Juli 1953 (07/53)

Auch im Juli war der Umsatz in Berlin noch zufriedenstellend. Hauptanteil tragen die Filme Auf den Strassen von Paris und Käpt’n Bay-Bay (Nachspieler).

Überraschungs-Geschäfte im Juli in Berlin : der FERNANDEL-Film Verbotene Frucht nach ausgezeichnetem Start im Gloriapalast auch in allen Bezirkstheatern sehr gutes Geschäft. Ferner auch Beiderseits der Rollbahn (BRD 1953. R: Günther Jonas), der in seiner ersten Einsatzwelle nach dem DELPHI-PALAST der Kassenfilm war.

Premieren in Berichtsmonat: a) Eigene Filme.
21.7. Verbotene Spiele.( (Jeux Interdits. F 1952. R: René Clément)
Dieser hochwertige, künstlerische Film entwickelte sich nach zögerndem Beginn (heißeste Sommertage) zu einem guten Geschäft. Der Film geht im Cinema Paris in die vierte Laufwoche. Er erhielt ausgezeichnete Kritiken und dürfte bei sorgfältiger Auswahl der Einsatztheater in Deutschland überall beachtenswerte Ergebnisse erzielen. Wichtigste Voraussetzung ist lange, planmäßige Presse-Vorbereitung. Der Film ist keinesfalls kurzfristig zu terminieren, weil das normale Filmpublikum den Film nicht in seiner ganzen Qualität würdigen kann. Es müssen neue Publikumskreise erfasst werden, die man mur bei Spitzenfilmen der Weltproduktion im Theater sieht.

b) Filme der Konkurrenz.
2.7. Warner Bros. Unternehmen Seeadler (Operation Pacific. USA 1952.R: George Waggner) Massenstart.
In den Spezialtheatern sind diese Art Filme ein sehr gutes Geschäft. ‚
3.7. Neuer Filmverleih Die vertagte Hochzeitsnacht (BRD 1953.R: Karl Georg Külb)
DELPHI-PALAST. Ein Film, um den es bei der Uraufführung fast zu einem Kinoskandal kam.
3.7. Rank-Film Muss das sein, Fräulein? (Made in Heaven. UK 1953. R: John Paddy Carstairs) Massenstart.
Sonja Ziemann’s englischer Film. Hier ohne bemerkenswerte Resonanz.
3.7. Schorcht Quax in Afrika (D 1945. R: Helmut Weiss) Massenstart.
Der Film erzielte in seinem Großeinsatz zufriedenstellende Resultate.
3.7. Gloria Wem die Sonne lacht (The Sun Shines Bright. USA 1953. R: John Ford) Massenstart.
Geschäftlich völliger Versager.
7.7. Ohne jede Bedeutung Casanova wider Willen (Dreamboat. USA 1952. R: Claude Binyon) (Centfox) im FILMTHEATER BERLIN.
9.7. Für Berlin auch ohne jede Resonanz Ich lass Dich nie mehr allein (BRD 1953.R: Richard Häussler) Auch unter den Titeln: Das Dorf unter dem Himmel oder Lass mich nie allein –
(Unionfilm-Verleih) in der KURBEL.
9.7. Der mit viel Vorschusslorbeeren angekündigte amerikanische Film Der Sieger (The Quiet Man. USA 1952.R: John Ford) (Gloriafilm-Verleih) im MARMORHAUS hatte ein sehr schlechtes Geschäft, aber gutes Presse-Echo. In Berlin kein Großerfolg zu erwarten.
10.7. Man nennt es Liebe (BRD 1953. R: John Reinhardt) – (Unionfilm-Verleih) im DELPHIPALAST.
Ein gepflegtes Lustspiel, von dem neuen Regisseur John Reinhardt inszeniert. Sehr locker Curd Jürgens und Winnie Markus. Erfreuliches Wiederseher mit Richard Häussler, der viel zu wenig im Film beschäftigt wird.
10.7. Am gleichen Tage De Sica’s berühmter Film Wunder von Mailand (Miracolo a Milano. I 1950. R: Vittorio de Sica) (RKO) im KIKI.
Zwischen einem Keuschen Josef und einer Tante Jutta aus Kalkutta (BRD 1953. R: Karl Georg Külb) diesen publikumsunwirksamen Film zu spielen, grenzt von vorn herein an Gehirnlosigkeit und so konnte selbst bei bester Presse der Film keinen Erfolg erzielen. Er ist geschäftlich ohne jede Chance, sein Start ist als völlig missglückt zu bezeichnen, abgesehen davon, dass ihm neben seiner absoluten Überschätzung durch die Presse jede Möglichkeit fehlt, dem Publikum zu gefallen. Die im Massenstart angelaufenen Filme An der Spitze der Apachen (The Half-Breed. USA 1952.R: Stuart Gilmore) (RKO) und Gespensterreiter (Riders in the Sky. USA 1949. R: John English)-(Columbiafilm) sind ohne Bedeutung.
17.7. Ein Herz spielt falsch (BRD 1951.R: Rudolf Jugert) – (Schorchtfilm) im GLORIA.
Der Stoff ist Herrn Zobel noch im Frühjahr des vorigen Jahres sehr ans Herz gelegt worden. Der Film musste, wenn er einigermaßen inszeniert wird, ein großes Geschäft werden und das ist er auch geworden. Zudem sind einige Darsteller-Leistungen ganz vorzüglich: Ruth Leuwerik und O.W. Fischer. Der Film ist im Uraufführungstheater ein großes Geschäft und wird ohne Zweifel am Ende des Spieljahres unter den ersten acht Titeln zu finden sein.
17.7. Frauen in Gefahr (Le vrai coupable. F 1951 R: Pierre Thévenard) – (Pallasfilm) im CAPITOL. Zweitklassiger französischer Film, durchschnittlich synchronisiert, Durchschnitts-Presse, Durchschnitts-Geschäft. Trotzdem dürfte der Film in den Bezirken durch die Volkstümlichkeit des Themas Anklang finden. Dieser Film aber wird bestimmt nicht unter den ersten achtzig des laufenden Jahres liegen.
17.7. Männer machen Mode (Lovely to Look At. USA 1952. R: Mervin Leroy) – (MGM) im FILMTHEATER BERLIN.
Auch ein Red Skelton-Film, 14 Tage gutes Geschäft, gute Presse. Ein typischer Sommer-Film.
Mein Sohn entdeckt die Liebe (Happy End. USA 1952. R: Richard Fleischer) – (Columbiafilm) im STUDIO. Gepflegtes amerikanisches Lustspiel, jedoch zu typisch, um besonderes Interesse zu erwecken. Presse sehr freundlich. Über die Filme Verwegene Männer im Sattel (The Last Round-Up. USA 1947.R: John English) und Roboter des Grauens. (The Monster and the Ape. USA 1945.R: Howard Bretherton) – (Columbiafilm) deckt man am besten den Schleier der Nächstenliebe.
22.7. Beiderseits der Rollbahn (BRD 1953. R: Günther Jonas) (Urbanfilm) im DELPHI PALAST. Ein schlecht herausgebrachter Film, trotzdem interessiert er weiteste Kreise, sodass der DELPHI PALAST zehn Tage lang ein sehr gutes Geschäft hatte. Der Film hatte bereits im Start am 22. Juli den festen Einsatz am 31.7. in vielen Berliner Bezirken. Presse wohlwollend, politisch jedoch ablehnend.
23.7. Die Schönste von Montana (Montana Belle. USA 1952.R: Allen Dwan) – (RKO) Massenstart. Eine typische Atombusen-Produktion mit Jane Russell.
24.7. Massenstart Der scharlachrote Kapitän (Captain Scarlett. USA 1952. R: Thomas Carr) – (Constantinfilm) ohne Bedeutung, ferner Bwana, der Teufel (Bwana Devil USA 1952. R: Arch Oboler) (Constantin), der dritte 3 D-Film und der schwächste zugleich.
28.7. Der Sohn von Ali Baba (Son of Ali Baba. USA 1952. R: Kurt Neumann) – (Universalfilm) im FILMTHEATER BERLIN.
Ohne Bedeutung.
28.7. Männer mit eisernen Nerven (Riders of the whistling Pines. USA 1949.R: John English) (Columbiafilm) Massenstart. Das ist geradezu kindisch !
28.7. Tante Jutta aus Kalkutta (BRD 1953. R: Karl Georg Külb) (NF-Verleih) im KIKI.
Und wenn es der größte Kassenschlager der Saison wäre, es ist eine Schande für die deutsche Filmproduktion.
29.7. Die langerwartete Premiere von Moulin Rouge (UK 1952. R: John Huston) im MARMORHAUS (Deutsche Londonfilm). Ein nicht ganz einheitlich aufgenommener Film. Unwahrscheinliche Farbenpracht, großartige Kameraleistung sowie einige fabelhafte schauspielerische Leistungen. Für weiteste Kreise ganz überraschend ist der Film ein absolutes Bombengeschäft in Berlin. Der Titel und lange Vorpropaganda – die ja, objektiv betrachtet, bei der Deutschen Londonfilm rühmenswert ist, wenn auch manchmal übertrieben – tragen den Hauptverdienst. Trotzdem bin ich nicht sicher. ob der Film allen Besucherkreisen gefallen wird. Als Visitenkarte zum Anfang der Saison ausgezeichnet und für die Uraufführungstheater im Bundesgebiet sicherlich ein Spitzengeschaft.
31.7. Das war unser Rommel (BRD 1953. R: Horst Wiganko) – (Constantinfilm) im CAPITOL Nicht jeder Film kann so gehen wie Beiderseits der Rollbahn und nicht jeder Rommel-Film kann ein James Mason-Film sein.
31.7. Kaiserwalzer (Au 1953.R: Franz Antel) – (Gloriaverleih) im DELPHI PALAST. Für Süddeutschland sicher ein Bombengeschäft, in Berlin ruhige, freundliche Aufnahme. In den Bezirken wird er aber den erwarteten Erfolg bringen – oder etwa schon nicht ?
31.7. Gangster (The Racket. USA 1951.R John Cromwell) Massenstart; wirklich ohne Bedeutung.
4.8. Versuchung auf 809 (Don’t bother to knock. USA 1952. R: Roy Ward Baker) – (Centfox) im Filmtheater Berlin
Das ging trotz Sex-Appeal-Star Marilyn Monroe ins Auge! Die Uraufführung wurde fast ausgepfiffen. Schade um den großartigen Richard Widmark. Der Film hat vielleicht trotz des Titels in dafür geeigneten Theatern doch noch gewisse Chancen.