Januar 1953 (1/53)

Filmabschlüsse/Film-Umsatz:
Der Monat Januar hielt sich umsatzmäßig auf fast gleicher Höhe wie die Vormonate. wobei der Hauptanteil des Umsatzes dem Film Don Camillo und Peppone (Le petit monde de Don Camillo. F 1952. R: Julien Duvivier) zukommt. Der Januar brachte den Berliner Filmtheaterbesitzern einige überragende Geschäftsfilme. auf die wir im Bericht selbst noch im Einzelnen zurückkommen. Als absoluter Kassenschlager erwies sich aber unser Film, der auch die besten deutschen Geschäftsfilme wie z.B. Ferien vom Ich (BRD 1952. R: Hans Deppe) hinter sich lassen konnte.

Premieren im Berichtsmonat:
A) Eigene Filme
2.2. Illusion in Moll (BRD 1952. R: Rudolf Jugert) FILM-BÜHNE WIEN.
Der Film war in Berlin im Uraufführungs-Theater ein gutes, zufriedenstellendes Geschäft. Die verlängerte Uraufführung im CAPITOL bestätigte den Erfolg. Die Presse war unterschiedlich, in jedem Fall aber wurden Fotografie und Darstellung hervorgehoben. Obwohl der Film keine Spitzenergebnisse bringen wird, wird er auch nicht enttäuschen.

B) Filme der Konkurrenz
2. 1. RKO Engel der Gejagten (Rancho Notorious. USA 1951. R: Fritz Lang) Massenstart.
Auch dieser Marlene Dietrich-Film konnte nicht mehr als ein Durchschnittsgeschäft erreichen.
2.1. RKO Der Held des Tages (The Kid from Brooklyn. USA 1946. R: Norman Z. McLeod) FILMTHEATER BERLIN.
Dieser Danny Kaye-Film kam in Berlin nicht mehr an und erhielt so gut wie keine Nachbesetzung. Das bedeutet für hiesige Verhältnisse sehr viel, denn Das Doppelleben des Herrn Mitty (The Secret Life of Walter Mitty. USA 1947. R: Norman Z. McLeod) war hier teilweise ein ausgezeichnetes Bezirksgeschäft.
2.1. Paramount Donner in Fernost (Thunder in the East. USA 1951. R: Charles Vidor) Massenstart. Ein nichtssagender amerikanischer Film, die gegenwärtige politische Spannung in Ostasien ausnutzend. Ohne Bedeutung.
8.1. Warner Bros. Der rote Korsar. (The Crimson Pirate. USA 1952. R: Robert Siodmak) Massenstart.
Großartig gemachter amerikanischer Farbfilm, mit unserem Fanfan (Fanfan le tulipe. F 1952. R: Christian Jacque) liebäugelnd, der in Neukölln überragendes Geschäft war, sonst nicht mehr als Durchschnitt und auch nur Durchschnittsbesetzung.
9.1. Universal Die Flamme von Arabien. (Flame of Araby. USA 1951. R: Charles Lamont) Massenstart. Ohne Bedeutung.
9.1. Columbia Das singende Land (Land without Music). UK 1936. R: Walter Forde . Massenstart. Ein uralter Film um Richard Tauber, ohne jede Bedeutung.
9.1. RKO Im Sturm der Zeit (I want you. USA 1950. R: Mark Robson) Massenstart. Großer militärischer Film, vor 1 1/2 Jahren sicher noch für Deutschland verboten, ohne jede Bedeutung.
9.1. Delphi-Palast Duell in der Sonne. (Duel in the Sun. USA 1947. R: King Vidor, William Dieterle) Schorcht.
Eine der größten Enttäuschungen und unangenehmsten Überraschungen für einen Verleih war die Aufführung dieses Films. Teilweise ertönten sogar Pfiffe während der Vorführung. Der Film ist in Berlin völlig daneben gegangen.
10.1. MGM Ein Amerikaner in Paris (An American in Paris. USA 1951 R: Vincente Minelli) CINEMA PARIS.
Wohl der vollendetste Tanz-Farb-Revue-Film, der es geradezu verbietet, dass deutsche Durchschnitts-Regisseure und Autoren sich noch auf diesem Gebiet des Films betätigen. Der Film ist unerreichbar, und wenn er nach Ablauf in den größeren Städten in den mittleren und kleineren Städten nicht das Geschäft wird, ist es nur ein Beweis, dass der Film zu gut ist. Der Film ist von unübertrefflicher Meisterschaft, und auch nur einen einzigen deutschen Film dieses Genres vergleichsweise zu erwähnen, wäre – gelinde gesagt – eine Frechheit. Die perfekte Durcharbeitung der Tänze, die unvergleichliche Fotografie verbieten auch ferner noch vorerst den deutschen Filmproduzenten, sich farbfilmmäßig zu betätigen. Einem derartigen Film kann man nur wünschen, dass er ein Millionenerfolg wird, was er zweifellos in der Welt auch ist. Die Presse war begeistert, und an ein überragendes Geschäft in Berlin ist nicht zu zweifeln.
12.1. Paramount Die größte Schau der Welt (The greatest Show on Earth. USA 1951. R: Cecil B. DeMille) . MARMORHAUS.
Dieser Film überraschte. Ein derartiges Geschäft hatten vorsichtige Abschätzer wohl nicht erwartet. Der Film hielt sich 5 Wochen ganz ausgezeichnet und dürfte auch in den Bezirken zu einem großen Geschäft werden. Auch hier darf keine Parallele angelegt werden an deutsche Filme ähnlichen Sujets.
12.1. Columbia Affäre in Trinidad (Affair in Trinidad. USA 1952. R: Vincent Sherman) ASTOR.
Das war wohl nichts. Mit ihrem nicht definierbaren Gehopse und ihren fast sexuell anmutenden Schenkelbewegungen konnte die Hayworth allein das Publikum nicht 1 1/2 Stunden unterhalten. Der Film ist sehr schlecht und ging zum Glück ebenso schlecht. Die Presse verriss ihn.
13.1. Schorcht Anna (I 1951. R: Albert Lattuada) FILM-BUEHNE WIEN.
Der Film brachte ebenfalls einen Außenseiterfolg. Vor allen Dingen war er in den Bezirken bei einem Großeinsatz überraschend stark besucht. Auch die Presse war freundlich.
16.1. Union Frühling auf dem Eis (Au 1951. R: Georg Jacoby) CAPITOL
Sowjet-österreichischer Farbfim, wenn man die bunte Kleckserei als Farbfilm bezeichnen soll. Ohne jede Resonanz, kein Geschäft in den Bezirken.
16.1. Constantin 12 Uhr Mittags (High Noon. USA 1952. R: Fred Zinnemann) FILMTHEATER BERLIN.
Bei diesem Film hätte man auf eins der besten Theater warten müssen, anstatt ihn in das zweitklassige Uraufführungs-Theater in Berlin zu geben. Auch dieser Film ist ganz große Klasse. aber wiederum um ein Deut zu gut für das breite Publikum.
16.1. Centfox Die Maske runter (Deadline U.S.A. USA 1952. R: Richard Brooks) Massenstart.
Ohne Bedeutung.
16.1. Constantin Du bist die Rose vom Wörthersee (BRD 1952. R: Hubert Marischka) Massenstart.
Der Film ist besser als der Titel und brachte zufriedenstellende Ergebnisse.
16.1. Union Radar-Geheimpolizei (Radar Secret Service. USA 1950. R: Sam Newfield) Massenstart.
Ohne Bedeutung.
20.1. Gloria-Film Im weissen Rössl. (BRD 1950. R: Werner Jacobs) GLORIA PALAST.
Mit diesem Film wurde der GLORIA-PALAST eröffnet. Eine der bedeutendsten Uraufführungen, propagandistisch hervorragend vorbereitet, Gesamtkosten der Premiere DM 29.000,-. Vier Wochen ein gutes Geschäft in dem neuen, wichtigen Uraufführungs-Theater am Kurfürstendamm.
Presse war in Anbetracht der Eröffnung für den Film mehr als freundlich.
20.1. Döring Dick und Doof als Salontiroler (Swiss Miss. USA 1938. R: John G. Blystone) Massenstart.
Halten wir nur den Titel fest.
22.1 Centfox Der Fall Cicero (Five Fingers. USA 1951. R: Joseph L. Mankiewicz) DELPHI-PALAST.
Meisterhaft durchgeführter Kriminalfilm um eine bekannte Spionage-Affäre. Großartiges Geschäft.
23.1. Rank Weisse Frau im Dschungel (The Planter’s Wife. UK 1952. R: Ken Annakin) CAPITOL.
Sauberer, anständiger Film, der in der Flut der Masse unterging.
23.1. Universal Die Welt in seinen Armen (The World in His Arms. USA 1952.R: Raoul Walsh) FILMTHEATER BERLIN.
Eine von uns scheinbar noch unerreichbare Klasse an Spannung und Farbschönheit. Sehr gutes Geschäft.
23.1. Schorcht Ich heisse Niki. (BRD 1952. R: Rudolf Jugert) Massenstart.
Der Film hatte in Berlin keinen Erfolg.
23.1. Universal Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid. USA 1952. R: Budd Boetticher) Massenstart.
Ohne jede Bedeutung.
23.1. Cebe Frau ohne Gesicht (Kvinna utan ansikte. Schweden 1947. R: Gustaf Molander) Massenstart.
Der Film hatte es auch nicht.
23.1. Paramount Hongkong (Hong KONG. USA 1951.R: Lewis R. Forster) Massenstart.
Ohne Bedeutung.
23.1. Pallas Geliebte Domenica (Domenica. F 1951. R: Maurice Cloche) STUDIO
Nacktaufnahmen allein machen noch keinen Film und da es sich  bei diesem Film um ein Torso handelt, war zu verstehen, dass er über ein Durchschnittsergebnis nicht herauskam. Die Presse hatte nichts weiter zu loben als die Fotografie – und das war höflich genug. Solche Filme brauchen nicht mehr aus Frankreich eingeführt zu werden. Es gibt viel bessere.
26.1. Prisma Der Onkel aus Amerika (BRD 1952. R: Carl Boese) ASTOR.
Kleiner, netter, nicht unsauberer Unterhaltungsfilm, der keinem die Laune verderben kann und auch nichts weiter will als unterhalten. Man könnte das alles ein wenig geistreicher machen, aber so geht es schon. Das Geschäft war gut.
30.1. Panorama In gewissen Nächten (Boniface Somnambule. F 1950. R: Maurice Labro). BONBONNIERE.
Hier versuchte ein Verleih, einen aufgewärmten Schinken mit FERNANDEL in der Hauptrolle „richtigzulegen“. Das kam aber trotzdem nicht an, weil das Publikum schnell den Unterschied zwischen DON CAMILLO und diesem Film erkannte.
30.1. Centfox Lockruf der Wildnis. (Lure of the Wilderness. USA 1951. R: Jean Negulesco) Massenstart.
Einer der vielen guten Amerikaner, die nicht mehr ankommen.
30.1. Columbia Hölle am Kongo (Fury of the Congo. USA 1951. R: William Berke) . Massenstart. Ohne Bedeutung.
30.1. Deutsche London Gefahr am Doro-Pass (The Drum. UK 1938.R: Zoltan Korda) Massenstart.
Eine London-Produktion – man sollte es nicht für möglich halten.
30.1. Herzog Cuba Cabana (BRD 1952. R: Fritz Peter Buch)   KIKI.
Der Film war etwas besser als sein Ruf, obwohl Frau Leander einige Male fotografiert war, als sei ein Anfänger-Fotowettbewerb vonstatten gegangen. Bemerkenswert die gute, gediegene Musik (Gaze). Auch die Vorträge dieser Lieder durch Frau Leander waren durchaus hörenswert. Sonst aber schade um O.W.Fischer.