schönste, was ich kannte. Und mit ihr begann eine Zeit der Aufregungen und Abenteuer, die heute noch dasselbe Herzklopfen heraufbringt, wenn ich an sie denke, wie in jenen Tagen.
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Marlene Dietrich: Wie ich Hollywood sehe

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigun der Marlene Dietrich Collection GmbH

Hollywood 1933

Seit ich in dieser Stadt lebe und arbeite, ist kaum ein Tag vergangen, an dem man nicht die Frage an mich gerichtet hätte: „Was halten Sie von Hollywood?“ Meine Gegenfrage: „Welches Hollywood meinen Sie?“, stößt immer auf Verständnislosigkeit. Die Leute wissen nicht, was sie mit dieser Frage anfangen sollen.
Das Hollywood, zu dem ich Beziehungen habe, ist das arbeitende Hollywood. Das andere Hollywood begreife ich nicht und will es auch nicht begreifen.
Die Studios sind etwas Hinreißendes. Die Leichtigkeit, mit der große Dinge getan werden, ist immer wieder bewundernswert. Alles funktioniert wie am Schnürchen, es herrscht Disziplin wie in einer Armee. Aber trotz dieser Disziplin wird die künstlerische Tätigkeit nicht zur Routine. Denn Kunst ist ja der strikte Gegensatz von Methode und Drill.
Das arbeitende Hollywood ist vorbildlich. Aber die gesellschaftliche Struktur der Filmstadt bedrückt mich. Ich tadle mich, dass ich kritisiere, und ich versuche mir einzureden, dass es mein Fehler ist, wenn mir so viele Dinge nicht zusagen.
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