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Index Wolfdietrich Schnurre – Film & Schrift, Band 11

Der Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre veröffentlichte von 1946 bis 1949 in verschiedenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften Filmkritiken und filmkritische Betrachtungen. Seine Beschäftigung mit dem Film beendete Schnurre  1950 mit der Streitschrift „Rettung des deutschen Films“.
Schnurres Texte zum Film haben Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen als 11. Band der Reihe Film & Schrift in der edition text + kritik herausgegeben. Kein Band der Reihe hat einen Index. Ich vermute, die Intention war und ist, dass die Bände als Lesebuch und nicht als Nachschlagwerk benutzt werden sollen. Andererseits ist es schade, dass es nicht möglich war,  Schnurres Anmerkungen zu einzelnen Filmtiteln oder Personen gezielt zu suchen.
Mit freundlicher Erlaubnis von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen habe ich diesen Index erstellt. Er erschließt nur die Texte von Schnurre, nicht die Einleitung von Jörg Becker und auch nicht die Zeittafel oder Anmerkungen.
Der Index erfasst Filmtitel und Personen, aber keine Firmen oder Sachbegriffe. Die Filmtitel sind nach deutschen Verleihtiteln  geordnet – unter diesen hat sie Schnurre in der Regel auch besprochen.
Alle Fehler gehen auf mein Konto – sie können aber korrigiert werden, wenn der kritische Leser sie mir mitteilt.
Weitere Indices zu der Reihe „Film & Schrift“ sollen folgen.
Schnurre Index

Eugen Tannenbaum: Dr. Mabuse, der Spieler

Der Film, in seinem eigentlichen Sinn erfasst, ist bewegtes Abbild der Gegenwart, ist sensation, Abenteuer, abrollend in rasendem Tempo, konzentrierter Zeitgeist, Spiel und Spiegel des Lebens. Aus dieser Erkenntnis heraus hat der Regisseur Fritz Lang den neuen Uco-Film der Decla-Bioscop Dr. Mabuse, der Spieler entwickelt, unterstützt durch Thea von Harbou, die die Begebenheiten des zuerst in der „Berliner Illustrirten Zeitung“ und dann als Ullsteinbuch erschienenen Romans von Norbert Jacques, dem Bewegungscharakter des Ganzen entsprechend, mit sicherem Griff ungebildet hat.
Nicht der Handlungsgang ist entscheidend für den Erfolg dieses Werkes, das in seiner mitreissenden Wildheit die geschlossene Form des Dramas sprengt, sondern die Episode, nicht das Geschehen in seiner Totalität, sndern symbolhafte Einzelgeschehnisse als lebendigster Ausdruck der zeit, zusammengehalten durch zielbewussten künstlerischen Gestaltungswillen, durch Rhythmus und Tempo, durch Stil und Stimmung. Zusammenballung von Tanz und Verbrechen, von Spielwut und Kokainseuche, von jazz-band und Razzia. Kein wesentliches Symptom der Nachkriegsjahre fehlt. Börsenmanöver, okkultistischer Schwindel, Straßenhandel und Prasserei, Schmuggel, Hypnose und Falschmünzerei, Expressionismus und Mord und Totschlag. In diesem frechen taumel einer entmenschten Menschheit gibt es keinen Sinn, keine Logik – nur Spiel. Aber während die anderen ihm am Bartisch frönen, spielt Dr. Mabuse mit Menschen und Menschenschicksalen. Alles andere ist ihm nur Mittel zum Zweck. Ein genialer Verbrecher in unzähligen Masken und Verwandlungen. Als kühler Börsenschieber im Chaos der Kurse, als betrunkener Matrose und Besitzer einer Falschgeldwerkstatt, als eleganter Lebemann im Spielklub und als professoraler Tapergreis. Sein Wille beherrscht alles und alles. Sein Blick ist befehl, dem sich keiner entziehen kann, der in seinen Bannkreis tritt. Nicht auf geldgewinn und Ausbeuterei kommt es ihm an, sondern darauf, die Menschen zum Werkzeug zu machen seiner Herrschergelüste, seiner Bezwinger-Gier.
Dr. Mabuse ist Rudolf Klein-Rogge. Er hat den hypnotischen, faszinierenden Blick für diese Rolle, der die Menschen lähmt und sie in seinen Willen bannt, und der es versteht, die zahlreichen Verwandlungen, die sein Abenteuerleben erfordert, glaubhaft zu machen.
Es war eine glückliche Idee, die Gestalten dieses Films nicht mit individuellen Zügen auszustatten, sondern sie als typische Vertreter einer gewissen Schicht aus dem Leben unserer Zeit zu kennzeichnen: den Schwächling und Kokainisten Spoerri (Forster-Larringa), den bedeutungslosen Millionärssohn Hull (Paul Richter), die willfährigen Kreaturen Georg und Pesch (Hans A. v. Schlettow und Georg John) und alle die anderen Glücksritter, Dirnen und Schieber, die durch diesen Film gejagt werden, die Schülerin des großen Spielers, die Tänzerin Cora Carozza (Aud Egede Nissen) und Gertrude Welcker als Gräfin Told, mit schweren Lidern über müden Augen, mit der lässigen Geste einer resignierenden Natur, melancholisch, zart, ihr morbider gatte Alfred Abel und der nüchtern, korrekte Staatsanwalt von Wenk (Bernhard Goetzke), der einzig und allein das Rechtsempfinden verkörpert.
Aber nicht nur die Menschen sind typischer Ausdruck unserer Tage, sondern auch ihre Lebensformen, die Umwelt, in der sie auftauchen. So gewinnt das Szenische des Films, die Architektur, eine staunenswerte Leistung der Architekten Stahl-Urach und Otto Hunte, erhöhte Bedeutung: die expressionistischen Räume des gräflichen Kunstmalers Told, die bizarre Ausstattung eines ebenso mondänen wie heimlichen Spielklubs, die nüchterne Amtsstube des Staatsanwalts, Kaschemmenviertel und Luxushotel.
Die Technik des Kurbelapparats (die glänzende Photographie Karl Hoffmanns) feiert Triumphe in diesem Film. Zum ersten Male hat das Problem erleuchteter nächtlicher Straßen seine Lösung gefunden. Unerhört, wenn die leuchtenden Augen rasender Autos durch die Ncht funkeln, wenn ein Hochbahnzug vorübersaust, der zuerst verschwommene, dann immer klarer werdende Blick durch ein Opernglas auf die Varietébühne, die Nuancierung von Licht und Schatten – das allein macht dieses gekurbelte Zeitbild , dessen erster teil gestern im Ufa-Palast am Zoo mit großem Beifall aufgenommen wurde, schon sehenswert. Verblüffend auch die Art, wie einmal der Zwischentitel als lebendiges Ausdrucksmittel benutzt wird, wie der hypnotisierende Blick Dr. Mabuses nicht nur seine Opfer, nicht nur seine Opfer, sondern auch das Publikum unter seine Macht zwingt, wie seelische Vorgänge nach außen projiziert werden. Alles in allem eine glückliche Vereinigung von Kunst und Kino, von Kultur und Technik.
In: BZ, 28. 04. 1922

Technische Filmkritik: Dr. Mabuse, der Spieler

Der jüngste Grossfilm der Decla-Bioscop (Uco-Film) verdankt seinen unbestritten großen und wohlverdienten Erfolg nicht zum wenigsten der glänzenden Technik seiner Aufnahme und Herstellung. Viele Einzelheiten fordern geradezu zur eingehenderen Betrachtung heraus.
Wer für die Technik des Films verantwortlich ist, sagt das Programm nicht; nur Carl Hoffmann, der Photograph, wird genannt. Mit seiner Leistung, die freilich von der der Beleuchtung, zum Teil auch der des Architekten nicht immer scharf zu trennen ist, sei daher begonnen.
Auch der Nichtfachmann sieht bei diesem Film sogleich, dass die Photographie ausgezeichnet ist; sie hat fast überall die richtige Schärfe, nirgends treten – wie sonst sehr oft – unliebsame Spiegelungen auf, es sei denn, man wollte die hellen Glanzlichter auf- und zugehender Türen und der Handvoll von Photographien gleich am Anfang dahin rechnen, die jedoch auf Rechnung der Beleuchtung zu setzen sind; nirgends scheinen falsche Objektive verwandt zu sein, ebenfalls im Gegensatz zu vielen anderen, auch großen Filmen, bei denen der Photograph am falschen Ort die Brennweite von 35 Millimetern benutzt hat, wodurch eine übergroße Tiefe  und starke Verkleinerung nach hinten zu entsteht. Außer den wohlgelungenen Überblendungen fällt die häufige, außerordentlich geschickte Benutzung der Vorsatzblende auf, die die Masken ersetzt; da werden etwa, wenn Dr. Mabuse beim Grafen Told als Gast weilt und die Gesellschaft mustert, nacheinander die einzelnen Köpfe eingekreist, in der Spielszene zwischen Mabuse als holländischem Professor und dem Stattsanwalt Wenk wird das Sehfeld beiderseits abgedeckt, so dass nur der Staatsanwalt sichtbar bleibt, und wenn Dr. Mabuse das Spiel mit der chinesischen Brille treibt, lässt die Vorsatzblende nur diese allein wesentliche Einzelheit frei.
Vor schwierigen Bewegungsproblemen, denen bei der Aufnahme im Spielfilm auch sonst wenig Beachtung geschenkt zu werden pflegt, hat der Photograph bei diesem Film nicht gestanden. Nur eine Einzelheit ist misslungen, allein diese Einzelheit misslingt immer und muss solange misslingen, wie die Regisseure sie dulden: sehr schnelle Bewegungen, die parallel der Bildebene erfolgen, wie das Händeklatschen, können mit der üblichen Bilderzahl nicht korrekt herauskommen, und bei schneller Vorführung, die heute die Regel ist, erscheinen alle Hände doppelt. Wenn es sich noch dazu um eine größere Anzahl klatschender Menschen handelt, wie in einem Zuschauerraum, stört dies nicht wenig.
Die Beleuchtung scheint sich z.t. an amerikanische Vorbilder gehalten zu haben. Man hat mit Licht nicht gespart, ja manchmal des Guten sogar zuviel getan. Manche Innenräume sind mustergültig ausgeleuchtet, d.h. so, dass das Licht den photographischen Bedürfnissen vollkommen gerecht wird, ohne dass der Raum zu hell oder zu dunkel im Hinblick auf seine Bestimmung erscheint. So ist die große Hotelhalle ausgezeichnet; ebenso gilt dies von dem kleinen Zimmer, wenn Georg sich wäscht. Auch die Benutzung von Staub- und Rauchwolken (wie in manchen amerikanischen Filmen) ruft treffliche Lichtwirkungen hervor, so z.B. in einzelnen Szenen in Nachtlokalen und in der Börsenszene. Stellenweise dagegen ist die Raumbeleuchtung zu reichlich, etwa in den Gefängnisszenen. Ein Gefängnis pflegt nun einmal keine festlich beleuchteten Zellen zu haben – irgendwie muss die Beleuchtung dem Rechnung tragen, auch wenn es schwer ist.
Bei der Personenbeuchtung dürfte das Hinter- und Oberlicht für manchen Geschmack stellenweise zu stark sein; wenn z.B. die Carozza und die Gräfin Told bei Mondschein in der Gefängniszelle nebeneinander stehen und ihnen der Mond ins Gesicht scheint, ist es unnatürlich, dass die Haare wegen des Ober- und Hinterlichts wie Heiligenscheine erstrahlen.

Dergleichen wirkt an sich auf manche Zuschauer sehr stark, allein es ist und bleibt unnatürlich. Und unnatürlich ist es auch, wenn Wenk am Fenster steht, den Rücken dem Fenster zugekehrt und sein Gesicht doch voll beleuchtet ist. Die Richtung des Lichts ist überhaupt ein schwieriges Kapitel; allerdings ist es manchmal unmöglich, zu einer photographisch geeigneten Beleuchtung zu gelangen, die nicht den Umständen der Spielhandlung widerspricht. Wenn z.B. Graf Told am Tische sitzt und Stücke seiner Sammlung durch die Lupe betrachtet, muss er wohl oder übel von vorn beleuchtet sein. Wenn er aber dabei die Lupe so hält, dass sie einen Lichtfleck auf seiner Brust abbildet, stört dies. Man braucht zwar keine Lupe mit einem Sammelglase zu nehmen, aber auch eine blosse Lupenfassung ohne Glas oder mit Fensterglas würde bei gleicher Haltung einen deutlichen Schatten entwerfen.
Bei den Großaufnahmen ist die Beleuchtung gelegentlich nicht befriedigend; wenn die Carozza bei Hull die Karte Wenks findet, wenn die Gräfin Told dem Spiel zusieht, dürfen die Gesichter nicht so kontrastarm sein.
Die Außenaufnahmen, d.h. die scheinbaren Außenaufnahmen, die in Wirklichkeit im Atelier gedreht sind, sind zum Teil sehr gut gelungen, photographisch wie nach der Beleuchtung, die eine Fülle von Fallstricken in sich birgt. Nur sehr aufmerksame Beobachter – von den Fachleuten im engsten Sinne natürlich abgesehen – weeden bei solchen Bildern von vornherein wissen, ob es echte Außenaufnehman oder Atelierbilder sind. Wenn allerdings Straßenlaternen waagerechte Schatten werfen, die deutlich sichtbar sind, erkennt man solche (Tag-)Aufnahmen als gestellt, ganz wie man bei Hanneles Himmelfahrt (D 1922; R: Urban Gad), wo die Terra das gleiche Verfahren angewandt hat, durch die Schatten sogleich auf die Aufnahmetechnik aufmerksam wird.
Die Nachtaufnahmen sind gegenüber dem, was man früher regelmäßig zu sehen bekam, eine wahre Erquickung. Vormals half man sich, indem man das „Nachtbild“ blau viragierte, auch wenn etwa in einer nächtlichen Gartenszene hinten die Hühner fröhlich herumliefen. Noch im Mann ohne Namen (D 1920; R: Georg Jacoby), einem Film, der technisch gewiss zu den besten gehört, ist eine Nachtszene in Italien vorhanden, auf der man auch ohne genaueres Zusehen im Hintergrunde sogleich den für die Nacht überstarken Verkehr auf dem Wasser bemerkt. Für die Filmaufnahme ist bei Nachtszenen das Wesentliche, dass der Vordergrund photographisch deutlich herauskommt, dass aber in der Tiefe das Licht sehr schnell abnimmt, denn bei Nacht hat das menschliche Auge keine Fernsicht. Das ist im Dr. Mabuse hervorragend gut herausgebracht. Nur selten beeinträchtigt die Richtung des Lichts die Wirkung, etwa in der Mordszene, wo das Licht für den Mörder, der im Hause in die Höhe klettert, genau waagerecht von der Seite kommt, und nur in Ausnahmefällen stört die Unruhe des etwas hin- und hergehenden Scheinwerferlichts, wie in einer Szene, die vor dem Eingang des Hauses in der Haydnstrasse spielt.
Die Nachtszenen mit Effektbeleuchtungen, das Vorüberfahren der Hochbahn, die bis in die Tiefe führende Laternenreihe, das Aufblitzen des Lichts während der Autofahrt sind Leistungen, die, wenigstens in Deutschland, bisher nicht erreicht worden sind. Ob die Amerikaner, wie behauptet wird, solche Wirkungen besser herausgeholt haben, lässt sich nicht beurteilen. beim ersten Male dürften auch sie aber schwerlich einen schöneren Erfolg erzielt haben.
Ein beliebter Lichteffekt, das Einschalten von Lampen, die dem Anzünden oder Einschalten von Lampen in der Handlung entsprechen, wurde früher auch durch Viragewechsel hervorgerufen. Neuerdings schaltet man bei der Aufnahme wirklich Licht ein oder gibt die starke Zusatzbeleuchtung irgendwie anders frei. Dr. Mabuse betritt das „runde Zimmer“, sieht einen Augenblick den halbhellen Raum und dreht dann den Schalter. Eas ist schade, dass diese optisch sehr wirksame Szene nicht ganz einwandfrei herausgekommen ist. Augenscheinlich haben die Zusatzlampen nicht sogleich gezündet oder die Kohlen waren nicht richtig eingebrannt.
Die Gefängnisszene bei Mondschein, mit der die Erörterung der Beleuchtung beendet sein möge, zeigt, wie der vom Mondlicht an die Wand geworfene Schatten des vergitterten Fensters von einer Seite zur anderen wandert; stimmungsvoll, und zugleich das beste Mittel, um anzudeuten, dass es sich um ein langes Gespräch handelt. Warum aber, wenn man einen so schönen Einfall hat, warum aber sieht der Leiter nicht vorher in einem Lehrbuche der Astronomie nach, wie sich der Mond bei uns zu bewegen pflegt? Der Schatten wandert in der vorgeführten Szenenfolge von rechts nach links durchs Bild anstatt umgekehrt! Nun, derjenige, der hierfür verantwortlich ist, mag sich damit trösten, dass er sich in bester Gesellschaft befindet, denn Walter Scott lässt in einem seiner Romane sogar die Sonne im Osten untergehen!
Die einkopierten Trickbilder, die Visitenkarte und der Kopf Dr. Mabuses, sind so gut oder so schlecht gelungen, wie sie mit den besten beschaffbaren Einrichtungen eben geraten können; die beiden Bilder schwingen ganz schwach, aber doch noch wahrnehmbar gegeneinander auf und ab. Andere Trickaufnahmen sind bei der Herstellung  ausgezeichnet herausgekommen, z.B. in der Szene,  wo Wenk dem Dr. Mabuse beim Spiel gegenübersitzt, das Verschwimmen der Umgebung, bis der Kopf allein sichtbar bleibt und nun immer grösser wird.
Schließlich sind noch die Titel zu erwähnen. Sie sind anscheinend mit grosser Liebe hergestellt; nur der Rolltitel am Anfang ist nicht restlos befriedigend, denn die Bewegung erfogt ruckweise. Die schöne Schrift dürfte wahrscheinlich manchem Zuschauer zu schwierig sein. Buchstaben mit solchen Oberlängen erfordern das Vorhandensein reichlichen Zwischenraums zwischen den Zeilen. Es kommen aber sogar Durchschneidungen der Buchstaben benachbarter Zeilen vor. Beim Festlegen der Titeltexte ist man sehr gründlich vorgegangen. An einer Stelle kommt, am Ende eines Titels, innerhalb direkter Rede ein Zitat vor. Man kann lange suchen, bis man in einem anderen Film an solcher Stelle das doppelte Anführungszeichen vorfindet, wie ee durchaus richtig ist.
Die Kopie ist einwandfrei; dass sie etwas zu rasch vorgeführt wird, lässt sich wegen der Länge des Films wahrscheinlich nicht ändern. Darauf, dass keine bunten Viragen angewandt sind, hat die Deutsche Bioscop selbst bereits hingewiesen.  Bei diesem Film ist die Schwarz/Weiss-Wirkung durchaus angenehm. Daraus folgt aber nicht, dass man nun künftig alle Filme ohne farbige Viragen lassen soll.
H.P. , das ist Hans Pander, in: Film-Kurier, 5. Mai 1922

Carl Hoffmann: Wie ich die Nacht einfing

Nachtaufnahmen sind schon in vielen Unterhaltungsfilmen gedreht worden. Aber nur selten ist der wahre Charakter der Nachtbeleuchtung erfasst, gewahrt. In dem Film Dr. Mabuse, der Spieler haben der Regisseur Fritz Lang und ich den Eindruck gehabt, dass wir bei einem modernen Sittenbild unserer Zeit verpflichtet sind, auf die Bilder, die bei den verschiedenen Geschehnissen in den nächtlichen Straßen hergestellt werden müssen, besonderes Augenmerk auf die Entstehung der richtigen Stimmung zu richten haben. Natürlich türmten sich Schwierigkeiten rein technischer Natur vor uns auf. Durch eine Anzahl kleiner, zeitraubender Experimente, glückte es uns, alle Hemmungen aus dem Weg zu räumen.
Zunächst benötigten wir für die Nachtaufnahmen auf einer langen Großstadtstraße ein außergewöhnlich großes Atelier, da die Lichtstimmungen nur in einem geschlossenen Raume hervorgebracht und das dazu notwendige Jupiterlicht zur ruhigen Entfaltung gebracht werden konnte. Otto Hunte baute also die Straße im Atelier künstlich auf. Inzwischen machten wir Lichtstudien in richtigen Großstadtstraßen, um zunächst ein Programm für die Verteilung von Licht und Schatten aufzustellen. Dabei mussten wir berücksichtigen, dass die genaue Nuance in der Stimmung beim Ausmalen der Nacht im Glashause mit seinem überaus starken Kinolicht wesentlich größere und stärkere Lichtquellen erforderlich machte, als es im natürlichen Leben auf den nächtlichen Straßen der Fall ist.

Dr. Mabuse, der Spieler. D 1921. R: Fritz Lang – Strasse bei Nacht

Wir hingen über die Mitte des Straßendammes eine lange Reihe von Bogenlampen. Eine jede besitzt mehrere 1000 Kerzenstärke. Es handelt sich nur um normale Effektlampen. Sie gaben der Straße das langgestreckte, sich in der ferne verlierende Aussehen. Außerdem versteckten wir in den Schaufenstern die gewöhnlichen Jupiterlampen. Hinter den Gardinen und in allen möglichen Ecken lugten sie hervor und beleuchteten grell die Straße. Hier und dort sorgte eine Aufhängelampe, ebenfalls wieder mit sehr starkem Licht, für die Unterbrechung der Dunkelheit über dem düsteren Pflaster. Sonst war aber von der üblichen Hilfsbeleuchtung Abstand genommen. Auf diese Weise war das ruhige, stille Straßenbild durch diese Beleuchtungsarbeit gesichert.
Nun begann für uns die filmtechnische Wiedergabe des Lebens auf dem nächtlichen Großstadtpflaster, das Rollen, laufen, das Fahren der beleuchteten Gefährte. Wir benutzten einfache, starke Autoscheinwerfer, wie man sie im täglichen verkehr benötigt. Durch eine kleine Nachhilfe in der Glühstärke der Lampen brachten wir es fertig, dass sich diese glühenden Auto-Augen in der richtigen Weise in die anderen Effekte einfügten, dass auch durch diese Beleuchtungstricks die harmonischen Nachtbilder nicht gestört, sondern in ihrer Wirkung um Vieles verbessert wurden.

Ein Eisenbahnzug rast über die Brücke

Um diesen Photographien einen Hohepunkt zu geben, haben wir einmal einen hell erleuchteten Eisenbahnzug über die nächtliche Großstadtstraße hinwegsausen lassen. Dieses Bild dürfte wohl das erste mal in dieser Form in einem Kinematographentheater gezeigt worden sein. Ich will gern den Neugierigen ein wenig in und vor meinen Kurbelkasten blicken lassen, wenngleich es nicht meine Absicht ist, dem Publikum die Illusion zu rauben und dem Fachmann allzu deutliche Tips in seine Werkstatt zu reichen. Es sei nur darauf hingewiesen, dass man im lebenden Lichtbild auch Aufnahmen herzustellen vermag, die in Wirklichkeit viel kleiner sind als man sie später auf der Leinwand bewundern darf. Dass also die gezeigten Photographien nicht immer Originalgröße aufweisen müssen. Man soll einmal nachdenken, wie groß der vorüberfahrende Zug bei den Atelieraufnahmen wohl gewesen sein mag.
Wie bitte, Kleinkindereisenbahn? Und nachher in die Großstadtstraße eingefügt?
Nun, eine Bestätigung dieser Frage würde wieder zuviel enthüllen….

In: Film-BZ, 7. Mai 1922

Projektionsgeschwindigkeit des Südfilm-Verleihs 1928

1928 veröffentlichte die Südfilm zu ausgewählten Filmen ihres Verleihprogramms in ihrem Werbeheft Südfilm-Journal Musikaufstellungen mit Angaben zur Vorführgeschwindigkeit. Diese Musikaufstellungen wurden auch durch die Filmmusik-Union vertrieben. Ab dem 1. April 1929 wurde das Format des Südfilm-Journals vom grossen Zeitungsformat auf das kleinere Magazin-Format umgestellt. Es erschienen jetzt keine Musikaufstellungen mehr. Nicht alle Musikaufstellungen enthielten Angaben zur Projektionsgeschwindigkeit. Wahrscheinlich waren inzwischen 28 Bilder/Sekunde für Filme der Südfilm allgemein üblich.
Die Original-Ausgaben des Südfilm-Journals durfte ich in der Bibliothek der deutschen Kinemathek Berlin einsehen. Für Unterstützung danke ich Cordula Döhrer.

Wenn ein Weib den Weg verliert (Café Electric)
Österreich 1927. Regie: Gustav Ucicky
Mit Willy Forst, Marlene Dietrich
Musikaufstellung: H. Worch
30 Bilder /Sekunde

Küsse, die töten (Verheimlichte Sünde) OT: Le baiser qui tue
Frankreich 1928. Regie: Jean Choux
Mit André Soral, Claude Harold
Musikaufstellung: Kapellmeister Alexander Schirmann
28 Bilder/Sekunde

Dorine und der Zufall
Musikaufstellung: Kapellmeister Alexander Schirmann
Österreich 1928.
Regie: Fritz Freisler
Mit Fay Marbé, Ernst Verebes,
28 Bilder/Sekunde

Saxophon Susie
D 1928. R: Karel Lamac
Mit Anny Ondra, Mary Parker
Musikaufstellung: Paul Dessau
28 Bilder/Sekunde

Die tolle Komtess
D 1928. R: Richard Löwenbein
Mit Dina Gralla, Tilla Garden
28 Bilder/Sekunde

Aus dem Tagebuch eines Junggesellen
D 1928. R: Erich Schönfelder
Mit Reinhold Schünzel, Iwa Wanja
Musikaufstellung: Paul Dessau
28 Bilder/Sekunde

 

 

Karin Baal (1957)

Karin Baal

Das deutsche Publikum liebte in den fünfziger und sechzigern des 20. Jahrhunderts das deutsche Filmkind. Da gab es endlich wieder glaubhafte Unbefangenheit und Naivität – Eigenschaften, die den Erwachsenen durch die Kriegs- und NS-Jahre fremd geworden waren. Und als Zuschauer konnte man doppelt geniessen – zum einen das Gefühl der Überlegenheit durch Lebenserfahrung und zum anderen die Teilhabe an rührend unbefangener Hoffnung auf Glück. Besonders beliebt waren natürlich junge Mädchen wie Christine Kaufmann, die ihre erste Rolle mit sieben Jahren unter Willi Forst Im weissen Rössl spielte und 1954 unter Harald Reinls Regie zum Rosen-Resli wurde. Jutta und Isa Günther, beide Jahrgang 1938, waren 1950 Das doppelte Lottchen, die gleichaltrige Romy Schneider trat erstmals mit 15 Jahren in Hans Deppes Wenn der weiße Flieder wieder blüht auf und wurde dann ab 1955 in drei Filmen zur immerwährenden Sissi. Angelika Meissner; Jahrgang 1939, erschien erstmals mit zehn Jahren in Harald Brauns Nachtwache (1949) und wurde mit Heidi Brühl (Jahrgang 1942) als Gechwisterpaar Dick und Dalli in den Immenhof-Filmen (1955 – 57) bekannt. Produzent der Immenhof-Filme war Gero Wecker, der 1956 aus Marion Michael (Jahrgang 1940) Liane, das Mädchen aus dem Urwald schuf. Liane war barbusig, ein Skandal und ein Kassenschlager. Marion Michael und auch Vera Tschechova (Jahrgang 1940) oder Karin Baal, Inge Egger und Susanne Cramer waren keine Kinder mehr, sondern junge Frauen, was für die Produzenten und die Männer unter den Zuschauern besonders attraktiv war. Und Karin Baal war wirklich alles andere als ein Rosen Resli – Sissi ja, aber mit Ypsilon und Zigarette.
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Erklärung der Interwest (1957)

Erklärung der Interwest-Film
Karin Blauermel, 15jährig, Schülerin einer privaten Mal- und Modezeichenschule, bewarb sich bei uns um die Rolle der Sissy in dem Film Die Halbstarken. Sie war der Typ, den wir suchten, und wir engagierten sie. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, ob sie die Begabung, die Zielstrebigkeit und den Ernst zu einer wirklichen Karriere in sich hatte, Wir wussten auch nicht, ob sie die Rolle bewältigen würde und ob eventuell eine Umbesetzung während der Dreharbeiten notwendig werden würde. In dieser ungewissen Situation mussten wir eine finanzielle Regelung mit Karin Blauermel, genannt Baal, treffen. Folgende Gesichtspunkte waren für uns bei der Vertragsabfassung bestimmend:
1) Wenn Karin versagt, wollten wir keinen zu großen finanziellen Verlust haben.
2) Wenn Karin sich als großes Talent beweist, wollten wir für das Risiko, welches wir zweifellos mit dem Engagement eingegangen sind, entschädigt werden.
3) Wir wollten aber auch Karin ein Gefühl der Sicherheit für die kommenden Jahre der Berufsausbildung geben. Wir lösten sie aus der Mal- und Modezeichenschule aus, bei der sie einige hundert Mark Schulden hatte, und verpflichteten uns innerhalb eines Drei-Jahres-Vertrages mindestens 7200 DM an Karin Baal zu zahlen – auch dann, wenn sie am ersten Drehtag versagen würde, nämlich 36 Monate Taschengeld à 100 DM 3600 DM, 2 Jahre Schauspielschule à 150 DM mtl. = 3600 DM, insgesamt 7200 DM.

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Die Probeaufnahme zum „Blauen Engel“ (1930)

 

Dieser Text ist auf französisch mit der Probeaufnahme auf der Seite Henri der Cinematheque Francaise erschienen und dort bis zum 21. Mai abrufbar https://www.cinematheque.fr/henri/film/152529-marlene-dietrich-der-blaue-engel-screen-test-josef-von-sternberg-1930/

Bei der Realisierung des Textes haben Gudrun Weiss, Christiane von Wahlert, Loy Arnold, Mark Grünthal, Friedemann Beyer und Raoul Konezni geholfen. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.

Der blaue Engel war einer der ersten Tonfilme der Ufa, der größten deutschen Produktionsfirma. 1929 hatte die Ufa extra eine neue Halle – das sogenannte Tonkreuz – für Tonfilmaufnahmen gebaut. Emil Jannings war für seinen letzten amerikanischen Film „The way of all flesh“ mit einem Oscar ausgezeichnet worden und kam gerade aus den USA zurück; er sollte die Hauptrolle in dem ersten Film spielen, der in dem Tonkreuz gedreht wurde. Ernst Lubitsch war für die Regie vorgesehen, aber Lubitsch war für die Ufa zu teuer – Josef von Sternberg war günstiger. Außerdem hatte Sternberg bereits einen Tonfilm inszeniert und in den USA mit Jannings zusammengearbeitet. Von Heinrich Mann, dem älteren Bruder des Nobelpreisträgers Thomas Mann, erwarb die Ufa die Verfilmungsrechte an dem Buch „Professor Unrat“; die Dramatiker Carl Zuckmayer und Carl Vollmöller sollten mit dem Ufa-Mitarbeiter Robert Liebmann das Drehbuch schreiben. Professor Unrat (eigentlich Professor Rath) war der Spitzname eines Gymnasiallehrers in einer norddeutschen Hafenstadt, der einem leichten Mädchen aus einer billigen Kneipe in Liebe verfällt und ihm seine Reputation opfert. Die Rolle des Professors war für Emil Jannings reserviert, aber welche Schauspielerin sollte das leichte Mädchen Rosa Fröhlich, auch Lola Lola genannt, spielen?
Sternberg kannte sich mit deutschen Schauspielerinnen nicht aus, und die Vorschläge, die man ihm machte, behagten ihm ganz und gar nicht. Heinrich Mann brachte seine Freundin Trude Hesterberg ins Spiel, Emil JanningsFavoritin war Lucie Mannheim, Leni Riefenstahl stellte sich selbst Sternberg vor. An Marlene Dietrich dachte niemand.
In ihren Bühnenshows erzählte Marlene später die Geschichte ihrer Entdeckung:
„I like to sing a song that brought me into film. I was a student in a theatre school in Europe and a very famous american film director Mr. Josef von Sternberg came over there to make a film. The name of the film: The Blue Angel. He had looked at all the actresses and couldn’t find the one he wanted for the part and finally looked at the students and one day I received a call to come and make a test for the part and I was told to bring along a very naughty song…Well, I was so sure that I was never going to get the part that I went there without the naughty song. But the director had great patience with me and said.“You know you have to sing a song for the test“. And I said. „Yes, I know, but which one?“ and he said:“Well, as long as you didn’t bring a naughty song sing any song you like.“ And I said: „I like american songs.“ And he said: Allright, sing an american song.“ And here’s the song that brought me into films.“
Dann sang sie „You’re the cream in my coffee“.
Marlenes Geschichte ist nett, aber sie stammt aus dem Buch der Märchen und Legenden. Am 5. September 1929 hatte die Revue „Zwei Krawatten“ von Georg Kaiser im Berliner Theater Premiere. Josef von Sternberg wollte sich Hans Albers und Rosa Valetti ansehen, die man ihm als Darsteller für den Blauen Engel vorgeschlagen hatte. Marlene Dietrich spielte eine der weiblichen Hauptrollen – Mabel, eine reiche Amerikanerin. Natürlich wusste jeder der Darsteller, wer da im Publikum saß. Marlene Dietrich gab sich keinen Illusionen hin; ihr war klar, dass Sternberg nicht ihretwegen ins Theater gekommen war; sie spielte ihre Rolle bewusst lässig und unbeeindruckt von dem wichtigen Gast. Genau das faszinierte den Regisseur. Er liess sie zu Probeaufnahmen in die Ufa Studios Babelsberg einladen.

Eine Tonlampe wird von links in das Bild gehalten, leuchtet auf und schrillt wie ein Wecker. Von rechts hält eine Hand eine Tafel ins Bild und verdeckt Marlene Dietrichs Gesicht. Auf der Tafel stehen der Name des Produzenten (Pommer), des Regisseurs (Sternberg) und der Schauspielerin (Dietrich), dazu die Produktionsnummer des Films (701 – der Filmtitel selbst stand noch nicht fest), die Szenennummer (195) und die Aufnahmenummer (3). Eine Stimme aus dem Off liest vor, was auf der Tafel steht. Die Szene 195 ist wahrscheinlich eine Codenummer für die Probeaufnahme, aber was bedeutet „Aufnahme 3“. War das die dritte Aufnahme mit Frau Dietrich oder war das die dritte Probeaufnahme? Das bleibt ein Geheimnis.
Die Tafel verschwindet, wir sehen eine junge Frau mit gesenktem Blick, die Hände auf einem Klavier übereinandergelegt, in der rechten Hand eine brennende filterlose Zigarette. Aus dem Off jetzt eine andere, leisere Stimme. Sternberg: „So, langsam, jetzt“. Marlene hebt den Kopf, steckt die Zigarette in den Mund, nimmt einen Zug und bläst den Rauch seitlich nach oben aus dem Mund Sie legt die Zigarette wieder auf das Klavier und fischt einen Tabakkrümel aus dem Mund, wendet den Kopf weit nach rechts und nach links, senkt wieder die Augen und gibt dem Klavierspieler ein stummes Zeichen zum Beginn. Klavierspiel. Marlene beginnt ihren Gesang:
You’re the cream of my coffee,
you’re the salt in my stew,
you will always be my neceesity
I’m lost without you.

Sie lächelt, wendet den Blick aufwärts und wiegt den Kopf im Rhythmus der Strophen nach links und nach rechts.
Bei der nächsten Strophe verspielt sich der Klavierspieler, im Vordergrund brennt die Zigarette. Marlene verstummt, der Klavierspieler hört auf. Marlene schaut herab und sagt verärgert: „Soll Musik sein, ja?“ Sie nimmt die Zigarette, schnippt ein bisschen Asche weg , atmet einmal durch und ordnet an: „Noch mal!“ Das Licht liegt auf den Armen, den Wangenknochen und der Nasenspitze.
Ein neuer Versuch, dasselbe Lied, dieselben Kopfbewegungen, nur etwas verhaltener. Wieder verspielt sich der Klavierspieler. Jetzt wird Marlene wütend. „Mensch, was fällt Dir eigentlich ein? Soll das Klavierspielen sein? Zu dem Dreck soll ich singen ? Ja, auf’m Waschtrog, aber nicht hier. Dussel.“ Sie zieht an ihrer Zigarette. Spuckt einen Krümel aus und thront förmlich hinter dem Klavier. Spöttisch ordnet sie an: „Nochmal.“ Nun hebt Marlene die Arme, stützt ihr Kinn auf die Hände und beginnt erneut das Lied. Sie bewegt den Kopf und die Hände nach links und rechts, imitiert absichtlich die Posen amerikanischer Filmstars und schlägt, als der Klavierspieler sich wieder verspielt, mit der Hand so energisch auf das Klavier, dass die Zigarette herunterfällt. Jetzt herrscht sie den Klavierspieler an: „Das geht doch so nicht, verstehste das nicht? An Dir ist auch wohl ‘n Genie verloren gegangen. Wegen Dir muss ich den ollen Quatsch singen, den kannste.“ Die Kamera wechselt jetzt von der Nahaufnahme zur amerikanischen Einstellung.
Marlene geht um das Klavier herum, tritt dann mit einem Bein auf die Tasten und setzt sich auf das Klavier. Zum ersten Mal sieht man, dass sie ein schwarzes Kleid mit einem festgenähten Überwurf trägt, auf dem Strassperlen funkeln. Marlene zieht sich den Strumpf des linken Beins hoch und warnt den Klavierspieler: „Wenn Du jetzt falsch spielst, dann gibt‘s ‘nen Tritt“. Und sie beginnt, auf dem Klavier sitzend, ihren Körper im Rhythmus des Gesangs zu wiegen, stemmt die Arme in die Seiten, singt frech und natürlich: Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht, wenn an der nächsten Ecke schon ein andrer steht. Man sagt „Auf Wiedersehn“, und denkt sich heimlich bloß – Na endlich bin ich wieder ein Verhältnis los.
Eine Hand schiebt sich vor die Kamera, die Tonlampe schrillt, Marlene flüstert noch etwas zu dem Musiker, was wie „Entschuldigung“ klingt. Die Probeaufnahme ist aus.
Was hat Sternberg gesehen, was hat Marlene ihm gezeigt? Zunächst ein braves, zurückhaltendes Mädchen mit gesenktem Blick, dann einen Fan amerikanischer Songs, der passabel singen kann; das Mädchen wird zornig und wütend, als der Klavierspieler sich verspielt; es fällt in den Gossenjargon, pafft und spuckt die Zigarettenkrümel aus und zieht sich dann ganz ungeniert die Strümpfe hoch. Sternberg sieht die Beine und dann eine selbstbewusste Berliner Göre, die einen Gassenhauer zum Besten gibt. Kurz gesagt: Er sah eine Frau, die souverän auf der Klaviatur ihrer Möglichkeiten spielte und sich auch anzuziehen wusste: die im Licht funkelnden Strassperlen ziehen den Blick auf sich und lenken von dem etwas üppigen Körper ab.
War die Probeaufnahme spontan entstanden oder inszeniert? Sicher war sie nicht improvisiert, denn kein professioneller Klavierspieler spielt dauerhaft so daneben. Der Streit war geplant wie auch das Hochziehen der Strümpfe.
Die Probeaufnahme war kein Sternberg-Film, sondern Marlene in Reinkultur. Für Marlene war dieser kurze Film der Beginn ihrer Zusammenarbeit und ihres Liebesverhältnisses mit Josef von Sternberg. Ob sie die Probeaufnahme jemals gesehen hat, wissen wir nicht. Auf jeden Fall wollte sie sie unbedingt in dem biografischen Film „Marlene“ von Maximilian Schell sehen. Schell kontaktierte viele Filmarchive, konnte aber keine Kopie eruieren. Erst 1988 kam die Probeaufnahme in den Besitz der Murnau-Stiftung und wurde von Nitro auf Sicherheitsfilm umkopiert. 1995 gab es eine erneute Umkopierung für eine DVD-Edition des „Blauen Engel“.

Wer immer die Kopie der Probeaufnahme bis 1988 besaß, war clever genug, sie nicht aus der Hand zu geben. Marlene Dietrich war dafür bekannt, wegen Nichtigkeiten Prozesse anzustrengen und ihre Prozessgegner auf hohe Summen zu verklagen. Wahrscheinlich ist sie selbst dafür verantwortlich, dass sie die Probeaufnahme nie gesehen hat.

Klare Verhältnisse mit nachfolgender Eintrübung

Heft 12/1980 der DDR-Zeitschrift „Film und Fernsehen“ war ganz Marlene Dietrich gewidmet. Ein ehrenwertes Unternehmen, möchte ich meinen, denn Frau Dietrich hat neben ihrem Rang als eine der Unsterblichen des Kinos auch die Qualität eines politischen Symbols: Von den Nazis umworben, widerstand sie allen Angeboten und Drohungen und entschied sich wie selbstverständlich für den aktiven, lebensgefährdenden Kampf gegen den Nationalsozialismus. In der Bundesrepublik ist ihr das lange nachgetragen worden; zu Recht schreibt Günther Netzeband in diesem Zusammenhang: ,,Die Bundesrepublik hatte, ganz im Gegensatz und als Voraussetzung für die DDR, nie ein klares Verhältnis zu den Emigranten gefunden.“ Daß dieses „klare Verhältnis der DDR zu den Emigranten” in einer Sondernummer von Film und Fernsehen sich entsprechend manifestiert, scheint mir selbstverständlich. Nicht so der Redaktion von Film und Fernsehen; ihr ist dieses Heft vielmehr zu einem Dokument des gestörten Verhältnisses zur Bundesrepublik geraten. Wenn Günther Netzeband über den Umweg sicher berechtigter Vorwürfe gegen die Bundesrepublik die Unbeflecktheit seiner Weste anpreist, so ist das wohl kurios, im Fall Marlene Dietrich jedoch verständlich. Peinlich wird es aber, wenn man bei der Reklamierung einer antifaschistischen Künstlerin zu Argumentationshilfen in Form von Zitaten und ganzen Artikeln greifen muß, die in eben jenem Staat erstveröffentlicht wurden, dem man die Fähigkeit zur Aufarbeitung der Vergangenheit abspricht. Daß ein rundes Dutzend der Beiträge in 12/1980 von Film und Fernsehen aus westdeutschen Büchern übernommen wurde, könnte den Autoren und Herausgeber jener Publikationen nur schmeicheln; auf daß das nicht geschehe, hat sich die Film und Fernsehen-Redaktion darum gesorgt, möglichst alle exakten Quellenangaben zu vermeiden und stattdessen im Impressum summarisch die Liste jener Bücher zu verzeichnen, aus denen man sich mehr oder weniger üppig bediente. Als Grandiosium der Unverfrorenheit folgt ein artiges Dankeschön allen Autoren, Verlagen und Personen für ihre freundliche Unterstützung. Ich weiß zumindest von einem westdeutschen Verlag, aus dessen Veröffentlichungen gleich auf mehreren Seiten nachgedruckt wurde, daß er weder um „freundliche Unterstützung“ noch gar um Nachdruckerlaubnis gebeten wurde. Vielmehr hielt es der Henschelverlag bislang nicht einmal für nötig, ihm auf seine Bitte um Übersendung eines Belegexemplars überhaupt zu antworten. Wer ein derart dubioses Verhalten an den Tag legt, kann wohl kaum im Ernst für sich noch das Wort‘ von den „klaren Verhältnissen“ beanspruchen – denn sonst wären auch die „Anonymen Flugblätter und Briefe“, im Zusammenhang mit Marlene Dietrichs Tournee in der Bundesrepublik entstanden, nicht nachgedruckt worden: Sie sind auf Frau Dietrichs nachdrücklichen Wunsch für eine Wiederveröffentlichung gesperrt. Günther Netzeband, der in seinem Eingangsartikel die Schlußworte so setzt, als habe er soeben noch mit Marlene gesprochen, muß sich die Frage gefallen lassen, wem ein derart fahrlässiges Verhalten Nutzen bringen soll. Bei etwas mehr Offenheit gegenüber den Filmhistorikern in der Bundesrepublik hätte er auch jene Materialien gegen die „reaktionären Vertreter dieses Staates“ bekommen können, die ihm nun vor lauter ideologischer Blockierung zu Rohrkrepierern geraten sind.

FilmKorrespondenz Nr. 3, 10. März 1981

 

Peter Pewas

Der folgende Beitrag über Peter Pewas stammt aus dem Jahr 1981. Natürlich war ich versucht, einige Passagen umzuformulieren, aber ich habe im Wesentlichen den Text so belassen wie er erschienen ist. Die wörtlichen Zitate stammen aus einem Interview, das Hans Michael Bock und ich mit Peter Pewas gemacht hatten.

Der Filmregisseur Peter Pewas, Jahrgang 1904, hat zwischen 1939 und 1971 drei lange Spielfilme und siebzehn Kurzfilme gedreht – so die offizielle Version. An zwei weiteren langen Filmen hat er entscheidend mitgearbeitet, ohne für die Endmontage verantwortlich zu sein; bei einigen wenigen Kurzfilmen wird seine Mitarbeit vermutet, lässt sich aber nicht nachweisen. Für 30 Jahre Arbeit im Film ist das ein relativ kleines, bestimmt nicht homogenes Werk. Im Rahmen der Berlinale 1981 wurden drei Kurzfilme von Peter Pewas (Jahrgang 1904):EINE STUNDE (1940/41), MENSCHEN – STÄDTE – SCHIENEN (1949), DER NACKTE MORGEN (1956) und zwei Langfilme gezeigt – DER VERZAUBERTE TAG (1943/44) und VIELE KAMEN VORBEI (1956); durchaus treffend lief das Programm unter dem Titel „Hommage für Peter Pewas”. „Als der Krieg zu Ende war, hatte ich als junger Regisseur diese große Belastung im Nacken – und die verfolgte mich leider jahrelang –, dass ich keinen Film vorzuweisen hatte. DER VERZAUBERTE TAG war ja von den Nazis verboten worden und schien damit verloren. Ich hatte nur den Ruf, ein besonderer, aber auch ein besonders schwieriger Mann zu sein. Mit dieser Belastung ging ich in die Zukunft hinein, und dann hatte mich die Filmkrise Anfang der fünfziger Jahre am Wickel. Ich musste jede Arbeit annehmen, die sich mir anbot. Da griff ich hier zu und hier zu und verlor damit meine eigentliche Linie. Ich hatte einfach nicht das Vermögen und die Cleverness, in dieser kommerziellen Industrie mich durchzusetzen.“ Die Auswahl in Berlin zeigte, daß Pewas Selbsteinschätzung nicht ganz richtig ist. Sehr wohl zeigte sich eine eigene Linie, wenn auch nicht da, wo Pewas sie gern gesehen hätte. „Meine Bildermacherei – das ist meine Stärke und gleichzeitig meine Schwäche, weil ich von der Form aus jede Sache so auflösen wollte, daß sie interessant wird. Leider vergaß ich oft, den inneren Gehalt zu berücksichtigen. So bin ich auch auf das Drehbuch von VIELE KAMEN VORBEI hereingefallen.” Was Pewas den inneren Gehalt nennt, ist das, was vor den Bildern liegt – das Literarische, das Drehbuch. Eben da hätte er gerne eine eigene Linie gehabt; ein Projekt, das er in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt, war der Kindermörderfilm. „Das Buch sollte mir einmal den Durchbruch bringen. Ich hatte die Absicht, mich selbständig zu machen und suchte nach einem Thema, mit dem man die Öffentlichkeit ansprechen kann. In Berlin lernte ich damals, nach STRASSENBEKANNTSCHAFT, Klaus Kinski kennen; er war ein ernsthafter, zwar verrückter, aber hinreißender Schauspieler. Für ihn entwickelte ich das Kindermörder Thema. Das sollte nicht nur ein Krimi, sondern ein Bild der ganzen Nachkriegszeit werden. Wohl gab es im Stoff spannende Momente, aber uns ging es darum, an einem Menschen exemplarisch die psychologischen Auswirkungen der Kriegserlebnisse vorzuführen. Wir wollten zeigen, wie dieser Mensch durch die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre zerstört wurde. Irgendwann sagt er, er wolle ein Kind schützen und aus dieser Absicht kommt er in Verbindung mit seiner Psyche dazu, das Kind so zu drücken, bis es auf einmal tot ist.“

Das Projekt zerschlug sich, wohl auch, weil das Buch die Zeit wider den Strich aufbereitete. Seine Bilder taten das auch, aber das sah man erst dann, wenn der Film fertig war. Die eigene Linie wird nur klar aus den Bildern, aus der Bewegung innerhalb der Bilder und ihrer Beziehung zueinander.
Was er nicht zu Papier bringen konnte, spricht er mittels der Kamera aus. – Pewas Filme erzählen von der Suche nach einem imaginären Zuhause; die Bilder der Wohnungen, der Straßen und Restaurants erzählen von der Abwesenheit dieses Ortes. Die Geschichte der Räume, in denen sich seine Personen bewegen, scheinen mit ihrer ständigen Präsenz deren Zukunft zu determinieren. Zentrale Motive bei Pewas sind Verlassen, Aufbruch, Unterwegs-Sein, die Suche und deren Vergeblichkeit, aber auch die Unmöglichkeit der Rückkehr. In seinem ersten Kurzspielfilm EINE STUNDE bildet ein Restaurant den zentralen Set; die Ereignisse, die sich darin abspielen, sind aber nur sekundärer Natur, Folgeerscheinungen von Begebenheiten, die sich außerhalb abspielen. EINE STUNDE beginnt mit einer langen Kamerafahrt durch das Lokal, so kontinuierlich, daß ich darauf gefaßt war, am anderen Ende des Lokals durch eine Tür mit der Kamera wieder herauszutreten. Dies ist kein Ort zum Verweilen. Ein Mann kommt nach langer Abwesenheit nach Hause, um seine Mutter zu bestehlen; seine Geliebte, die im Lokal auf ihn wartet, hat ihn dazu überredet. Die Mutter überrascht ihren Sohn, der macht seinen Frieden mit ihr und will nun zu Hause bleiben; der reuige Deserteuer aber wird gleich von der Polizei abgeholt. In EINE STUNDE ist schon etwas von dem Fatalismus zu spüren, der den VERZAUBERTEN TAG entscheidend prägt. In beiden Filmen befinden sich die Hauptpersonen in einer ausweglosen Situation. Das Glück, was sie zu Hause nicht finden, suchen sie in der Fremde. Dafür werden sie gleich doppelt bestraft; durch die Enttäuschung ihrer Hoffnung auf Glück, und bei ihrer Rückkehr mit der Strafe für den Zweifel.

Im VERZAUBERTEN TAG spricht der Off-Erzähler gleich am Anfang von einem „schicksalhaften Verhängnis“, das Christines (Winnie Markus) Leben bestimmt hat. Der Kunstmaler Albrecht Götz (Hans Stüwe), mit dem sie ein Abenteuer erlebt hat, nimmt von der auf einer Bahre liegenden Christine einen Brief entgegen. Darin steht: „Das Schicksal hat mich zum Narren gehalten.” Die dermaßen bestrafte Eigenwilligkeit aber wird vorher als der einzige Ausweg dargestellt, dem schlimmen Los auswegloser Zukunft zu entgehen. Die Bilder sprechen im VERZAUBERTEN TAG eine andere Sprache. Keine Lähmung oder Erstarrung drücken sich in ihnen aus, sondern Bewegung und die Hoffnung auf eine Bewegung im Leben. „Es muss etwas anderes geben”, sagt Christine angesichts eines Lebens mit dem spießigen Angestellten Krummholz. Was sie sucht, ist der Traum vom Leben. Und als sie den Kunstmaler das erste Mal im Zugfenster sieht, steigen um ihn herum Dämpfe auf, als sei der Traum mittels Zauberei aus dem Bereich der Wünsche in den der Wirklichkeit eingetreten. Christine arbeitet in einem Bahnhofskiosk; mit der Ankunft und Abfahrt der Züge ist jene Sehnsucht nach „etwas anderem” motivisch verknüft. Das andere ist die Fremde; als sie auch dort kein Glück findet, sondern eine Enttäuschung erlebt, wechseln die Züge und Schienen ihre Bedeutung. Auf einer Bahnbrücke stehend blickt sie zu ihnen hinunter wie in eine Drachenhöhle, die erfüllt ist von giftigen Nebelschwaden. Die Schauplätze stehen bei Pewas ebenso für soziale Verhältnisse wie für die Gemütsverfassungen der Personen. Anhand der Küchenszene im VERZAUBERTEN TAG spricht er von einem „glücklichen“ und einem dunklen Raum. Gleichzeitig prägen die Wohnverhältnisse auch das Handeln der Beobachter, da es ihr Ziel ist, aus ihnen herauszukommen. Keiner bleibt, was er war und für wen man ihn gehalten hat. Christine wohnt bei ihrer Mutter, Anni zur Untermiete; Christines Zukunft ist gesichert, sie hat einen festen Job und einen Verlobten, der auf die Einrichtung einer neuen Wohnung spart. Anni gibt nur vor, einen Verlobten zu haben, erlebt ein Abenteuer mit einem Heiratsschwindler und landet schließlich in den Armen des biederen Bahnhofsvorstehers, an dessen Brust sie seufzt: „Versorgt sein, das wär‘ was!“ Für Christine dagegen ist das Versorgtsein keine Perspektive, sondern würde das Ende ihres Lebens bedeuten. Für das Wagnis des Abenteuers wirft sie das alles hin. Der spießige Kleinbürger schließlich ändert seine Haltung so schnell wie ein Chamäleon die Farbe; vom knickrigen Buchhalter bis zum Affekt-Mörder durchlebt er alle Phasen wildgewordener Mickerigkeit.

Die Bewegung, auf der inhaltlichen Ebene als Umkehrprozeß präsent, definiert die Kamera vor allem als horizontale Fahrten im Raum. Sie umkreist die Gegenstände und Personen, fährt auf sie zu, hält sich an ihnen fest und löst sich wieder, ohne dass ein Schnitt ihre Fahrt unterbrechen würde. In den Dialogen zwischen Christine und ihrem Kunstmaler schwingt die Kamera zwischen den beiden hin und her und setzt so die Spannung ihrer Gefühle in Tanz um. Mit Interieur der Räume beschreibt die Kamera jenseits von atmosphärischer Stimmungsmalerei Handlungen und Charakter der Personen; so zeigt Pewas in der zentralen Liebeszene nur ein Zimmer mit amourösen Bildern, bevor er in den Nebenraum fährt und eine sich öffnende Hand ins Bild kommt. Die vertikale Bewegung ist fast ausschließlich für die Charakterisierung des Buchhalter Krummholz reserviert; aus dem Direktionszimmer kommend ist er – von oben aufgenommen — nichts als ein kleiner Winzling. Beim Durchschreiten der Büroräume, vorbei an den Tischen der Angestellten, fährt die Kamera hinunter, bis sie schließlich in Kniehöhe zu ihm aufschaut: seiner Herrlichkeit, dem Spießbürger, der sich vor Freude knitternd die Hände reibt. Dokumentiert die horizontale Bewegung der Kamera das Einverständnis mit Suche und Rastlosigkeit, so desavouiert die vertikale den, der es sich in seiner Starrheit gemütlich machen will.

Wohnräume: Stationen auf der Flucht In VIELE KAMEN VORBEI sind die Wohnräume nur mehr Stationen, die fluchtartig verlassen werden. Das zu Hause ist zur Unterkunft geworden, tauglich nur zum Schlafen und Essen. Als die Eltern von Sabine Kirchner einmal längere Zeit auf den Kommissar warten, sitzen sie auf einer Bank am Ende eines langen öden Korridors. Durch den Kamerastandpunkt am extremen Ende dieses Ganges wird die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage offenkundig. Das lähmende Warten, dem Sabines Eltern ausgesetzt sind, wird konfrontiert mit dem Unterwegs-Sein aller anderen Personen. Sabine fährt ihrem Freund nach, der Autobahnmörder flieht vor der Polizei, diese wiederum ist ihm auf den Fersen und die Fernfahrer sind sowieso dauernd unterwegs. Die Reisenden aber haben kein Ziel mehr, die Fahrt ist ein Selbstzweck geworden. Die Fernfahrer kehren nach ihrer Ankunft gleich wieder um, darin ähnlich dem Zug in MENSCHEN – STÄDTE – SCHIENEN, der die Strecke München Bremerhaven zweimal täglich absolivert. Die Hoffnung, die Christine mit dem Erlebnis der Fremde verknüpft, existiert hier nicht mehr. Unheilvoll und drohend ist die Freude vielmehr geworden, die einem, wenn man nicht immer weiter flieht, das Leben nehmen wird. Die dermaßen perspektivlos gewordene Bewegung artikuliert die Kamera dadurch, dass sie nicht mehr selbst fährt, sondern vom Lastwagen aus die Fahrt nur noch registriert. Die an dem Lastwagen vorbeiziehenden Wolken und Bäume türmen sich schwarz und schwer auf, der Glanz der Sonne legt sich als Patina auf die Schwärze der Natur . Das Leben spielt sich im Dunkeln ab. „Jetzt weißt Du, wie das ist – Leben“, kommentiert der Sprecher den letzten Mordversuch an Sabine. Indem der gelähmten Psyche Leben nur über den Weg einer tödlichen Bedrohung erklärt werden kann, ist dies wohl eine der authentischen Aussagen über das Lebensgefühl der fünfziger Jahre.

Für die Filmindustrie war Pewas zu sehr Künstler und zu wenig Routinier, ein Unangepasster mit eigenen Ideen, die immer just das Gegenteil von dem ausdrückten, was erwartet wurde. Mit dem VERZAUBERTEN TAG verlegte sich Pewas in einer Zeit kraftstrotzender Großmäuligkeit und herrisch-schulterklopfender Kameraderie auf das kunstvolle Arrangement eines Blumenbouquets; in VIELE KAMEN VORBEI traktiert er den Wohlstand der fünfziger Jahre mit dem Bild ihrer seelischen Verkümmerung. Das war von Seiten Pewas sicher nicht vorsichtig artikulierte Opposition, sondern entsprach einfach seiner Natur: „Ich habe damals diese ganzen Dinge aufgenommen, vom Gefühl her verarbeitet und entsprechend arrangiert. So entstand DER VERZAUBERTE TAG. Ich habe die Dinge so genommen; wie ich sie fühlte.” Glaubt man dieser Äußerung von Pewas, dann hat er doch, bei aller Unbill, die ihm widerfahren ist, auch eine Menge Glück gehabt.

Film Korrespondenz Nr. 3, 10. März 1981

 

 

 

Bericht der Allianz-Film vom 16. September 1952 für August/September 1952

I Film-Abschlüsse/Film-Umsatz

Der August-Umsatz hielt sich auf gleicher Höhe wie im Vormonat. Die in diesem Monat angelaufenen Filme Fanfan und Rashomon entwickeln sich zu sehr guten Geschäftsfilmen. Rashomon selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass er nur in bestimmten Wohnbezirken zur Vorführung kommen kann. Fanfan wird nach Auswertung in Berlin an erster Stelle der französischen Filme stehen (nach 1948). Die großen Geschäftsfilme des Monats waren in Berlin Fürst von Pappenheim, Der keusche Lebemann, Pension Schöller und Tausend rote Rosen.
Bemerkenswerten Uraufführungserfolg hatte der schwedische Film Sie tanzte nur einen Sommer, der 4 Wochen dem Delphi-Palast ein sehr gutes Geschäft brachte.
Premieren im Berichtsmonats
a) Eigene Filme
4.8. Rashomon CINEMA PARIS.
Großartige Presse, mit über einem Monat Laufzeit auch ein sehr gutes Geschäft. Die eine bisher im Besitz befindliche Kopie ist fest terminiert.
11.9. Toxi CAPITOL, Kfd.
Freundliche und wohlwollende Presse für den Film, der einen netten Start hatte und dessen Geschäft bisher sehr gut ist. Besonders harte Kritiker wie Luft z. B. lehnen den Film ab, weil Stemmle am Problem vorbeigeht. Ich habe gestern Herrn Luft bei einer Begegnung gesagt, dass, wenn Stemmle das Problem angefasst hätte, wir den Film wohl nach drei Tagen abgesetzt haben müssten.
Für Pallas-Film: 4.9. Das Mädchen mit dem Goldhelm CINEMA PARIS.
Großartiger französischer Film, sog. Sittenfilm, mit zum größten Teil hervorragender Presse. Einige Kritiker machten Einschränkungen wegen des Milieus. Die Klasse des Films ist unbestreitbar, das Geschäft bisher sehr gut.

b) Filme der Konkurrens
5.8. Urban-13m Der verbotene Christus KIKI.
Vor 1 Jahr war der Film eine der Sensationen der Filmfestspiele. Dieses Jahr Pause hat dem Film nicht gut getan. Er war weder geschäftlich noch pressmäßig ein Erfolg. Nachbesetzung keine.
8.8. Deutsche London-Film Das Wunder einer Stimme CAPITOL.
Unwichtige Angelegenheit, Import nicht verständlich.
8.8. RKO Pinocchio ASTOR.
Der schwächste der Walt Disney-Filme, 14 Tage annehmbares Geschäft mit der üblichen Nachbesetzung.
8.8. Rank-Film Verbrechen ohne Schuld Massenstart.
Ohne Bedeutung.
8.8. Karpat-Pilm 4 Schritte in die Wolken STUDIO.
Dieser Film war vor 5 Jahren eine filmische Sensation, heute überholt, gute Presse, geschäftlich aber ohne jeden Erfolg.
8.8. Cebe-Film Ich hatt‘ einen Kameraden Massenstart.
Das stand nicht. Der Film konnte sich nur in einigen Aussenbezirken auf dem Spielplan halten, sonst ohne Bedeutung.
8.8. Rank-Film Nacht ohne Sterne BONBONNIERE.
Ohne Bedeutung.
8.8. National Film Hinter Klostermauern FILMBÜHNE BERLIIN
14 Tage annehmbares Geschäft, dank des Katholikentages Großeinsatz mit Durchschnittsgeschäft.
8.8. Gloria-Film Fegefeuer der Liebe Massenstart.
Dieses Fegefeuer ging ins Auge,geschäftlich war der Film ebenfalls in allen Theatern miserabel
8.8. Centfox Die Piraten-Königin Massenstart.
Hundertmal dagewesen.
9.8. Deutsche London-Film Pension Schöller WALDBÜHNE mit anschließendem Einsatz FILM-BÜHNE WIEN.
Publikumserfolg, Film aber lange nicht von der Qualität. die erwartet wurde, zählt trotzdem im August und September zu den Spitzengeschäften in Berlin.
12.8. Columbia Sehnsucht nach Andalusien Massenstart.
Ein französischer Farbfilm – das kann nicht gutgehen. Ohne jeden Erfolg.
15.8. Warner Bros. Bis zum letzten Atemzug Massenstart.
Handwerklich guter Kriminalfilm, in den dafür fest vorgesehenen Theatern gutes Geschäft.
15.8. Adler-Film Gott braucht Menschen DELPHI-PALAST.
6 Tage sehr schlechtes Geschäft mit sehr schlechter Nachbesetzung für diesen großartigen Film, der an der Synchronisation gestorben ist. Der Film hat nicht einmal gutes Geschäft bei den Katholikentagen gebracht.
15.8. Universal-Film Zigeuner-Wildkatze Massenstart.
Unwichtige Angelegenheit.
15.8. Deutsche London-Film Denn sie sollen getröstet werden STUDIO.
Bemerkenswerter Import in Originalfassung mit deutschen Untertiteln; Film, der immer zum Einsatz kommen wird, wenn kirchliche Feiertage dazu den äußeren Anlass geben, sonst ohne geschäftliche Aussicht.
15.8. Matador-Film Der blonde Lockvogel BONBONNIERE.
Ohne Bedeutung.
15.8. Union-Film Kleiner Peter, grosse Sorgen Massenstart.
Ohne Bedeutung.
19.8. Siegel-Monopol-Film Das Tor zum Frieden CAPITOL.
Anlässlich der katholischen Festtage Großeinsatz dieses völlig danebengegangenen Films von Wolfgang Liebeneiner.
19.8. Panorama-Film Die Försterchristl KIKI.
Durchschnittspresse und nur Durchschnittsgeschäft. Auch in der Nachbesetzung ist merkwürdigerweise dieser westdeutsche Publikumserfolg in Berlin nicht angekommen.
19.8. Centfox David und Bathseba Massenstart.
Kitschig fotografierte Bibel, Film lag über ein Jahr, war aber dank der großen Propaganda für diesen Film in den 14 Tagen Einsatz in ca. 30 Berliner Theatern guter Erfolg.
22.8. Constantin-Film Der Tiger von Texas Massenstart.
Zigmal dagewesen.
22.8. Prisma-Film Der keusche Lebemann CAPITOL.
Gut aufgezogene Premiere mit allen Darstellern, freundliche Presse, gutes Geschäft, auch in der Nachbesetzung.
22.8. Constantin-Film Sie tanzte nur einen Sommer DELPHI-PALAST.
Überraschenderweise gefiel der F1m auch einem breiteren Publikum. Er stand 4 Wochen auf dem Spielplan des Delphi-Palastes und hatte in den ersten zehn Tagen tatsächliche Spitzenergebnisse. Es bleibt abzuwarten, wie der Film in den Bezirken ankommt.
22.8. Columbia-Film Der letzte Freubeuter Massenstart.
Nach altem Rezept, ohne Bedeutung.
28.8. Panorama-Film Das kann jedem passieren ASTOR.
Von Rühmann aus sehr gut durchgeführte Rolle, so dass man Hoffnung haben kann, dass dieser Schauspieler wiederkommen wird. Der Film an sich sehr billig und primitiv, an einem Geschäft wird nicht zu zweifeln sein. Im Astor blieb er 3 Wochen auf dem Spielplan.
28.8. Gloria-Film Tausend rote Rosen Messenstart.
Gegen diesen Film ist Die Diebin von Bagdad ein 8fach preiszukrönender Film, trotzdem haben die großen Starnamen zumindest in den Außenbezirken den Film in den ersten 40 Theatern zu einem Spitzengeschäft gebracht. Der Zweiteinsatz mit 32 Kopien verlief schon wesentlich ruhiger.

 

 

 

Bericht der Allianz-Film vom 12. Januar 1953 für Dezember 1952

Anmerkung:
Ich bitte Sie, bei allen amerikanischen Filmen – mit ganz wenigen Ausnahmen – von vornherein festzuhalten, dass diese nur noch gut eine Besetzung von 20-30 Theatern in ganz Berlin kommen. Die Bezeichnung „Durchschnittsgeschäft“ bezieht sich demzufolge nur auf die den Film zeigenden Theater.

I/II. Film-Abschlüsse/Film-Umsatz:
Der Dezember-Umsatz war, wie erwartet. gut, wenngleich auch ausgesprochen geschäftsstarke Filme über die Festtage nicht zum Einsatz kamen. Das größte Geschäft auch im Dezember war Heimweh nach Dir.
Die Spur führt nach Berlin erzielte meist überdurchschnittliche Ergebnisse. Durch den großen Kopieneinsatz (40 Stück) waren immerhin in 4 Wochen 80 Theater abgespielt. Das ist für Berliner Verhältnisse ein sehr gutes Ergebnis. Sehr enttäuscht hat der inzwischen von mir auch gesehene Film Haus des Lebens. Man kann hier nicht beurteilen, warum der Film nicht angekommen ist. Sauberer, gefälliger und menschlicher kann doch kaum noch ein Film gemacht werden. Den erwarteten Misserfolg brachte Türme des Schweigens. Entscheidung vor Morgengrauen erzielte gute Ergebnisse in gewissen Bezirken. Beim kleinen Publikum kam der Film jedoch nicht an. Im Januar und Februar wird das Spitzengeschäft dem französisch italienischen Film Don Camillo und Peppone“ gehören.

Premieren im Berichtsmonat:

  1. a) Eigene Filme
    25.12. Feuervogel STUDIO.

Nicht ganz klar durchgeführter schwedischer TanzFarbfilm, der zwischen einem Unterhaltungsfilm und anspruchsvollen Filmen wie Die roten Schuhe und Hoffmanns Erzählungen pendelt. Der Film erhielt Durchschnittskritiken, aber immer wurde das Ballett lobend hervorgehoben. Das Geschäft im Uraufführungstheater war in den 14 Tagen sehr gut. Wie der Film in den Bezirken ankommt, wird sich in diesen Tagen entscheiden. Der Film ist naiv genug gemacht, um auch einem kleineren Publikum zu gefallen. Das ist seine eigentliche Chance, denn als reiner Ballettfilm würde er sich beim großen Publikum nicht durchsetzen können. Die Farben entsprechen nur teilweise dem hohen Niveau, welches man von amerikanischen Filmen her gewohnt ist. Die hohe Klasse des Films Ein Amerikaner in Paris beweist eindeutig, wie weit das Ziel zu stecken ist, wenn man Filme wie Feuervogel oder andere Ballettfilme machen will.

b) Filme der Konkurrenz
1.12. Europa Lockende Sterne FILM-BÜHNS WIEN.
Der Film war im Uraufführunge-Theater kein Erfolg und war auch in der Nachbesetzung geschäftlich nur unter Durchschnitt.
2.12. Herzog 1. April 2000 KIKI.
Ein etwas verspielter Film von Liebeneiner, aber mit großen Mitteln hergestellt. Beim Uraufführungs-Theater ein Durchschnittsgeschäft. Kritiken freundlich, Geschäft in den Bezirkstheatern unterschiedlich,
5.12.Centfox Viva Zapata Massenstert.
Einer der besten Filme der Welt, mässig synchronisiert, durch völlig unverantwortlichen Massenstart Filmgeschäft vernichtet. Sehr realistischer Film mit hervorragender Presse, streckenweise mit Los Olvidados zu vergleichen.
5.12. Union Die Wirtin vom Wörthersee Massenstart.
Für Berlin überraschenderweise ein guter Geschäftsfilm, der in den Bezirken allgemein gut ankam.
5.12. Gloria Der Obersteiger CAPITOL.
Der Film, der in Süddeutschland gute Ziffern erreicht hat, konnte sich in Berlin nicht durchsetzen.
5.12. Schorcht Vater braucht eine Frau ASTOR.
Gefälliger Unterhaltungsfilm mit Dieter Borsche in der Hauptrolle. Durch großen Kopieneinsatz an den Festtagen auch zu einem guten Geschäft gekommen.
7.12. Herzog Das Land des Lächelns MARMORHAUS.
In der Zeit vom 7.-23.12. geschäftlich weit unter den Erwartungen. Uber die Festtage bis zum 3.1. Spitzengeschäft, dann so stark abfallend, dass der Film weit vor der Zeit herausgenommen werden musste. Kritiken miserabel.
12.12. Republic/Gloria Nayoka, die Herrin der Beduinen
Massenstart. Grauenvoller Film, in vielen Theatern nach dem 1.Spieltag abgesetzt, hat dem Ansehen dieser Firma in Berlin sehr geschadet. Kritiken, die nur teilweise erschienen sind, waren katastrophal.
12.12. Paramount Drei Fremdenlegionäre Massenstart.
Dünner Aufguss eines berühmten amerikanischen Stummfilms Blutsbrüderschaft. Mäßige Synchronisation konnte diesem auch schon 12 Jahre alten Film nur zu einem Durchschnittserfolg verhelfen. Derartige Filme bringen es im ganzen nur noch auf ungefähr 20-30 Besetzungen in Berlin (siehe Anmerkung).
12.12. Rank Wölfe in der Nacht FILMTHEATER BERLIN.
Sehr guter, fast dokumentarischer Film, der leider durch die Verstopfung nicht den Erfolg erzielen kann, der ihm zukommt.
12.12. Schorcht Olympia Helsinki DELPHI-PALAST AM Z00.
Unbegreiflich, einen derartigen Kulturfilm in einem so grossen Theater ins reguläre Programm zu geben. Das konnte nicht gut gehen. Der Film ist nur unter bestimmten Voraussetzungen an gewissen Plätzen im regulären Programm zu spielen, oder in Städten, in denen zufällig Olympia-Teilnehmer Deutschlands wohnhaft sind. Als Matinee-Film ist er als wertvolle Bereicherung zu begrüßen.
16.12. Europa Ich warte auf Dich FILMBÜHNE WIEN.
Gepflegter Durchschnittsfilm mit teilweise freundlicher Presse ohne Merkmale eines erfolgreichen Films. Auch an diesem Film wird leider Geld verloren werden.
16.12. Cebe Eva STUDIO.
Harter, realistischer Film, wie ihn die Schweden in den letzten Jahren verschiedene Male hergestellt haben. Der Film hat keine Chance und auch bis heute noch keine Nachbesetzung erhalten.
19.12. Gloria Ferien vom Ich DELPHI-PALAST AM 200.
Der erste Film der Hans Deppe-Produktion, klare Nachahmung seines ersten Erfolgsfilms in Farben. Sehr geschickt inszeniert und haargenau auf die deutsche Mentalität abgezielt. Der Film muss ein großes Geschäft bringen. In Berlin ist der Beweis durch das Uraufführungs-Theater und die Bezirks-Theater bereits erbracht.
19.12. MGM Scaramouche – der galante Marquis CAPITOL.
Sehr guter Abenteuer-Farbfilm mit Frauenliebling Steward Granger in der Hauptrolle. Sehr gutes Geschäft in den ersten 14 Tagen. Trotzdem ist zu bezweifeln, ob der Film in den Bezirkstheatern ankommt, weil ja leider – oder Gott sei Dank – die amerikanische Firma viel zu wenig Vorarbeit leistet.
23.12. RKO Alice im Wunderland ASTOR.
Traditionspremiere mit einem Walt Disney-Film. In diesem Theater über die festgesetzte Laufzeit großartiges Geschäft. Die Erfahrung zeigt aber, dass derartige Filme nur ein bestimmtes Publikum ansprechen, so dass ein Großerfolg auch von diesem Disney-Film nicht zu erwarten ist.
23.12. Deutsche London Wenn abends die Heide träumt Massenstart.
Film aus der berühmten Kiste, diesmal noch gut gegangen, allerdings ist der Film auch wesentlich besser als Wenn die Abendglocken läuten und Tausend rote Rosen blüh’n.
23.12. RKO Macao Massenstart.
Dank der schönen Formen von Jane Russell für ein bestimmtes Publikum attraktiv, dadurch in gewissen Bezirken überdurchschnittliches Geschäft (siehe Anmerkung).
25.12. Warner Bros. Casablanca Massenstart.
Gut gemachter amerikanischer Reisser mit Starbesetzung Ingrid Bergman, Humphrey Bogart und Peter Lorre. Großartiges Geschäft und teilweise gute Pressestimmen.
29.12. Rank Einmal am Rhein KURBEL.
Für Berlin indiskutabel, das ging schief.
29.12. Deutsche London Der fröhliche Weinberg FILM-BUHNE WIEN.
Da der Film keine reine Übertragung des Bühnenwerkes ist, musste er etwas enttäuschen, obwohl er sehr sauber gemacht ist. Das Geschäft war in diesem Theater nicht den Erwartungen entsprechend. Auch für die Bezirke wird kein überdurchschnittliches Geschäft erwartet.
30.12. Herzog Tanzende Steme KIKI.
Das ist Herrn Cziffra wieder geglückt. Der ganze Film ist sehr flüssig inszeniert, die Presse war diesmal beachtenswert freundlich. Großes Geschäft zu erwarten.

-5

 

 

 

Bericht der Allianz Film vom 30. September 1952 für September 1952

I/II.Film -Abschlüsse/Film-Umsatz
Obwohl die Erstaufführungs-Einsätze für die Filme Fanfan, der Husar und Toxi erst später liegen, zeigte der September-Umsatz bereits wieder ansteigende Tendenz. Das Filmgeschäft in Berlin ist auf Grund der verschiedenen Publikumsfilme als sehr gut zu bezeichnen. Der Masseneinsatz des Films Tausend rote Rosen mit 40 Kopien brachte den Theater in der 1. Welle großen Erfolg, in der 2.Welle geringeren und dann war dem Film kein Erfolg mehr beschieden. Pension Schöller erzielte durchweg gute Ergebnisse, ebenso Der Fürst von Pappenheim und Der keusche Lebemann. Gut eingeschlagen ist auch Försterchristl, jedoch hat er Spitzenergebnisse nur in einigen Theatern erzielt. Stärkste Wochenend-Ergebnisse: Sie tanzte nur einen Sommer, Pension Schöller, Fanfan, der Husar.

Premieren im Berichtemonat:
a) Eigene Filme
22.9. O.K.Nero CAPITOL, Kfd.
Sehr freundliche Aufnahme, bisher ausgesprochener Überraschungserfolg (nach den Erwartungen, die man in Westdeutschland an den Film geknüpft hat), freundliche Presse.

  1. b) Filme der Konkurrenz
    9. RKO Ein Satansweib Massenstart.
    Auch die Brust von Jane Russell konnte dem Film nicht zu einem Erfolg verhelfen. Alle Nachspieler ohne Bedeutung.

22.9. Rank-Film Alle kann ich nicht heiraten FILMTHEATER BERLIN.
So sympathisch die Leistungen von Hardy Krüger, Joachim Brennecke und Adrian Hoven sind, so unwichtig ist wiederum Sonja Zemann in diesem albernen kleinen Film. Durchschnittsgeschäft, Durchschnittspresse.
23.9. Paramount Polizeirevier 22 ASTOR.
Großartiger amerikanischer Film von seltener Eindringlichkeit, vorzügliche Regie, sehr gute schauspielerische Leistungen, hervorragende Presse, gutes Geschäft.
24.9. Herzog-Film Heimweh nach Dir MARMORHAUS.
Groß aufgezogene Starparade aller Plattenstars und Rundfunklieblinge. Wohlwollende Presse mit ironischen Seitenhieben auf R.A.Stemmle, sehr gutes Geschäft.
25.9. Universal-Film Rivalen am reissenden Strom Massenstart.
Der Titel sagt alles.
26.9. Centfox Kurier nach Triest DELPHI-PALAST AM 200.
Freundliche Presse. gutes Geschäft. Uber diesen Film folgen Einzelheiten demnächst. Zur Stunde noch nicht gesehen. 26.9. Warner Bros. Meuterei im Morgengrauen Massenstart.
Guter Kriminalfilm, Milieu Zuchthaus, oftmals da gewesen.

Bericht vom 31. März 1952 für März 1952

Im Monat März war der Umsatz auf der gleichen Höhe wie im Februar. Noch immer liegt der Hauptanteil bei dem Film Messalina. Von Nachts auf den Strassen sind die ersten Bezirkstheater-Abrechnungen noch nicht aufgenommen worden. Der Film ist aber in allen Stadtteilen Berlins mit hervorragenden Ergebnissen angelaufen. Starke Witterungseinflüsse haben überhaupt das Geschäft in ganz Berlin in den letzten 14 Tagen des März beeinflusst. Unser großer Schlager Der bunte Traum ist der einzige Film am Kurfürstendamm, vielleicht Herz der Welt noch mit eingeschlossen, dessen Ergebnisse sehr gut sind.

Premieren im Berichtsmonat:
A) Eigene Filme
17.3. Der bunte Traum MARMORHAUS.
Herr Zobel [Kurt Zobel, Chef der Allianz Film Frankfurt] war in Berlin und konnte sich von der freundlichen Aufnahme persönlich überzeugen, die in allen 4 Vorstellungen zu verzeichnen war. Bedauerlich, dass außer Frl. [Felicitas] Busi und den Chargendarstellern [Ursula] Grabley und [Edith] Schollwer kein Schauspieler persönlich anwesend gewesen ist. Berliner Presse im allgemeinen ablehnend, wenn auch nicht so unfreundlich wie bei Die Dritte von rechts und Die verschleierte Maja, wohl mit Rücksicht auf die technisch ausgezeichnete Eislauf-Revue und vielleicht auch nachsichtig gestimmt durch das 40- jährige Jubiläum des MARMORHAUS. Geschäftlich sehr gut.

B) Filme der Konkurrenz
3. Centfox 14 Stunden. Massenstart.
Geschäftlich völlig undiskutabel, sehr gute Presse, ganz klarer Versager.
4.3. Schorcht-Film Heidelberger Romanze. CAPITOL.
Sehr gefühlvoller, sentimentaler Film, ohne besondere Qualität, zufriedenstellende Ergebnisse, mäßige Presse.
7.3. Schorcht-Film Herz der Welt. ASTOR.
Mit großer Vorbereitung angelaufener sauberer und anständiger Film, gute schauspielerische Leistungen von Werner Hinz, Mathias Wieman und beste Nachkriegsleistung von Hilde Krahl (Sonderbericht an Herrn Zobel nach der Premiere abgesandt).
7.3. Panorame-Film Heimat – Deine Sterne Massenstart.
Nur mäßiger deutscher Film, ohne besonderen Erfolg, mäßige Presse.
7.3. Universal-Film Der Menschenfresser von Kumaon. Massenstart.
Schweigen wir darüber.
7.3. Columbia Die liebestolle Stadt (Clochemerle) STUDIO
Großartiges Geschäft, hervorragende Presse, Vorführung leider mit einer sehr schlechten, für die Schweiz bestimmten französisch untertitelten und teilweise mit deutschem Kommentar versehenen Kopie.
Laufzeit 4 Wochen.
7.5. Rank-Film Einmal Millionär sein. KURBEL.
Gesehen, vergessen, aus.
10.3. MGM Ball in der Botschaft. KIKI.
Guter, gepflegter Unterhaltungsfilm, wie alle MGM Filme, leichte Angelegenheit, nur mäßiges Geschäft zu erwarten.
11.3. Universal-Film Sieg über das Dunkel. FILM-BÜHNE WIEN.
Hervorragender, zur Weltklasse zählender amerikanischer Film, großartige Synchronisation, völlig falsch heraus gebracht, dadurch auch leider geschäftlich völliger Versager. Trotzdem Nachfrage von Theaterbesitzern groß, weil Spielinhalt und Qualität des Films die Theaterbesitzer stark beeinflusst hat. Wünschenswert, dass dieser Film von Millionen gesehen wird. Film liegt auf der Linie von Besten Jahre unseres Lebens. Presse hervorragend.
13.3. Constantin-Film Glücklich und verliebt DELPHI-PALAST
Harmloser, aber sehr gepflegter englischer RevueFarbfilm mit neuem amerikanischen Tanzstar Vera Ellen. Leider nur mäßiges Geschäft. Kollidierte mit Laufzeit Der bunte Traum. Gutes Geschäft in den Erstaufführungs-Theatern zu erwarten. Presse sehr gut, empfiehlt daraufhin, dass sich Herr Cziffra diesen Film ansehen sollte.
14.3. Paramount Das Brandmal. METROPOL.
Großartiger Wildwester mit publikumssicherem Star Alan Ladd, der absolut zu den Lieblingen des deutschen Kinogängers zu zählen ist, wie eine Umfrage auch feststellte.
14.3. Adler-Film Das Geheimnis der 5 roten Tulpen. ROXY-PALAST und KURBEL.
Älterer französischer Film, Produktion 1947, nicht ohne Spannung (ich habe ihn damals gesehen), gutes Geschäft, freundliche Aufnahme in der Presse.
14.3. Gloria-Film Erbe des Henkers. Massenstart.
Hundertmal dagewesen. Derartige Filme sind nicht mehr ansehenswert.
17.3. Schorcht Ich kämpfe um Dich. CAPITOL.
David O.Selznick’s Spellbound. Grossartiger, für Filmfachleute prägnanter Film, kein Geschäft zu erwarten. Im Uraufführungs-Theater selbst sehr gute Aufnahme, auch geschäftlich.
18.3. Constantin Die Perlenräuber von Pago-Pago. Massenstart. Schweigen wir auch darüber.
21.3. Universal Gefährliche Mission. Massenstart.
Grossartiger Wildwester, von unerhörter Sauberkeit, hervorragende Farbfotografie, aber, wie gesagt, auf die Dauer sehmeckt jeden Tag auch kein Gänsebraten mehr. Die Amerikaner haben selbst schuld, wenn sie mit derartig guten Filmen geschäftlich jetzt völlig unzufriedene Ergebnisse erzielen. Bei dem genannten Film allerdings in den Erstaufführungs-Theatern her-vorragendes Geschäft.
21.3. Columbia Küsse und verschweig mir nichts. BONBONNIERE.
Belanglos, nicht ansehenswert.
21.3. Karpat Guiliano. KURBEL.
Nicht alle italienischen Filme können gehen. Dieser ging ins Auge trotz großartiger Propaganda.
21.3. Paramount SOS 2 Schwiegermütter (Köchin gesucht). FILMTHEATER BERLIN.
Der Film wurde auf den Berliner Festspielen in der Kategorie der Lustspiele mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Auch jetzt wieder sehr gute Presse und sehr gutes Geschäft.
21.3. MGM Theresa. KIKI.
Wieder wurde ein guter amerikanischer Film zu Grabe getragen und nur deshalb, weil die große und mit ausgezeichneten Filmen ausgestattete MGM glaubt, man braucht die Filme nur ins Filmtheater hineinzustecken und sie laufen.
21.3. Union-Film Fräulein Julie. CINEMA PARIS.
Hervorragende Presse für diesen bereits auf allen Festivals der Welt aufgefallenen schwedischen Film. Ich glaube trotzdem nicht, dass diesem Film ein breiter Erfolg beschieden sein wird. Hier im Theater selbst ist das Geschäft sehr gut.
25.3. Centfox Rache für Jesse James. METROPOL.
Ersparen wir uns die Mühe, darüber zu schreiben.
25.3. Siegel-Monopol Der letzte Schuss. Massenstart.
Dieser letzte Schuss ging auf alle Fälle fehl. Miserabel.
28.3. Siegel Monopol So ein Pechvogel. BONBONNIERE.
Auch nicht alle Nils Poppe-Filme kommen an. Hier werden die Konjunkturritter unter den Verleihern bitter bestraft.
28.3. Astor-Film Insel der Sehnsucht. KURBEL.
Ohne Belang.
28.3. Europa-Film Mädchen ohne Liebe. STUDIO.
Neuverfilmung von Mädchen in Uniform. Bei den Festspielen in Berlin gezeigt, interessant, aber keinesfalls aufregend. Ohne jede geschäftliche Möglichkeit.
28.3.
Constantin-Film Triumphbogen. DELPHI-PALAST.
Superpropaganda fur missglückten amerikanischen, nicht deutschfreundlichen Film. Vielleicht reicht Bucherfolg zum Geschäftserfolg. Ich glaube es aber nicht, da dieser Film bekanntlich in der ganzen Welt kein Erfolg war.

Bericht der Allianz-Film vom 5. Mai 1952 für April 1952

I/II. Film-Abschlüsse/ Film-Umsatz:
Dieser Monat war trotz des für uns ungünstigen Wetters geschäftlich unser drittstärkster Verleihmonat seit Bestehen der Allianz. Den Hauptanteil an dem Umsatz trägt der Film Nachts auf den Strassen und das Uraufführungseinspielergebnis Der bunte Traum. Der Erich Pommer-Film hätte zweifellos unseren zweitstärksten Erfolgsfilm Die Dritte von rechts schlagen können, wenn nicht die anormale Wetterlage dies verhinderte. Ohne weiteres aber wird Nachts auf den Strassen bei einem wohlvorbereiteten Zweiteinsatz im Juli den Abstand zwischen diesen und Die Dritte von rechts verringern.

Premieren im Berichtsmonat
a) Eigene Filme
4.4. Dr. Knock lässt bitten STUDIO.
Ein Film mit einer Paraderolle von Louis Jouvet, der ausgezeichnete Kritiken erhielt (sind Ihnen zugeschickt worden) und auch während der 14tägigen Laufzeit ein gutes Geschäft gebracht hat. Der Film wird in dafür geeigneten Filmtheatern auch in der Originalfassung weiterhin in Berlin auf dem Spielplan bleiben. Mit der Vorführung dieser Art Filme werden besondere die kulturell wichtigen Kreise in Berlin angesprochen und wir finden alle Unterstützung bei der Presse.
b) Filme der Konkurrenz
31.3. Europa-Film Das letzte Rezept FILM-BUHNE WIEN.
Sehr guter deutscher Film von der Klasse des Dr.Holl. Gutes Geschäft zu erwarten. Der Film konnte sich 4 Wochen auf dem Spielplan des Uraufführungs-Theaters halten und damit einen eindeutigen Erfolg erzielen. Durch die Wetterlage war auch bei diesem Film der Erstaufführungs-Einsatz am 2.5. geschäftlich enttäuschend.
1.4. MGM Heut‘ gehn wir bummeln KIKI.
Perfekter amerikanischer Revue-Film von absoluter Spitzenklasse, der auch geschäftlich das KIKI für die Laufzeit sehr stark machte. Durch die unwahrscheinliche Nachlässigkeit, mit der die MGM ihre Filme in Berlin herausbringt, hat der Film nicht den Erfolg erzielt, den er zweifellos verdient. Noch immer ist die Klasse derartiger Filme von deutscher Produktion nicht zu erreichen.
1.4. Siegel-Monopol-Film Grenzbanditen Massenstart.
Ersparen Sie mir einen Bericht.
4.4. Gloria-Film Dr. Fu-Man-Chu Massenstart.
Mit enormer Propaganda herausgebrachter Film, der an sich undiskutabel ist, geschäftlich jedoch in bestimmten Theatern sehr gut war.
4.4. Unitas Die Martinsklause FILMTHEATER BERLIN.
Gepflegter deutscher Unterhaltungsfilm, der Jedoch nicht für die norddeutschen Großstädte geeignet erscheint.
4.4. Union-Film In München steht ein Hofbräuhaus. Massenstart. Geschäftlich teilweise überraschender Film, trotzdem aber nur sehr mäßige Nachbesetzung.
4.4. Union-Film Maria Theresia CAPITOL.
Noch immer genügt der Name Paula Wessely, um einem Schmarren von Film einen gewissen Erfolg zu garantieren. Der Film war geschäftlich 14 Tage sehr gut und hat auch in den Erstaufführungs-Theatern durchaus gute Kassen erreichen können.
9.4. Paramount Reporter des Satans FILMTHEATER BERLIN. Hervorragender amerikanischer Film von Billy Wilder, der geschäftlich gesehen jedoch ohne große Aussicht für Deutschland sein wird. Die präzise und bis an die Grenze des Möglichen betriebene Realistik kann kaum bei der gesamtdeutschen Mentalität ankommen. Den Film aber zu sehen, ist unbedingt für Filmfachleute notwendig.
10.4. Europa-Film Mit Küchenbenutzung. KURBEL.
Unwichtige englische Importe ohne jede Geschäftsaussicht.
11.4. Union-Film Männer von Aran. Wiederaufführung STUDIO.
Ohne Bedeutung.
11.4. Schorcht-Film Der Gefangene von Zenda CAPITOL.
Selznick-Film, mindestens 15 Jahre alt, der weder geschäftlich noch pressemäßig einen Erfolg erreichen konnte. Nachbesetzung weniger als mäßig.
22.4. Prisma-Film Der Baron von Arizona Massenstart.
Auch ein älterer amerikanischer Ladenhüter, der nur in den dafür geeigneten Theater angekommen ist.
14.4. Universal-Film Die schwarzen Teufel von Bagdad Massenstart. Handfester amerikanischer Reisser, an sich aber Dutzendware. Geschäftlich gut.
12.4. RKO Dumbo, der fliegende Elefant. ASTOR.
Ein Film, den viele Leute für besser halten als Schneewittchen und Bambi. Geschäftlicher Erfolg jedoch nur mässig. Nachbesetzung ebenfalls, hervorragende Presse.
12.4. Siegel-Monopol Sittenpolizei greift ein BONBONNIERE.
Titel reichte aus, um dem Film für 14 Tage ein annehmbares Geschäft zu garantieren. Nachbesetzung unverdientermaßen in einigen Bezirken gut.
15.4. Centfox Alles über Eva MARMORHAUS.
Ein amerikanischer Film mit großen Vorschusslorbeeren versehen, ganz hervorragende Presse und gutes Geschäft. Der Film blieb 4 Wochen auf dem Spielplan vom MARMORHAUS.
15.4. Constantin-Film Hallo, Dienstmann DELPHI-PALAST. Der Film lief Ostersonnabend an und brachte dem Haus 10 Tage lang ein gutes Geschäft. Auch die Nachbesetzung ist gut.
15.4. MGM Der grosse Caruso KIKI.
Einer der größten und stärksten amerikanischen Geschäftsfilme entpuppte sich hier in Berlin als nicht annähernd so stark als verschiedene amerikanische Durchschnittsfilme. Aber auch hier trifft wieder zu, was für alle MGM-Filme zutreffend ist, dass überhaupt oder nur sehr wenig für die Filme getan wird. Theaterbesitzer könnten mit MGM-Filmen weit über das Normalmaß hinausgehende Erfolge erzielen, wenn sie selbst den amerikanischen Filmmarkt in entsprechenden Fachzeitungen studieren würden. Die MGM verliert in Deutschland jährlich Millionen von Mark. Was für ein Glück für die deutsche Filmindustrie, dass sie personell dermaßen schlecht besetzt ist.
17.4. Paramount 14 Jahre Sing-Sing Massenstart.
Ältere amerikanische Importe, auf die man verzichten könnte.
18.4. Herzog-Film Es geschehen noch Wunder Massenstart.
Ein leider verunglückter Film, der verhältnismäßig und unverdientermaßen noch in den Theatern Erfolg hatte, in denen kurz zuvor Nachts auf den Strassen eingesetzt war. Hildegard Knef hat durch diesen Film wiederum etwas gutzumachen. Geschäftlicher Erfolg keiner. Kritiken mäßig.
18.4. Constantin-Film So ein Theater Massenstart.
Völlig undiskutabler Film, der auch geschäftlich miserabel gegangen ist.
18.4. Columbia-Film Robin Hoods Vergeltung Massenstart.
Eintausendundeinmal dagewesen.
18.4. Columbia-Film Zwischen Mitternacht und Morgen KURBEL.
Nicht uninteressanter Kriminalfilm. Die Übersättigung des Publikums mit derartigen Filmen jedoch ist so weit vorgeschritten, dass auch die besseren Filme weit unter dem Wert laufen.
18.4. Europa-Film Weg der Hoffnung STUDIO.
Mehrfach preisgekrönter und anerkannter italienischer sog. neorealistischer Film. der geschäftlich eine Katastrophe war. Kaum Nachbesetzung und wenn, dann nur in einigen Fällen, wo Konkurrenz-Theater sich Das letzte Rezept sichern und diesen mitnehmen müssen.
22.4. Rank-Film Unterwelt Massenstart.
Auch dieser Film soll ein guter Kriminalfilm sein, der jedoch auch geschäftlich weit unter Durchschnitt lag. Presse gut.
22.4. Super-Film Rauschgift-Brigade DELPHI-PALAST.Ein Film, der 1 Jahr lang auf Eis lag und dadurch in der Machart überholt ist. Mäßiges Geschift, dank des Titels Jedoch noch zufriedenstellende Nachbesetzung.
25.4. Universal-Film Im Westen nichts Neues CAPITOL.
22 Jahre alte Reprise, allerdings neu synchronisiert, geschäftlich interessant, Presse hervorragend.
25.4. MGM Der Unglücksrabe STUDIO.
In einer nicht zu übertreffenden Synchronisation lockt Red Skelton seine Anhänger trotz der warmen Witterung in das STUDIO. Der Film ist voller Gags und bietet für 15 deutsche Lustspielfilme Platz. Im übrigen auch bei diesem MGM-Film die gleiche Feststellung: Es wird nichts getan.
25.4. Panorama-Film Ein ganz grosses Kind Massenstart.
Produzentenhoffnung erfüllte sich nicht. Der Film bestätigte das, was nachdenkende Filmwirtschaftler eigentlich wissen müssen: Georg Thomalla kann keinen Film tragen. Schlechte Kritiken, katastrophales Geschäft, und das überrascht in den Bezirkstheatern.
25.4. Centfox Der Dieb von Venedig Massenstart.
Amerikanische Dutzendware, aber immer noch überrascht handwerkliche Perfektion.
25.4. Centfox Varietéprinzessin FILMTHEATER BERLIN.
Infolge schlechter Synchronisation wurde der Film ein völliger Misserfolg und musste nach wenigen Tagen abgesetzt werden. Auch die Nachbesetzung ist mäßig und das Geschäft schlecht.
25.4. Columbia X Massenstart.
Großer Irrtum von Herrn Nebenzahl. Seine Zweitauflage, die übrigens Herrn Zobel angeboten werden sollte (ich hatte den Film vor Jahresfrist gesehen und ihn dem Deutschland-Repräsentanten gegenüber bereits abgelehnt), war völlig unzureichend und auch geschäftlich keinesfalls auch nur annähernd zufriedenstellend.
28.4. Rank-Film Hotel Sahara FILM-BÜHNE WIEN.
Reizend gemachter englischer Film, sehr gut synchronisiert, Film müsste eigentlich bei sehr individueller Propaganda Großgeschäft werden können. In Berlin war die Propaganda bestens vorbereitet, und die FILM-BÜHNE WIEN gleicht tatsächlich einem orientalischen Hotel. Der Film erhielt hervorragende Kritiken und Beweis bis jetzt: Sehr gutes Geschäft.
29.4. Herzog-Film Der schweigende Mund CINEMA PARIS.
Der Film wurde sehr umstritten aufgenommen. Zum ersten Mal gab es auch in diesem Theater Pfiffe und Gelächter. Trotzdem ist der Film nicht so schlecht, wie bereits die Mundpropaganda ihn haben will. Dramaturgisch sind aber einige grobe Schnitzer drin, die bei einem pfiffigen Großstadtpublikum nicht durchgehen können. Sehr gute schauspielerische Leistungen von Homolka, G.Uhlen und Curd Jürgens.

 

 

Auf Wiedersehen, Freund Oscar Martay

Oscar Martay kehrte 1953 offiziell wieder nach Berlin zurück und heiratete 1955 Renate Barken, die sich fortan Ingeborg Martay nannte. Ab 1957 arbeitete er als Produktionsleiter in der Firma seiner Frau, der Zenit-Film Ingeborg Martay. Er starb am 31. Oktober 1995 und ist auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beerdigt.
Die Zeiten, da man in Berlin von „Der Besatzungsmacht“ sprach, scheinen fast in grauer Ferne zu liegen. Denn in dieser vorgeschobenen Bastion der Westlichen Welt, in der Insel Berlin, gab es nur den einen gegenseitigen Wunsch: Sich helfen und ergänzen. – Nun verlässt uns wieder einer unserer Freunde, ein Stück Berlin, der gern eingesteht, dass er sich nach seiner fünfjährigen Berlinarbeit selbst als Berliner fühlt, ein Mann, der trotz seiner Jugendlichkeit von der Verantwortung wusste, die einem Filmdelegierten der westlichen Welt hinter dem Eisernen Vorhang oblag. Neben der umfangreichen Alltagsarbeit waren es drel große Werke, die Martays Initiative oder zumindest Mitinitiative zu verdanken waren: Die Schaffung der “Grenztheater“, deren Vorhandensein der Bevölkerung des Ostens ihre seelische Not lindern half. 3,5 Millionen Ostbesucher haben in den achtzehn Monaten des Bestehens der Berliner „Grenztheater“ bisher Filme westlicher Welt gesehen. Zum Preise von DM-West 0,25, das ist etwas über eine DM-Ost. Der Erfolg: Die notleidenden Westberliner Kinos, die durch das beträchtliche Kursgefälle in ihrer Existenz bedroht waren, konnten sich über Wasser halten; und eine noch schönere Wirkung: Die Ostbewohner wurden in die westlichen Theater gezogen – die östlichen Kinos dagegen blieben leerer und leerer. Das zweite große Werk ist die Mitarbeit und Mitorganisation der „Berliner Filmfestspiele“, bei deren Vorbereltung und Durchführung 1951 Martay Tag und Nacht zu finden war. Martay nannte uns viele Namen der Helfer, denen er danken möchte: So die Verleiher Urban, Büttner und Bünger, die in selbstloser Weise die ersten Kopien für die „Grenztheater“-Vorstellungen zur Verfügung stellten; so die Theaterbesitzer Foss und Frau Knubben, die als Pioniere der „Grenztheater“-Idee anzusehen sind; so Kurt Tuntsch und K. J. Fritzsche, die erstmals eine Waldbühnenvorstellung für Ostbesucher mit dem Dritten Mann ermöglichten; so Dr. Alfred Bauer, der sich ohne Schonung seiner eigenen Gesundheit für die Idee der Filmfestspiele eingesetzt hatte. Und drittens ist es Martay wesentlich mitzuverdanken, daß die notleidende Berliner Filmindustrie einen beträchtlichen Teil der Synchronaufträge der amerikanischen Firmen erhielt.

Was war Ihr schönstes Erlebnis während der Berliner Zeit? fragen wir. Der ungeheure Erfolg der ersten Grenzvorstellungen während der kommunistischen Ostberliner „Weltjugendfestspiele“ 1951, antwortet Martay prompt. – Nun wird er zu seiner amerikanischen Dienststelle, die Carl Winston leitet, nach Frankfurt am Main fahren. “Aber“, setzt er hinzu, „ich werde so oft wie möglich in Berlin sein.“ Das versteht sich, denn Martays Bindung an Berlin besitzt noch eine zweite Knüpfung: Er ist mit der charmanten jungen Berliner Schauspielerin Renate Barken verlobt.

Filmblätter, Berlin, Nr. 13, 28.3. 1952

 

 

Bericht vom 4. März 1952 für Februar 1952

I/II Film-Abschlüsse/Film-Umsatz:
Der Februar-Umsatz besteht vor allen Dingen aus Einspielergebnissen, die für den Film Messalina erzielt worden sind, Im allgemeinen war der Februar in Berlin ein schwacher Monat, bedingt durch eine Fülle von Bällen und eine Aufgeschlossenheit für karnevalistische Veranstaltungen. wie sie in diesem Umfang in Berlin bisher nicht üblich gewesen sind.
Auf den Spielplänen der Uraufführungs-Theater behaupteten sich Das Haus in Montevideo, 12 Wochen Marmorhaus und David O. Selznick’s Rebecca. 5 Wochen im Capitol, Kfd.

Premieren im Berichtsmonats
a) Eigene Filme
18.2. Nachts auf den Strassen MARMORHAUS
Die Premiere dieses Films war ein großer Erfolg, der in allen Zeitungen gewürdigt wurde. Da Herr Zobel zu diesem Start persönlich anwesend war, erübrigt sich wohl ein umfangreicherer Bericht.Nachfrage sehr gut, Spitzenumsatz zu erwarten.
Für Pallas-Film:
7.2. Hafenbar von Marseille CINEMA PARSI.
Gute Kritiken für einen gepflegten französischen Unterhaltungsfilm, der nicht zur Spitzenklasse gehört und der 3 Wochen lang ein Überdurchschnittsgeschäft im CINEMA PARIS erbrachte.
12.2. Pariser Nächte DELPHI-PALAST AM ZOO.
Mäßige Kritiken für diesen sehr anspruchslosen Film. Besseres Durchschnittsgeschäft im DELPHI, jedoch stärkere Nachfrage bei den Theaterbesitzern in den Bezirken. Erste Ergebnisse in diesen zufriedenstellend.
26.2. Ohne Angabe der Adresse CINEMA PARIS.
Ganz großer Erfolg bei Presse und Publikum. Am Kurfürstendamm z.Zt. der gefragteste Film.

b) Filme der Konkurrenz
1.2. Paramount Wiederaufführung Shanghai-Express KURBEL.
Kein Erfolg.
1.2. Union-Film Der fidele Bauer Massenstart.
Gutes Geschäft mit wohlwollender Presse
1.2. Schorcht-Film Rebecca CAPITOL, Kfd.
Überraschend gute Aufnahme, bei Presse wohlwollend, Geschäft in den ersten 14 Tagen sensationell.
1.2. RKO Weisses Gift FILMTHEATER BERLIN.
Der Film, der in Westdeutschland Spitzenergebnisse erzielte, war auch hier ein guter Erfolg. Presse gut, Geschäft hervorragend.
1.2. Warner Bros. Verschwörung im Nordexpress Massenstart.
Ausgezeichneter Kriminalfilm von Hitchcock, von dem an diesem Tage Weisses Gift und Rebecca uraufgeführt wurde.
1.2. RKO Tarzan in Gefahr Massenstart.
Ironische Presse, in geeigneten Theatern geschäftlich erfolgreich.
5.2. MGM Das Schicksal der Irene Forsyte. KIKI.
Millionenschwerer amerikanischer Film, dem leider ein Geschäftserfolg nicht beschieden war. Nachfrage der Erstaufführungs-Theater nur genügend, Presse wohlwollend.
8.2. MGM Schicksal in Wien FILMBÜHNE WIEN.
Lange erwarteter, mit großen Hoffnungen begleiteter Film, der geschäftlich völlig danebenging und eine der größten Sensationen auf dem Filmmarkt darstellen dürfte. Die Hauptschuld trägt vermutlich die Veränderung des Titels, der vorher „Die rote Donau“ lautete und unter diesem Titel viel zugkräftiger gewesen wäre.
12.2. Europa-Film Gefangene Seele ASTOR.
Völlig abgelehnter deutscher Film, geschäftlich totaler Misserfolg. Nachbesetzung kaum vorhanden.
15.2. Centfox Eine Welt zu Füssen STUDIO.
Konversations-Lustspiel von der Art, die, übertragen ins Deutsche, überhaupt nicht ankommen. Geschäftlich ohne Bedeutung.
15.2. RKO Auf des Messers Schneide BONBONNIERE.
Guter Film, ohne jede Sorgfalt herausgebracht, geschäftlich ohne Bedeutung.
15.2. Columbia Blutfehde Massenstart.
In den letzten 3 Jahren einige hundertmal dagewesen, kann nur noch lächerlich aufgenommen werden.
15.2. Universal Im Lande der Comanchen Massenstart.
Amerikanischer drittklassiger Film.
19.2. United Artists/Constantin Zwischen Frauen und Seilen KURBEL.
Atmosphärisch sehr gut gelungener Film, ohne bemerkenswerten geschäftlichen Erfolg.
19.2. National-Film Gift im Zoo ASTOR.
Mit großen Vorschusslorbeeren versehener Film, der in Berlin trotz wohlwollender und guter Presse nicht entsprechend ankam. Verständlich, da am Tage zuvor mit Rasanz Nachts auf den Strassen anlief.
20.2. MGM Ein Geschenk des Himmels KIKI
Bezaubernder, ganz hervorragender Film, Musterbeispiel für perfekteste Regie- und Darstellerarbeit. Unübertrefflich, und ich wiederhole: Ansehen, ansehen, ansehen und anhören die Synchronisation! Sie ist einmalig und verdient alle Beachtung (in Berlin synchronisiert!) Ich denke dabei an „O key Nero“[?].
22.2. Deutsche London-Film Primanerinnen FILM-BÜHNE WIEN.
Positive Kritiken, Film kam jedoch nicht so an. Geschäftlich weit unter Durchschnitt (Konto Nachts auf den Strassen[?]).
22.2. Super-Film Der Weibsteufel CAPITOL Kfd..
Wenngleich dieser Wolfgang Liebeneiner-Film nicht enttäuschte, muss man sich fragen, weshalb ein Produzent heute eine derartig verstaubte Vorlage wie Karl Schönherr’s Drama verfilmt. Die Darstellung von Hilde Krahl ist ausgezeichnet, und auch Bruno Hübner, der einer der besten deutschen Bühnenschauspieler ist, ist ganz hervorragend. Trotzdem lässt der Film unbefriedigt, weil es schließlich nur ein 3-Personenstück ist. Einen geschäftlichen Erfolg kann dieser Film nicht erzielen, schon darum nicht, weil vorwiegend Dialekt gesprochen wird.
27.2. Paramount Samson und Delilah DELPHI-PALAST AM ZOO
„Cecil de Mille’s Meisterwerk“ lauteten die Ankündigungen für diesen Monstre-Film der amerikanischen Produktion. Die Kritiken waren wesentlich schlechter als bei Messalina, doch ist der Film immerhin farbig und es geschieht sehr viel in ihm, so dass dem großen und anspruchslosen Publikum genug Unterhaltung gegeben wird. Merkwürdigerweise ist dieser Film in Frankreich der größte amerikanische Filmerfolg nach Vom Winde verweht. Es scheint nichts auszumachen, dass der Film während der Vorstellung durch Lachen unterbrochen worden ist. Berlins Theaterbesitzer sind jedoch noch abwartend.
29.2. Gloria-Film Rio Grande Massenstart.
Perfekter amerikanischer Wildwester mit nationalem Ethos. Das berühmte Nord-Süd-Thema – in bestem Sinne – filmisch gestaltet von John Ford (Duell in der Sonne [Regisseur von Duell in der Sonne war King Vidor]). Sehr gutes Geschäft, sehr gute Presse.
29.2. RKO Das Doppelleben des Herrn Mitty FILMTHEATER BERLIN.
Wieder herhören und genau lesen. Perfekteste Synchronisation (wiederum in Berlin). Der Hauptdarsteller Danny Kaye von Georg Thomalla gesprochen, der als Synchronsprecher tatsächlich – auch nach Meinung der besten Kritiker – Meisterleistungen vollbringt.
29.2. Veit-Film Blaue Jacken Massenstart.
Dem Film geht aus Westdeutschland ein bemerkenswerter Ruf als Geschäftsfilm voraus. Auch hier in Berlin, wenn von der Presse auch ironisch aufgenommen, sehr gutes Geschäft.

 

 

Paul Medina: Ein brennender Acker (1922)

Auf dem Exerzierplatz in Potsdam konnte man vor einigen Tagen einen Brand beobachten. Hinter den Kulissen der Allee, mitten im Schneefeld brannte ein kleiner Acker, an dessen einem Ende eine Holzkapelle, an dessen anderem ein Gerüst stand, wie man [es] ähnlich bei Schachteingängen sieht. Mittels Pech, Petroleum und anderem leichten Brennmaterial gab das Ganze ein sehr hübsches, anständiges Feuer ab, das bald rot, bald grünlich aufwirbelte, dunkle Rauchwolken aufsteigen und von eisigem Wind in alle Nasen zerstieben ließ, als wär’s nur ein Ernstfall, während es sich doch, wie wir hier zu sagen bemüßigt sind, um eine Filmaufnahme handelte, was doch viel mehr ist. Denn um das Gelingen eines schönen Brandes bemüht sich wahrscheinlich kein Mensch, und hier stand überdies noch, wie immer bei ähnlichen Anlässen, weit mehr auf dem Spiel: Das Gelingen der Aufnahme. Und davon kann der Laie, der sich die Freude am Schauspiel durch die Kälte fast gar nicht verderben ließ, annehmen, dass die Bilder ebenso gut herauskommen werden, wie das Original, das, wie gesagt, sehr hübsch gelang.
Dem Verdacht, es handle sich bei dem Film „Der brennende Acker“, den Willy Haas erdacht, Arthur Rosen und Thea von Harbou mitzuarbeiten halfen, um eine Sensationsgelegenheit, (was man den guten Absichten des Direktors Sascha-Goron eigentlich nicht glauben würde) trat der Autor mit folgendem Dementi entgegen:
Der brennende Acker ist in diesem Film, einer Tragödie des Ehrgeizes, symbolistisch gedacht, als das Ewig Verbrennende, sich Verzehrende, als der Ausfluss eines höllischen Elementes, das den gesunden Boden längst hat verdorren lassen, bevor es ihn vollkommen vernichtet: Eine Petroleumquelle, die unter dem Acker lag und deren unfruchtbar machende Wirkung das Bauernvolk mit dem Aberglauben erfüllt hatte und die eines Tages, da man unausgesetzt nach ihr grub, wie zur Bestrafung des frevelhaften Strebens, das einen von Ehrgeiz Besessenen alles Menschliche, selbst die Liebe vergessen liess, hatte zu brennen angefangen….
So ungefähr bedeutete der Autor das Wesen seines Films; man muß dabei an Stendhals Julien Sorel denken, der seine schönen menschlichen Eigenschaften an sein Gehirn, an sein Talent absorbierte, um seinen fanatischen Ehrgeiz zu stillen. Dieser Film, der eine in vielen Zügen ähnliche Figur enthalten soll, mag ein eigenes Erlebnis sein, vielleicht auch ein Bekenntnis, die Vision eines Schicksals. Dass eine solche Vision sich an den Film wendet, ihn als Ausdrucksform wählt, spricht nicht gegen die Qualität, nichts gegen den dichterischen Charakter des Einfalls, , aber alles für ihn, wenn der Eindruck, den die Erzählung des Autors und der Anblick des wie in bengalischer Beleuchtung brennenden Ackers gibt, nicht trügt. Das ist nicht anzunehmen. Das Niveau, aus dem der Einfall kommt, verpflichtet; es verpflichtet zumindest zu Reinlichkeit, zur Konsequenz im dramatischen Erlebnis. Klassizistische Strenge scheint hier, und im Film überhaupt, als Ausgleich für die fehlende Tradition notwendig; die erst könnte den Film zum Hervorbringen von Filmdichtern befähigen und ihn stark genug machen, um ihn vor den Forderungen des tagtäglichen Kinos zu sichern, das von den Manuskriptschreibern des Tages heute noch in gefährlicher Weise gespeist wird.
Ein tadellos brennender Acker, der an irgend einen in der Kindheit bestaunten Brand erinnert, oder an Kaisers Geburtstag, berechtigt noch nicht zu Prophetien. Wenn man aber nur zum eigenen Gebrauch prognostiziert, so glaubt man sich berechtigt, weil der Luxusarbeiter F. W. Murnau die Regie führt, und weil er sich mit allen, die am brennenden Acker interessiert sind, mit Alfred Abel, Grete Dierks, Werner Krauss, Lya de Putti, Eugen Klöpfer, Stella Arbenina sehr gut versteht.
Film-Kurier, Nr. 26, 30. Januar 1922

Marlene in der DDR (1965)

Vorbemerkung:

Amiga-Edition 1965

Die folgenden Briefe wurden mir in Kopie von einer guten Seele etwa im Jahr 1990 übergeben und sind seit der Zeit im Archiv der MDCB. Marlene Dietrich ist nie in der DDR aufgetreten. Dass das amerikanische Außenministerium einen Auftritt von Burt Bacharach in Ost-Berlin verhindert hat, hat Burt Bacharach in seinen Memoiren bestätigt.

Einige Anmerkungen zu den Personen:
Der Genosse Professor Hager ist Kurt Hager (1912 – 1998), Leiter der Abteilung Kultur im Zentralkommittee (ZK) und Politbüro des ZK der SED – also der amtierende Kulturminister der DDR.

Jost Prescher (1930 – 2000) war von 1963 – 1969 Leiter der Handelsvertretung der DDR in Grossbritannien

Harry Költzsch war Direktor der VEB deutsche Schallplatten und unterstand dem Ministerium für Kultur.

Dieter Heinze (1928 – 2005) war von 1963 – 1969 stellvertretender Leiter der ZK-Abteilung Kultur

Siegfried Wagner war von 1957 bis 1966 Leiter der Kultur im ZK der SED.

Das von Jost Prescher beanstandete Lied „Berlin Berlin (Das ist Berlin wie’s weint, das ist Berlin wie’s lacht) ist von Willi Kollo (1904 – 1988). Es wurde auf der Amiga-Edition ersatzlos gestrichen.
Das Cover der Platte wurde geändert.
Zu einem Auftritt Marlene Dietrichs in der Hauptstadt der DDR kam es nicht.

 

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Sendungen über Film im Fernsehen 1959

REGELMÄSSIGE SENDUNGEN:

Das Künstlerporträt.
Liselotte Pulver. Redaktion: Dr. Jürgen Möller. Interview: Guido Schütte 25. Februar:
Das Künstler-Porträt wurde diesmal wieder von einem neuen Mann entworfen. Guido Schütte unterhielt sich mit Lilo Pulver. Er machte das trotz einiger Anfangs-Hemmungen so amüsant, locker und doch informierend, dass man bei diesem Porträtisten bleiben sollte. Die teils ansteckend fröhliche, teils ernste Lilo war aber auch eine besonders geeignete Partnerin für den neuen Start. Die Filmausschnitte und eine Fernsehaufzeichnung gaben ein gutes Gesamtbild von der Trägerin des KritikerPreises 1957/58. Eines hätte man uns allerdings nicht unbedingt einreden müssen: daß Albert Lieven für seinen Blitzauftritt mit fünf Sätzen eigens von London nach Hamburggekommen ist.
Hans Lutz in Star-Revue, Nr.6, 11.03. 1959

Luise Ullrich. Gesprächspartner: Guido Schütte. Redaktion: Dr. Jürgen Möller 15. April

O.W. Fischer. Redaktion: Dr. Jürgen Möller. 30. Mai
Hamburger Fernsehen
Weit ungehemmter plauderte am 30. Mai jener gepflegte Herr, den die filmbegeisterte Bundesrepublik unter dem Namen Otto Wilhelm Fischer kennt und hoch schätzt. Er plauderte, das Kinn gar anmutig auf den Ringfinger gestützt, über die Schauspielkunst als solche und gab deutlich zu verstehen, dass er sein eigenes mimisches Vermögen nur ungern Regisseuren anvertraut, die noch am Leben sind. (In Frage kam für ihn nur der verstorbene Max Ophüls.) Dass er am liebsten sich selbst in Szene setzt, der gute O.W., das glaubte man ihm an diesem Abend blind. Doch angesichts einiger Filmausschnitte fragte man sich betrübt, warum ein so vorzüglicher Schauspieler wie er es nicht fertig bringt, wenigstens für 40 Minuten einen bescheidenen Schauspieler darzustellen. Das kann doch nicht so schwer sein!
Monitor in Star-Revue, Nr. 13, 14.06. 59

Fritz Lang 23. Juni
Das Künstlerporträt“ (am 23. 6. aus Hamburg), das uns mit dem Regie-Altmeister Fritz Lang und seinem Film .M“ bekannt machen wollte, war kein Porträt, sondern bestenfalls ein Vexierbild, bei dem alles Wesentliche mühsam erraten werden musste: Fritz Lang zeigte uns nur einen Schmollmund (weil die Kritiker sein “Indisches Grabmal“ verrissen haben). Porträtist Schütte verschwieg oder verwechselte die Namen prominenter Filmstars, Friedrich Luft zeigte ein verbindliches Lächeln und der Film „M“ zeigte, dass es Motten oder andere schädliche Insekten geben muss, die sich vom belichteten Zelluloid ernähren, ja mehr noch, die sich feinschmeckerisch gerade die wichtigsten Szenen herausknabbern. Anders lässt sich die Verstümmelung kaum erklären. Was auch immer die Gründe gewesen sein mögen: Bilder- oder Silbenrätsel sollte man den Quizmeistern überlassen. Star-Revue Nr. 15, 15.7. 1959

Sonja Ziemann. Redaktion: Dr. Jürgen Möller 5. August
Gustav Knuth. 6. September

Das Filmseminar.
1. Filme, die verboten werden. Dr. Karl Eiland, Essen, berichtet über Gestaltungsmittel des Films. 5. Februar
Weitere Sendungen am 20. März und 10. April; am 26. Mai Beleuchtung und Maske beim Film – 11. Juni: Mit Siegfried Morhof

Wunschkonzert. Ein Film-Cocktail gemischt von unseren Zuschauern. Eine neue Folge der beliebten Sendung des bayerischen Rundfunks. Mit Anette. Cocktail aus Filmen. 20.Januar
Filmausschnitte, von Zuschauern gewünscht, vom Münchner Studio beschafft, führte Anette vor. Es wäre schön, wenn sie das in Zukunft nicht ganz so herablassend warmherzig betreiben würde. Wenn diese Sendung das Fernsehen bezahlen müsste, dann wären siebenstellige Ziffern fällig.
Star-Revue, Nr. 4, 11.02.1959

WEITERE SENDUNGEN
Preis der deutschen Filmkritik 1958/59.Aus der Berliner Kongresshalle.13. Februar

Der Backfisch und sein Star.. Eine Jugenddiskussion mit Hans und Lotte Hass. 19. März

Schwedenstrasse 16. Filmproduktion als Hobby. Regie: Hannes Dahlberg. 13.April

Der lachende Philosoph in Latschen. Ein Fernseh-Essay von Friedrich Luft zur 70. Wiederkehr des Geburtstages von Charlie Chaplin. 17. April

Mila Kopp. Porträt einer Schauspielerin. 24. April
Regionalprogramm Köln. Cinematographen-Theater. 16. Mai, 4. August

Unser Schwarm. Eine kleine Geschichte der Frauengestalten des deutschen Films von Asta Nielsen bis Marika Rökk. Von Wilfried Berghahn. 18. Mai
… In schnellem Wechsel (nur leider mit chronologischen Fehlern, so wenn zuerst Lilian Harvey und danach Marlene Dietrich auf den Bildschirm kam) wurde hier in Stichworten „erinnert“ und ohne Sachkenntnis zusammengeschustert, was eines geschliffenen Feuilletons wert wäre. Nun ging es zwar um Frauengestalten des deutschen Films, aber darf man deswegen so hervorragende Schauspieler wie George und Jannings, Albers, Hartmnn oder Hannes Stelzer im Bild zeigen, ohne deren Namen überhaupt zu erwähnen? Schließlich war’s keine Quizsendung! Aber es war eine verpatzte Reminiszenz!
Monitor in Star-Revue, Nr. 12, 3. Juni

So viel Zeit für kurze Filme. Besuch in einem Amsterdamer Trickfilmstudio (Wiederhlg.) 3. Juni

Lang, lang ist’s her. Ein Griff in die englische Flimmerkiste. 8. Juni

Hollywood. Ein Vorort in vier Anekdoten. Von Michael Pfleghar. (Stuttgarter Fernsehen) 9. Juni

Regionalprogramm Südwest. Cinematographen-Theater 11. Juni

Jugendstunde. Die optimistische Muse. Das Musical und seine Spielarten. 12. Juni

Träume in Seide und Blue Jeans. Ein Essay über die Frauengestalten des deutschen Nachkriegsfilms. Manuskript: Wilfried Berghahn. 14. Juni
Hier kehrte vor heimatlichen Studiotüren am 14. 6. der Sender Baden-Baden (.Traum in Seide und Blue Jeans“). Was er mit seinem Essay über die Frauengestalten des deutschen Nachkriegsfilms hervorkehren“ wollte, wurde mir nicht recht klar, obwohl Wilfried Berghahn sich wacker mühte, darüber Aufschluss zu geben. Seine verbindenden Worte waren insofern bemerkenswert, als sie von einem Filmausschnitt zum anderen Brücken bauten, die man nicht ohne Scheu zu überschreiten gewillt war. Zum Beispiel erklärte er den Aufstieg der Maria Schell mit der betrüblichen Tatsache, dass Hildegard Knef’s wahre Fähigkeiten so schnöde verkannt wurden. Dabei bot die Szene aus dem „Film ohne Titel“ nicht den geringsten Anlaß zu dieser Vermutung. Die Knef wäre, wenn man sie in diesem Rollenfach belassen hätte, vielleicht ein gefeierter Spitzenstar geworden, aber für das sonnige Weinen der Schell wäre sie niemals zuständig gewesen. Auch sonst merkte man deutlich: im Anfang waren die Filmausschnitte, dann erst wurden die essayistischen Behauptungen drumherum gebastelt. Aber gerade umgekehrt wäre ein Schuh daraus geworden.
Monitor in Star-Revue Nr. 14, 1. Juli 1959

Regionalprogramm Berlin Cinematographen-Theater. 18. Juni

Eröffnung der IX. Internationale Filmfestspiele Berlin. 26. Juni
Verleihung der Bundesfilmpreise. 28. Juni
Liebe Fernsehfreunde!. Einmal im Jahr, zur Sommerzeit, wallfahrtet der Film zum grünen Strand der Spree, um sich dort feiern zu lassen. Ein Vorgang, den man auf Umgangsdeutsch „Berlinale“ und amtlich „Internationale Filmfestspiele“ nennt. Und jedesmal ist man so unvorsichtig, das minderjährige Schwesterchen, das Deutsche Fernsehen, dabei zusehen zu lassen. Jüngere geschwister, das weiß man doch, sind neugierig, respektlos und schadenfroh, weshalb man sie von offiziellen festlichkeiten tunlichst fernhalten sollte. Indes, der Jubilar brauchte sich auch diesmal um einen guten Ruf keine ernsten Sorgen zu machen. Denn für die „Berlinale“ ist ja aus geographischen Gründen eine Fernsehstation zuständig, der es fernliegt, dem großen Bruder Film den Respekt zu versagen: der Sender Freies Berlin. Für ihn waren die IX. Internationalen Filmfestspiele“ wieder mal eine willkommene Gelegenheit, lästiger Gemeinschaftsprogrammpflichten ohne besondere Anstrengung ledig zu werden. Das zeigte sich schon beim gefilmten Rückblick auf acht Festspieljahre (26. 6.): Arg. und kritiklos machte der Film Reklame und bot die Belegschaft der Traumfabrik genauso dar, wie sie sich der berühmte „kleine Moritz“ vorstellt: Immer nur lächelnd, den grauen Alltag durch ihre Anwesenheit vergoldend (Komiker greift zum Preßlufthammer) und herzig-unnützem Tun obliegend (Starlett hütet Zoo-Flamingo). Am befremdlichsten fand ich den Einfall, Magda und Romy Schneider mit einem lebenden Storch zu garnieren und der Mama anzuraten, dem Filmtöchterlein angesichts dieses symbolträchtigen Vogels neckisch mit dem Finger zu drohen (was sie dann auch brav erledigte).
Für die nachfolgende Live-Übertragung aus der Kongresshalle darf man den Sender Freies Berlin freilich nicht verantwortlich machen. Hier erfüllte er nur seine Chronistenpflichten und zeigte, was die Festspielleitung gezeigt wissen wollte: Zum Beispiel die „Große internationale Star-Parade“. Dass den Sternen der Leinwand (mit Ausnahme des US-Stars van Heflin und einem Vertreter Arabiens) dabei nichts Originelleres in den Sinn kam als die vielsprachige Wiederholung des Satzes „Berlin ist dufte“, sei ihnen nicht verübelt. Die Französinnen und Amerikanerinnen bewiesen, dass man so etwas auch sehr hübsch sagen kann.
Auch dass der Bericht, “Verleihung der Bundesfilmpreise“ mitten entzweiriss, war nicht des Senders Schuld. Dass er jedoch das Gespräch mit den Preisträgern aus einer Entfernung fotografierte, bei der nicht einmal genau die Personen, geschweige denn das Mienenspiel der Ausgezeichneten erkennbar wurde, sei ihm tief ins Kerbholz geritzt. Monitor in Star-Revue,
Monitor in Star-Revue Nr. 15., 15.7. 1959

Außenseiter der Filmfestspiele. Friedrich Luft zeigt Kulturfilme. 29.Juni [Möglicherweise ist diese Sendung ausgefallen und wurde m 8. Juli wiederholt]

Made in USA. Stars und Musik in Filmen von drüben. 29. Juni

Links und rechts vom Kurfürstendamm. Ein Bummel durch die IX. Internationalen Filmfestspiele. Regie: Gerhard Klüh; Sprecher: Jürgen Graf. 5. Juli

Klasse 7a filmt. Ein Wettbewerb für filmbegeisterte Schüler. Jugendstunde. 6. Juli

Der goldene Bär. Die preisgekrönten Filme der IX. Internmationalen Filmfestspiele. Zusammenstellung: Gerhard Klüh. 7. Juli

Außenseiter der Filmfestspiele. Friedrich Luft zeigt preisgekrönte Kulturfilme. 8. Juli

Made in USA. Stars und Musik in Filmen von drüben. Mit Mal Sondock. 22. Juli

Aus dem Tagebuch eines Filmjournalisten. Eine Sendung von Dr. Hans Borgelt. 17.August

Filmideen und woher sie kommen. Ein Walt-Disney-Film. 11. September

Heitere Leinwand. Über die Kollegen plaudert Günther Lüders. 14. September [Möglicherweise ist diese Sendung ausgefallen und wurde erst am 4. November gesendet]

Die dicke Geldtasche. Luis Trenker erzählt. 23. September

Kinder sehen Filme. Ein Bericht von Dr. Wolfgang Brudny. 16. Oktober

Federico Fellini. Porträt eines Regisseurs. Ein Versuch von Wilfried Berghahn. 19. Oktober

Luis Trenker erzählt. Die Belohnung. 29. Oktober

Rowdys, Rüpel und Revolver. Regisseure diskutieren mit Jugendlichen über ihre Filme. 30.Oktober

Heitere Leinwand. Günther Lüders plaudert über die Kollegen. 4. November

Klasse 7a filmt. Ein Wettbewerb für filmbegeisterte Schüler Vorauswahl. 12. November

Film-Artisten. Eine Sendung mit Arnim Dahl. 23. November

Luis Trenker erzählt von seiner ersten Filmrolle.. Schminke und Schnee. 1. Dezember

Persönlich vorgestellt: Ruth Leuwerik. Gesprächspartner Werner Baecker. Leitung der Sendung: Dr. Hermann Wenninger 2.Dezember

Rochus Gliese/ Gerhard Lamprecht: Zusammenarbeit mit Murnau

Auszug aus einem Interview von Gerhard Lamprecht am 11. August 1956 mit dem Bühnenbildner und Regisseur Rochus Gliese.

 

GL: Zur Jahreswende 1921/22 machten Sie die Bauten für Murnaus sehr schönen Film Der brennende Acker.

RG: Das war mein erster Murnau Film.

GL: Haben Sie mir nicht einmal erzählt, daß Sie mit einer Aufnahme nicht glücklich waren? Das Haus oder der Garten oder der Schnee oder irgendetwas anderes war nicht gelungen; besinnen Sie sich darauf?

RG: Das war eine Außenaufnahme. Da dem Unternehmer im Laufe dieses Films die finanziellen Mittel ausgingen, konnten wir für den eigentlich wichtigsten Bau, den brennenden Bohrturm auf dem Acker, kein Geld ausgeben. Der Bohrturm wurde recht traurig, der sah eher aus wie ein Klosett. Aber sonst war das schon ein sehr schöner Film.

GL: Ja,wundervoll gespielt und auch eine sehr gute Besetzung mit Lya de Putti, Wladimir Gaidarow und Grete Dierks, die ich doch sehr liebte, weil sie mit ganz feinen kammerspielartigen Mittel arbeitete. Das Buch war ja von Willi Haas und Thea von Harbou, die für Murnau auch Die Austreibung geschrieben hat

RG: Die Austreibung war ein großartiger Stoff von Karl Hauptmann und das Drehbuch von Thea von Harbou war auch sehr gelungen. Uns hat die Arbeit große Freude gemacht, aber beim Publikum kam der Film nicht an. Das gibt es ja manchmal.

GL: Ja, das ist schade, aber auf künstlerisch sehr ausgefeilte Kammerspiele reagierte das große Publikum nicht so enthusiastisch. Bei der Austreibung war ja jedes Bild ein Meisterwerk.

RG: Das wundert mich, denn das war doch eine Zeit, in der das deutsche Filmkammerspiel künstlerisch wirklich auf der Höhe war; es sind doch damals Filme vom Publikum angenommen worden, die in der Thematik und in der Ausführung kaum weniger anspruchsvoll waren.

GL: Die Kammerspiele waren keine großen geschäftlichen Erfolge. Die großen Filme von Lupu Pick wie Scherben und Silvester hatten in den Großstädten ein begeistertes Publikum, aber sie brachten letzten Endes keine großen Einnahmen. Das traf auch auf diesen Murnau Film zu. Die Decla-Bioskop hatte andere Filme,die viel Geld einspielten. Die Austreibung war auch kein Misserfolg, hat aber nicht das große Geld gebracht.

Beleuchtungszauber im neuen Lubitsch-Film (1922)

Vorbemerkung: Nach der Ansicht aller Fachleute bedeutet der neue Lubitsch-Film Das Weib des Pharao hinsichtlich der Lichttechnik einen entscheidenden Fortschritt der Deutschen Kino-Industrie. Unser technischer Mitarbeiter setzt hier die Grundlagen dieser neuen Entwicklung auseinander.

Ernst Lubitsch beim Schnitt von Das Weib des Pharao

Der Film Das Weib des Pharao bedeutet insofern einen Markstein in der Entwicklung der Film-Beleuchtungstechnik, als bei den Aufnahmen ganz neue Verfahren und Einrichtungen zur Verwendung kamen. Zunächst einmal wurden dabei Lampen von bisher unbekannter Wirkung benutzt. Die gewöhnlichen Jupiterlampen arbeiten mit zwei oder höchstens vier Lichtquellen. Um die Intensität des Lichtes steigern zu können, wurden besondere Lampengestelle gebaut, die mit nicht weniger als 20 Lichtquellen ausgestattet waren, und deren Wirkung dadurch um ein Vielfaches gesteigert wurde. Diese riesigen Beleuchtungskörper nehmen eine elektrische Energie von 180 Ampère bei 220 Volt auf und geben eine Lichtwirkung, die sich mit einer für die Aufnahmen ungewohnten Helligkeit bis zu acht Metern in die Tiefe und zu sechs Metern in die Breite erstreckt.
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Der brennende Acker (1922)

Im Marmorhaus gab’s gestern eine Filmpremiere vor dem „Verein Berliner Presse“. Wollte man damit beweisen, dass es trotz allem und allem doch eine Filmkunst gibt? Darf man den Beweis als erbracht erachten? Wird „Der bernnende Acker“ die Herzen der Zuschauer entflammen und erwärmen?
Das Autoren-Triumvirat Willy Haas, Thea von Harbou und Arthur Rosen hat einen in sich starken Konflikt ersonnen: Das Drama eines maßlos ehrgeizigen Bauernsohnes, der den Stand und das Erbe seiner Väter missachtet, sich zu Höherem berufen fühlt, aber schließlich von der stolzen Höhe des Ruhms und Reichtums gestürzt, wieder reumütig in den Schoß der Familie zurückkehrt. In einer langsam schleppenden, inhaltsarmen, mit einem Übermaß von Passagen und langen Titeln bedachten Exposition wird geschildert, wie dieser Johannes Rog, der in der Niedrigkeit der Bauernstuben zu ersticken glaubt, sich dem Ziel seiner Wünsche nähert. Er heiratet die verwitwete Gräfin Rudenburg, weil er weiß, dass ihr öd und brach liegendes Besitztum, der von altersher verrufene „Teufelsacker“, eine wertvolle Petroleumquelle in sich birgt. Das alles wird mit epischer Breite und romanhaften Ausschmückungen, die wenig mit dem Wesen des Films zu tun haben, erzählt. Erst im fünften und sechsten Akt wird aus dem „Exklusiv-Film“ ein Explosiv-Film. Die Ereignisse steigern sich mit einer gewissen dramatischen Wucht. Die Gräfin geht ins Wasser als sie den wahren Charakter ihres Mannes erkennt. Ihre von Johannes gleichfalls verschmähte Tochter steckt aus Rachgier den Petroleumschacht in Brand und nimmt sich ebenfalls das Leben. Johannes selbst ist gerichtet, aber zugleich gerettet von der jungen Bäuerin Maria, die jahrelang auf seine Heimkehr gewartet hat und ihn nun [zu] einem stillen, anspruchsvollen Leben zurückführt.
Eine gewiss nicht tiefgründige und, abgesehen von einigen geschickten Nuancen, an Kontrasten wenig neuartige Handlung. Wenn dieser Film trotzdem zu einem Ereignis wurde, so ist dies vor allem der hingebungsvollen und an besten schwedischen Vorbildern geschulten Regie zu verdanken. F.W. Murnau, der Regisseur des Nosferatu-Films, hat auch dieses Werk weit über seinen eigentlichen Gehalt hinaus gesteigert. Unter seiner Führung findet sich eine stattliche Zahl von Darstellern, in schlichtem, tief wirkendem Kammerspiel. Jeder Charakter ist typisch und scharf herausgearbeitet, auch die kleinste Rolle mit verständnisvollen Künstlern besetzt. Der Bauer Peter Rog (Eugen Klöpfer) breitschultrig, bieder, mit allen Phasen am Beruf seiner Väter hängend, im Gegensatz zu Ihm sein Bruder, der ehrgeizige Johannes (Wladimir Gaisarow), der Tag und Nacht nach dem verborgenen Reichtum des Teufelsacker schürfende Graf Rudenburg (Eduard von Winterstein), seine still leidende und schließlich am Leben verzweifelnde Gattin (Stella Arbenina), seine launenhafte und kaltherzige Tochter Gerda (Lya de Putti) und schließlich die simple Magd Maria (Grete Diercks), blitzsauber nach innen und außen. In Nebenrollen Könner wie Werner Krauß und Alfred Abel. Eine hohe Summe von Darstellungskunst. Und doch nicht atemloses Mitfühlen erzeugend, weil die Darsteller nicht wie die Schweden in dem gegebenen Milieu wurzeln.
Der Regie, die sich gestatten durfte, selbst Komparsenrollen mit Solisten zu besetzen, erstanden im Architekten Rochus Gliese und den Photographen Karl Freund und Fritzarno Wagner starke Helfer. Der Kontrast zwischen den Schlossräumen mit ihren weiten Ausmaßen und den dürftigen Zimmern, in denen die bauern „dumpf wie das Vieh“ hausen, ist trefflich geglückt. Nur die (vielleicht infolge zuviel Oberlichts) einem Hofe gleichende Schlossdiele erscheint verfehlt. Die Photographie schuf Bilder von hohem malerischen Reiz. Ihr Höhepunkt die Schneelandschafts-Aufnahmen. Von gewaltiger Bildwirkung, besonders die nächtliche Wanderung zum Petroleumschacht.
bon. (?) in BZ am Mittag, 9. März 1922

Wie Nosferatu entstand (1922)

Die Filmindustrie ist bekanntlich erst ein Vierteljahrhundert alt, aber es ist unglaublich, was in dieser Zeit bereits an Filmen geschrieben, und was in diesen Filmen an Gedanken und an Unsinn verarbeitet worden ist.
Die Literaturen aller Länder, die Akten aller Gerichte, die Witze aller Witzblätter sind mehr oder minder gründlich geplündert worden und das unsterbliche Wort Ben Akibas kann man auf diese jüngste, elfte, zwölfte oder dreizehnte Muse bereits auch anwenden.

Der große Jammer in den Bureaus der Filmdirektoren: „Wo bekommen wir ein gutes Mansukript her“ – „Suchet, ihr werdet nichts finden!“ – „Alles schon dagewesen!“ – Es muss etwas Neues sein, etwas Unerhörtes! Ein Schlager?“ – „Nein, der Schlager!“

Aber es gibt doch noch Dinge, die im Film, wenn nicht völlig neu, so doch sehr wenig, sehr oberflächlich behandelt worden sind.. Zu diesen Dingen gehört beispielsweise der Okkultismus. Man verarbeitete aus diesem an sich sehr umfangreichen Gebiete verschiedene Dinge und „Probleme“, ohne jedoch dem Wesen der Sache auch nur von einer Seite aus annähernd und mit einem gewissen Ernst beigekommen zu sein.
Die Prana-Film-Gesellschaft, unter deren leitenden Persönlichkeiten sich einige seit langem mit okkulten Studien beschäftigt hatten, kam nun auf die Idee, den Vampyrismus einmal zur Grundlage eines Filmmanuskriptes zu machen. Der äußere Anlass war ein geringfügiger, kam den Betreffenden ungefähr ein, als sie eine Spinne beobachteten, die ihre Opfer aussaugte.
Aber mit der Idee allein war es noch nicht getan. Es handelte sich ja nicht nur darum, eine bestimmte Seite des Okkultismus im Film zu zeigen, sondern es sollte auch wirklich ein Film entstehen. Die Notwendigkeiten, die Bedingungen, vor allem aber auch die Möglichkeiten des Films sollten nicht irgendwie von ungefähr, sondern logisch und wesentlich mit dem Thema verknüpft werden.
In einem phantastischen Roman schien das Vorbild für den geplanten Film gefunden zu sein. Aber es bedurfte noch einer sehr gründlichen Arbeit Henrik Galeens, um aus diesem Roman das zu machen, was die Anreger der Idee sich vorgestellt hatten. Andererseits aber hat die Prana-Film-Gesellschaft als eine der ganz wenigen und ersten, dem Schriftsteller diesmal in größerem Umfang freie Hand gelassen, als das sonst allgemein der Fall zu sein pflegt. Henrik Galeen hat nicht nur das Manuskript geschrieben, sondern er hat auch die Vorarbeiten gemeinsam mit dem Regisseur F.W. Murnau besprochen, hat den Aufnahmen zum großen Teil beigewohnt und wird deshalb von dem fertigen Werk als möglicherweise erster Autor einmal nicht enttäuscht sein.
Auch mit einem anderen System hat man gebrochen, nämlich damit, immer nur „Namen“ herauszustellen. Man hat die Schauspieler nach dem Zweck so günstig als nur irgend möglich gewählt, nicht nach ihrem Darstellerberuf, wohl aber nach ihren Darstellerqualitäten.
Da ist zunächst Greta Schröder, die entzückende Tänzerin und Schauspielerin, die allerdings schon weiten Kreisen bekannt ist. Da ist der junge von Wangenheim, der Sohn Eduard von Wintersteins. Ruth Landshoff, eine bildschöne, junge Künstlerin, stellt sich zum ersten Male in einer größeren Rolle vor. Die Rolle des Schreckens, des Grauens, wird von Max Schreck gespielt, der seinem Namen hier besondere Ehre macht. John Gottowt, Gustav Boß, Alexander Granach und G. H. Schnell sind die übrigen Hauptmitwirkenden.
„Nosferatu“ ist der Titel eines Films der Geheimnisse, einer Sinfonie des Grauens, wie der Untertitel sagt.
Nosferatu ist eine sagenhafte Figur, die bereits in den Volksmärchen eine Rolle spielt. Sie bedeutet ungefähr so viel wie der „Todbringer“, vielleicht auch der Tod selbst, und sie erscheint hier als ein gespenstisches Wesen, manifestiert in der Gestalt eines Schlossherrn, der in einer kleinen Stadt, gegenüber dem Hause eines jungen, glücklichen Ehepaares, sich anzukaufen beabsichtigt.
Der Ehemann, der den Kaufvertrag mit ihm abschließt, reist ihm zu diesem Zweck nach seinem Schlosse, das in den Karpathen liegt, entgegen und erlebt hier die seltsamsten Dinge.
Er fühlt sich nachts bedrückt von einer Nachtmar. Er hat das deutliche Gefühl, als geschähe seiner jungen Frau daheim irgendein Unglück. Magische Kräfte, die er sich nicht erklären kann, lähmen seine Tatkraft, so dass es ihm nur unter den größten Schwierigkeiten möglich ist, sich aus den unheimlichen Räumen des Schlosses herauszuwinden. Er flieht. Aber es ist, als ob das Unglück ihn verfolge.
Ratten scheinen eine Pest durch die Länder zu verbreiten. In Schiffsräumen hocken sie, stecken die Mannschaft an, die nach kurzem , qualvollem Todeskampfe dem Verhängnis erliegt. In den Hafenstädten verbreitet sich die Krankheit zuerst. Niemand weiß, wie er sich retten, wie er helfen soll. Die Ärzte sind ohnmächtig oder stehen dem Rätsel entsetzt und ratlos gegenüber. Auch nach der Heimatstadt des jungen Gatten wurde die Seuche bereits verpflanzt. Aber es ist nicht, wie man allgemein annahm , ein Gift, an dem die Menschen sterben, nicht die Übertragung durch irgendeinen Bazillus. Es ist der blutgierige Vampir, der Nosferatu, der geheimnisvolle Fremdling, der den Menschen den „ganz besonderen Saft“ aussaugt, ihrem Leben vorzeitig ein Ziel setzt.

In einem alten Buche aber findet man aufgezeichnet, dass man sich von einem solchem Vampir dadurch befreien könnte, dass eine schuldlose Frau ihn so lange an sich fesselt, bis der erste Hahnenschrei ihm die Rückkehr ins Geisterreich unmöglich macht.
Die junge Gattin des endlich Zurückgekehrten opfert sich und das Gespenst löst sich schemenhaft in Nichts auf. Der Druck ist von der Stadt, von dem Lande, von den Menschen genommen.
Zu diesen teils mystischen, teils grauenvollen Bildern gehört auch ein besonderer landschaftlicher Hintergrund. Die Prana-Film-gesellschaft fuhr mit ihrem Ensemble in die Karpathen, späterhin an das Schwarze Meer. Sie kurbelte auf offener See und gewann dadurch eine Reihe von seltenen und reizvollen Bildern. Denn wenn ein Land bezüglich seiner Naturschönheiten noch verhältnismäßig wenig erschöpft ist, so dürfte es jenes wilde, nur teilweise erschlossene Gebirge sein.
Abgesehen davon, dass man auch den Reiz fremdartiger Kleidung in die Filmbilder glücklich hineinkomponieren kann, hat sich die Prana-Film-Gesellschaft doch entschlossen, das Ganze in die Zeit des Biedermeiers zu verlegen, um dadurch den Ereignissen eine gewisse Distanz nach Inhalt und Zeit zu geben, außerdem aber, um das überaus reizvolle Milieu aus Urgroßmutters Tagen noch zu besonderer Stimmungsuntermalung auszunutzen.
Die ganze Erzählung ist übrigens umspannt von einer Rahmengeschichte, in die sie sich natürlich und zwanglos einfügt, die auch das sonnige Moment betont und hervorhebt, um die packenden Szenen der Furcht, des Entsetzens und des Grauens verklingen und vergessen zu machen.
Es ist ganz sicher, dass ein so abwegiger Stoff mit dieser Sorgfalt und mit so beträchtlichen Mitteln gearbeitet, durchaus auch einen Publikumskreis finden wird, der seiner würdig ist und der diese Arbeit nicht umsonst getan sein lässt.
Die Neigung, sich mit okkulten Problemen zu befassen, ist gerade in jüngster Zeit wieder stärker als je vorhanden, und dies aus sehr begreiflichen Gründen. Zwingt doch eine ebenso unerquickliche als reale Gegenwart mehr als je, sich vom grauen Alltag abzuwenden und mit Übersinnlichem zu beschäftigen.

BZ Am Mittag, 5 März 1922, Nr. 64
© Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen (CH).
Dank an die Kantonsbibliothek Appenzell Ausserhoden für die Erlaubnis zur Veröffentlichung von Text und Bild.

Eugen Tannenbaum: Okkultismus mit „Shimmy“

Im Marmorsaal des Zoologischen Gartens gab’s (am Sonnabend) beim „Fest des Nosferatu“ eine Ouvertüre, ein Vorspiel, ein Filmspiel, ein Tanzspiel und ein Nachspiel, bestehend aus Tanz und Tombola, aus Karussellfahrten und Filmaufnahme. Das im Programm vorgesehene Zwischenspiel wurde dem Publikum durch eine ebenso rücksichts- wie einsichtsvolle Festregie erspart. Wer sich dadurch um einen Genuss gebracht fühlte, konnte es zu Hause nachlesen. Es begann mit den Worten: “Gottlob, es ist vorbei, ist überstanden.“
Leute mit schwachen Nerven werden das auch von dem Prana-Film „Nosferatu“ gedacht haben, zu dem Henrik Galeen sich durch den englischen okkultistischen Roman „Dracula“ von Bram Stoker hat anregen lassen. Aber gerade in der Spuk- und Gruselstimmung, die von diesem Film ausgeht, in den schwarzen Schatten, die gespenstisch über die Leinwand geistern, in den Angsttraum-Zuständen und der magischen Verkettung der Dinge liegt die bannende Wirkung dieser „Sinfonie des Grauens“, die allerdings um zwei Sätze zu lang geraten ist. Wie im „Caligari“ kein objektiver Tatbestand geschildert wird, nicht die Perspektive vom Zuschauerraum aus, sondern die Welt als Wille und Vorstellung eines Irren, so sind auch hier innere Erlebnisse nach außen projiziert. Und es ist in erster Linie das Verdienst des Regisseurs F.W. Murnau, wenn es gelungen ist, unkörperliches Grauen sichtbar zu machen, Geistererscheinungen glaubhaft zu materialisieren, Seelisches, sinnlich Wahrnehmbares Wirklichkeit werden zu lassen.

Nosferatu ist ein Abkömmling Urians, ein Schreckgespenst der Hölle: der aus den Blutsünden der Menschheit geborene Vampyr. Ein unheimlicher Geist, manifestiert in der Gestalt des Grafen Orlock, der auf seinem Spukschloss nachts dem Grabe entsteigt, um Lebenden das Blut auszusaugen und dessen „Erlösung“ nur durch die Hingabe einer reinen schuldlosen Frau ermöglicht wird.

Dieser Grundgedanke (und das ist vielleicht ein Mangel des Films) wird nun nicht dramatisch gesteigert, sondern episch (allerdings restlos) ausgewertet. Eine Film-Ballade, deren volksliedhafte Primitivität durchsetzt ist mit der raffinierten Phantastik und Mystik E.A. Poes, Meyrinks und E.T.A. Hoffmanns. Die verschmelzung dieser Elemente zu künstlerischer Geschlossenheit, die Vereinigung zum Spannungs- und Stimmungsgehalt war nur zu erreichen durch inniges Zusammenarbeiten von Autor, Regisseur und Maler-Architekt (Albin Grau). Und es spricht für den Film, dass es fast unmöglich ist, das Tätigkeitsgebiet des einzelnen abzugrenzen. Über die Darstellung später. Nur die Trickaufnahmen scheinen mir nicht ganz geglückt zu sein. Wenn der Totenwagen durch die wilden Schluchten der Karpathen holpert oder der Vampyr huschend Sarg auf Sarg türmt, so wird gewissermaßen illusionszerstörend der technische Apparat sichtbar. Im Übrigen aber ist die unheimliche Atmosphäre erschreckend echt fühlbar gemacht. In den öden Fensterhöhlen verfallenden Gemäuers wohnt das Grauen. Lautlos sich öffnende Türen führen in schreckhaftes Dunkel. Der Werwolf brüllt durch die Finsternis. Aus Gespensteraugen schießen leuchtende und lähmende Blitze. Unheimlich gleitet das Geister-und Totenschiff durch die Brandung. Selbst die Natur ist wie von einem Zauberstab angerührt. Das Meer ist aufgewühlt, Wolken ballen sic drohend. Der Wind wütet durch die tote Stadt, vorbei an geschlossenen Fensterläden, an Häuschen, deren Türen Totenkreuze tragen, durch Straßen, die angefüllt sind mit endlosen Leichenzügen. Der Vampyr geht um …
Der Vampyr ist Max Schreck, leider nicht ganz so schreckhaft wie sein Name. Es fehlt die Besessenheit, die etwa Krauß oder Conrad Veidt für diese Rolle mitgebracht hätten. Seine Dämonie ist Maske, weniger Spiel. Alexander Granach spielt einen Irren, leidenschaftlich, voll satanischer Gier, mit skurrilen Einfällen. Die Lichtgestalten in diesem Nachtstück sind Gustav von Wangenheim (ein friascher Junge, mutig, sonnig, berherzt) und Grete Schroeder, deren Gestalt mehr von Licht umflossen sein könnte, die aber die stumme Angst um den fernen Geliebten ergreifend schildert.
Hans Erdmann hat die Stimmungen des Films mit seinem Empfinden musikalisch untermalt, und er hat auch die Musik zu dem Tanzspiel „Serenade“ geschrieben, in dem Elisabeth Grube von der Staatsoper versuchte, dem gefilmten Mysterium einen heiteren Ausklang zu geben.

BZ am Mittag, 6. März 1922, Nr. 65

Sendungen über Film im Fernsehen 1958

Sendungen über Film im Fernsehen

REGELMÄSSIGE SENDUNGEN:

Das Filmstudio.
Leitung der Sendung: Jürgen Roland; ab der Sendung vom 14. April 1958: Ursula Klamroth

Filme, die uns nicht erreichten
. Mit Ausschnitten aus „nicht mehr fliehen“ (1955). Diskussion mit Herbert Vesely. Sendetermin: 7. Januar

Filme, die uns nicht erreichten
. Gesprächsleitung: Heinz Kunze-Just. Sendetermin: 21. Februar

Filme, die uns nicht erreichten
. Über „Jonas“. Mit Pastor Waldemar Wilken, Friedrich Luft, dem Psychiater Hans Bürger-Prinz und dem Strafverteidiger Dr. Percy Barber. Diskussionsleitung: Erich Kuby Sendetermin: 14. April
Dr. Ottomar Domnicks interessanter Experimentalfilm gab den Stoff für eine Diskussion her, wie sie sein soll. In der Reihe „Filme, die uns nicht erreichten“ führten unter Eugen Kogons Leitung der Psychiater Bürger-Prinz, der Kritiker Luft, der evangelische Pfarrer Wilkens un d der Strafverteidiger Barber ein Streitgespräch, das sich hören liess. Ein guter Teil dieses interessanten Gedankenaustauschs war freilich seinem Gegenstand zu verdanken: dem Film, der die Gewissensfragen und Komplexe unserer Zeit zur Sprache bringt. Leider kam der Kritiker Luft mit seinen formalen Einwänden kaum zum Zuge, weil die Gesprächspartner das Thema des Films immer wieder auf ihre Weise ausdeuteten. Dr. Domnick am Bildschirm wird seinen Spass daran gehabt haben, welche vielgestaltige Ausdeutung die Juristen, Psychologen, Theologen und Publizisten seinem Wrke in wohlgesetzter Rede zu geben verstanden. Vielleicht war ihm einiges daran sogar neu.
In : Star-Revue, Nr. 10, 1958


Das zweigeteilte Deutschland.
Gesprächsführung: Prof. Eugen Kogon.. Mit Ausschnitten aus „Himmel ohne Sterne“, „Weg ohne Umkehr“, „Besuch aus der Zone“ (Fiel aus Zeitmangel aus – ). Sendetermin: 21. Juli Weiterlesen

Index der Filme 1950

Bei Filmen aus Deutschland wird das Land nicht genannt. Alle Originaltitel wurden sorgfältig recherchiert; trotzdem kann es zu Fehlern gekommen sein. Bei einigen wenigen Filmen konnte der Originaltitel nicht festgestellt werden.

3 Cowboys und 1 Mädel. Aus der Monogram-Reihe der Range Busters. Vermutlich zwei Filme, die für die BRD zu einem zusammengeschnitten wurden. 10/50
3 Musketiere, Die (The Three Musketeers) USA 1948. R: George Sidney 08, 10/50
4 Federn (The Four feathers) UK 1939. R: Zoltan Korda 08/50
13 unter einem Hut. 1950. R: Johannes Meyer 02/50
1001 Nacht (A Thousand and One Nights) USA 1945. R: Alfred Green 09/50

Abbott und Costello auf Glatteis (Hit the Ice). USA 1943. R: Charles Lamont 10/50
Die Abenteuer des Marco Polo (The adventures of Marco Polo) USA 1937. R: Archie Mayo 12/50
Abenteuer im Harem (Lost in a Harem). USA 1944. R: Charles Reisner 11/50
Abenteuer im Wilden Westen (The Dude Goes West) US 1948. R: Kurt Neumann 2/50
Absender unbekannt. 1950. R: Akos von Rathony 2/50
Achtung! Atomspione (Walk a cooked mile). USA 1948. R: Gordon Douglas 11/50
Adam und Evelyne (Adam and Evelyne). UK 1949. R: Harold French. 1/50
Alarm in San Juano (Cargaison Clandestine. F 1947. R: Alfred Rode 9/50
Alles aus Liebe. 1943.R: Hubert Marischka 2/50
Alles für die Firma. 1935. R: Rudolf Meinert 08/50
Altes Herz wird wieder jung. 1943. R: Erich Engel 08/50
Angeklagte hat das Wort, Der. Au 1948. R: Hans Thimig 08/50
Asphalt-Dschungel (Aspalt Jungle) USA 1950. R: John Huston 10/50
Atomspione (Walk a Crooked Mile). USA 1948. R: Gordon Douglas 11/50
Auf der Alm da gibt’s koa Sünd’ . BRD/AU 1950. R: Franz Antel 12/50
Auftrag Höglers, Der. 1950. R: Gustav von Wangenheim 1/50
Autobanditen siehe Im Namen des Volkes 08/1950

badende Venus, Die (Bathing Beauty). USA 1944. R: George Sidney 08, 09/50
Bagnosträfling, Der. 1949. R: Gustav Fröhlich 2/50
Bambi. USA 1942. R: James Algar, Samuel Armstrong 12/50
Befehl des Gewissens (The Fugitive). USA 1947. R: John Ford 08/50
Belvedere räumt auf (Sitting Pretty) USA. Regie: Walter Lang 1/50
Bengali (The Lives of a Bengali Lancer). USA 1935. R: Henry Hathaway 10/50
Besuch zur Nacht (Divorce of Lady X). UK 1938. R: Tim Whelan 12/50
Bete humaine, La. F 1938. R: Jean Renoir 1/50
Bettelstudent, Der. 1936. R: Georg Jacoby 12/50
Blaubart. F, Ch, BRD 1951. R: Christian-Jacque 10/50
Blaue Lagune, Die (The Blue Lagoob) UK 1949. R: Frank Lauder 9/50
Blaue Lampe, Die (The blue Lamp). UK 1950. R: Basil Dearden 12/50
blonde Tiger, Der (Too Late for Tears). USA 1949. R: Byron Haskin 12/50
Braut des Maharadscha (Song of India). USA 1949. R: Albert S. Rogell 8/50
Broadway Melodie 1950 (Ziegfeld Follies). USA 1949. R: Vincente Minelli 12/50

Carioca (That Night in Rio) USA 1941. R: Irving Cummings 12/50
Carnet de Bal, Un. F 1937. R: Julien Duvivier 2/50
Cordula. Au 1950. R: Gustav Ucicky 12/50

Dämon Geld (Apenas un delincuente). Argentinien 1949. R: Hugo Fregonese 08/50
Dämon Uran (Operation X) UK 1950. Gregory Ratoff 11/50
Das gibt es nur in Texas (Texas Trouble Shooters). USA 1942. R: S. Roy Luby 9/50
Der Theodor im Fussballtor. 1950. R: E.W. Emo 8, 9/50
Des anderen Weib (La femme du boulanger). F 1938. R: Marcel Pagnol. 9/50
Des Teufels Pilot (Chain Lightning). USA 1959. R: Stuart Heisler 10/50
Dick und Doof als Studenten (Chump at Oxford) USA1940. R: Alfred Goulding 12/50
Dieb von Bagdad, Der (The Thief of Bagdad) UK 1940. R: Ludwig Berger, Michael Powell 08, 09/50
Drei Mädchen spinnen. 1950. R: Carl Froelich 10/50
Drei Männer aus Texas (Three Men from Texas). USA 1940.R: Lesley Selander 1/50
drei Musketiere, Die (The three Musketeers) USA 1948. R: George Sidney 8, 10/50
dritte Mann, Der (The Third man) UK 1949. R: Carol Reed 12/49 – 1, 2, 8, 12/50
Dritte von rechts, Die. 1950. R: Geza von Cziffra 11, 12/50
Dschungelbuch (Jungle book) UK 1942. R: Zoltan Korda 12/49, 8/50
Du bist Musik für mich [früherer Titel: Liebe nach Noten]. 1947. R: Geza von Cziffra 12/1950

Ehekomödie. (That Uncertain Feeling) US 1941. R: Ernst Lubitsch 1/50
Entre onze heures et minuit. F 1949. R:Henri Decoin 1/50
Epilog. 1950. R: Helmut Käutner 08, 09, 10, 11/50
Eroica. Au 1949. R: Walter Kolm-Veltée 1/50
Erpressung (Blackmail) USA 1939. R: H.C. Potter 1/50
Ewiges Rom im Heiligen Jahr. (The Holy Year at the Vatican) USA 1950. R: Anthony Muto, Jean Pages. [Dokumentarfilm] 11/50

Fall Rabanser, Der. 1950. R: Kurt Hoffmann 9/50
Femme du boulanger, La. F 1938. R: Marcel Pagnol. 1/50 siehe auch Des anderen Weib
Fidele Tankstelle, Die. 1950. R: Joe Stöckel 12/50
Fledermaus, Die 1945. R: Géza von Bolváry 1, 2/50
Flitterwochen mit Hindernissen (Tell It to the Judge). USA 1949. R: Norman Foster 11/50
Föhn. 1950. R: Rolf Hansen 8, 11/50
Francis. USA 1950. R: Arthur Lubin 11/50
Frauenarzt Dr. Prätorius. 1950. R: Curt Goetz 2, 12/50
Frauenherz vergisst nie, Ein (Lydia). UK 1941. R: Julien Duvivier 2/50
Frau ohne Gewissen (Double Indemnity) USA 1948. R: Billy Wilder 12/50
Frau wie Du, Eine. 1939. R: Viktor Tourjansky 08/50
Fräulein und der Vagabund, Das. 1949. R: Albert Benitz 1/50
Fregola. 1948. R: Harald Fröggeling 08/50
Freitag, der 13. 1949. R: Erich Engels 2/50
Frühjahrsparade. 1934. R: Géza von Bolváry 2/50

Gabriela. 1950. R: Géza von Cziffra 08, 09, 12/1950
Gangster der Prairie (Station West). USA 1948. R: Sidney Lanfield 10/50
Gefährliche Gäste. 1949. R: Géza von Cziffra 2/50
Gefährliche Liebe (Rage in Heaven) US 1941. R: W.S. Van Dyke) 2/50
Gefahr in Frisco (Thieves’ Highway) USA 1949. R: Jules Dassin 12/50
Geheimagent T (T-Men). USA 1947. R: Anthony Mann 9, 11/50
Geliebter Lügner. 1950. R: Hans Schweikart 1/50
Gentleman Cowboy (Sunset Train). USA 1938. R: Lesley Salander 12/50
George bricht alle Rekorde (No Limit). UK 1935. R: Monty Banks 12/50
Gesetz der Wildnis (Law of the Wild). US 1934. R: B. Reeves Eason 1/50
Gesucht wird Majora. 1949. R: Hermann Pfeiffer 1/50
Gilda. US 1946. R: Charles Vidor 2/50
Goldschmuggel nach Virginia (Virginia City). USA 1940. R: Michael Curtiz 9/50
[Die] grosse Freiheit [Nr. 7]. 1944. R: Helmut Käutner 8/50
große Walzer, Der, (The Great Waltz). US 1938. R: Julien Duvivier 1/50
Gullivers Reisen (Gulliver’s Travels) USA 1939. R: Dave Fleischer 1/50
Gute Erde, Die (The good earth) US 1937. R: Sidney Franklin 2/50

Hafenmelodie. 1950. R: Hans Müller 1/50
Hauptmann von Köpenick, Der. 1931. R: Richard Oswald 08, 09/50
Haus der Sehnsucht (Give Us This Day). UK 1949. R: Edward Dmytryk 11/50
Heilige unter Sünderinnen, Eine (Au royaume des cieux). F 1949. R: Julien Duvivier 8/50
Herrliche Zeiten. 1950. R: Erik Ode, Günther Neumann 8/50
Herz muss schweigen, Das. 1944. R: Gustav Ucicky 9/50
Herzen in Flammen (Manpower). US 1942. R: Raoul Walsh 12/1949
Hochzeit mit Erika.1950. R: Eduard von Borsody 8/50
Hochzeitsnacht im Paradies. 1950. R: Geza von Bolvary 12/50
Höllenfahrt nach Santa Fé (Stagecoach). USA 1939. R: John Ford 10/50
Hölle von Oklahoma, Die (In Old Oklahoma). USA 1943. R: Albert S. Rogell 8/50

Ich mach‘ Dich glücklich. 1949. R: Alexander von Slatinay 1/1950
Im Namen des Volkes. 1939. R: Erich Engels 8/50
Im Taumel der Weltstadt (City of Conquest). USA 1940. R: Anatole Litvak 10/50
In den Klauen der Borgia (Prince of Foxes). USA 1949. R: Henry King 8/50
Insel ohne Moral. 1950. R: Volker von Collande 11/50

Ja, ja die Liebe [früherer Titel Die vier Gesellen] 1938. R: Carl Froelich 12/50
Jagd auf Dillinger (Dillinger) USA 1945. R: Max Nosseck 11/50
Jetzt schlägt’s 13. Au 1950. R: E.W. Emo 10/1950
Johanna von Orleans (Joan of Arc). USA 1948. R: Victor Fleming 10/50
Julia benimmt sich schlecht (Julia Misbehavers). USA 1948. R: Jack Conway 1/50
Jungfräuliche Liebe (The Constant Nymph). USA 1943. R: Edmund Goulding 8/50

Kätchen für Alles. 1949. R: Akos von Rathony 2/50
Kahn der fröhlichen Leute, Der. 1950. R: Hans Heinrich 2/50
Kartause von Parma, Die (Le chartreuse de Parme). F 1948. R: Christian-Jaque 1/1950
Kind der Donau. Au 1950. R: Georg Jacoby 8/50
Kinder des Olymp. (Les enfants du paradis). F 1945. R: Marcel Carné 10/50
Kleines Herz in Not (The Fallen Idol). UK 1948, R: Carol Reed 1/50
König der Nassauer (Le roi des resquilleurs). F 1945. R: Jean Devaivre 1/50
König für eine Nacht. 1950. R: Paul May 12/50
Kreuzweg einer Liebe (Kärlekens kors). Filnland 1946. R. Teuvo Tulio 10/50
Kuckucksei, Das. Au 1949. R: Walter Firner 12/50

Leben wie ein Millionär (It Happened on Fifth Avenue) USA 1947. R: Roy del Ruth 12/50
Leichte Kavallerie. 1935. R: Werner Hochbaum. 11/50
Liebe auf Eis. 1950. R: Kurt Meisel 8/50
Liebe in der Wildnis (Dakota). USA 1945. R: Joseph Kane 12/50
Liebe in Fesseln (Cass Timberlane) USA 1947. R: George Sidney 11/50
Liebe unseres Lebens, Die (This Love of Ours). USA 1945. R: William Dieterle 9/50
Lied des Orients (Song of Scheherazade) USA 1947.R: Walter Reisch 10/50
Louisiana Story. US 1948. R: Robert Flaherty 2/50
Lüge, Die. 1950. R: Gustav Fröhlich 9/50

Madonna in Ketten. 1949.R: Gerhard Lamprecht 2/50
Mädchen aus der Südsee, Das. R: Hans Müller 10/50
Mädchen mit Beziehungen. 1950. R: Ákos Ráthonyi 09, 10, 11/50
Mann, der sich selber sucht, Der. 1950. R: Géza von Cziffra 08, 09/50
Mann, der zweimal leben wollte, Der. 1950. R: Viktor Tourjanski 12/50
Mann ihrer Träume, Der (Young Man with a Horn). USA 1949. R: Michael Curtiz 10/50
Mann vom Eiffelturm, Der (The Man from the Eiffel Tower). USA 1948. R: H. Jacquillard 12/50
Manon. F 1949. R: Henri-Georges Clouzot. 8, 10, 12/1950
Mein Mann, der Cowboy ( The Cowboy and the Lady). USA 1938. R: H.C. Potter 8/50
Meisterdieb von Paris, Der (The Spider and the Fly). UK 1949. R: Robert Hamer 9/50
Melodie des Schicksals. 1950. R: Hans Schweikart 12/50
Mississippi-Express (Rock Island Trail).USA 1950. R: Joseph Kane 12/50
Mit Pinsel und Degen ( Beaucaire).US 1946. R: George Marshall 2/50
Monsieur Vincent. F 1947. R: Maurice Cloche 8/50
Mordprozess Dr. Jordan. 1949. R: Erich Engels 12/1949
Morgen gehört uns, Der (And Now Tomorrow). USA 1944. R: Irving Pichel 9/50

Nacht hat tausend Augen, Die (Night has a thousand eyes) US 1948. R. john Farrow 12/49
Nacht im Separée. 1950. R: Hans Deppe 1, 2/50
Nacht ohne Sünde, Die. 1950. R: Karl Georg Külb 12/50
Nacht vor der Hochzeit, Die (The Philadelphia Story). US 1940. R: George Cukor 2/50
Nachtwache. 1949. R: Harald Braun. 1, 2/1950
Narcisse, der unfreiwillige Flieger. (Narcisse) F 1940. R: Ayres d’Aguiar 12/50
Ninotchka. USA 1939. R: Ernst Lubitsch 8/50

Orphée. F 1950. R: Jean Cocteau 10/50
Otto, zieh‘ die Bremse an (Oh, Mr. Porter). UK 1937. R: Marcel Varnel 8/50

Panik um King Kong (Mighty Joe Young). USA 1949. R: Ernst B. Schoedsack. 9/50
Paris um Mitternacht (So Long at the Fair) UK 1950. R: Terence Fisher 12/50
Peter Voss, der Millionendieb. 1946. R: Karl Anton 8/50
Pikanterie. 1950. R: Alfred Braun 12/50
Posaunist, Der. 1949. R: Carl Boese 2/50
Postmeister, Der.1940. R: Gustav Ucicky 8/50
Privatleben des Don Juan, Das (The Private Life of Don Juan). 1934. R: Alexander Korda 8/50

Rache ohne Gnade (Fury at Furnace Creek). USA 1948. R: Bruce Humberstone 11/50
Rasputin (Raspoutine). F 1938. R: Marcel L’Herbier 12/50
Reigen, Der (La Ronde). F 1950. R: May Ophüls 12/50
Reiter gegen Tod und Teufel (Boot Hill Bandits). USA 1942. R: S. Roy Luby 12/50
Rivalin, Die (Madness of the heart). UK 1949. R: Charles Bennett 10/50
Rom In Flammen (L’Apocalisse). I 1947. R: Giuseppe Mario Scotese. 1/50
Rote Lola, Die (Stage Fright). UK 1950. R: Alfred Hitchcock 09/50
rote Schlucht, Die (Red Canyon). USA 1949. R: George Sherman 12/50
Rote Signale (Le signal rouge). F 1949. R: Ernst Neubach 11/50
Ruf an das Gewissen. 1950. R: Karl Anton 2/50

San Francisko-Lilly (Flame of Barbary Coast) USA 1945. R: Joseph Kane 10/50
Savoy Hotel 217. 1936. R: Gustav Ucicky 12/50
Schatten des Herrn Monitor, Der. 1950. R: Eugen York 09, 10, 11/50
Schatztruhe, Die. Au 1948. R: Carl Kurzmayer 2/50
Schneewittchen (Snow White and the Seven Dwarfs). US 1937. R: David Hand u.a. 2/50
Schrecken von Texas (Return oft he Bad Men). USA 1948. R: Ray Enright 11/50
Schrei der Großstadt (Cry oft he City). USA 1948. R: Robert Siodmak 10/50
Schritte ohne Spur – [der Film lief früher unter dem Titel „Schritte in der Nacht“] (He walked by Night). USA 1948. R: Alfred Werker 9, 11/50
Schwarze Diamanten (How Green Was My Valley). USA 1941. R: John Ford. 08/50
Schwarze Natter, Die (Dark Passage) USA 1947. R: Delmer Daves 09/50
Schwarzwaldmädel. 1950.R: Hans Deppe 08, 09, 12/50
Seelenbräu, Der. Au 1950. R: Gustav Ucicky 11/50
Sein Engel mit den 2 Pistolen (The Paleface). USA 1948. R Norman Z. McLeod 10/50
Sensation im Savoy Hotel. 1950. R: Eduard von Borsody 10/50
Sensationen für Millionen (Sensations of 1945). USA 1944. R: Andrew L. Stone 9/50
Sindbad, der Seefahrer (Sinbad, the Sailor). USA 1947. R: Richard Wallace 9/50
Singoalla – die Zigeunerin (Singoalla) F/Sw 1949. R: Christian-Jacque 11/50
Skandal in der Botschaft. 1950. R: Erik Ode 12/50
So beginnt ein Leben (Vi vil Ha’ Et Barn) DK 1949. R: Alice O’Fredericks, Lars Lauritzen 09/50
Solange ein Herz schlägt (Mildred Pierce) USA 1945. R: Michael Curtiz 11/50
Spielhölle von Macao, Die (Macao, l’enfer du jeu) F 1942. R: Jean Delannoy 09/50
Spionage in Fernost (Blood on the Sun)USA 1945. R: Frank Lloyd 10/50
Staatsgeheimnis (State Secret) UK 1950. R: Sidney Gilliat 08, 09/50
Stadt ohne Maske (The naked city). USA 1948. R: Jules Dassin 11/50
Stern vom Broadway (Look for the Silver Lining) USA 1949. R: David Butler 12/50
Stern von Rio. 1940. R: Karl Anton 8/50
Sterne lügen nicht, Die. 1950. R: Jürgen von Alten 12/50
Sträfling 3312 (They Made Me a Fugitive). UK 1947. R: Alberto Calvacanti 8/50
Strasse ohne Namen (The Street with No Name). USA 1948. R: William Keighley 8/50
Sturm über Arizona (Arizona Whirlwind) USA 1947. R: Robert Tansey 9/50
Symphonie einer Weltstadt. 1950. R: Leo de Laforgue 10/50

Tarzans Abenteuer in New York (Tarzans New York Adventure) US 1942. R: Richard Thorpe 12/49, 1/50
Tarzan und die Amazonen (Tarzan and the Amazons). US 1945. R: Kurt Neumann 1/50
Tarzan wird gejagt (Tarzan and the Huntress). USA 1947. R: Kurt Neumann 12/50
Tarzans Abenteuer in New York (Tarzan’s New York Adventure). US 1942. R: Richard Thorpe 1/1950
Todesfalle von Chicago (Chicao Deadline). USA 1949. R: Lewis Allen 10/50
Todeskarawane (Doomed Caravan). USA 1941. R: Lesley Selander 11/50
Todeskuss, Der (Kiss of Death). USA 1947. R: Henry Hathaway 12/50
Tödliches Geheimnis (Mine Own Executioner). UK 1947, R: Anthony Kimmins 2/50
Tolle Miss, Die (Mademoiselle s’amuse). F 1948. R: Jean Boyer 1/50
toller Bursche, Ein (Honky Tonk). US 1941. R: Jack Conway 2/50
Traumulus.1936. R: Carl Froehlich 8/50
Treffpunkt Quartier Latin (Rendez-vous de juillet).F 1949. R: Jacques Becker 10/50
Treppe, Die. 1950. R: Alfred Braun 11/50
Tulsa. USA 1949. R: Stuart Heisler 09/50

Unbekannte Geliebte, Der (Undercurrent). US 1946; R: Vincente Minelli 2/50
Unruhiges Blut (Blanche Fury). UK 1948. R: Marc Allégret 2/50
Unter der roten Robe (Under the Red Robe). UK/USA 1937. R: Viktor Sjöström 11/50
Untergang von Pompeji (The Last Days of Pompeii). US 1935. R: Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper 1/50
Unter schwarzer Flagge (Captain Kidd). USA 1945. R: Rowland Lee 11/50

Venus im Auto (Tous les chemins mènent à Rome). F 1949. R: Jean Boyer 8/50
Verlorene Jugend (Gioventu perduta). I 1948. R: Pietro Germi) 8/50
Der Verrat des Surat Khan (The Charge of the Light Brigade). USA 1936. R: Michael Curtiz 10/50
Verrücktes Afrika (Africa screams) USA 1949. R: Charles Barton 08, 09/50
Verteidiger hat das Wort, Der. 1944. R: Werner Klingler 8/50
Verwehte Spuren. 1938. R: Veit Harlan 12/50
Via Mala. 1945. R: Josef von Baky 10/50
Vier Federn (Four feathers) UK 1939. R: Zoltan Korda 10/50

Weg nach Marokko (Road to Morocco). US 1942. R: David Butler 2/50
Weg nach Rio, Der (Road to Rio). US 1947. R: Norman Z. McLeod 2/50
Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls). USA 1943. R: Sam Wood 12/50
Wenn man die Schule schwänzt (L’ecole buissonière) F 1949. R: Jean-Paul Le Chanois 10/50
Wenn Männer schwindeln. 1950. R: Carl Boese 8/50
Wie ein Dieb in der Nacht. 1945. R: Hans Thimig 08, 09, 10, 11/50
Wiener Mädeln. Au/BRD 1949. R: Willi Forst 1/50
Wildnis ruft, Die (The Yearling). USA 1948. R: Clarence Brown 1/50
Wirbel um Judy (A Date with Judy). US 1948. R: Richard Thorpe 1/50

Zaubernächte in Rio (Romance in the High Seas). USA 1948. R: Michael Curtiz 12/50
Zeuge gesucht (Phantom Lady). USA 1944. R: Robert Siodmak 11/50
Zur roten Laterne (Macadam). F 1946. R: Jacques Feyder 9/50
Zwei in einem Anzug. 1950. R: Joe Stöckel 12/50

Eugen Szatmari: Nosferatu (1922)

Anzeige für die Uraufführung von Nosferatu

Im Marmorsaal am Zoo hat man am Sonnabend abend das Gruseln gelernt. Der Nosferatu trieb dort seine Spiele. Der Nosferatu ist ein menschliches Vampirwesen, das in einem verwunschenen Karpathenschloss wohnt und Blut saugt. Dieses wird angedeutet dadurch, dass es lange dünne Fledermausfinger hat und eine geklebte Vampyrnase. Außerdem hat es zwei spitze, lange Vorderzähne, mit denen es

sein Opfer am Halse anzapft, um ihm das Blut auszusaugen. Nebenbei bemerkt, verbreitet esüberall, wo es hin tritt, die Pest und braucht nirgends auf eine Klinke zu drücken, da sich alle Türen von selbst vor ihm öffnen. Dieser fürchterliche Nosferatu, der im bürgerlichen Leben Graf Orlok heißt und dessen Bekanntschaft der Filmverfasser Henrik Galeen in einem englischen Hintertreppenroman von Bram Stoker gemacht hatte, wendet nun seine Aufmerksamkeit nach der Stadt Wisborg. Sein dortiger Famulus, ein Häusermakler, schickt ihm als neues Opfer den jungen Hutter. Bevor aber noch Hutter an Blutverlust zugrunde ging, entdeckt der gräfliche Vampyr, dass er eine sehr appetitliche Frau zu Hause gelassen hat, und deshalb beschließt er, sich nach Wisborg zu begeben. Er tut es zu Schiff. Während der Reise saugt er allen Matrosen samt Kapitän das Blut aus, so dass die Bark menschenleer, nur von dem Todesatem des Nosferatu betrieben, anlangt. Mit ihm kommt die Pest. Ratten verbreiten ihn (frei nach Hasenclever). Die Menschen sterben in Massen. Bis nicht eine sündlose Frau, Hutters Gattin, dem Vampyr zum Opfer fällt und dadurch die Stadt erlöst …. Vorhang.

Das Fest des Nosferatu – Programmablauf
BZ am Mittag 26.Februar 1922, Nr. 57

Das Manuskript Galeens ist nicht besser als der Roman, aus dem er geschöpft hat. Aber der Film ist etwas ganz anderes – ein Verdienst des Regisseurs F. W. Murnau. Der Film ist wirklich gruselig, erinnert manchmal an Poe, manchmal an Boutet [Frédéric Boutet, französischer Autor], bietet Bilder, die erschauern lassen, bringt Spannung und dürfte manchem Zuschauer einen schweren Traum verursachen. Einige Male freilich merkt man, dass es von dem Gruseligen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist. Aber das kommt selten vor – etwa, wenn da ein Leichenwagen herumrast, oder der Nosferatu mit seinen Särgen wie in einem Trickfilm herumrennt. Sonst ist die Stimmung einheitlich. Die Darstellung ist zu loben, allen voran Gustav von Wangenheim, voll jugendlicher Frische und Kraft in der Rolle des Hutter, und Alexander Granach, voll teuflischer Groteskheit als Häusermakler und Zauberlehrling. Der Nosferatu selbst, Max Schreck, hat nur die Aufgabe, schrecklich auszusehen, und wird dessen restlos gerecht. Greta Schröder ist zart und sentimental, Ruth Landshoff, John Gottowt und Wolfgang Heinz leisten in kleinen Rollen sehr Gutes. Die Bauten und Kostüme Albin Graus
haben sich in das Milieu des Schrecklichen sehr gut eingefügt.
Das Fest, das Vorspiel, die nachfolgende Tanzpantomime und der Ball waren gänzlich überflüssig und haben nur störend gewirkt.
Eugen Szatmari in Acht Uhr Abendblatt, 6. März 1922, Nr. 56

Graphiken© Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen (CH).
Dank an die Kantonsbibliothek Appenzell Ausserhoden für die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Graphiken.

Kurt Wortig: Filmarchitektur 1949

I
Hat der deutsche Nachkriegsfilm ein profiliertes Gesicht? Gibt es auf der Leinwand unverkennbare Züge, die für unser gegenwärtiges Filmschaffen charakteristisch sind? Diese Fragen sind nicht nur ästhetischer Natur. Ihrer Klärung kommt vielmehr auch eine praktische Bedeutung zu, weil sie unlöslich mit den Erfolgsaussichten der künftigen Produktion verknüpft sind.
Trümmer-Dolomiten waren erbarmungslose Szenarien der Nachkriegsfilme, sie bestimmten das Gesicht des problematischen Gegenwartsfilms und standen unseren Filmarchitekten in tausend Spielarten zur kostenlosen Verfügung.
Und heute? Die Phase des Aufbaus verlangt auch wieder eine optimistIsche Filmarchitektur. Angesichts der dringend gebotenen Ökonomie der Filmproduktion, die es sich einfach nicht leisten kann, üppige, kostspielige Phantasiebauten zu erstellen, schlägt die große Stunde für geniale Filmarchitekten, denn von ihren Ideen hängt es mehr denn je ab, ob der deutsche Nachkriegsfilm im Zusammenwirken mit Manuskript, Regie und Darstellung mit den Leistungen ausländischer Produktionen wird Schritt halten können.

 

Walter Haag (rechts) in Göttingen

II
Wenn man auf dem Göttinger Filmgelände, wo kürzlich unter der Spielleitung von Harald Braun der Film Nachtwache entstand, dem Architekten Walter Haag begegnete, konnte man versucht sein, ihn für einen exzentrischen Künstler zu halten. Walter Haag gehört zu den Künstler-Originalen, die in höchster Bewusstheit leben und für die jeder Tag verloren ist, an dem sie nicht eine Hekatombe neuer Ideen ausgebrütet haben. In diesem sechsten, in Göttingen entstehenden Film Die Nachtwache wurde ihm die reizvolle Aufgabe gestellt, Profan- und Kirchenbauten zu erstellen. Haag hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, das Typische evangelischer und katholischer Atmosphäre von der Architektur her aufzuzeigen. Da Haag nicht Katholik ist, versicherte er sich der tatkräftigen Mithilfe eines Kaplans der Göttinger Hauptkirche und räumte praktisch dessen gesamtes Wohnungsinventar aus, um es im Filmatelier zu erstellen. Haag führte diese Aktion mit so entwaffnendem Charme aus, dass sich der erfreulich filmaufgeschlossene Kaplan zu der Bemerkung verstieg, er werde, um die Arbeit an diesem Film für seinen Teil wirksam zu unterstützen, gegebenenfalls auch Teile der Kirche ausräumen lassen und vorübergehend die Kirche schließen.
Kann sich Architekt Haag eines schöneren Erfolges seiner Arbeit erfreuen, angesichts der Tatsache, dass weder vom Regisseur des Films Dr. Braun, selbst Pfarrerssohn, noch von den beiden Filmbeauftragten der evangelischen und katholischen Kirche, die den Aufnahmen beratend zur Seite stehen, wesentliche Einwendungen gegen seine architektonischen Planungen gemacht worden sind?

III.
In der bayerischen Filmstadt Geiselgasteig hat Hermann Warm, der Architekt namhafter deutscher expressionistischer Filme wie Das Kabinett des Dr. Caligari (1919 mit Walter Röhrig), Der Student von Prag (1925), Peer Gynt (1934), Mazurka (1935), Das unsterbliche Herz (1939), Die Geierwally (1940), die Bauten zu zu dem Klagemann-Film Königskinder erstellt. Diese Dekorationskomplexe zeichnen sich nicht nur durch ihre Größe aus – es sind die umfangreichsten Bauten, die seit 1946 in Geiselgasteig erstellt wurden – sondern sie werden im Zusammenwirken mit der Regie Helmut Käutners und den Darstellern Jenny Jugo, Peter van Eyck, Friedrich Schoenfelder, Hedwig Wangel, Erika v. Thellmann. Walter Kottenkamp und Theodor Danegger dazu beitragen, dass den Filmbesuchern ein überzeugender Eindruck von der neuen Ausdruckskunst unseres Filmschaffens vermittelt wird, der einen Vergleich mit Szenarien ausländischer Filme nicht zu fürchten braucht. Im bildlichen Mittelpunkt der kammerspielhaften, heiter besinnlichen Komödie Königskinder steht die Feste Hohenbrandenburg. In ihr erleben wir eine herzerfrischende Nachkriegsgroteske, die durch den monumentalen Hintergrund der Filmbauten Hermann Warms eine zusätzlich wirksame Steigerung erfährt, zumal ein Teil dieser Burgräume nicht nur bloßer Bildhintergrund bleiben wird, sondern gemeinsam mit den Darstellern gleichwertige Wirkungs-Funktionen zu erfüllen hat. Die Szenen in der Folterkammer werden dies am deutlichsten beweisen. Hermann Warm weiß um die suggestive Wirkung eines bizarren Filmbildes. Darum hat er alle Sorgfalt dafür verwendet, das Burginnere im Atelier mit der Außenfront von Hohenbrandenburg, die er auf einem Hügel des Filmgeländes errichten ließ, in einen harmonischen Zusammenhang zu bringen. Schon während der Bauarbeiten an diesem wirkungsvollen Burghof taucht der Plan auf, diese eindrucksvolle Dekoration auch nach Beendigung des Films Königskinder auf dem Gelände für weitere künftige Spielfilme stehen zu lassen. Solche Überlegungen knüpfen sich, wie die Filmpraxis auch in anderen Filmstädten im Laufe der Jahre gezeigt hat, nur an die bedeutendsten Filmbauten, deren Architektur zum mitbestimmenden Faktor des gesamten Films zu rechnen ist.

iV
An den Beispielen dieser beiden neuen Spielfilme wird nicht nur für das deutsche Publikum deutlich werden, dass die Anfangsschwierigkeiten der Nachkriegsproduktion nunmehr behoben sind und dass der Filmarchitektur eine neue Bedeutung zukommt, wie sie einst unsere Spitzenfilme auszeichnete.

 

Herlth und Röhrig – Die Dioskuren der Dekoration

Das Ateliergetriebe mit all seinem Drum und Dran, Beleuchter, Maler, Dekorateure, spukhafte, scheinbar der Laune eines Augenblicks entsprungene Dekorationen…Murnau dreht seinen Faust. . . und inmitten der angestrengten Tätigkeit all dieses Filmschaffens spreche ich mit den Dioskuren der Dekoration, den beiden Unzertrennlichen: Herlt und Röhrig…
Eine große Reihe von Filmen sind von diesen beiden Künstlern dekorativ gestaltet worden wie z.B. Der müde Tod (Lang), Dr. Caligari (Wiene) – bei dem Röhrig der alleinige Architekt war – Der letzte Mann (Murnau), Zur Chronik von Grieshuus (v. Gserlach), Tartüff (Murnau) und zur Zeit Faust (Murnau).
Schon aus diesen Filmen geht hervor, dass Herlth und Röhrig eine ganz bestimmte Linie in der Architektur ihrer Arbeiten verfolgen, dass sie zwar Naturtreue anstreben, die Natur aber trotzdem den optischen Gesetzen des Films durch Stilisierung anpassen, indem sie die ungeheuren technischen Möglichkeiten des Films unterstützen, seine Mängel aber auszugleichen versuchen. So haben diese beiden Architekten in fast allen ihren Filmen ausgiebigen Gebrauch von der perspektivischen Bauweise gemacht. Seit dem Müden Tod haben sie das Figurale des Schrägbaus besonders unterstrichen, der Malerei den Hintergrund der Szene eingeräumt, während sie den Mittelpunkt perspektivisch ausgestalteten und den Vordergrund besonders sparsam behandelten. Man denke da z.B. an den Kaisergarten im Müden Tod. Alle ihre Bauten wie z.B. jetzt bei Faust u.a. Gretchens Zimmer, der Flur, das Zimmer der Mutter, das Studierzimmer von Faust und andere Dekorationen tragen in ihrem Mittelgrund ausgesprochenen Modellcharakter, wie Herlth und Röhrig sich überhaupt sehr viel des Modells, z.B. in der deutschen Stadt, in den Pferden der Apokalypse u.a. bedienen. Es kommt ihnen darauf an, bei ihren Bauten unter größter Ökonomie des Raumes und wenn es sich um große Räume handelt, durch perspektivisches Bauen, das Spiel des Schauspielers bildmässig und in seinen Größenverhältnissen zu unterstützen, so dass der Vornstehende nicht übermäßig größer als der Im Hintergrund stehende erscheint. Und sie vertreten den Standpunkt – wie ja heute auch jeder künstlerische Regisseur -, dass der Schauspieler an gewisse Bewegungsgrenzen streng gebunden ist, an eine Luftperspektive, die das Gesetz des Raumes nicht zerstören dürfen. Und gerade die Gedanken werden im Faust besonders prägnant zutage treten.
Interessant ist wie die individuell verschiedenen Anlagen dieser beiden Architekten sich auch in ihrem Schaffen verschieden ausdrücken. Der beinahe verbissen erscheinende Röhrig ist der Träger des Heiteren, des zarten, der Landschaften, während Herlth, der leicht und gern lächelt, der Gestalter des Düsteren, Tragischen, abstrakt Verinnerlichten ist. Er ist der Figurist unter diesen beiden Künstlern, aber wie der Film eine Schwarz-Weiß-Kunst ist, ergibt auch erst die Mischung dieser beiden Naturelle, der mitunter leidenschaftliche Gegensatz, das Zerpflücken ihrer gegenseitigen Entwürfe, die Kritik des Einen an dem Anderen – jene glückliche Mischung, welche alle Bauten dieser beiden Künstler auszeichnet.
Beide waren zuerst Maler, aber beide lehnen es ab, den Film vom Standpunkt des Malers aus zu gestalten, beide sehen im Film das zu Bewegung gewordene seelische Erlebnis, das rein Optische, das gerade in einem so ungeheuren Stoff wie dem Faust einzufangen besonders schwierig war. Beide haben daher zuerst, bevor sie an die dekorative Ausgestaltung des Sujets gingen – nachdem sie sich schon vor Jahresfrist mit dem Stoff beschäftigt hatten – vor Inangriffnahme des Films eine Studienreise nach Süddeutschland gemacht, an der bildlichen Gestaltung des Manuskripts mitgearbeitet und versucht, nicht die Natur, wie sie sich in der oder jener Landschaft dem Auge des Beschauers darbietet, in den Film zu verpflanzen, sondern diese Natur des Faust-Milieus durch das Auge des Malers transponiert, gleichsam umgebaut, zu zeigen. Für ihre Filme brauchen sie eine eigene Atmosphäre, diejenige, die der Stoff des Films selbst ausmalt, wie sie im Faust Gewitter, Wind, Nebel, den Dämon über der deutschen Stadt, die Pest, den Hunger, den Krieg, kurzum alle diese Erscheinungen, aber eigentlich nur Sinnbilder, in die Wirklichkeit überführt haben. So ist ihr Flug des Teufels durch die Welt nicht etwa nur das, was wir landläufig mit einem Flugzeug sehen würden, sondern gleichsam der Flug auf einem Ring, gleichzeitiges Sehen aller Dinge der Außenwelt, aus der Dämmerung in dem Düster der Nacht zum Sonnenaufgang über weite Landschaften, Wasserfälle, übers Meer, nach Italien, wieder in die Nacht hinein vor den Palast der Lucrezia Borgia … Zeit und Raum werden verkürzt, zur Einheit gestaltet …

Und während Herlth und Röhrig bestrebt waren, eine Zweiteilung des Faust-Stoffes dadurch zu erzielen, dass sie gleichsam dem fröhlichen, sorglosen, heiteren Gretchenmotiv das Schwere, Männliche, Düstere des gotischen Mittelalters, das Faustische entgegenzusetzen bemüht waren, haben sie auf Zeitattribute, auf die Bauten und die Kostüme der Zeit, einer bestimmten Zeit, derart verzichtet, dass sie versuchten, dekorativ zeitlos zu sein.
Eine endlose Zahl von Figurinen, Entwürfen und Skizzen zeigen mir die beiden Künstler zu ihrer jetzigen Arbeit, das Bekenntnis, nicht nur zu einer bestimmten Dekoration des Films, sondern zu einer Weltanschauung ….

Cornell Borchers für The Big Lift (1949)

Cornell Borchers und Montgomery Clift in The Big Lift

„Wie es Berlin während der Blockade erging, soll unser Film A quarter City (Die gevierteilte Stadt) zeigen“, sagte George Seaton, der Regisseur dieses 20th-Century-Fox-Films bei einem Presseempfang am 20. Juli in Berlin. Der Film soll auch, wie Mr. Seaton weiter erklärte, den Amerikanern Antworten auf viele Fragen geben, die die Luftbrücke und die Luftversorgung Berlins mit Lebensmitteln betreffen. Das Drehbuch sei jetzt noch nicht einmal ganz fertig, noch immer werde daran gearbeitet: aus diesem Grunde erklärt sich auch die Umbesetzung der weiblichen Hauptrolle. „Hildegard Knef passte nicht mehr in die Rolle“, sagte Mr. Seaton weiter. Bei Probeaufnahmen erwies sich Cornell Borchers als geeigneter, sie wird nun diese Rolle eines deutschen Mädchens in A quarter City übernehmen. „Cornell Borchers‘ darstellerisches Vermögen sagte uns so zu, dass wir mit ihr einen Sieben-Jahres-Vertrag abschlossen.“ Wie „DER neue FILM“ bereits melden konnte, ist Hildegard Knef inzwischen nach Hollywood zurückgekehrt. Finanziell entstehen ihr, wie unserem Korrespondenten mitgeteilt wurde, keinerlei Nachteile, da der Vertrag mit der 20th-Century-Fox bestehen bleibt.
Die Aufnahmen zu diesem Film beginnen am 1. August im Tempelhofer Filmstudio. Außer den beiden amerikanischen Darstellern Montgomery Cliff und Paul Douglas werden ausschließlich nur deutsche Schauspieler und Schauspielerinnen mitwirken. Mr. Seaton, dessen Oscar-preisgekrönter Film ,Wunder von Manhattan [Miracle on 34th Street. USA 1947¨] im Anschluß an den Presseempfang im Berliner MPEA-Haus gezeigt wurde, bestätigte ferner die Übernahme einer weiteren Hauptrolle durch Bruni Löbel, die zur Zeit in dem CCC.-Film ,,Glückliche Ehe“ [gemeint ist Man spielt nicht mit der Liebe. R:Hans Deppe] arbeitet.

Der neue Film, Nr. 21, 30.07.1949,

Index der Filme 1951

Abbott und Costello unter Kannibalen (Pardon My Sarong) USA 1942. R: Eric C. Kenton 05/51
Abenteuer auf Korsika (L’ile d’amour) F 1944. R: Maurice Cam 03/51
Abenteuer im Roten Meer. Au 1951. R: Hans Hass – 10/51
Absender Unbekannt. 1950. R: Àkos Ráthonyi 12/51
Achtung! Kairo … Opiumschmuggler (Cairo Road) UK 1950. R: David MacDonald 02/51
Allotria in Florida (Moon over Florida) USA 1941. R: Walter Lang 05/51
All the Kings Men. USA 1949. R: Robert Rossen 05/51
Aloma, die Tochter der Südsee (Aloma of the South Seas) USA 1941. R: Alfred Santell – 10/51
Altes Herz wird wieder jung. 1943. R: Erich Engel 02/51
Der alte Sünder Au 1950/51. R: Franz Antel 05/51
Amber – die grosse Kurtisane (Forever Amber). USA 1947. R: Otto Preminger 01/51
Der Amtsschimmel. 1937. R: Fred Sauer (Umtitelung. Der Film hiess früher Gordian der Tyrann) 07/51
Angela. Au 1948. R: Eduard von Borsody 03/51
Angst vor der Schande (My foolish heart). US 1949. R: Mark Robson -06/51
Anna Karenina. UK 1948. R: Julien Duvivier 03/51
Apfel ist ab, Der. 1948. R: Helmut Käutner 05/51
Auf einer Insel mit Dir (On an Island with You). USA 1948. R: Richard Thorpe 05/51Auf falscher Spur (The Clouded Yellow) GB 1950. R: Ralph Thomas 11/51
Aufruhr in Marokko (Outpost in Morocco) USA 1949. R: Robert Florey 12/51
Aufruhr in Mesa Grande (Hopalong Cassady Returns). USA 1936 R: Nate Watt 04/51
Aufstand in Sibirien (La figlia del capitano) I 1947.R: Mario Camerini 05/51
Aufstand in Sidi Hakim (Gunga Din) USA 1947; R: George Stevens– 09/51
Auf Winnetous Spuren (The Iroquois trail) USA 1950. R: Phil Karlson 12/51
Augen der Liebe. 1942 – 1944; 1951 R: Alfred Braun – 11/51

Badende Venus (Bathing Beauty). USA 1944. R: George Sidney 03/51, 12/51
Bandito (Il bandito) I 1946. R: Alberto Lattuada – 09/51
Der Bandit und die Königin (The Bandit of Sherwood Forest). USA 1946.R: Henry Levin, George Sherman 04/51
Der Bandit von Sacramento (In Old Sacramento). USA 1946. R: Joseph Kane 05/51
Begierde. 1951 R: Karl Georg Külb – 06/51
Bengali (The Lives of a Bengal Lancer) USA !935, R: Henry Hathaway. – 09/51
besiegte Geizhals, Der (Sorrowful Jones) USA 1949. R: Sidney Lanfield – 01/51
Bestie von Shanghai, Die (Intrigue). USA 1947.R: Edwin L. Marin 04/51
Bezaubernde Frau (Tea fort wo) US 1950. R: David Butler – 12/51
Bezaubernder Schwindler, Ein. 1949. R: Hans Wolff 03, 06/51
Bitterer Reis (Riso Amore) I 1949. R: Giuseppe DeSantis – 01, 02, 03, 05/51
Blaubart. BRD/F 1951. R: Christian-Jacque 12/51
blaue Dahlie, Die (The Blue Dahlia) USA 1946. R: George Marshall. 09/51
Blaue Engel, Der. 1930. R: Josef von Sternberg 03/51, 4/51
Blutsfeindschaft (House of Strangers) USA 1949. R: Joseph L. Mankiewicz – 09/51
Boulevard der Dämmerung (Sunset Boulevard) USA 1950. R: Billy Wilder 04/51
Bright Victory. US 1951. R: Mark Robson. 12/51 Buffalo Bill, der weisse Indianer (Buffalo Bill). USA 1944. R: William A. Wellman – 03/51

Buschteufel im Dschungel (Pygmie Island). USA 1950. R: William Berke 12/51

California (California). USA 1947. R: John Farrow – 01/51

Cluny Brown. USA 1946. R: Ernst Lubitsch 04/51
Czardas der Herzen. 1951. R: Sándor Sziatinay 03/51

Dame in Schwarz, Die. 1951. R: Erich Engels – 12/51
Dämonische Liebe. 1950. R: Kurt Meisel 02/51
Desperados (Der Aufruhr der Gesetzlosen) (Desperadoes) USA 1943. R: Charles Vidor – 06/51
Dédée d’Anvers (Die Schenke zum Vollmond) F 1948. R: Yves Alléret – 10/51
Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower) USA 1951. R: Raoul Walsh) – 12/51
Diamanten-Sperrgebiet (auch: Blutige Diamanten) (Rope of Sand). USA 1949. R: William Dieterle – 01/51
Ding aus einer anderen Welt, Das (The Thing from Another World) USA 1951. R: Christian Nyby 12/51
doppelte Lottchen, Das. 1950. R: Josef von Baky –01, 02, 06/51
Dr. Holl. 1951. R: Rolf Hansen – 06, 7/51
Drei kleine Worte (Three little words) US 1950. R: Richard Thorpe – 12/51
Drei Musketiere, Die. (The Three Musketeers) USA 1948. R: George Sidney 12/51
dritte Mann, Der (The Third Man). UK 1949. R: Carol Reed – 01, 04, 06/51
Dritte von rechts, Die. 1950. R: Geza von Cziffra – 02, 03, 05, 06, 07, 09/51
Dubarry, Die 1951. R: Georg Wildhagen. 12/51 Duell in den Bergen (Barriera a Settentrione) I 1950. R: Luis Trenker 04/51
Du lebst nur noch 105 Minuten (Sorry, Wrong Number) USA 1948. R: Anatole Litvak 07/51
dunkelrote Siegel, Das (The Fighting Pimpernel) UK 1949. R: Michael Powell, Emeric Pressburger 10/51
Durch Dick und Dünn. 1951. R: Theo Lingen 11/51

Eine Stadt hält den Atem an. (Seven Day to Noon) UK 1950. R: John und Roy Boulting – 01/51 Enamorada. Mexiko 1946. R: Emilio Fernández – 06/51
Endstation Mond (Destination Moon) USA 1950. R: Irving Pichel -06/51
Endstation Sehnsucht. (A Streetcar Named Desire) US 1951. R: Elia Kazan 12/51
Engel im Abendkleid. 1951. Akos von Rathony – 06, 07/ 1951
Entgleist (No Man of Her Own), USA 1950. R: Mitchell Leisen 03/51
Erzherzog Johanns große Liebe Au 1950. R: Hans Schott-Schöbinger 04/51
Es begann um Mitternacht. 1951. R: Peter Paul Brauer 01/51
Es geht nicht ohne Gisela. 1951 R: Hans Deppe September
Es kommt ein Tag. 1950. R: Rudolf Jugert 02, 03/51
Es liegt was in der Luft. Ch/Au 1950. R: E.W.Emo 03/51
Es tanzt die Göttin (Cover Girl) USA 1944. R: Charles Vidor 03/51
Eva im Frack. 1951. R: Paul Martin – 01/51
Eva und der Frauenarzt. 1950/51. R: Erich Kohler 05/51
ewige Spiel, Das. 1951. R: Frantisek Cap 03/51, 04/51, 05/51

Fahrraddiebe (Ladri di biciclette) I 1948. R: Vittorio de Sica – 10/51
fallende Stern, Der.1950. R: Harald Braun 04/51
Fanfaren der Liebe. 1951. R: Kurt Hoffmann – 09, 10, 11/51
Die Farm der Besessenen (The Furies). USA 1950. R: Anthony Mann 07/51
Fiesta. USA 1947. R: Richad Thorpe 02/51
Flammendes Tal (Copper Canyon) USA 1950. R: John Farrow 10/51
Föhn. 1950. R: Rolf Hansen 12/51
Frauenarzt Dr. Praetorius. 1950. R: Curt Goetz 12/51
Frauenherz vergisst nie, Ein (Lydia). UK 1941. R: Julien Duvivier 03/51
Frauen ohne Namen (Donne senza nome) I 1951. R: Géza von Radványi 10/51
Frau im Hermelin, Die. (That Lady in Ermine). USA 1948. R: Ernst Lubitsch – 04, 07/51

Furia (Stürme der Leidenschaft) I 1947. R: Goffredo Alessandrini – 07/51

Geächtet (The Outlaw). USA 1943. R: Howard Hughes 04/51
gefährliche Mädchen, Das (The romantic age). UK 1949. R: Edmond T. Greville – 06/51
Geheimnis des Hohen Falken, Das. 1950. R: Christian Hallig – 01/51
Geheimnis einer Ehe, Das. 1951. R: Helmut Weiss 10/1951
Geheimwelle 505 (Dick Barton strikes back) UK 1949. R: Godfrey Grayson -06/51
Gehetzt (You Only Live Once) USA 1937. R: Fritz Lang – 10/51
Die Geliebte des Marschalls (The Gallant Blade) USA 1948. R: Henry Levin 10/51
Geschlossene Gardinen (Persiane chiuse) I 1951. R: Luigi Comencini -10/51
gestohlene Jahr, Das. Österreich/Deutschland 1951. R: Wilfried Fraß – 06/51
Gibraltar. F 1938. R: Fedor Ozep 04/51
Die Göttin vom Rio Beni. Brasilien/BRD 1950. R: Franz Eichhorn – 09/51
Der Göttergatte (Prima comunione). I 1950. R: Alessandro Blasetti 04/51
Goldene Salamander, Der (Golden Salamander). UK 1950. R: Ronald Neame 01/51
Graf Cagliostro. (Black magic). USA 1949. R: Gregory Ratoff – 10/51
Grenzstation 58. 1951.R: Harry Hasso 05/51
Der große Ziegfeld (The great Ziefeld) USA 1936. R: Robert Z. Leonard 05/51
Grossstadtnacht. 1950. R: Hans Wolff – 01/51
Grün ist die Heide. 1951. R: Hans Deppe – 12/51
Gruss und Kuss aus der Wachau. Au 1950. R: Fritz Schulz 04/51
Guillotine (Reign of Terror). USA 1948. R: Anthony Mann 02/51

Der Hauptmann von Kastilien (Captain from Castile) USA 1947. R: Henry King 04/51
Haus im Nebel. 1949. R: Géza von Cziffra (Früherer Titel: Lambert fühlt sich bedroht)- 10/51
Haus in Montevideo, Das. 1951. R: Curt Goetz, Valerie von Martens – 12/51
Heimat. 1936. R: Carl Froelich 02/51
Heimweh (Lassie Come Home). USA 1943. R: Fred M. Wilcox 02/51
Heinrich V. (The Chronicle History of King Henry the Fifth with His Battell Fought at Agincourt in France) UK 1944. R: Laurence Olivier 02/51
Herr der Silberminen, Der (Silver River) USA 1948. R: Raoul Walsh – 10/51
Herr der Unterwelt, Der (The Crooked Way) USA 1949. R: Robert Florey 10/51
Herrin der toten Stadt (Yellow Sky). USA 1948. R: William A. Wellman 05/51
Herz in der Hose (Fancy Pants). USA 1950. R: George Marshall 12/51
Hilfe, ich bin unsichtbar. 1951. R: E.W.Emo 07/51
Himmel voller Geigen Der (The Time, the Place and the Girl) USA 1946. R: David Butler 07/ 51
Hinter den roten Mauern (Kadetten). 1931. R: Georg Jacoby 04/51
Hochzeit im Heu. BRD/Au 1950. R: A.M. Rabenalt 02/51
Hochzeitsnacht im Paradies. 1950. R: Géza von Bolvàry 01/51, 03/51
Hölle am Weissen Turm (The White Tower). USA 1950. R: Ted Tetzlaff- 09/51
Hoffmanns Erzählungen (The Tales of Hoffmann) UK 1951; R: Michael Powell, Emeric Pressburger – 09/51
Hyänen der Strasse. (Gun Crazy). USA 1950. : Joseph H. Lewis. 05/51
Hyänen der Prärie (Wyoming). USA 1947. R: Joe Kane Mai, Oktober

Ich habe Dich immer geliebt. (I’ve always loved you) USA 1946. R: Frank Borzage. 06/51
Im Banne der Madonna. 1951. R: Edmond T. Greville – 11/51
Im Banne der roten Hexe (Wake of the Red Witch). USA 1948. R: Edward Ludwig 02/51
Im Namen des Gesetzes. (In nome della legge). 1949. R: Pietro Germi 05/51
In die Falle gelockt (The Westerner). USA1940. R: William Wyler – 06/1951
In Frieden leben (Vivere in pace) Italien 1947. R: Luigi Zampa -06/51
In letzter Sekunde (The Fighting Kentuckian) USA 1949. R: George Waggner – 03/51
Insel der Verlorenen (The Swiss family Robinson) USA 1944. R: Edward Ludwig 06/51
Inspektor Goddard (Appointment with danger). USA 1950. R: Lewis Allen – 06/51

Ja, in Mexiko (Nous irons à Paris). F 1950. R: Jean Boyer – 01/51
Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James) USA 1939. Regie: Henry King – 01/51
Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen. 1951. R: Alfred Stöger 07,11/51

K – das Haus des Schweigens (anderer Titel: Jahre des Schweigens). 1951. R: Hans Hinrich 03/51
Karten, Kugeln und Banditen. (Plainsman and the Lady). USA 1946. R: Joseph Kane -06/51

Keine Ferien für den lieben Gott (Plus des vacances pour le Bon Dieu). F 1950. R. Robert Vernay – 06, 07/1951
keusche Susanne, Die (La casta Susana). Arg 1944. R: Maurice Desvallières, Antony Mars 09/51
Kind der Donau. AU 1950. R: Georg Jacoby 03/51
Kitty und die Weltkonferenz. 1939. R: Helmut Käutner 07/51
Kleiner Schwindel am Wolfgangsee. Österreich 1949/50. R: Franz Antel – 01/51
König, Der (Le Roi) F 1949. R: Marc-Gilbert Sauvajon 03/51
Der König von Alaska (Harpoon). USA 1948. R: Ewing Scott 02/51
Königin Christine ( Queen Christina) USA 1933. R: Rouben Mamoulian 09/51
Königin einer Nacht. 1951. R. Kurt Hoffmann – 09,12/51
Königin Viktoria (Victoria the Great). UK 1937. R: Herbert Wilcox – 06/51
König Salomons Diamanten (King Solomon’s Mines) USA 1950. R: Compton Bennett, Andrew Martin 12/51
Kokain ( Johnny Stool Pigeon) USA 1949. R: William Castle – 06/51
Ein komischer Sektor in London/ auch Blockade in London (Passeport to Pimlico) (UK 1949). R: Henry Cornelius 07/51
Konterbande (South of St. Louis) USA 1949. R: Ray Enright 10/51
Konflikt des Herzens = Sieg über das Dunkel. Vgl. Bright Victoy. 12/51
Kongreß tanzt, Der. 1931. R: Eric Charell 12/51
Kritische Jahre (Anni difficili). I 1948, R: Luigi Zampa – 09/51
Kuss um Mitternacht (That Midnight Kiss) USA 1949. R: Norman Taurog 12/51
Küssen ist keine Sünd’ . Österreich/BRD 1950. R: Hubert Marischka 01/51

Lach und wein mit mir (Riding High). US 1950. R: Frank Capra 12/51
Lady Paname. F 1950. R: Henri Jeanson – 06/51
Ladung für Kapstadt (Cargo to Capetown) USA 1950. R: EarlMcEvoy 07/51
Lebensgefährlich (Highly Dangerous). GB 1950. R: Roy Ward Baker – 11/51
letzte Bandit, Der (Billy the Kid). USA 1941. R: David Miller -06/51
Letzte Liebe (Dernier amour). F 1949. R: Jean Stelli – 01/51
Die Letzten vom Fort Gamble (Ambush) USA 1950. R: Sam Wood 02/51
Lichter der Großstadt (City Lights). USA 1931. R: Charles Chaplin 02, 03/51
Liebe (Bel Amour) F 1951 R: Francois Campaux 10/51
Liebe an Bord (Luxury Liner). USA 1948. R: Richard Whorf 02, 03/51
Liebesaffäre (Love affair). USA 1939 04/51
Liebesabenteuer des Don Juan, Die (Adventures of Don Juan) USA 1948. R: Vincent Sherman – 01, 02/51
Liebesnächte in Sevilla (The Loves of Carmen). US 1948. R: Charles Vidor 11/51
Liebesrausch auf Capri (September Affair). USA 1950. R: William Dieterle – 04/51
Liebe unter schwarzen Segeln (Fortunes of Captain Blood) USA 1950. R: Gordon Douglas – 09/51
Lockende Gefahr. 1950. R: Eugen York 05, 07/51
Lucrezia Borgia (Lucrécde Borgia) F 1935. R: Abel Gance 07/51

Macbeth. USA 1948. R: Orson Welles – 10/51
Mädel aus der Konfektion, Das. 1951. R: Carl Boese 05751
Männerfeindin, Die (A Woman of Distinction). USA 1950. R: Edward Buzzell 12/51
Mann aus Marokko, Der (The Man from Morocco) UK 1945. R: Mutz Greenbaum 02/51
Der Mann, der herrschen wollte (All the Kings Men) USA 1949. R: Robert Rossen 07/ 51
Mann gehört ins Haus, Ein. 1948. R: Hubert Marischka 03/51
Manon. F 1949. R. Henri-Georges Clouzot – 01, 02, 03/51
Manuel (Captain Courageous). USA 1937. Victor Fleming – 06/51
Mauern von Malapaga, Die. (Le mura di Malapaga). F/I 1949. R: René Clément 11/51
Mein Freund, der Dieb. 1951. R: Helmut Weiss. 12/51
Mein Freund Harvey (Hervey) USA 1950. R: Henry Koster 12/51
Meine Nichte Susanne. 1950. R: Wolfgang Liebeneiner 05/51
Die Menschenfalle (Trapped) USA 1949 R: Richard Fleischer07/51
Menschen ohne Seele (Union Station) USA 1950. R: Rudolph Mathé 10(51
Menschenschmuggel (The Breaking Point). USA 1950. R: Michael Curtiz 09/51
Meuterei auf der Bounty (Mutiny on the Bounty). USA 1935. R: Frank Lloyd 04/51
Millionenraub im Sportpalast (Drame au Vel’d’Hiv’) F 1949. R: Maurice Cam 07/51
Mit eiserner Faust (The Prince and the Pauper) US 1937. R: William Keighley, William Dieterle 06/51
Mitternachtsvenus, Die. 1951. R: Ferdinand Dörfler 03/51
Montana (Montana). USA 1950. R: Ray Enright 04/51
Morgen ist es zu spät (Domani è troppo tardi ) I 1950. R: Léonid Moguy 04/51
Mustergatte, Der. 1937. R: Wolfgang Liebeneiner 09/51
Mutter sein dagegen sehr. 1951. R: Victor Tourjanski 10, 12/51

Nachtclub-Lilly (Roadhouse) USA 1948. R: Jean Negolescu –01/51
Der Nachtigallenkäfig. (La cage aux rossignols). F 1945. R: Jean Dréville – 06/1951
Nachts auf den Strassen. 1952. R: Rudolf Jugert. 12/51
Nachtwache. 1949. R: Harald Braun 03/51
Napoleon ist an allem schuld. 1938. R: Curt Goetz 03/51
Narziss, der unfreiwillige Flieger. (Narciss). F 1940. R: Ayres d’Aguiar 05/51
Neptuns Tochter (Neptune’s daughter) USA 1949. R: Edward Buzzell 03/51 12/51

Odd man Out. GB 1947. R: Carol Reed 1948
Ohne Gnade (Senza pietà) I 1948. R: Alberto Lattuada 03/51, 05/51
Oliver Twist. UK 1948. R: David Lean 12/51
Panik am roten Fluss (Red River). USA 1948. R: Howard Hawks 04/51
Piratenliebe (The Man Within) UK 1947. R: Bernard Knowles – 09/51
Piraten im Karibischen Meer (Reap the Wild Wind) USA 1942. R: Cecil B. de Mille 04/51
Piraten von Capri (Pirates of Capri). I/ USA 1949. R: Edgar G. Ulmer 03/51
Professor Nachtfalter. 1951. R: Rolf Meyer 03/51
Buschteufel im Dschungel (Pygmy Island). USA 1950 12/51
Rache für Alamo (Mn of Coquest). USA 1939. R: George Nichols Jr. 07/51
Rächer der Unterwelt (The Killers) USA 1946. R: Robert Siodmak – 01/51
Die Ratte [von Soho]. (Night and the City). USA 1951. R: Jules Dassin 12/51
Rausch einer Nacht. 1951. R: Eduard von Borsody. 02/51
Rebell, Der (The Flame and the Arrow) USA 1950. R: Jacques Tourneur 04/51
Rebellion im grauen Haus (Canon City) USA 1946. R: Crane Wilbur – 03/51
Reigen, Der (La Ronde) F 1950. R: Max Ophüls 02, 03/51
Rendezvous in Paris ( Le chateau de verre) F 1950. R: René Clement Juli 51
Reserve hat Ruh’. 1931. R: Max Obal 01/51
Rette mich wer kann (anderer deutscher Titel: Abenteuer eines Pechvogels). (The Jackpot). USA 1950. R: Walter Lang 12/51
Romanze im Süden (A Man about the House) UK 1948. R: Leslie Arliss – 03/51
Rotes Licht (Red Light) USA 1949. R: Roy del Ruth 12/51
Ruf, Der 1949. R: Josef von Baky 05/51
Ruf an das Gewissen.1944/45. R: Karl Anton 05/51

San Francisco im Goldfieber (Barbary Coast). USA 1935. R: Howard Hawks 02/51
Sans laisser d’Adresse. F 1951. R: Jean-Paul Le Chanois – 06/1951
scharlachrote Blume, Die (The scarlet Pimpernel) UK 1934. R: Harold Young – 10/1951
Die scharlachroten Reiter (North West Mounted Police) USA 1940. R: Cecil B. DeMille 12/1951
Der Schatten des Herrn Monitor . 1950. R: Eugen York 10/1951
Schlingen der Angst (Sleep, My Love) USA 1948. R: Douglas Sirk 03/51
Schön muss man sein. 1951. R: Akos Rathonyi – 03, 05, 06, 07/51
Schütze Bumm in Nöten (Soldat Bom) Sw 1948, R: Lars-Eric Killgren 05, 11/51
Schuld des Dr. Homma, Die. 1951. R: Paul Verhoeven – 10/51
Schwarze Rose (The Black Rose) USA 1950. R: Henry Hathaway – 06/51
schwarze Füchsin, Die (Gone to Earth). UK 1950. R: Michael Powell, Emmeric Pressburger 03/51
Schwarzwaldmädel. 1950. R: Hans Deppe – 06, 12/51
Schweigen ist Gold (Le Silence est d’or). F 1947. R: René Clair -06/51
Schwurgericht (Justice est faite) . F 1950. R: André Cayatte– 06, 09 ,12/1951
Ein Seemann ist kein Schneemann (Swiss Tour) CH/USA 1950. R: Leopold Lindtberg 02/51
Seemannslos (Down to the sea in ships). USA 1949. R: Henry Hathaway – 06/51
Seeräuber, Der (The Black Swan). USA 1942. R: Henry King 02/51
Seeteufel von Cartagena, Die (The Spanish Main) USA 1945. R: Frank Borzage – 01/51
Seine Frau hilft Geld verdienen (The Fuller Brush Girl). USA 1950. R: Lloyd Bacon 04/51
Sensation in San Remo. 1951. R: Georg Jacoby – 07,10/51
Singapur (Singapur). USA 1947, R: John Brahm 03/51
Skandal in Paris (Scandale aux Champs Élysées) F 1949. R: Roger Blanc 07/51
Sklavin der Wildnis (Rachel and the Stranger) USA 1948. R: Norman Foster – 03/51 [Früherer deutscher Titel: Ehe ohne Liebe]
Sklavin des Herzens (Under Capricorn) UK 1949. R: Alfred Hitchcock 05/51
Spielfieber (The Lady gambles) USA 1949. R: Michael Gordon 07/1951
Söhne der grünen Hölle (Untamed Fury). USA 1947. R: Ewing Scott 07/1951
Staatsgeheimnis (State Secret) USA 1950. R: Sidney Gilliat – 06/51
Steppenrache (Vendetta en camargue) F 1950. R: Jean Devaivre 03/51
Stierkämpfer wider Willen (The Bullfighters). USA 1945. R: Malcom St. Clair 04/51
Stips. 1951. R: Carl Froehlich – 12/51
Stolz der Kompagnie (Kronas Käckar Gossar) Sw 1940. R: Sigurd Wallen 11/51
Straße der Versuchung (Scarlet Street) USA 1948. R: Fritz Lang 04/51
Stromboli (Terra di Dio) I/ USA 1950. R: Roberto Rossellini 02, 03/51
Stürmische Höhen (Wuthering Heights). USA 1939. R: William Wyler 03/51
Südsee-Vagabunden (South Sea Sinner) USA 1950. R: H. Bruce Humberstone 09/51
Sünderin, Die 1951. R: Willy Forst – 03, 04, 05, 06, 12/1951
Sündige Grenze. 1951. R: R.A. Stemmle – 11/51

Tal der Leidenschaften. (Tap Roots) USA 1948. R: George Marshall – 06/51
Tal des Todes (Valley of the sun) USA 1942. R: George Marshall – 06/51
Tänzer vom Broadway ( The Barklays of Broadway) USA 1945. R: Charles Walters 03/51
Tanz in den Abgrund (Good-time girl) UK 1948. R: David MacDonald – 06/1951
Taxi-Kitty. 1950. R: Kurt Hoffmann –01/51
Das Testament des Dr. Mabuse. 1933. R: Fritz Lang 09/1951
Texaspolizei räumt auf (Deputy Marshal). USA 1949. R: William Berke- 09/ 51
Teufel im Leib (Le diable au corps). F 1947. R: Claude Autant-Lara – 05,06,07/1951
Tiger, Der (The Enforcer) USA 1951. R: Martin Rackin 11/51
Tiger Akbar, Der. 1951. R: Harry Piel – 05, 06, 07/1951
Todeskurve, Die (The Big Wheel). USA 1949. R: Edward Ludwig 04/51
Todesverächter, Der (Whispering Smith). USA 1948. R: Leslie Fenton – 03/51
Todfeindschaft (Dallas) USA 1950. R: Stuart Heisler 11/51
tödlichen Träume, Die. 1951. R: Paul Martin – 01/51
Todsünde (Leave Her to heaven) USA 1945. R: John M. Stahl – 09/51
Todeszelle No.5 (I wouldn’t be in your shoes) USA 1948. R: William Nigh 07/51
Tokio Joe (Tokyo Joe) USA 1949. R: Stuart Heisler 05/51
Topper geht auf Reisen (Topper takes a trip). USA 1938. R: Norman Z. McLeod 06/1951,
Das Tor zum Frieden. 1951. R: Wolfgang Liebeneiner 05/51
Toselli-Serenade (Romanzo d’amore). I/ F 1950. R: Duilio Coletti – 03/51
Toto als Scheich (Toto sceicco) I 950. R: Mario Mattoli – 10/51
Träumende Augen (Stolen Life) UK 1939. R: Paul Czinner – 01/51

Überfall auf die 0ive Branch, Der (Captain Caution) USA 1943. R: Richard Wallace 04/51
Die Unbesiegten. (Unconquered). USA 1947. R: Cecil B. deMille – 11/51
unheimliche Haus, Das (Les inconnus dans la maison) F 1942. R: Henri Decoin– 01/51
Und Du mein Schatz fährst mit.1937. R: Georg Jacoby 04/51
Unser eigenes Ich (Our very own). USA 1950. R: David Miller – 06/51
Unter dem Himmel von Paris (Sous le ciel de Paris) F 1951. R: Julien Duvivier – 03, 04, 05, 06,07,09/51
Unter den Brücken. 1944/45. R: Helmut Käutner 03/51
Unter Geheimbefehl (Panic in the Streets). USA 1950. R: Elia Kazan 03/51
Unvergängliches Licht. 1951. R: Arthur Maria Rabenalt 05/51
Urlaub in Hollywood (Anchors Aweigh). USA 1945. R: George Sidney 04/51

Vater der Braut (Father oft he Bride) USA 1950. R: Vincente Minelli -06/51
Venus am Strand (The Girl from Jones Beach). USA 1949. R: Peter Godfrey – 06/51
Venus macht Seitensprünge (One Touch of Venus) USA 1948. R: William A. Seiter 03/51
Verfemt (The Kid from Texas). USA 1950. R: Kurt Neumann 05/51
Vergessene Stunde (Black Angel) USA 1946. R: Roy William Neill 02/51
Verjüngungskur, Die. Österreich 1948. R: Harald Röbbeling – 06/51
Verklungenes Wien. Au 1951. R: Ernst Marischka – 09/51
Verlorene, Der. 1951. R: Peter Lorre – 11/51
Verrückter Mittwoch (The Sin of Harold Diddlebock) USA 1947. R: Preston Sturges 10/51
Verrat im Dschungel (The Real Glory) USA 1939. R: Henry Hathaway 09/51
Die verschleierte Maja. 1951. R: Geza von Cziffra – 07,09,10,11/51
Vier im Jeep, Die. Schweiz 1951. R: Leopold Lindtberg, Elizabeth Montagu- 06/1951
Vom Teufel gejagt. 1950. R: Viktor Tourjansky – 01/51, 12/51
Vom Winde verweht (Gone with the wind) USA 1939. R: Victor Fleming – 06/51
Vorsicht, Gespenster (Hold That Ghost) USA 1941. R: Arthur Lubin – 09/51
Vulcano. I 1950. R: William Dieterle 02/51, 05/51

Waffenschmuggler von Kenya (Sundown) USA 1941. R: Henry Hathaway 05/51
Der Weg nach Utopia (Road to Utopia) USA 1945. R: Hal Walker 05/51
Weg zum Ruhm, Der (Prelude à la gloire) F 1950. R: Georges Lacombe – 01/51
Weh dem, der liebt . 1951. R: Alexander von Sziatinay 05, 06/51
Weisse Banditen (Stampede). USA 1949. R: Lesley Selander – 01/51
Weisse Schatten. 1951. R: Helmut Käutner 07, 11/51
Weisse Teufel, Der (Il diavolo bianco) I 1947. R: Nunzio Malasomma –11/51

Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls) USA 1943. R: Sam Wood 02, 03/51
Wenn die Abendglocken läuten. 1951. R: Alfred Braun – 12/51
Wenn eine Frau liebt. 1950. R: Wolfgang Liebeneiner 02,03/51
Wenn Männer schwindeln 1950. R: Carl Boese 05/51
Wie ein Dieb in der Nacht. Österreich/Deutschland 1945. R: Hans Thimig – 06/51
Wiener Mädeln. Österreich/BRD. 1949. R: Willi Forst –01/51
Wiener Walzer (früherer Verleihtitel Wien tanzt) Au/Liechtenstein 1951. R: Emil E. Reinert- 09/51
Wildwest-Banditen (Trail Dust). USA 1936. R: Nate Watt 03/51
Wildwest in Oberbayern. 1951. R: Ferdinand Dörfler 10(51
Winchester 73. USA 1950. R: Anthony Mann 05/51
Wolf der Sila-Berge (Il lupo della Sila). I 1949. R: Duilio Coletti 03/51
Wüstenfalke, Der (The desert Hawk) USA 1950. R: Frederick de Cordova – 11/51
Das Wunder von San Marino (Prelude to fame) USA 1950. R: Fergus McDonell – 10/51

Zelle R 17 (Brute Force) USA 1947. R: Jules Dassin 03/51
Zimmer zu vermieten. 1944/45. R: Kurt Werther 05/51
Zorros Geisterreiter (Zorro’ Fighting Legion).USA 1939. R: William Witney. 07/51
Zorros Sohn (Son of Zorro). USA 1947. R: Spencer Bennett, Fred C. Brannon. 12/51
Zwei in der Falle. (Rawhide). USA 1951. R: Henry Hathaway 11/51
Zwei Frauen (Tva kvinnor) SW 1947. R: Arnold Sjöstrand 02/51
Zweikampf am Red River (Massacre River) USA 1949. R: John Rawlins 7/51
Zwischen Herz und Gewissen. 1944/45. R: Johannes Meyer 04/51

 

Index der Filmtitel 1948/1949

1 x 1 der Ehe. 1949. R: Rudolf Jugert 12/49
3 x Komödie. 1949. R: Viktor Tourjansky 4/7, 6S/1949

Abenteuer in der Südsee (Son of Fury: The Story of Benjamin Blake) USA 1942. R: John Cromwell 6/1949
Adieu Cherie. F 1946. R: Raymond Bernard 3/1949
Affäre Blum. 948. R: Erich Engel 6S/1949
Alibi (L’Alibi). F 1937. R: Pierre Chenal 7/1949
Andere,Die. 1949. R: Alfred E. Sistig 8/1949
Anonyme Briefe. 1949. R: A.M. Rabenalt 3/1949
Arabische Nächte (Arabian nights).USA 1942. R: John Rawlins 12/1949
Arzt und Dämon. (Dr. Jekyll and Mr. Hyde). USA 1941. R: Victor Fleming 4/1949
Artistenblut. 1949. R: Wolfgang Wehrum 12/1949

Begegnung an der Elbe (Vstrecha na Elbe) UdSSR 1949. R: G. Aleksandrov 6/1949
Belvedere räumt auf (Sittin g Pretty). USA 1948. R: Walter Lang 8/1949
Besten Jahre unseres Lebens, Die (Best Years of Our Lifes) US 1946. R: William Wyler 1948, 6/1949
Blaue Strohhut, Der . 1949. R. Victor Tourjansky 12/1949
Boot der Verdammten, Das (Les maudits) F 1947. R: René Clement 3/6S/1949
Bravo, George (Come on, George) UK 1939. R: Anthony Kimmins 6S/ 949
Die Brüder B[ouquinqant]. (Les freres Bouquinquant) F 1947. R: Louis Daquin 6/ 1949
bunte Karussell, Das (State Fair). USA 1945. R: Walter Lang 3/1949
Buntkarierten, Die. 1949. R: Kurt Maetzig 6/7/1949

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Wenn ich mit Dir im Kino bin (1951)

Musik: Gerhard Winkler; Text: Günther Schwenn.
Gesang: Cornel-Trio

Wenn ich mit Dir im Kino bin,
Versinkt um uns die ganze Welt,
weil uns der Film zwei Stunden lang
so wundervoll in Stimmung hält.

Da fährt ein stolzes Schiff
in blaue fernen übers Meer
und mit den weißen Möwen fliegt
die Sehnsucht hinterher…

Wenn ich mit Dir im Kino bin,
vergessen wir, was draußen ist;
ich seh an einem Tränchen,
wie Du innerlich ergriffen bist –

Dann kommt das Happy-End, da wird es schön –
doch wenn’s am schönsten ist, dann muss man leider gehn.
Auf Wiedersehn – auf Wiedersehn.

Carl Mayer: Wie ich zur Idee des Berlin-Films kam. (1927)

Berlin hat für mich seit je irgendeine, meine innere Welt lösende, mich zum produktiven Erleben steigernde Gewalt. Entscheidende Einfälle, wie der zum CALIGARI oder zu SCHERBEN oder zu SYLVESTER, zum LETZTEN MANN und manche andere, irgendwie danke ich sie den Straßen und Stätten, der Luft Berlins. So ging ich wieder einmal, von Plänen zu einem Film aus der Großstadt erfüllt, im Abenddämmer vom Bahnhof Zoo zur Gedächtniskirche. Es war einer jener Abende, an denen gewiss schon jeder, der Berlin liebt, die in ihrer Art einzigartige Atmosphäre dieser Stadt hingerissen empfunden hat. Züge donnerten. Lichter! Autos! Menschen! Alles schnitt sich ineinander! Von den Abendglocken der Kirche überklungen.

Da überkam es mich jäh. Berlin! Wunderbare Stadt! Wie – wenn man einmal an Stelle eines „Schauspielers“ dich selbst zum Hauptdarsteller – zum Helden eines Films erwählte? – Und da stieg auch schon der Titel in mir auf: Berlin, Berlin eine Sinfonie, Berlin die Sinfonie, Berlin die Sinfonie der Großstadt! – Und wirklich, wie aus dem Musiker die Themen zu einer Sinfonie der Töne emporklingen mögen, so verdichteten sich in mir in einer Art jähen, rauschhaften Zustandes, den produktive Menschen kennen, ganze Bildreihen zu Akkorden. Es war mir, als hörte ich urplötzlich die tausendstimmige Melodie dieser Stadt. Straßen, Plätze, ganze Komplexe Berlins blendeten gleichsam in mir auf – durch- und ineinander.

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Bericht der Berliner Allianz-Film Filiale vom 4. Januar 1952 für Dezember 51 – 12/51

Der Dezember-Umsatz ist noch höher als der des Vormonats. Es ist an Hand von Unterlagen bekannt, dass nur die MGM und der HERZOG-FILMVERLEIH bei dem Großeinsats der Filme Die badende Venus, Drei Musketiere., Neptun’s Tochter bzw. Frauenarzt Dr.Praetorius, Schwarzwaldmådel und Die Sünderin ebenfalls einen solchen Umsatz erreicht haben. Für Januar 1952 ist zu erwarten, dass auch der GLORIA FILM VERLEIH ein derartiges Ergebnis für einen Monat erzielen wird mit den Filmen Wenn die Abendglocken läuten und Griin ist die Heide). Auch für Januar 1952 ist für die ALLIANZFILM mit einem guten Ergebnis zu rechnen, das sich vor allen Dingen aus den Erträgnissen des Films Königin einer Nacht ergeben wird. Allerdings lässt sich aus den Abrechnungen leicht erkennen, dass diesem Film ein Großerfolg versagt bleiben wird; die Besucherzahlen weisen immer am letzten Spieltag klar darauf hin.

Premieren im Berichtsmonat:
a) Eigene Filme
6.12. Königin einer Nacht im Delphi-Palast am Zoo.
Der Start des Films war außerordentlich erfolgversprechend und die anwesenden Darsteller wurden auf das lebhafteste gefeiert. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film große Schwächen hat, die vor allen Dingen in den Massen- und Revue-Szenen sichtbar wurden. Die Schuld hierfür trifft aber nicht den Regisseur, sondern den Choreographen Gerard. Auch musikalisch blieben einige Wünsche offen, da einzelne Passagen des Films musikalisch zu schwach besetzt sind (Walser). Als glatte Fehlbesetzung muss Vera de Luca bezeichnet werden, trotz der starken und starren Haltung der Produktion in dieser Frage. Für diese Rolle gäbe es in Deutschland genügend Schlagersängerinnen, deren persönlicher Charme und Vortrag diesen oder jenen Schlager vielleicht zum wirklichen Schlager gemacht hätte. Ausgezeichnet ist Georg Thomalla, auch Ethel Reschke, Paul Westermeier, Kurt Pratsch-Kaufmann sind sehr gut, und sogar die sonst so steife Jeannette Schultze hat in der Bar-Szene großartige Momente. Hoffentlich können die deutschen Regisseure diese Darstellerin daraufhin etwas lockern. Hans Holt hat nichts weiter als nett zu sein und Ilse Werner’s Rolle ist leider zu passiv angelegt. Fest steht auch, dass der Name Ilse Werner nicht mehr die Kraft hat, als Star einen Film zu tragen. Prägnanter Beweis dafür ist der Film Mutter sein dagegen sehr, der wirklich ausgezeichnet ist und einen Erfolg verdiente. Aber der Name der Hauptdarstellerin zieht nicht. Unser Film wurde aber in Berlin dank des bewussten Einsatzes über Weihnachten und Neujahr ein großes Geschäft. Die Propaganda-Vorarbeit war allein darauf abgestellt. 109 feste Spieltermine liegen bereits vor. Im DELPHI-PALAST war der Film in den ersten Tagen und über beide Wochenend-Termine sehr gut. Der ECHO-Produktion kann jederzeit bescheinigt werden, dass selten zuvor einer unserer Filme eine derartig intensive Propaganda -Unterstützung erhalten hat, aber die musste auch sein, sonst hatte unser Film gegen Des Könige Admiral. Drei kleine Worte. Lach und wein‘ mit mir, Wenn die Abendglocken läuten. Die Dame in Schwarz und Bezaubernde Frau nicht bestehen können.
In den Uraufführungs-Theatern selbst waren im Dezember über Weihnachten und Silvester die großen Erfolgsfilme Das Haus in Montevideo, Endstation Sehnsucht, Grün ist die Heide und Blaubart.

  1. b)
    Filme der Konkurrenz.

27.11. Lach und wein‘ mit mir (PARAMOUNT) Filmtheater BERLIN.
Lustiger Unterhaltungsfilm mit Bing Crosby. Vom Verleiher ohne Liebe herausgebracht, starke Mund-Propaganda und wirklich gutes Geschäft in den Erstaufführungs-Theatern über Weihnachten und Neujahr.
27.11. Stips (FORTUNAFILM) Delphi-Palast am Zoo.
Völlig missglückter Start eines an sich netten Unterhaltungsfilms. Der Film starb schon im Uraufführungstheater und hat sich von dieser Niederlage auch in der Erstaufführung nicht erholen können. Keinesfalls aber ist der Film daran schuld; er liegt etwa auf der Linie unseres Absender unbekannt.
27.11. Drei kleine Worte . (MGM) KIKI Filmtheater.
Das neu eröffnete Theater, jetzt wirklich repräsentativ, hatte mit der Uraufführung dieses amerikanischen Revuefilms einen guten Griff getan; obwohl es in Berlin unmöglich erscheint, einen amerikanischen Film deutsch synchronisiert auch in den musikalischen Partien zu bringen, wagte die MGM es und hatte dadurch in der Uraufführung nur einen Durchschnittserfolg. Der Film hätte an sich einen long run erzielen müssen. In der Erstaufführung war er dann das erwartete gute Geschäft.
29.11. Rotes Licht (Dietz-Verleih) Massenstart.
Sehr guter amerikanischer Kriminalfilm. Völlig verpatzte Uraufführung, dadurch untergegangen.
29.11. Die scharlachroten Reiter (PARAMOUNT) Capitol. Perfekter amerikanischer Wildwester, oft gehabt, guter Erfolg.
30.11. Mein Freund Harvey (UNIVERSALFILM) im Studio. Einer der bedeutendsten amerikanischen Filmerfolge. Für die deutsche Mentalität jedoch unmöglich, deshalb glatter Versager bei ausgezeichneter Synchronisation. Viktor de Kowa als James Stewart.
30.11. Das Ding aus einer anderen Welt (RKO) Massenstart. Ein nicht ernst zu nehmender Film mit einigen Überraschungs-Ergebnissen. Ohne Bedeutung.
30.11. Die Dame in Schwarz . (UNION FILMVERLEIH) Kurbel. Gut gemachter Unterhaltungsfilm. Überraschend die Leistung von Mady Rahl und eigentlich auch von Rudolf Prack. Paul Hartmann’s come back überzeugte noch nicht. Film hat guten Erfolg.
30.11. Des Königs Admiral (WARNER BROS.) Bonbonniere. Dieser Film in unserer Hand. würde bestimmt sechs Wochen am Kurfürstendamm in einem repräsentativen Theater laufen, so aber hat der amerikanische Verleih unzweifelhaft Schiffbruch erlitten, weil er in die unscheinbare BONBONNIERE gegangen ist mit einem perfekten Unterhaltungsfilm, der in Amexika und Europa Rekorde erzielt hat. Filme dieser Art sind leider bei uns noch nicht herzustellen. Der Film lief drei Wochen in der Uraufführung und ging zum Weihnachtstermin in die Erstaufführungstheater, wo er sehr gute Ergebnisse erzielte. 1.12.Endstation Sehnsucht (WARNER BROS.) Cinema Paris. Europäische Uraufführung. Sehr gute repräsentative Premiere in Gegenwart vieler amerikanischer Europa Chefs aus Paris. Hervorragender Film in Stoff, Darstellung und Musik. Am Kurfürstendamm der erwartete Großerfolg, der Film wird darum voraussichtlich auch sehr gut in den Bezirkstheatern abschneiden. Er gehört zu den Produktionen, die bei einem Jahres-Rückblick immer im Vordergrund stehen werden. Dieser Film wird sogar in die Geschichte der Filmkunst eingehen. Sowohl die Uraufführung wie der Film selbst sind der erste große amerikanische Beitrag zum Thema : Repräsentation in der Filmwirtschaft.
3.12. Das Haus in Montevideo (HERZOGFILM) Marmorhaus.
Ein mit viel Spannung und Freude erwarteter, charmanter, sehr gepflegter Unterhaltungsfilm, der – wie inzwischen feststeht – in Deutschland zu den Spitzenreitern gehört. Geschäft hervorragend, Presse ebenfalls.
7.12. Zorro’s Sohn (GLORIAVERLEIH) Massenstart.
Wollen wir lieber nicht darüber sprechen!
7.12. Konflikt des Herzens (RANK-FILM) im Studio.
Dex berühmte preisgekrönte englische Film BRIGHT VICTORY. Unmöglicher Start, der auch hier wieder den Tod eines ganz hervorragenden Films verschuldete. Es ist einer der Filme, die man gesehen haben muss, die man aber nicht einführen darf, um damit 600 oder 800.000,- Mk Einnahmen su erzielen. Solche Filme sollten – wie wir es vielleicht auch in Kürze mit französischen Filmen tun werden – nur in der Originalfassung gezeigt werden, um zumindest dem besten Publikum zugänglich gemacht zu werden.
7.12. Die Ratte (CENTOX) Sm Capitol.
Perfekter amerikanischer Reisser, aber unsympathisch im Sujet. Geschäftlicher Erfolg war es einer!
10.12. Die Dubarry (EUROPATILM) im Astor.
Die mit Spannung erwartete Trumpfkarte des Europa-Verleih stach nicht. Der Film 1st völlig daneben gegangen. Dieses Thema wurde mit Herrn Zobel bereits ausführlich besprochen. Erfolg keiner, auch nicht in der Nachbesetzung.
11.12. Ein Kuss um Mitternacht (MGM) im Kiki.
Amerikanischer Schmalz-Film um einen sehr guten Sänger –Durchschnitt.
11.12. 0liver Twist (RANKFILM) in der Kurbel.
Sehr guter Film, durch Schnitte leider sehr entstellt. Gutes Geschäft und auch gute Ergebnisse in den Bezirks-Theatern. Schade drum!
14.12. Mein Freund der Dieb (CONSTANTINFILM) im Capitol.
Nettes Thema, aber zu breit ausgewalzt, von Frau Molnar zu manieriert gespielt. Hans Söhnker nett und sympathisch, Hardy Krüger trotz Nettigkeit oft ungezügelt. Dem Film wird kein Erfolg beschieden sein, wenn der Verleih schon ungläubig an die Aufgabe herangeht. In Berlin sehr schlechte Besetzung. Aus dem Stoff selbst hätte manviel machen können.
14.12. Buschteufel im Dschungel (COLUMBIA) Massenstart.-
Der Titel sagt alles, – sparen wir uns die Zeit!
14.12. Die Männerfeindin (COLUMBIA) im Studio.
Netter Unterhaltungsfilm, von der Art jedoch, die dem großen Publikum nicht eingeht. F1lme dieser Qualität und mit einem solchen Sujet verlangen Buch-Leser. Erfolg war es keiner.
14.12. Auf Winnetou’s Spuren. (CONSTANTINFILM)
Massenstart. Auch hier schade um Papier und Arbeit !
18.12. Bezaubernde Frau (WARNER BROS.) Bonbonniere. Sehr guter amerikanischer Revuefilm mit Doris Day in der Hauptrolle. Leider sind auch die Gesangspartien synchronisiert und das ist allerdings das Allerletzte an Einfallslosigkeit ! Dann könnte man auch CARUSO-Platten von Bully Buhlan synchronisieren lassen ! Der Film ging über Weihnachten und Neujahr in den Massenstart.
20.12. Blaubart (NATIONALFILM) Filmbühne Wien.
Trumpf-Ass der Nationalfilm in diesem Winter ! Der Film ist nicht 100ig geglückt. Die Farbkomposition ist merkwürdigerweise nicht einheitlich. Gespielt wurde von Hans Albers und Cécile Aubry sehr gut. Christian-Jaque’s Regie ist zumindest im ersten Drittel zu schwerfällig. V ielleicht besitzt er nicht die leichte Hand, die dieser parodistische Film verlangt. Das Publikum kann erst spät erkennen, dass alles nur ein Schers sein soll. Der Film wird unserem Nachts auf den Strassen“ keinen Abbruch tun. Hans Albers‘ persönliche Leistung als „Blaubart“ ist stärker als die in seinen letzten Filmen „Föhn“ und „Vom Teufel geJagt.
21.12. Wenn die Abendglocken läuten (GLORIAFILM)
Massenstart. Dieser Film ist einer der größten Schmachtfetzen der Nachkriegsproduktion, aber derartig geschickt herausgebracht, dass man neidlos anerkennen muss: besser kann man es nicht machen, aber die Schauspieler Willy Birgel, Maria Holst und Hans Holt geradezu missbraucht werden, werden, ist fast schon straffällig ! So einen Film darf man nicht machen! Dass Alfred Braun jahrelang bei Veit Harlan assistiert hat, scheint eigentlich unmöglich. Vielleicht sind aber hinter den Kulissen von der Produktion gewisse Dinge gefordert worden, die für Alfred Braun unannehmbar waren. Bei der Berliner Premiere wurde er auch nicht gesehen. Der Film hat sich als sensationelles Weihnachts- und Neujahrsgeschäft erwiesen, ich bin jedoch der Meinung – und werde darauf sehr genau achten – dass er ab 4.Januar in den Berliner Erstaufführungstheatern sterben muss, denn auch die Mund-Propaganda ist denkbar schlecht. Der Film ist alles in allem so schlecht, dass wahrscheinlich nicht verhindert werden kann, dass er in der Provinz trotzdem gut geht !
21.12. Königs Salomon’s Diamanten (MGM) im Kiki. Den Film habe ich noch nicht gesehen, weiß aber aus amerikanischen Unterlagen, dass er gang groß angekommen ist. Auch hier ist die Aufnahme bei den Theaterbesitzern sehr gut, das Geschäft ebenfalls.
21.12. Grün ist die Heide (GLORIAFILM) Delphi-Palast.
Der Film ist Ihnen bereits bekamt. Er ist besser als Schwarswaldmädel, farbtechnisch fast ohne Fehler und zeigt einige darstellerische Leistungen, die überraschen, vor allem Hans Stüwe und Willy Fritsch. Im Delphi-Palast ist der Film das erwartete große Geschäft. Es wird wichtig sein zu beobachten, wie er zu normalen Zeiten geht. Für die Bezirkstheater das gefundene Fressen !
28.12. Rette mich, wer kann (CENTFOX) im Studio.
Wieder ein Film mit James Stewart, meisterhaft synchronisiert von Viktor de Kowa, aber wieder einer, der beim grossen Publikum nicht ankommt. Handlung typisch amerikanisch, und schon darin liegt die Schwäche des Films.
28.12. Der Kongress tanzt (SUPERFILM) im Capitol.
In Berlin kam der Film nicht mehr an. Es gab zwar ein recht positives Echo bei der Presse, die das Rad der Geschichte um 20 Jahre zurückdrehen wollte das Publikum war aber anderer Meinung. Auch hier wird die Reaktion in den Erstaufführungstheatern interessant sein. Der Film wurde nach drei Tagen abgesetzt.
11.12. Aufruhr in Marokko (NATIONAL) Filmbühne Wien.
Alter amerikanischer Film, Völlig deplaciert; Geschäft und Erfolg katastrophal.
25.12. Herz in der Hose( PARAMOUNT) Filmtheater Berlin.
Nach allem, was man hören kann, ein typisch amerikanischer Reisser; ich habe ihn noch nicht selbst gesehen.

 

 

Bericht der Allianz-Film Filiale vom 12. November 1951 für Oktober 1951 – 10/51

Auf dem Uraufführungstheater-Spielplan hielt sich Die verschleierte Maja insgesamt 53 Tage. Der Masseneinsatz dieses Films begann am 23. Oktober Am 30. Oktober wurde Wildwest in Oberbayern in einem der neuen Kurfürstendamm-Theater – Filmbühne Berlin – zur Uraufführung gebracht. Der Film erhielt durchschnittliche und gute Presse; geschäftlich war er unbefriedigend. Auch der Ersteinsatz in den Bezirken war nicht zufriedenstellend.
Mit Anlaufen des Films Die verschleierte Maja in den Bezirkstheatern stehen die Filmtheater Berline völlig im Zeichen dieses Films. Nach dem Erfolgsfilm Fanfaren der Liebe haben die Theaterbesitzer Berlins damit einen noch stärkeren deutschen Film auf ihrem Programm – zum Leidwesen der amerikanischen Filmverleiher, die ihre Position dank ihrer Hartnäckigkeit in den Fragen der Pariser Beschlüsse absolut gefährden.
Premieren im Berichtsmonat
a) Eigene Filme – Siehe oben
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Bericht der Allianz Film Filiale Berlin vom 5. Oktober für September 1951 – 09/1951

Die verschleierte Maja, am 31.8. angelaufen, entwickelt sich, wie vorausgesehen, zu einem Kassenschlager Nummer 1. Am heutigen 5. Oktober geht der Film im Uraufführungstheater MARMORHAUS in die 6. Laufwoche. Kritiken wurden Ihnen bereits gesondert zugesandt. Obwohl im Berichtsmonat außer dem Start Die verschleierte Maja keine nennenswerten Theater für unsere älteren Filme zur Verfügung standen, war der Umsatz doch sehr erfreulich, vor allen Dingen unter Berücksichtigung der außerordentlichen Wetterlage. Für die nächsten 3 Monate ist auf alle Fälle bei genügender Kopienunterstützung ein Rekordumsatz zu erwarten.

Premieren im Berichtsmonat:
a) Eigene Filme —-
Für Pallas-Film. 14.9. Schwurgericht im CINEMA PARIS.
Der Eindruck, den dieser Film bei den Film-Festspielen hervorrief, wurde bei der offiziellen deutschen Uraufführung noch vertieft. Er entwickelt sich zu einem ganz hervorragenden Geschäftsfilm und hat nach dem Film Unter dem Himmel von Paris die beste Presse, die ein Film überhaupt gefunden hat. Am Dienstag, den 18.September, wohnte André Cayatte, Regisseur dieses außergewöhnlichen Films, den Vorstellungen bei. Bei einer sich anschließenden Pressekonferenz sprach er sehr eingehend über das neue Filmvorhaben „Zwischen den Grenzen“.
b) Filme der Konkurrenz
1.9. Paramount Die blaue Dahlie Massenstart.
Guter, handwerklich sehr guter Kriminalfilm mit gutem Geschäftserfolg.
1.9. Prisma Die keusche Susanne WALDBÜHNE
Völlig verunglückter Start und mäßige Aufnahme.
4.9. Jugendfilm Texaspolizei räumt auf Massenstart.
Ohne Bedeutung.
4.9. Hansa-Monopol Kritische Jahre DELPHI PALAST AM ZOO.
Großartiger Film im schlechten Verleih und einem für diesen Fiim ungeeigneten Theater. Außergewöhnliche Presse, aber mangels genügender Vorbereitung geschäftlich völliger Misserfolg. Sehr bedauerlich.
7.9. Paramount Wiederaufführung Bengali FILMTHEATER BERLIN.
Sehr gutes Geschäft auch bei seinem Erscheinen nach 16 Jahren. Sehr gute Nachbesetzung.
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Bericht der Allianz Film Filiale Berlin vom 24. Juli für Juli 1951 – 7/51

Der Umsatz für Juli konnte trotz der sehr ungünstigen Witterung (fürs Geschäft) auf einer zufriedenstellenden Höhe gehalten werden. Da mit Rücksicht auf die Wetterlage kein neuer Film herausgebracht worden ist, sind die Umsätze vor allen Dingen mit den Filmen Unter dem Himmel von Paris, Engel im Abendkleid und immer noch Die Dritte von rechts erzielt worden. Auch Schön muss man sein und Der Tiger Akbar haben Ergebnisse erreicht, die noch gut sind. Völlig enttäuschend, wie bekannt, sind die Abrechnungen für Lockende Gefahr, der in nicht einem einzigen Theater auch nur annähernd Durchschnittskassen erreichen kann.

Verschlussmarke für Die verschleierte Maja

Die Propaganda für unsere beiden neuen Filme Die verschleierte Maja und Weisse Schatten ist in Berlin bereits auf vollen Touren. Bei ersterem Film kann nichts passieren, obwohl selbstverständlich im westdeutschen Gebiet bei Zusammenstößen mit den Filmen Skandal in St. Remo [gemeint ist: Sensation in San Remo] und Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen Vorsicht geboten ist. Auch die Presse hat keinesfalls Veranlassung, von vornherein ironische oder abfällige Kritik zu üben. Durch die Kameraarbeit von Bruckbauer hat dieser Cziffra-Film außerordentlich gewonnen, und über die Musik wird man nach 14 Tagen Einsatz in Deutschland Endgültiges sagen können. Es ist billig. heute zu behaupten, dass die Musik aus Die Dritte von rechts populärer ist.
Der große Juli-Schlager in Berlin war der zweiteilige Film Zorro der Geisterreiter von der Republic.
Uraufführungsergebnisse: Sehr positiv Keine Ferien für den lieben Gott, bisher 7 Wochen und Dr. Holl bisher 9 Wochen.

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Bericht der Allianz-Film Filiale vom 15. Juli 1951 für Juni 1951 – 6/51

I/II. Film-Abschlüsse/Film-Umsatz:

Im Gegensatz zu den Erfahrungen früherer Jahre war im Juni ein Absinken der Ergebnisse in Berlin nicht zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil wurde ein Rekordumsatz erzielt, in Berlin überhaupt der stärkste Umsatz seit Bestehen der ALLIANZ. Hauptanteil an diesem bemerkenswerten Erfolg trägt der französische Film Unter dem Himmel von Paris. Auch die ersten Ergebnisse von Engel im Abendkleid sind günstig. Hingegen enttäuscht allgemein Der Tiger Akbar, wie es auch nicht anders zu erwarten war, nachdem die Presse sich so lebhaft gegen diesen Film ausgesprochen hat. Man erkennt daran sehr deutlich, dass minderwertige Filme, selbst bei Starnamen, keine großen Erfolgsaussichten mehr haben. Auch Weh‘ dem, der liebt hat es sehr schwer, sich durchzusetzen. Schön muss man sein dagegen bringt es doch dank der sehr guten Besetzung auf Durchschnittsergebnisse. Das Ergebnis für den Monat Juni ist deshalb besonders erfreulich, weil außer Herzog-Film, der im Juni hundertmal Die Sünderin terminierte, kein anderer Verleih die Ergebnisse der ALLIANZ erreichen konnte. Die ALLIANZ hat auch indirekt sehr stark von den Filmfestspielen profitiert. Die gesamte Aufmerksamkeit seitens der Theaterbesitzer wurde auf uns gelenkt, da die 4 französischen Filme bei ihrem Start in Berlin von uns herausgebracht worden sind. Die Nachfrage nach den beiden Filmen Justice est faite [siehe Schwurgericht]und Sans laisser d’Adresse ist sehr rege und absolut erfolgversprechend. Bei einer gestern stattgefundenen Diskussion wichtiger Berliner Publizisten und Film-Fachleute wurde diese Tatsache ebenfalls sehr stark unterstrichen. Man ist hier in Berlin allgemein der Ansicht, dass diese beiden Filme im Verleih der ALLIANZ erscheinen werden. Die Aussichten für den Monat Juli sind keinesfalls sommermäßig. Die starke Besetzung mit dem Film Engel im Abendkleid und ferner immer noch für Unter dem Himmel von Paris garantieren einen sehr zufriedenstellenden Umsatz. Bei den Konkurrenzfilmen ist im Juli bei folgenden Filmen mit starken Ergebnissen zu rechnen:
Dr.Holl (mit 20 Kopien). – Teufel im Leib (mit 12 Kopien).

Premieren im Berichtsmonat
a) Eigene Filme
Engel im Abendkleid im CAPITOL, Kfd, und ROXY-PALAST, Friedenau.
Der Film erhielt sehr gute Kritiken, die Ihnen und der Hamburger Filiale sofort zugeleitet worden sind und ergab ein zufriedenstellendes Geschäft in beiden Theatern. Man wird in der kommenden Saison dazu übergehen müssen, derartige volkstümliche Filme gleich in Großeinsatz herauszubringen. Die möglichen Kombinationen in Berlin sind gegeben. Rudolf Platte und Inge Meysel wohnten den Vorstellungen in den beiden Theatern bei und hatten einen sehr starken persönlichen Erfolg. Es verdient immer wieder hervorgehoben zu werden, dass Rudolf Platte, wenn er in Berlin ist, stets zu unserer Verfügung steht.

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Bericht der Allianz-Film Filiale vom 15. Mai 1951 für April 1951 -4/51

Der Monat April stand im Zeichen der beiden Erfolgsfilme Die Sünderin und Unter dem Himmel von Paris. Die Sünderin entwickelt sich nach dem Film Der dritte Mann zu dem besten Geschäft in der FILMBÜHNE WIEN überhaupt. Beide Filme erzielten die gleiche Laufzeit, wobei natürlich dem deutschen Film zuzuschreiben ist, dass er eine Durchschnitts-Personenzahl von 1700 pro Tag hatte. Der Film ist auch in der Erstaufführung, die mit 25 Kopien gestartet wurde, wie erwartet eingeschlagen.
Unter dem Himmel von Paris blieb 8 Wochen auf dem Spielplan des CINEMA PARIS und hat damit die zweitlängste Laufzeit eines Films in diesem Theater überhaupt erreicht. Aber auch in der gesamt Berliner Situation gehört nunmehr Unter dem Himmel von Paris zu den Spitzenfilmen der Nachkriegszeit. Die deutsche Fassung wird morgen, am 16.5., den Theaterbesitzern gezeigt.
Premieren im Berichtsmonat:

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Bericht der Allianz Film Filiale Berlin vom 1. Juni für den Monat Mai 1951 – 5/51

Der Umsatz konnte gegenüber dem Monat April um ca. DM 10.000 erhöht werden. Obwohl von Seiten der Konkurrenz großartige Geschäftsfilme auf dem Spielplan standen, von denen Die Sünderin, die mit 25 Kopien im Einsatz war, alles überragte. Das absolut Positive unseres Programms ist das Nichtnachlassen des Films Die Dritte von Rechts, der, obwohl nunmehr im 6. Spielmonat stehend, immer noch besetzt wird und von den verschiedenen Theatern zum 2. und 3. Male eingesetzt wurde. Unter dem Himmel von Paris, der stolzeste Erfolg der ALLIANZ FILM seit ihrem Bestehen, hat weder in der ersten, noch in der zweiten Aufführungswelle geschäftlich enttäuscht. Ganz im Gegenteil sind die Resultate sehr beachtlich und für einen ausländischen Film in den einzelnen Theatern ungewöhnlich gut. Die Ergebnisse von Schön muss man sein und Das ewige Spiel sind unterschiedlich. Der Erfolg, den manche von Schön muss man sein wahrscheinlich erwartet haben, kann in Berlin nicht eintreten.

Premieren im Berichtsmonats
a) Eigene Filme
1.5. Weh dem, der liebt in der BONBONNIERE.
Der Film lief bis einschließlich Pfingsten. Leider fehlt es diesem Film an Temperament, und er wird überall nur ein Durchschnittsgeschäft erreichen können, da die Komiker Rudolf Platte, Meyerinck, Sima und Pfeiffer nicht zum Ausspielen kommen. Gretl Schörg ist noch nicht populär genug, um einen Film schon allein zu tragen. Arno Assmann ist ein viel besserer Charakterdarsteller wie Liebhaber. Vergleichen Sie bitte die Filme Der Ruf und Der Apfel ist ab. Er könnte von einem geschickten Regisseur auf den Gründgens-Typ gebracht werden. Der Film wird in Anbetracht des Sommerwetters normal über die Bahn gehen und wird weder nach der einen noch anderen Seite überraschen. Zweifellos ist das beste bei diesem Film der Reklamevorspann.
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Bericht der Allianz-Film Filiale Berlin vom 3. April 1951 für März 1951 – 3/51

Der Monat März war fast gleich stark wie der Rekordmonat Februar. Die Dritte von rechts erzielt in ziemlich allen Theatern sensationelle Einnahmen, die mit Recht einen nochmaligen Einsatz des Films im gleichen Theater erbrachten.
Trotz größter Konkurrenz internationaler Spitzenfilme und Filmen deutscher Produktion sind Theater, in denen Die Dritte von rechts gezeigt wurde, niemals ernstlich bedroht gewesen. Das gleiche Geschäft ist auf keinen Fall von Schön muß man sein zu erwarten, wie vielleicht Voreilige behaupten würden.

Premieren im Berichtsmonat
a) Eigene Filme
21.3. Welturaufführung Unter dem Himmel von Paris im CINEMA PARIS
24.3. Schön muss man sein im ASTOR
30.3. Ein bezaubernder Schwindler in der BONBONNIERE

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Carl Hoffmann: Kleine Geheimnisse um den Faust-Film (1926)

Carl Hoffmann (links) und F.W. Murnau

Der FAUST-Film war nach den NIBELUNGEN für mich die Erfüllung eines langjährigen Wunsches. Wieder konnte ich mich einer wahrhaft großen Aufgabe mit großer Hingebung widmen, obgleich ich mir von Anfang an keineswegs die Schwierigkelten verhehlte, die gerade dieses Thema bot.
Man muss mit phantastischen Bildern rechnen, aber bei einem Sujet wie FAUST, das so tief in der deutschen Volksseele wurzelt, war die gewisse Linie, die das Erhabene vom Lächerlichen trennt, so haarscharf gezogen, dass sich schon daraus unübersehbare Schwierigkeiten ergaben. Und trotzdem bildete die Mystik, von der die alte Volkssage vom Dr. Faustus erfüllt ist, den Hauptanreiz für mich. In diesen Bildern konnte man am besten jene Seite des Films zeigen, an der er dem Theater überlegen ist.

Voraussetzung für eine geschlossene künstlerische Linie war in diesem Falle eine gewisse Gebundenheit an Zeit und Raum. Gerade dieser Film durfte nicht, wie sonst üblich, einfach in Einzelszenen zerlegt werden, die man bald im Atelier, bald in der Natur drehen konnte. Deshalb entschloss sich Murnau – und ich stimmte ihm vollkommen bei – den ganzen Film im Atelier zu drehen. Andererseits lag ja die Möglichkeit nahe, alte deutsche Städte als stilvollen Hintergrund zu wählen.
Die schwierigste Aufgabe für mich war es, nicht nur gestellte Landschaften im Atelier zu drehen – das war schließlich nichts Neues -, sondern auch die atmosphärischen Stimmungen zu schaffen, aus denen speziell der Fachmann nur allzu leicht den Unterschied zwischen Frei- und Atelieraufnahmen erkennt. Es gelang mir zur besonderen Genugtuung, dass ich von anerkannten Fachleuten gefragt wurde, ob die Schneesturmnacht und die Heideszenen auch im Atelier gedreht wurden, und dass man mir nicht glauben wollte, als ich dies bejahte. Wie es gemacht wurde? – Alle Geheimnisse will ich ja nicht preisgeben, aber eines darf ich doch ausplaudern. Stellen Sie sich einen großen Raum (das Atelier) vor. Entfesselte Feuerlöscher, Wasserdampf, der aus Dutzenden von Rohren hervorquillt, dazu noch Dämpfe der verschiedensten Säurearten, alles durch Flugzeugmotoren im Chaos herumgewirbelt … dann haben Sie ungefähr ein Bild der Beschwörungsszene.
Der Schneesturm? – Der Boden des Ateliers war ungefähr 30 cm hoch mit Kochsalz bedeckt. Dann traten drei Flugzeugmotoren in Aktion, die die Salzmassen nicht nur in Bewegung brachten, sondern auch selbst noch große Mengen von Salz durch die Luft trieben. Es war gerade kein Vergnügen, in diesem Salzsturm zu arbeiten. Camilla Horn, das arme Gretchen, hat mir geschworen, dass sie noch nie im Leben solchen Durst hatte wie nach diesen Aufnahmen. Dagegen war es pure V erleumdung, als die Kollegen am nächsten Tag behaupteten, die roten Flecken im Gesicht der Künstlerin waren eine Folge des – Durstlöschens. Sie waren eine Folge des beissenden Salzsturms, der weit schlimmer war als ein wirklicher Schneesturm.

Gösta Ekman, unbekannte Frau, Emil Jannings

Sooft Mephisto am Anfang des Films erscheint, begleiten ihn schwarze Wolken, die die Sonne verdunkeln. Die Wolken bestanden aus dunkler. trockener Farbe, vermischt mit Russ, der durch kleine Windmaschinen empor gewirbelt wurde. Während dieser Aufnahmen waren Schornsteinfeger weiße Lämmchen gegen uns.
Das alles sind Tricks, die anzuwenden jeder Operateur mal in die Lage kommen kann. Wirklich stolz aber bin ich auf die Tatsache, das es mir als erstem gelang, bei dem Flug Mephistos mit Faust ganz kleine Modelle auf das Filmband zu bringen , dass sie, wie auch die strengsten Kritiker zugeben, den Eindruck vollkommener Natürlichkeit machen. Die technischen Schwierigkeiten, die es in diesem Falle zu überwinden galt, waren enorm. We sie schliesslich doch überwunden wurden, entzieht sich natürliich einer öffentlichen Erörterung. Ich habe mit voller Hingabe Monate hindurch Tag und Nacht an der schönen Aufgabe gearbeitet, die mir gestellt worden war. Aber ich habe auch – außer vielleicht bei den NIBELUNGEN – noch nie so viel Freude und Genugtuung an dem Gelingen des Werkes erlebt wie in diesem Falle. Meine schönste Hoffnung ist es, bald wieder mit meiner photographischen Kunst an einem solchen Standard-Werke mitwirken zu dürfen und so das Meinige dazu beizutragen, die deutche Filmkunst weiter zu führen auf dem Wege zu Gipfelleistungen, die uns alle vorschweben.

Erschienen im Ufa Pressedienst, Nr. 151, Berlin, 30.10.1926.; nachgedruckt in Filme, Berlin, Nr. 9, Mai/Juni 1981

Dr.Willy Roelinghoff: „Berlin“, das Schicksal eines Films (1924)

Joe May besucht Carl Mayer in Lychen, 1. Juni 1930
Quelle: Deutsche Kinemathek – 198416 MAY

Ich will den Fall in seiner ganzen historischen Wahrheit aufrollen:
Im Jahre 1915, als es noch Krieg gab, hatte ein Schriftsteller den Gedanken, einen Film zu schreiben. Der Gedanke war weniger neu als das Sujet, dem dieser Gedanke diente. Da man nämlich damals Filme nur mit Hindernissen exportieren konnte, so wählte der genannte Autor ein Thema , das für sein engeres Vaterland von Interesse war. Und er schrieb einen Film mit den Haupttitel „Berolina“.
Im März des Jahres 1924 erschien in der Film B.Z. folgende kurze Notiz: „Berlin“ ist der Titel eines Films, den Carl Mayer verfasst hat.“ Diese Notiz, verschwindend kleinen Umfangs, entging auch solchen Lesern, die für sie das größte Interesse haben sollten. Unter diesen dem obenerwähnten Autor und der May-Film A.-G.

Joe May, dem es nicht an originellen Ideen fehlt, kam auf den Gedanken, es sei gut und zeitentsprechend, der Mitwelt zu zeigen, was Berlin ist und was es kann. So beschloss er denn, einen Film zu gebären, der „Berlin, das Schicksal einer Stadt“ heißen sollte. Schrieb auch flugs ein Manuskript und ließ in der ihm eigenen Unternehmungslust gleich eine Anzahl von Aufnahmen mit dem Schauplatz Berlin machen. Ordnungsgemäß versandte er auch optima fide eine kurzgehaltene Notiz an die Presse, die von seiner Arbeit Mitteilung gab. Dieser knappe Waschzettel wurde, wie das ja so oft geht, von jedermann übersehen, darunter auch von den beiden eingangs genannten Schriftstellern.
Tragisch wurde die Angelegenheit erst, als der unselige Verfasser dieser Betrachtung die Maysche Notiz durch Zufall las und sich bei der May-Film Direktion einen Kommentar hierzu erbat und erhielt. Was er erfuhr, war höchst interessant. Es erwies sich, das May einen Gedanken aufgegriffen hatte, der sozusagen in der Luft lag. Kam doch auch fast gleichzeitig eine französische Gesellschaft auf die Idee, einen Film „Paris“ zu machen. Jedes Volk hat heute nach dem kulturzerstörenden Kriege und seinen noch mehr kulturzerstörenden Folgen das Bedürfnis, aufzubauen. Und nur natürlich ist es, dass es seinen neuerrungenen status quo nunc zu Zelluloid bringt. Frankreich macht Paris, Deutschland Berlin und Montenegro Zetinje – da kann man vergleichen, wer etwas Neues und Gutes geschaffen hat. Daher der Name „Anschaungsfilm“ und „Kulturfilm“.
Herr Carl Mayer, der meinen Artikel gelesen hatte, war inzwischen, nachdem die Rex-Film sein Manuskript aus monetären Gründen abgelehnt hatte, mit der Ufa in Verbindung getreten und erreichte, dass die Ufa für seine, wahrscheinlich ausgezeichnete Arbeit Interesse bekundete, was verständlich ist, wenn man sich daran erinnert, dass Herr Carl Mayer den Caligari hervorgebracht hat, der die ganze Welt erfreute. Er schrieb darauf einen sehr entrüsteten Brief an die May-Film, der er Fehde ansagte. Auch die Ufa sprang in dies Geplänkel und richtete ihre Prioritätskanone gegen das Glashaus der Firma May-Film. Die May-Film erklärte darauf, ihr sei nicht das geringste darüber bekannt, dass Herr Carl Mayer einen Film namens „Berlin“ in der B.Z. angezeigt habe. Es fand sich aber tatsächlich – wie schon oben erwähnt – dass der ominöse Zweizeiler in der Film B.Z. abgedruckt worden war…..
Dieses ist der Tatbestand: Herr Carl Mayer hat einen Film namens Berlin angezeigt. Inhalt jedermann, vor allem aber der May-Film unbekannt. Das wurde mir heute von den Herren Direktoren der Gesellschaft erhärtet. Die May-Film hat also ein Manuskript hergestellt oder herstellen lassen, dessen Inhalt sich unter keinen Umständen mit dem Inhalt des Mayer-Films deckt. Zufall ausgeschlossen. Aber die Ufa kommt mit der Prioritätskanone und sagt: “Wenn du deinen Film herausbringst, so schieße ich Dir sofort eine einstweilige Verfügung in Deinen Glasbauch.“ Mit welchem Rechte? Ganz einfach mit dem Rechte dessen, der die lächerlichste und gefährlichste aller Usancen für sich hat. Die deutsche Filmindustrie sitzt nämlich auf dem Gewohnheitscodex, in dem die Formel enthalten ist: „Hat irgend jemand einen Film öffentlich angekündigt, so hat kein anderer mehr das Recht, diesen Film herzustellen.“ Im vorliegenden Falle: Berlin ist gleich Berlin, etwa so, wie die Reichsbank einmal sagte: Mark ist Mark. Auf die Gleichheit des gedanklichen Inhalts kommt es gar nicht an. Berlin ist Berlin.
Vielleicht hat Herr Mayer einen Spielfilm geschrieben, während May einen Anschauungsfilm sah – einerlei: Berlin ist Berlin. Velleicht hat die Ufa das Manuskript noch gar nicht erworben, vielleicht handelt es sich einstweilen nur um einen Entwurf und das Regiebuch liegt noch im Zeitenschoße? Einerlei: Berlin ist Berlin. Shylok-Ufa besteht auf ihrem Schein. Sie steht auf der Tradition, auf der Usance und legt das Zündhütchen auf die Prioritätskanone…
Nun aber bitte ich, ergenst nachzulesen, was am Anfange dieser Betrachtung von mir berichtet worden ist. Dass nämlich anno 1915 ein Schriftsteller, den ich vielleicht kenne, einen Film des namens „Berolina“ geschrieben hat. Mehr noch; dass dieser Schriftsteller in irgendeiner Zeitung dieses Ereignis publiziert hat. Wie nun, wenn dieser Schriftsteller plötzlich aus der Versenkung auftaucht und seinerseits ein Prioritätskanönchen auffährt oder mit einer Vorhandgranate aufwartet? Die Folgen? Nicht Joe May, nicht Carl Mayer und nicht die Ufa dürfte den Film vorführen. Nur dem Autor X. bliebe es vorbehalten, seine filmischen Todestrahlen gegen die Glashäuser derjenigen, die er als Nachahmer bezeichnet, zu richten. Oder ist „Berolina“ nicht gleich „Berlin“? Ja, dann könnte ja auch die May-Film allen Unbequemlichkeiten aus dem Wege gehen, indem sie ihren Film etwa „Spreeathen“ betitelte.

Zum Schluss noch eine bescheidene Frage. Zwei Fabrikanten machen sich, von der Duplizität der Ereignisse gepackt, an dasselbe Sujet. Die anuskripte sind fertig und liegen in den Archiven. Der eine von ihnen will allen Ernstes drehen, der andere denkt gar nicht daran. Wie lange, bitte, muß der ernthafte Fabrikant warten, bis er sein, durch den Prioritätsfimmel gedeckte Projekt, verwirklichden darf? Eine Filmsaison oder ein Menschenleben?

In: BZ am Mittag, 29.6. 1924, Nr. 176

Walter Ruttmann: Mein neuer Film (1926)

Der Film soll rentieren. Das heißt: Er soll nicht nur einer Gemeinde auserlesener, sondern vielen, sehr vielen, am liebsten allen gefallen. Diese Forderung hat durchaus nicht nur geschäftliche, sondern vor allen Dingen kulturelle Bedeutung. Denn nach Jahrhunderten, in denen künstlerische Interessen immer mehr zu Vereinsangelegenheiten verkümmerten, ist plötzlich durch den Film wieder ein Instrument auf die Welt gekommen, das zu Allen spricht und überall Resonanz findet. Gerade aus diesem Grunde wird natürlich bezweifelt, dass der Film Kunst sei. Denn man hat sich daran gewöhnt zu glauben, dass „Kunst“ ein Ding ist, das nur für wenige, besonders dazu geschulte existiere. Aber es ist Kunst. Natürlich nicht in all seinen Erzeugnissen; aber er kann es sein und wird es vor allen Dingen sein – nicht zuletzt deshalb, weil er sich an alle wendet.
Es wirkt vermutlich überraschend, dass gerade ich diese Popularität und Allgemeinverständlichkeit des Films propagiere, der ich mit meinen stofflosen „absoluten“ Filmen Dinge schuf, die zwar alle in Erregung versetzen, aber vorläufig nur von einem Teil des Publikums ganz einfach genossen werden, und die dadurch scheinbar außerhalb der normalen Entwicklung des Films stehen. Scheinbar! Denn gerade diese ganz konsequente Betonung der rhythmischen und dynamischen Gesetzmäßigkeiten des Films, wie sie einst in meinen „absoluten“ Lichtspielen geschah, beginnt nun bereits, als selbstverständliches Erfordernis in die allgemeine filmische Gestaltung einzugehen. Regisseure versichern mir heute, dass sie den filmischen Kontrapunkt , den ich aufstellte, gründlich verdaut und dauernd in ihrer Weise verwendet haben.
Als ich vor vielen Jahren in der Erkenntnis, dass der Film die Kunst unserer Zeit ist, meine ganze Arbeit auf den Film konzentrierte, bestand im Rahmen der Industrie noch keine Möglichkeit, ohne unerträgliche Kompromisse reine Filmsprache zu sprechen. Ich ging also meinen Weg für mich allein. Denn es war mir wichtiger, eine einfache Melodie richtig zu spielen, als gigantische Symphonien zu pfuschen. Heute aber wird mir die Bestätigung, dass mein Weg richtig war. Die Europäische Fox-Produktion stellt mich vor die Aufgabe, an einem großen, rein „stofflichen“ Film die Lebensfähigkeit meiner Film-Anschauungen zu beweisen. Mit Freuden gehe ich an diese Arbeit, die mir endlich die Möglichkeit schafft, zu allen zu sprechen.
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Filmen, in denen ich reine ornamentale Formen in Bewegung setzte, werden hier die jedem bekannten Dinge unserer Umwelt zu dramatischem Ablauf tzusammengeballt und ergeben in ihrem Querschnitt – ohne Bindung an eine theatermäßige Handlung – die Symphonie der Großstadt.

In: BZ am Mittag, 9. Juli 1926. Nr. 185, Film-BZ Nr. 53
Dank an Jean-Paul Goergen

Herlth und Röhrig zum Faust-Film

Vor einiger Zeit schrieben mir zwei der bekanntesten Berliner Filmarchitekten u.a. folgendes: “ Sie wissen ja, welche eine schwere Arbeit der Faust-Film war. Sie haben sich selbst davon überzeugt, welch einen Anteil gerade wir Maler an der bildlichen Konposition dieses Films hatten und als Fachmann verstehen Sie ohnehin, was für derartige Stoffe das weiße, leere Papier bedeutet. Ich meine … anfangs, war keine Vorstellung ausser der Handlung …. da mußten nur wir herhalten.
Wie aber sieht es jetzt aus? Wie stellt sich die Firma zu unserer Arbeit? Sie hat den Film an eine andere Firma verkauft und da kennt man uns nicht einmal (so scheint es), man weiß noch gar nichts von dem eigentlichen Hergang der künstlerischen Schöpfung dieses Films. Soll es so sein? Halten Sie das für eine gerechte Regelung der Anerkennung künstlerischer Arbeiten? Für jede Kunstgattung existiert das Urheberrecht, und wenn ich auch zugeben muss, dass in den Augen der grossen Masse der Filmproduktion der Arbeitsanteil des Architekten und Malers nur verhältnismäßig gering ist, so waren es dennoch in diesem Falle beim Faustfilm bestimmt Maler, Filmleute schlechthin.“
Diese Anklage zweier filmisch so anerkannter Künstler wie Herlth und Röhrig scheint mir nicht zu Unrecht erhoben zu sein. Wenn auch die Namen dieser beiden Malerarchitekten auf einer ganzen Reihe von Ankündigungen des obigen Films zu lesen sind, so hat man sie dennoch viel zu wenig der großen Öffentlichkeit, sowohl der Fachwelt wie auch dem Publikum bekannt gegeben, man hat zwar immer wieder vom Regisseur und den Hauptdarstellern gesprochen, von dem vielen Geld, das dieser Film gekostet hat, von den großen Erwartungen, denen man sich hinsichtlich seiner Auswertung (mit Recht) hingibt, aber wenig, viel zu wenig, fast gar nicht von dem Architekten und dem Kameramann.
Das sind unstreitig Unterlassungssünden, zumal sich gerade dieser Film wie wenig andere, auf dem Optischen, dem Filmarchitektonischen vollständig aufbaut, jede Szene sich dem Beschauer so darbietet, als wenn Milieu, Format und Bewegung des Bildausschnittes von einem einzigen Künstler geschaffen wären. Das schmälert nicht im mindesten das Verdienst des Regisseurs, aber es rückt dasjenige der Filmarchitekten besonders in den Vordergrund, zumal man sich vor Augen halten muss, dass wirklich “im Anfang das leere Blatt Papier war“. Denn wir wollen uns doch darüber klar sein, dass auch der genialste Regisseur unbedingt der Kulisse, des Hintergrundes seines Gestaltens bedarf, um seelische Vorgänge ins Bewegungstechnische und Reinoptische transponieren zu können. Seinerzeit schrieb ich bereits gelegentlich eines Atelierbesuches über die eigenartige Bauweise von Herlth und Röhrig , ihr ausgesprochen perspektivisches Bauen, ihre Tendenz, alle Vorgänge so in das Bild zu stellen, dass schon die Größenverhältnisse, die Formen und die Farbabtönungen der Gegenstände an sich das Verständnis und Empfinden der Zuschauers unterstützen und beflügeln. Es ist wohl durchdachte und künstlerisch auf feinste abgestimmte Absicht der beiden Architekten , dass zum Beispiel in Gretchens Zimmer sich ein (scheinbar) riesengroßes Fenster befindet, hinter dessen Butzenscheiben der gigantische Schatten von Mephisto oder Faust sichtbar wird. Wohl erwogene Absicht, dass Mephistos Teufelsfratze beinahe eine ganze Wand ausfüllt, während sich die Klingen von Valentin und Faust auf der nächtlichen Gasse kreuzen. Alle diese winkligen Gassen und Gässchen, diese Erker und Ecken, diese leeren und hallenden Domräume, der gleichsam über einen unermesslichen tiefen Abgrund hinwegführende, ansteigende Viadukt, über dessen Geländer sich Mephisto hinabbeugt, diese Überschneidungen der Dekorationen und gleichsam auch der Geschehnisse stellen einen ganz neuen Abschnitt der Filmarchitektur vor: Das optische Bauen.
Man hat schon früher ähnliches versucht, seelische Impressionen in das Lokalkolorit überführt, Dekorationen gebaut, die sich aufs engste schon in ihrer Form dem psychischen Geschehen, das in ihnen spielt, anpassen, aber es scheint mir, als ob man noch in keinem Film diese Absichten und diesen Weg so zielbewusst und systematisch verfolgt hat wie im Faust.
Kommen wir zum Brief von Herlth und Röhrig zurück! Wirklich muß man fragen, wann endlich dem künstlerischen Filmarchitekten und Filmmaler im Werk und im Abglanz seines Werkes diejenige Stellung eingeräumt werden wird, die der Kameramann in allerjüngster Zeit zu erringen sich auf dem besten Wege befindet. Es soll keiner eine Extrawurst bekommen, aber auch keiner, dem ein großes Verdienst an einem bedeutsamen Werk gebührt, sollte beiseite stehen.

-o- in Film-Kurier, 13.10.1926

Robert Herlth: Ausgestaltung und Ausstattung (1960)

Anmerkungen zur Problematik der Filmarchitektur (1960)

Filmarchitektur vor vierzig Jahren, das war etwas ganz anderes als Filmarchitektur heute. Daran ist nicht nur das künstlerische Stilgefühl schuld, das sich mit der Zeit wandelt, auch die Entwicklung des technischen Apparates trug dazu bei, neben ihr leider manche laienhafte Vorstellung, die unter Autoren und anderen am Zustandekommen des Films Beteiligten mitunter herrscht. So kommt es, dass die kulturgeschichtlichen Stilformen durch die Ausdrucksformen des Films mitunter recht gewaltsam verändert werden.

Wie sah es denn vor vierzig und fünfzig Jahren aus? In den Säuglingsjahren des Kintopps hatte man zum Beispiel dem Theater die Kulissentechnik abgesehen. Nahezu alles Dekor pinselte man auf Leinwand und hängt es großflächig im Atelier auf. So arbeitete man auch noch während des ersten Weltkrieges, aber nicht etwa, weil den Leuten nichts Besseres einfiel, sondern weil die primitiven, noch zu ebener Erde stehenden Kohlenfadenlampen sonst gespenstisch irritierende Schatten auf die räumlich hintereinander stehenden Kulissen geworfen hätten. Deshalb waren Filmarchitekten seinerzeit auch nicht von Haus aus Architekten, sondern Kunstmaler, Expressionisten. Sie machten in diesen künstlerisch bewegten Nachkriegsjahren expressionistische Dekors zu einem wesentlichen Element der filmischen Bildsprache. Der Höhepunkt dieser Entwicklung lag 1920 in dem Film Das Kabinett des Dr. Caligari, dessen mystisch-skurrile Handlung durch abstrakt gemalte Kulissen, schiefe Wände und verrissene Perspektiven charakterisiert wurde.

1923 änderte sich das schlagartig. Der Produzent Erich Pommer gab uns Zeit und Geld genug, während der Dreharbeiten zu dem Murnau-Film Der letzte Mann ein volles Jahr lang zu experimentieren. So erfanden wir tausenderlei, unter anderem den Kamerakran und die Beleuchterbrücke, die, hoch in den Lüften schwebend, von der Atelierdecke herab hing und die Lichtfluten in Kulissenschluchten strahlen ließ. Nun konnten wir der Szenerie durch eine Vielfalt von Möbeln und Requisiten plastische Tiefen verleihen. Trotzdem wurde bei Murnau alles Dekor bis zum Einfachsten stilisiert. Im Gegensatz zu den heutigen Ausstattungsorgien duldete er kein Requisit, dem nicht eine dramaturgische Funktion zukam. Im Tartuffewwaren die Rokoko-Dekorationen für ihn keinesfalls Staffage, sondern optisches Symbol für das Lebensgefühl des Menschen jener Zeit. Im Faustfilm mit Emil Jannings begannen wir 1926 erstmalig, nicht nur mit dem Pinsel, sondern auch mit dem Licht der Scheinwerfer zu malen. Um die richtige Atmosphäre zu zaubern, wurde jede Kameraeinstellung zwei Stunden lang ausgeleuchtet – eine Kunst, die heute fast in Vergessenheit geraten ist.

Mit den monströsen Ausstattungsschinken begann schon wenig später die Verwilderung der Filmarchitektur, Bei Quo Vadis (Italien 1924/25; R: Gabriellino d’Annunzio, Georg Jacoby) kann man von Stil gar nicht mehr reden. Für die Zehn Gebote (The ten commandements. USA 1925; R: Cecil B. deMille) ließ Cecil de Mille seine „ägyptischen“ Bauwerke im Barockstil errichten. So könnte man noch Tausende von schlechten Beispielen anführen. Diese Stilsünden mögen jedoch weniger auf die Unwissenheit der maßgebenden Leute zurückzuführen sein, als vielmehr darauf, daß diese nicht die filmischen Möglichkeiten erkennen, die in der Anwendung einer kulturgeschichtlich echten, aber im Filmkassenerfolg noch nicht erprobten Architektur liegen,

Früher konnte sich der Architekt monatelang auf einen Film vorbereiten. Heute setzt man ihn erst drei Wochen vor Drehbeginn von der neuen Aufgabe in Kenntnis. Über die Problematik der Bauten und Dekors wird kaum noch gesprochen. Lediglich einige Spitzenregisseure wie Helmut Käutner, Kurt Hoffmann, Rolf Thiele oder Harald Braun, mit dem ich monatelang über die Ausgestaltung der Buddenbrooks diskutiert habe, machen eine Ausnahme,

Andererseits soll man die Stilformen der Vergangenheit auch nicht zu sklavisch, imitieren. Wir mussten zum Beispiel die Hälfte allen Dekors aus dem Buddenbrook-Haus wieder herausräumen, da die erdrückende Fülle der Gemälde, Tischchen, Konsolen und Kästchen sonst als penetrante Karikatur gewirkt hätte. Im Film kann ja der paradoxe Fall eintreten, dass kulturgeschichtlich echtes Dekor auf den Betrachter von heute durchaus unecht wirken kann. Es kommt eben darauf an, nicht nur ein paar Möbel zu arrangieren, sondern das Raumgefühl überzeugend zu gestalten. Bei den Buddenbrooks hatte ich seit langem wieder genug Zeit, das Raumgefühl im Sinne von Thomas Mann auf etwa 500 Skizzen langsam zu entwickeln, bevor die Handwerker an die Ausführung gingen.
Im allgemeinen aber hinkt die Filmarchitektur heute um mehrere Jahrzehnte hinter der Stilentwicklung der darstellenden Künste her, Man gibt dem Filmarchitekten auch keine großen Aufgaben mehr wie seinerzeit beim Letzten Mann. Alles stagniert und ist maßlos langweilig geworden. Vielleicht liegt es an der Monotonie der Filmthemen oder daran, dass niemand mehr wagt, dem Publikum etwas Wirklich Revolutionäres anzubieten. Es müsste aber doch möglich sein, im Film den Anschluß an die Stilrichtung der modernen Photographie zu erreichen und weiterzugeben – auf der Linie etwa die durch die Filme Ein Amerikaner in Paris ( An American in Paris; USA1951; R: Vinecente Minelli) und Moulin Rouge (USA 1952; R: John Huston) vorgezeichnet wurde.
In: Filmforum, Nr. 4, April 1960

Die mysteriöse Geschichte der Faust-Bibel

Der Film Faust ist in den Jahren 1925/ 26 gedreht worden; die Faust-Bibel erhielt Murnau als Abschiedsgeschenk nach dem Ende der Dreharbeiten am 24. März 1926 von dem Filmarchitekten Robert Herlth. Produzenten schenkten ihren Stars zum Abschluss der Dreharbeiten gelegentlich ein Photoalbum mit Szenen- und Werkphotos zur Erinnerung an das gemeinsame Werk – – nur war dies ein Geschenk des Architekten Robert Herlth und deshalb etwas Besonderes.
Faust war der letzte Film, den Murnau in Deutschland und für die Ufa drehte; Murnau hatte im Januar 1925 schon einen Vertrag mit der Fox in Hollywood abgeschlossen; das Ticket für die Passage nach New York war für Ende Juni 1926 gebucht; die Premiere von Faust fand erst im Oktober in Berlin statt.
Der Film gehört zum festen Kanon der deutschen Filmklassiker; die Filmhistoriker und alle, die sich für die Kultur der Weimarer Republik interessieren, kennen ihn – dem Rest der Filminteressierten wird er, stumm und schwarz/weiß, herzlich egal sein. Und was ist, was könnte die Faust-Bibel sein? Darauf gibt es mehrere Antworten, denn die Bibel ist ein Objekt mit verschiedenen Identitäten.
Der Filmarchitekt Herlth selbst gibt auf der Innenseite des Umschlags der Bibel eine Erklärung: „Der Einband dieses Buches stellte im Faust-Film Faustens Bibel dar.“ Nun gibt es in der Bibliothek des gelehrten Faust viele Bücher und Folianten, die als Bibel gelten könnten. Was ist also mit dem Wort „Bibel“ gemeint? Hier ist eine Vermutung: Als Faust zu einer an der Pest erkrankten Frau gerufen wird, flösst er ihr ein Medikament ein, das er selbst entwickelt hat. Aber das Medikament wirkt nicht, die Frau stirbt.
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Über Fritz Lang I (Emil Hasler)

Es wird ja viel Schlechtes über Lang gesagt. Wer aber jemals mit ihm gearbeitet hat, der wusste haargenau, was Lang konnte. Er hat doch noch bis in das Negativ hinein gearbeitet, also in das Negativ beispielsweise einen Blitz hineingekratzt.
Seine Drehbücher hatten das Format einer doppelten Schreibmaschinenseite. Das sah dann so aus: Alles, was schwarz angezeichnet war, wurde mit Direktton aufgenommen; blau bedeutete Playback, rot Synchronatelier. Der hat sich ja eine tierische Arbeit vorher gemacht. Das Drehbuch war eigentlich schon ein fertiger Film. Bei M musste ich ihm neben die Haupteinstellungen auch noch die Grundrisse einzeichnen. Das war eine fiese Arbeit. Eigentlich konnte Lang ja sehr gut zeichnen, nur mit den Perspektiven kam er nicht zurecht. Das mussten wir ihm dann ins Buch zeichnen.
Emil Hasler