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Horst Zumkley: War Marlene Dietrich vor 75 Jahren Gast beim Nürnberger Prozess?

Anmerkungen und Bibliografie der zitierten Literatur am Ende dieses Beitrags.

 

Marlene 1945 in Kirchheimbolanden

I Der erste Prozess vor dem Internationalen Militärgerichtshof gegen die Hauptkriegsverbrecher des Nazi-Regimes wurde vor 75 Jahren, vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946, in Nürnberg durchgeführt. Das Verfahren, das Rechtsgeschichte schrieb, war von Anfang an öffentlich und mit etwa 250 akkreditierten Zeitungs- und Rundfunk-Berichterstattern aus aller Welt ein großes Medienereignis [1].
Die Autorin Eva Gesine Baur schreibt in ihrer Marlene-Dietrich-Biografie, dass Marlene als Zuschauerin am 27. November 1945 am Nürnberger Prozess teilgenommen hat; auf die Idee zu diesem Besuch habe sie Billy Wilder gebracht (Baur, 2017, S. 311). Marlene habe auf dem Gästerang in amerikanischer Uniform gesessen und abends in einer pompösen Bar, umlagert von einem Schwarm von Bewunderern, lächelnd Autogramme verteilt (S. 312).
Auch Heinrich Thies schreibt ein halbes Jahr später in seiner Doppel-Biografie über Marlene und ihre Schwester Liesel, Marlene habe 1945 „einige Stunden lang miterlebt, wie es bei den Nürnberger Prozessen tatsächlich zugegangen war. Die Amerikaner hatten ihr heimlich einen Platz auf der Besuchertribüne verschafft“ (Thies, 2017, S. 303). Als Quelle dafür gibt er das Baur-Buch an (Thies, 2017, S. 405).
Wenn das stimmte, wäre es in der Biografie von Marlene Dietrich eine echte und nicht unwichtige Neuigkeit, die bisher völlig unbekannt geblieben ist.
Mir waren – bis auf die Baur-Biografie – keine Hinweise, Berichte oder Zeugnisse bekannt, die diesen Prozess-Besuch erwähnen, bestätigen oder belegen – weder in der Autobiografie von Marlene noch in ihren vielen Interviews, weder in der Biografie ihrer Tochter Maria Riva noch im Buch und der Film-Dokumentation ihres Enkels J.D. Riva findet sich dazu etwas. Und auch in den vielen Marlene-Biografien (z.B. von Bach, Higham, Spoto, Sudendorf, Walker) wird das nicht erwähnt; ebenso wenig im Ausstellungskatalog der „Gedenkhalle Oberhausen“ (2016), der Marlene Dietrichs Aktivitäten gegen das Nazi-Regime dokumentiert.
Bei dem Baur-Buch handelt es sich um eine „fiktionalisierte“ Biografie, in der quellenbezogene Fakten frei ergänzt und zu einem neuen, romanhaftem Ganzen zusammengefügt werden [2]. Ist der Prozess-Besuch von Marlene im November 1945 also eine Tatsache oder eine romanhafte Erfindung? Auf welche Quellen stützt sich Eva Gesine Baur bei ihrem Bericht? Weiterlesen

Auch die „wüste“ Ida war dagegen

Gestern stand Ida Wüst vor der Entnazifizierungskommission

Vorbemerkung: Leider konnte ich keine Rechtsnachfolger von S. S. von Varady ausfindig machen. Der Text erscheint deshalb vorläufig ohne rechtliche Absicherung.
Eine weitere Reportage über dieses Verfahren erschien im SPIEGEL vom 27. 9. 1947 – https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41121975.html
1949 wurde Ida Wüst in einem erneuten Verfahren als entlastet eingestuft.

Ida Wüst

Der Feuerwehrball von Groß-Glienicke wurde diesmal in der Schlüterstraße abgehalten. Ida Wüst versuchte sich zu rehabilitieren. Die holde Ida, inzwischen ein zittrig – trippelndes Muttchen geworden, kam mit der Hautevoléé von Groß-Glienicke, mit dem früheren Bürgermeister und dem heutigen. Ida entpuppte sich al die größte Wohltäterin des Planeten. Von Juden und Verfolgten hatte sie keinen vorgeladen. Aus Takt.
Mir ist beinahe übel geworden. Doch Ida hielt stand. Eine Krankenschwester mit Kölnisch Wasser, ein früherer Journalist mit Rotem-Kreuz-Bonbon als Schulterklopfer und Beschwichtiger und mehrere Stimmungsmacher standen ihr zur Seite. Jeder wankte am Ende der fünfstündigen Verhandlung, nur Wüst war unverwüstlich
Ida, die Wohltäterin von Groß-Glienicke.
Ihre alte Portierfrau erzählte, dass sie eine feine Dame sel. Sogar Juden durften sie über die Hintertreppe besuchen. Dafür zitierte eine andere Dame einen Brief der Wüst: Saujuden, schrieb sie damals, worauf die Wüst in Schreikrämpfe ausbrach und einen Aktschluss lieferte, dass die Wände wackelten.
Es war überhaupt eine Wucht, was Gross-Glienicke an Zeugen aufbot. Der Herr Bruder von Frau Wüst, alter SA. Obergruppenführer, niedlicherweise wegen Rassenschande anderthalb Jahre eingesperrt, bebte vor Aufregung. Er war das schwarze Schaf in der Familie, erklärte er, nicht die Ida. Er war der Nazi, nicht die Ida. Zwei Damen behaupteten dagegen, dass Frau Wüst sogar eine Denunziantin sei. Der Gestapo-Beamte Mikisch hatte von der Wohltäterin Ostereler bekommen und schrieb ihr treu und brav über die Verhaftung der Zeugin und wünschte zum Schluß der gnädigen Frau Ida fröhlichen Lämmchenbraten. Ein korrekter Beamter, sagte sachte die Schwester von Frau Wüst. So eine Schwester habe ich mir immer gewünscht. Die Verhaftete saß inzwischen in Ravensbrück und bekam alles andere als Ostereier.
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Albin Grau: Licht-Regie im Film

Das Drehteam von Nosferatu in einer Drehpuse in JoHannisthal. In der Mitte in weiß Albin Grau. Links neben ihm Enrico Dieckmnn, Geschäftsführer der Prana-Film. © Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen (CH)

Die Ausstattung des Films ist in weitaus größerem Maße Sache des Malers als der Architekten: Film ist absolute Bildwirkung. Leider ist die Kunst unserer Tage durch den Alpdruck der Vergangenheit so schwer belastet, dass man glaubt, zum Sortieren dieses „Kunstmüllhaufens“, den der Fundus fast aller Aufnahmeateliers repräsentiert, sei eben nur der Architekt berufen. Er ist es auch wirklich, so lange der reine Illusionsfilm mit naturwahrer Dekoration herrscht.
Die Aufgabe ist in kurzem folgende: Die Ausstattung hat den Lebensrhythmus, den Geist der verschiedenen Zeitepochen gemäß der jeweiligen dramatischen Situation im künstlerischen Spiegelbild unserem Geist glaubhaft zu machen. Kunst ist Gabe, nicht Wiedergabe: Herwarth Walden.
Auf den Film angewandt, darf Ausstattungsarchitektur nichts anderes sein wollen, als der vom Malerischen beherrschte Stimmungsrahmen, eine Zusammenschweißung mit dem dramatischen Geschehen, nichts anderes als der große Grundton, auf den die Handlung gestimmt ist: der vom Künstler geschaffene „Spielraum“ klingt harmonisch zusammen mit dem szenischen Vorgang.
Es erhellt ohne weiteres, dass im Licht für die künstlerische Dekoration der eigentliche Lebensnerv liegt. Das Licht wird – obwohl der eigentliche Hauptfaktor – fast immer erst zu Hilfe gerufen, wenn der Bau „steht“. So kommt es meistens, dass die Lichtquellen Raumvorstellungen ergeben, die vom Künstler gar nicht beabsichtigt wurden. Entweder das Licht verflacht oder zerreißt den Raum, oder es stellt sich heraus, dass die vorhandenen Lichtquellen nicht ausreichen, ihn durchzuleuchten. Die Beleuchtung muss von vornherein beim Skizzieren der Dekoration, und zwar in erster Linie in Betracht gezogen werden. Das Licht ist nicht da, um die Dekoration anzuleuchten, sondern um das Bild in seinen Komponenten – Szenerie und Handlung – formgestaltend ins Leben zu rufen. Weiterlesen

Bericht der Allianz-Film Filiale Berlin vom 10. Januar 1951 für Dezember 1950 – 12/50

Der Umsatz im Dezember hatte den erwarteten, normalerweise bedingten Rückgang zu verzeichnen, jedoch erscheint er bei dem Massenangebot erstklassiger Filme, die seit Oktober auf dem Spielplan stehen, sehr zufriedenstellend.

Premieren im Berichtsmonat
Eigene Filme
6.12. Das Kuckucksei im KIKI.
Dieser Film bekam in Berlin überraschend gute Kritiken, auch die Vermietung für diesen Film ist nicht so schwer, wie man normalerweise annehmen müsste. Im KIKI konnte er trotz der Vorweihnachtszeit 14 Tage auf dem Spielplan bleiben, was als absoluter Erfolg zu verbuchen ist.
25.12. Die Dritte von rechts im MARMORHAUS.
Hierüber sind die Kritiken und Berichte bereits in Ihrem Besitz. Geschäftlich erreichte der Film das gesetzte Ziel voll und ganz. Auch das Publikum, das sich bei diesem Film aus anderen Kreisen, wie sonst am Kurfürstendamm üblich, zusammen setzt, ist zufrieden. Der Film wird bis zum 18.1. einschließlich auf dem Spielplan des Uraufführungs-Theaters bleiben und anschließend für die besten und größten Theater Berlins terminiert. Weiterlesen

Bericht der Allianz-Film Filiale vom 28. November 1950 für November 1950 -11/50

Der Umsatz im Monat November konnte auf der gleichen Höhe wie im Vormonat gehalten werden. Erfreulich ist der Umsatz von dem Film Mädchen mit Beziehungen, während die Ergebnisse von Der Schatten des Herrn Monitor enttäuschen. Es ist auch in diesem Zusammenhang angebracht, darauf hinzuweisen, dass im Augenblick die deutsche Produktion es in Bezug auf die Kriminalfilm-Sujets mit der amerikanischen und in einigen Fällen auch mit der englischen Produktion nicht aufnehmen kann. Den großen Behördenapparat, den amerikanische Produzenten bei Ihren fast als Lehrfilme anmutenden Kriminalfilmen zur Verfügung haben, kann nichts Gleichwertiges auf unserer Seite entgegengestellt werden. Den deutschen Produzenten ist deshalb zu raten, sofern es sich nicht um ausgesprochene Sensations-Drehbücher handeln sollte, die Hände von dieser Gattung Filme zu lassen.
Wie bei den beiden voraufgegangenen Monaten schon berichtet, stellt Wie ein Dieb in der Nacht einen absoluten Versager dar. Bei Gesamtanzeigen des Programms ist es ratsam, diesen Titel wegzulassen.
EPILOG. Dieser Film erreicht nicht die Kassen, die von ihm erwartet werden konnten. Hier haben sich unheilvoll die dauernden durch Schnitt verursachten Änderungen ausgewirkt. Der Film wird selbstverständlich trotzdem in allen Theatern gezeigt werden, die für unsere Filme überhaupt zugänglich sind. Bei der Disposition trat erschwerend hinzu, dass der wertvolle Bußtag- und Totensonntag-Termin nicht wahrgenommen werden konnte. Unabhängig von dem Revue- Film Die Dritte von rechts wird sich die Stärke des Einsatzes von EPILOG in der ersten Hälfte Dezember und im Januar auswirken. Von uns aus sind wir nicht daran interessiert, Termine nach dem 15.12. bis 24.12. einschl. aufzunehmen. Weiterlesen

Bericht der Allianz-Film Filiale Berlin vom 1. März 1951 für Februar 1951 – 2/51

Der Februar 1951 ist der bisher stärkste Verleihmonat der Allianz-Filiale Berlin seit Bestehen der Firma. Trotz einer großen Anzahl von Ballveranstaltungen und für Berliner Verhältnisse ungewöhnlichen Zahl von Kostümbällen, wie sie vor dem Kriege in Berlin nicht üblich waren, konnte dank der Zugkraft des Films Die Dritte von rechts dieser Rekordumsatz erzielt werden. Die errungene Position ist umso bemerkenswerter, als im Februar auf dem Spielplan sehr, sehr viele sog. Geschäftsfilme standen. In verschiedenen Sonderberichten an Herrn Sobel wurden auf die einzelnen bemerkenswerten Filme der Konkurrenz hingewiesen, die auch teilweise im vorliegenden Bericht noch einmal genannt werden.
Premieren im Berlchtsmonat
a) Eigene Filme – keine
b) Filme der Konkurrenz:
2.2. Central-Film Hochzeit im Heu im CINEMA, Nürnberger
Kein schlechter Film, aber durch Start völlig verunglückt und bis heute keinerlei Nachbesetzung.

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Bericht der Allianz-Film vom 3. Februar 1951 für Januar 1951 – 1/51

Der Monat Januar begann sehr erfolgversprechend. Einen absoluten Rekordumsatz für Berlin dürfte der Monat Februar bringen, da ohnehin für Januar praktisch nur 3 Wochen zur Abrechnung gelangen.

Premieren im Berichtsmonat:
Eigene Filme – keine
Filme der Konkurrenz
1.1. Paramount Der besiegte Geizhals in der KURBEL.
Ein sehr netter Bob Hope-Film, dem die Presse ein gutes Urteil gab. Geschäftlicher Ablauf in Ur- und Erstaufführung unbefriedigend.
5.1. National-Film Taxi-Kitty im KIKI.
Netter deutscher Unterhaltungsfilm, der sich 3 Wochen auf dem Spielplan des Kurfürstendamms behaupten konnte und den die Presse freundlich aufgenommen hatte. Nachbesetzung nicht mehr als Durchschnitt.
5.1. Schorcht-Film Vom Teufel gejagt im DELPHI-PALAST.
Der Film wurde in der Uraufführung bereits teilweise abgelehnt, erreichte aber über 10 Tage dank der Besetzung ein besseres Durchschnittsgeschäft. Nachbesetzung zufriedenstellend.
5.1.Paramount California im STUDIO und im Massenstart.
Filme dieser Art sind schon zu Dutzenden gesehen worden. Bewundernswert immer wieder die technische Raffinesse.
9.1. Urban-Film Kleiner Schwindel am Wolfgangsee in mehreren Theatern.
Der Film wurde von der Presse überhaupt nicht notiert. Geschäftlicher Erfolg nicht zu verzeichnen.
9.1. National-Film Das doppelte Lottchen im CAPITOL, Kfd.
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Monatsbericht der Allianz-Film Februar 1950 vom 4. März 1950 – 2/50

Der Umsatz im Februar musste zwangsläufig niedriger als der vom Januar sein, er umfasste 4 Spielwochen. Während dieser Zeit jagte in Berlin, wie auch in Westdeutschland, eine Tanzveranstaltung die andere. Große Besuchermengen lockte auch ein erstmalig in Berlin stattfindendes Freistil-Turnier an. Die Besucherzahl lag täglich zwischen 5.000 und 7.000. Die Verlängerung der Polizeistunde und der erhöhte Verkehr in den Nachtstunden hat in Berlin zum ersten Mal bewirkt, dass die sogenannten Fastnachtsbälle populär wurden. In früheren Zeiten war das nämlich in Berlin durchaus nicht der Fall.
Neue Filme kamen von der IFA nicht zum Einsatz, da sämtliche Filme des Programms angelaufen sind. Von der ALLIANZ FILM GMBH kam als erster Film Gefährliche Gäste in der KURBEL zur Uraufführung, der über den Durchschnitt nicht herausgekommen ist. Ein Film, dem man bereits äußerlich die Sparsamkeit in der Produktion ansieht und für den auch nur eine sparsame Propaganda angebracht erscheint. Trotzdem ist es möglich, dass dieser Film in ca. 60 Berliner Filmtheatern zum Einsatz gelangt. Weitere Abschlüsse können sicher getätigt werden, wenn der Zarah Leander-Film vorführbereit ist.
Bei der Konkurrenz ist der bemerkenswerteste Filmerfolg noch immer Der dritte Mann, der übrigens am 24.2. in die verlängerte Uraufführung ging und ab 3.3. mit 14 Kopien im Einsatz ist. Auch Nachtwache hat erfreulicherweise eine große Resonanz ausgelöst, nicht nur im DELPHI-PALAST, in dem dieser Film zum Hausrekord wurde, sondern auch in den Erstaufführungs-Theatern. Die großen Propagandamittel, die diesem Film zur Verfügung gestellt wurden und die starke Unterstützung beider Kirchen hat sich hier bewährt. Einen Großerfolg erzielte auch unbegreiflicherweise der Wild-West-Film Abenteuer im Wilden Westen, der am Freitag, den 10.2., in 25 Theater gleichzeitig anlief.
Absender unbekannt hat in einer Interessentenvorstellung den Erstaufführungs-Theaterbesitzern gut gefallen, und es ist ein weit besseres Resultat wie mit Gefährliche Gäste zu erwarten.
Der Berliner Uraufführung wohnen die Hauptdarsteller Cornell Borchers. Rudolf Platte, Hubert v. Meyerinck, Marina Ried und der Regisseur Akos von Rathony bei (in mehreren Briefen an Herrn Zobel wurde diese Tatsache bereits mitgeteilt). Weiterlesen

Monatsbericht Allianz-Film Januar 1950 vom 6. Februar 1950 – 1/50

Der Umsatz ist im Januar auf der gleichen Höhe wie im Dezember verblieben. Obwohl allgemein durch Witterungseinflüsse und durch die herannahende Faschingszeit Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind, hat sich das in unserem Fall nicht so stark ausgewirkt, trotzdem uns zugkräftige Filme zur Zeit völlig fehlen und wir tatsächlich unseren Umsatz nur durch das Hereinholen aller möglichen Lückentermine halten können. Mit der Vermietung unseres besten Films Die Kartause von Parma haben wir insofern Schwierigkeiten, als die Theaterbesitzer jetzt grundsätzlich gegen zweiteilige Filme sind und der naheliegende Vorschlag, beide Teile in einem Programm zu zeigen, wegen der außerordentlichen Länge abgelehnt wird. Trotzdem haben wir die Kartause von Parma immer im Einsatz. Von den französischen Filmen der Konkurrenz in Berlin lässt sich nur Gutes berichten von König der Nassauer, der 10 Tage in der KURBEL ein sehr gutes Geschäft gebracht hat. Die tolle Miss vom Fortuna-Verleih erzielte mit den 8 eingesetzten Kopien zunächst in den Erstaufführungs-Theatern einen Überraschungserfolg, Jetzt aber sind trotz der reichhaltigen Kopienzahl die Terminierungen rar geworden. Die französischen Filme der Transcontinent La femme du boulanger, La bête humaine, Entre onze heures et minuit sind auf den Spielplänen der Berliner Theater nicht zu finden. Die Transcontinent brachte als ersten amerikanischen Film 3 Mann aus Texas heraus, der zwar in dafür besonders geeigneten Gegenden ein Geschäft werden wird, den die Presse aber fast einstimmig abgelehnt hat.
Das Massensterben amerikanischer Filme in Berlin beweist deutlich, dass Durchschnittsware keinerlei Existenzberechtigung mehr hat. Filme wie Der große Walzer, Gullivers Reisen, Die Wildnis ruft, Erpressung, Belvedere räumt auf, Julia benimmt sich schlecht haben fast keine Nachbesetzung erhalten, obwohl einige dieser angeführten Filme großen Ruf haben. Den größten Erfolg stellt noch immer Der dritte Mann dar, der am Freitag, den 3.2., in die 5. Woche gegangen ist. Auch der diesen Film ablösende Eine Nacht im Separée, BEROLINA-FILM, verspricht ein Kassengeschäft großer Güte zu werden.

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Monatsbericht Allianz-Film August 1950 vom 31. August 1950 – 8/50

In Anbetracht der außerordentlichen Hitzewelle waren die Einnahmen in den Filmtheatern in fast allen Fällen unter Durchschnitt. Ein noch stärkeres Forcieren zwecks Hereinholen von Abschlüssen für den abgelaufenen Monat hielten wir nicht für angebracht, da gerade die wichtigen Sonntagstermine außerordentlich unter der Hitze zu leiden hatten. Vielmehr galt unser ganzes Interesse den Vorarbeiten für die neue Saison, um vor allen Dingen in diesen ertragreichen Monaten unsere Filme, die ohnehin einen sehr schweren Stand haben werden, zu vermieten. Das Interesse an dem Film Epilog von Seiten der Theaterbesitzer ist bemerkenswert. Seit Gabriela ist kein Film auf ein derartiges Interesse gestoßen. Epilog, Manon, Schwarzwaldmädel, Die badende Venus, Die 3 Musketiere, Staatsgeheimnis. Das Privatleben des Don Juan sind im Augenblick die am meisten genannten Filme, hinter denen auch die Masse der Warner-, Fox- und MGM-Filme zurücktreten. Den größten Geschäftserfolg hat der Film Staatsgeheimnis, dessen Besucherzahlen „herbstliche“ Ausmaße erreichen. Wirklich erstaunlich ist der Durchschnitt des Angebots der London-Film, die mit Dieb von Bagdad, Dschungelbuch. Der dritte Mann, Eine Heilige unter Sünderinnen und nunmehr Staatsgeheimnis und in Kürze 4 Federn und Föhn absolute Kassenschlager auf den Markt gebracht hat bzw. bringt. Die amerikanischen Weiterlesen

Monatsbericht der Allianz-Film Filiale für September 1950 vom 5. Oktober 1950

Der Umsatz entwickelt sich erfreulich. war schon Der Mann, der sich selber sucht ein Film, den das allgemeine Publikum freundlich aufnahm, so scheint das bei Mädchen mit Beziehungen noch mehr der Fall zu sein. Obwohl leider noch immer festzustellen ist, das gewisse Oberflächlichkeiten die Filme nicht zum großen Wurf heranführen.
Mädchen mit Beziehungen bekam in Berlin, wie ich Ihnen schon mitteilte, eine sehr gute Presse und lief in den beiden Kurfürstendamm-Theatern STUDIO und BIO sehr gut. Auf dem Spielplan standen immerhin im DELPHI-PALAST AM ZOO Die badende Venus, im KIKI Die Lüge, in der BONBONNIERE Tulsa und in der FILM-BÜHNE WIEN Schwarzwaldmädel. Das große Geschäft in Berlin im Monat September machte Schwarzwaldmädel, obwohl das Publikum allgemein nach Verlassen des Theaters nur von den Melodien entzückt ist. Die große Besetzung dieses Films garantiert bei den Erstaufführungs-Theatern ein großes Geschäft.
Die badende Venus, der 4 1/2 Wochen im DELPHI-PALAST lief, ist als Farb- und Revue-Film noch von keinem deutschen Film zu erreichen, so dass das Rekordgeschäft verständlich erscheint. Staatsgeheimnis, der in der FILM-BÜHNE WIEN eines der größten Filmgeschäfte des Jahres war, hat in den Erstaufführungs-Theatern nicht das gehalten, was man von ihm erwartet hatte, trotzdem ist natürlich Staatsgeheimnis einer von den Filmen, die man als Verleiher wünscht, verleihen zu können.
Das Interesse an unserem Film EPILOG übersteigt das von Gabriela.
Der Schatten des Herrn Monitor enttäuscht im Geschäft, wird aber auf Grund der Tatsache EPILOG sehr gut vermietet werden. Eine Katastrophe geschäftlich ist Wie ein Dieb in der Nacht. Es gibt kein einziges Filmtheater, in welchem dieser Film auch nur eine Durchschnittskasse erreicht. Es erscheint fast unverständlich, warum es eigentlich nicht möglich ist, diesen Film wenigstens einigermaßen durchzusetzen. Zweifellos liegt das zunächst einmal an dem Frühprodukt, Fachleute behaupten sogar, es sei ein 1944 hergestellter Film, und es geschieht natürlich allzu wenig darin, Mit diesem Film haben wir bei jedem der Kunden Beanstandungen. Er muss natürlich gespielt werden, aber übertriebene Propaganda für diesen Streifen kann sich für uns nur zum Schaden auswirken, wie überhaupt die allgemeine Propaganda für den gesamtdeutschen Raum viel individueller vorgenommen werden muss. Man kann einen Film Wie ein Dieb in der Nacht nicht mit EPILOG zusammenbringen, ihm fehlt es an allen Voraussetzungen: Musik, schöne Menschen, Dekoration, Kleider. Lediglich der Witz kann einige Erfolge buchen. Nicht überall gibt es einen Rudolf Platte, der einen schwachen Film herauspauken kann.
Der Hauptmann von Köpenick konnte seinen Überraschungserfolg in den Erstaufführungs-Theatern in den anderen Theatern nicht mehr fortsetzen. Der in Berlin neue United Artist-Verleih (Constantin) hatte auch mit seinem zweiten Film Verrücktes Afrika nur eine sehr schwache Besetzung erzielt. Weiterlesen

Bericht der Allianz-Film Filiale für Oktober 1950 vom 2. November 1950

Oktober ist der bisher erfolgreichste Monat der ALLIANZ-Film. Überraschend gute Geschäfte erzielt der Film Mädchen mit Beziehungen. Diese Art Konfektionsware scheint derzeitig immer noch die Garantie zu bieten für ein überdurchschnittliches Geschäft.
Schwer haben wir es mit dem Film Der Schatten des Herrn Monitor, da Kriminalfilme selbstverständlich von den Amerikanern spannender, abwechslungsreicher und gekonnter herausgebracht werden.
Wie ein Dieb in der Nacht zählt zu den schlechtesten Filmen, die seit 2 Jahren auf dem Markt in Berlin sind und erreicht in keinem einzigen Theater auch nur annähernd Durchschnittskassen.
Der Start EPILOG verlief in Berlin ohne jede Störung, wenngleich die Presse ihn sehr umstritten aufgenommen hat. Stark ablehnende Kritiken der „Neuen Zeitung“, „Tagesspiegel“ und „Kurier“ stehen den gemäßigt freundlichen von „Telegraf“, „Abend“ und „Sie“ gegenüber. Das erwartete große Geschäft blieb jedoch in der FILM-BÜHNE WIEN aus, doch kann man sagen, dass die 16-tägige Laufzeit dem Film keinen wesentlichen Abbruch getan hat, umso mehr, als das gesamte Propagandamaterial für die großen anderen Häuser verwendet werden kann. Obwohl nach der Trade-Show von EPILOG erst ein Schock bei den Theaterbesitzern festzustellen war, „tauten“ sie während der 2. Laufwoche des Films wieder auf. Von größter Bedeutung wird der erste Einsatz in den Bezirks-Erstaufführungstheatern sein.

Premieren im Berichtsmonat
Eigene Filme (Sonderverleih ALLIANZ FILM)
2.10. Treffpunkt Quartier Latin im MARMORAUS.
Wegen der Industrieschau wurde dieser Film vom 2. bis einschließlich 22. Oktober jeden Abend um 10.00 Uhr gezeigt, vom 16. – 19.10. ebenfalls im MARMORAUS im regulären Tagesprogramm. Der Film erhielt ganz ausgezeichnete Kritiken und wird in zwei anderen Kurfürstendamm-Häusern nach dem Start im MARMORHAUS weiter gezeigt werden. Ab 6.11. zunächst im regulären Programm des STUDIO und dann anschließend noch im BIO.
Ein einzigartiger Erfolg eines französischen Films, der natürlich nur für ein ganz besonderes Publikum geeignet ist.
10.10. Wenn man die Schule schwänzt im CINEMA PARIS.
Dieser Film, kein Geschäftsfilm im eigentlichen Sinn, erhielt großartige Kritiken und erzielte ein sehr gutes Ergebnis in der 1. Woche seiner Uraufführung. Der Film ist hier in Berlin vom Schulamt für alle Oberschulen empfohlen worden und wird nach dem Abspielen in den Filmtheatern, die eine Originalfassung zeigen können, für sehr viele Schulveranstaltungen gebraucht werden.
26.10. EPILOG in der FILM-BÜHNE WIEN.
Hierüber wurde nach der Uraufführung Sonderbericht erteilt. Es darf festgestellt werden, dass es bei allen 3 Vorstellungen freundlichen Beifall gab, der nichts ahnen ließ von der ablehnenden Haltung der anwesenden Presse.
13.10. Orphée im MARMORHAUS. (DISCINA).
Einem besonderen Wunsch der DISCINA entsprechend – persönliches Schreiben des Herrn Paulvé liegt vor – wurde Orphée von mir in Berlin vorbereitet. Die Premiere im MARMORHAUS gestaltete sich zu einer der festlichsten Uraufführungen in Berlin überhaupt. Selbstverständlich hat die Anwesenheit des Dichters, dem große Ehrungen zuteil wurden, wesentlich dazu beigetragen. Die Kritiken für den Film sind so überragend und in derartigem Umfang erschienen, dass nur ein Auszug aus den Pressestimmen nicht die richtige Stärke wiedergeben kann.
Mit Ausnahme von Kinder des Olymp dürfte kein Film der gesamten Weltproduktion in Berlin derartige Besprechungen gefunden haben. Obwohl der Film in Westdeutschland im Ring-Filmverleih erscheint, stellten alle Berliner Zeitungen fest, dass es sich um einen ALLIANZ FILM handelt.
In den festgesetzten 3 Tagen im MARMORHAUS hatte der Film 10 ausverkaufte Vorstellungen bei 12 möglichen. Auch die anschließenden täglichen Abendvorstellungen um 10.00 Uhr erreichten Spitzenresultate. Der Film ist nun vom 24. Oktober bis einschließlich 5. November im STUDIO im regulären Programm. Auch hier erzielte er bisher täglich mehr als 2 ausverkaufte Vorstellungen.

Filme der Konkurrenz
2.10. Wiedereröffnung des renovierten MARMORHAUSES mit dem Film Symphonie einer Weltstadt (Berlin, wie es war), Forum-Film.
Eine glanzvolle Premiere in der Gegenwart der höchsten Vertreter der alliierten und deutschen Behörden. Der Film wurde anlässlich der Eröffnung der Berliner Industrie-Ausstellung uraufgeführt. Er erzielte auf Grand des äußeren Rahmens, der ihm beigegeben wurde, in den ersten Tagen einen guten Erfolg, fiel dann aber geradezu katastrophal ab und musste vor der abgesprochenen Laufzeit herausgenommen werden.
Bisher hat dieser Film noch kein Nachspieltheater gefunden.
3.10. MGM Drei Musketiere im DELPHI-PALAST AM ZOO.
Dieser großartige amerikanische Farbfilm, der technisch kaum zu übertreffen ist, konnte sich merkwürdigerweise nur 14 Tage auf dem Spielplan des DELPHI Palast halten. Auch in den Erstaufführungs-Theatern erreichte er nicht den Erfolg, den man von ihm erwartet hat. Die Presse nahm den Film spaßig auf.
5.10. Paramount-Film Sein Engel mit den 2 Pistolen im ASTOR
Großartige amerikanische Wildwest-Parodie, villeicht nicht für den deutschen Geschmack zugeschnitten und dementsprechend auch der Kassenrapport. Presse sehr gut.
6.10. Centfox Schrei der Großstadt im STUDIO und in 15 weiteren Theatern.
Psychologischer amerikanischer Kriminalfilm mit Durchschnittskritiken und auch nur einem Durchschnittsgeschäft.
6.10. Viktoria-Verleih 3 Cowboys und 1 Mädel im HUMBOLDT.
Belanglose Angelegenheit. Film und Verleih ohne Bedeutung. Die Presse nahm den Film gar nicht ernst.
10.10. Siegel Monopol-Film Sensation im Savoy-Hotel im KIKI
Weit unter Durchschnitt liegender deutscher Film. Zehn Tage ein mäßiges Geschäft, bisher kaum nachbesetzt.
10.10. Warner Bros. Der Mann ihrer Träume in der BONBONNIERE.
Amerikanischer Musikfilm mit sehr kitschiger Handlung und unmöglicher Synchronisation. Zehn Tage Durchschnittsgeschäft. Presse ebenfalls nur Durchschnitt.
13.10. Universal-Film Abbott und Costello auf Glatteis in der KURBEL und CINEMA, Nürnberger Strasse. Amerikanischer Grotesk-Film. Diese Art von Humor kommt heute nicht mehr an. Der Film erzielte nur einen durchschnittlichen Erfolg und mehr als mäßige Besetzung in den Nachspiel-Theatern.
13.10. Warner Bros. Des Teufels Pilot NEUE SCALA, BIO, STUDIO und andere Theater.
Mit sehr viel Vorreklame gestarteter Film, der eigenartigerweise geschäftlich weit unter Durchschnitt lag. Presse war wegen der sehr sauberen technischen Aufnahmen wohlwollend.
13.10. Constantin- Film Höllenfahrt nach Santa Fé Massenstart.
Der Film wurde nicht ernst genommen, keinerlei Abwechslung in der Handlung. Presse entsprechend.
16.10. Aka-Film Via Mala im CINEMA PARIS.
Dieser Überläuferfilm, 1945-Produktion der UFA, errang Durchschnittskritiken und kein Durchschnittsgeschäft im Uraufführungs-Theater. Auf Grund der Bedeutung des Romans Pressebesprechungen ausführlich und wie vorstehend angegeben.
17.10. RKO Gangster der Prärie Massenstart im CORSO und vielen anderen Theatern.
Auch ein Wildwester, jedoch von der besseren Sorte. Diese Art Filme sind nur noch zu platzieren durch ihren großzügigen Kopieneinsatz und machen dann in den betreffenden Bezirks-Theatern Durchschnitts- oder Überdurchschnittskassen. Man hat sie aber ebenso schnell vergessen, wie man sie gesehen hat. Nach 30 Abspielungen sind diese Filme dann meist auf dem Spielplan nicht mehr vorzufinden.
18.10. Deutsche London. Film Vier Federn im DELPHI-PALAST AM Z00.
Großartiger Korda-Film, technisch und farbtechnisch nicht zu steigern. Presse wegen der militaristischen Tendenz sehr ablehnend. Sensationeller Weise kein geschäftlicher Erfolg.
20.10. Universal-Film Lied des Orients im MARMORHAUS.
Einer der typisch amerikanischen Musikfilme (klassisch), die dem Musikfreund 1 1/2 Stunden lang Unterhaltung bieten, dem regulären Publikum aber langweilig vorkommen. Keinerlei Erfolg, Durchschnittspresse.
20.10. National-Film. Das Mädchen aus der Südsee im CINEMA, Nürnberger Strasse.
Freundlich aufgenommener kleiner Film. Uraufführung ohne tiefere Bedeutung. Der Film wird einen Achtungserfolg in Berlin erreichen können.
20.10. Paramount-Film Todesfalle von Chicago NEUE SCALA, STUDIO und 9 weitere Theater.
Technisch großartig gekonnter amerikanischer Kriminalfilm, wie sie von uns nicht erreicht werden können, trotzdem aber ist das Publikum dieser Produktion – wenn sie nicht größte Spitze darstellen – müde. Presse ebenfalls nur mittelmäßig.
24.10. Warner Bros. Der Verrat des Surat Khan im ASTOR.
Wieder großzügiger Ausstattungsfilm, sehr an Bengali und Vier Federn erinnernd, deshalb ablehnende Presse und ebenfalls – und das ist ein Mahnzeichen für derartige Produktionen – kein geschäftlicher Erfolg, trotz Errol Flynn, der ja wohl der größte Kassenmagnet in Deutschland sein dürfte, Dass der Film in bestimmten Gegenden trotzdem ein Kassenschläger erster Klasse sein wird, ist nicht anzuzweifeln.
24.10.. Warner Bros. Im Taumel der Weltstadt NEUE SCALA und BONBONNIERE.
Ca.15 Jahre alter amerikanischer Film, aber sehr gekonnt. Pressestimmen wohlwollend, Geschäft dürfte über den allgemeinen Durchschnitt kommen.
26.10. MGM Asphalt-Dschungel im KIKI.
Preisgekrönter amerikanischer Film, ganz große Klasse. Derartige Produktionen sind rein stofflich von uns nicht zu bewältigen. Presse sehr gut, Geschäft wird erstklassig sein. 27.10. RKO Johanna von Orleans im CINEMA PARIS.
Riesenausstattungsfilm mit dem umstrittenen Star Ingrid Bergman. Kein Vergleich mit dem berühmten französischen Film von Dreyer, trotzdem herrliche Farbaufnahmen und dadurch wahrscheinlich in bestimmten Gegenden großer Geschäftserfolg anzunehmen.
27.10. Constantin-Film Spionage in Fernost im CINEMA, Nürnberger Strasse und 7 weiteren Theatern.
Völlig abgelehnter Spionagefilm, der schon aus rein politischen Tendenzen heute nicht möglich ist, zu spielen. Dank des zündenden Titels aber könnte er Überraschungserfolge zeitigen.
27.10. Gloria-Film San Francisco-Lilly Massenstart.
Ein Republic-Film, den man nicht ernst nimmt und der, wenn er seine 30 Tage durchspielt hat, zu den Akten gelegt und vergessen wird.
27.10. Herzog-Film Jetzt schlägt’s 13 im KRONEN und 8 weiteren Theatern.
Völlig unwichtiger Film. Presse sehr schlecht, Publikum ablehnend. Vielleicht in einzelnen Bezirken durchschnittliche Ergebnisse.
31.10. National Film Drei Mädchen spinnen im DELPHI PALAST AM ZOO.
Ich selbst war nicht zur Premiere. Pressestimmen sind unterschiedlich, enthalten aber allgemeines Lob über die Premiere an sich. Begründung: Ein in Berlin hergestellter Film von Carl Froelich, von der AFIFA kopiert, die alte treue Anhängerschaft des Altmeisters des deutschen Films und die gesamte UFA-Belegschaft der vergangenen Jahre. Außerdem jedoch aber sehr sauberer Klassefilm, bei dem das Schlechteste lediglich der Titel ist. Großer Geschäftserfolg in Berlin zu erwarten. Wahrscheinlich das erste positive Ergebnis der NATIONAL-FILM, die übrigens für den Monat November nunmehr MANON ankündigt. Ist es wirklich so klar? Den Gerüchten zufolge soll nämlich NATIONAL-FILM gar nicht mehr so sehr stark interessiert sein. Ist nicht doch etwa MANON für ein Butterbrot für Berlin zu erhalten, nachdem der Blaubart-Film doch gedreht wird, noch dazu in zwei Versionen, in der deutschen mit Hans Albers?!
31.10. Eagle-Lion-Film Die Rivalin in der KURBEI.
Wie alle Eagle-Lion-Filme der letzten 1 1/2 Jahre ohne Bedeutung. Der Film dürfte dank der Popularität des Stars doch Durchschnittserfolge erreichen.
31.10. Central Europäischer Filmverleih Kreuzweg einer Liebe im WINTERGARTEN.
Ein antiquierter schwedischer Film. Hier wird das Publikum auf das übelste durch Sensationseffekte herangezogen. Der Einsatz eines derartigen Films kann nicht seriös sein.

 

Ernö Rapée: Kino New York – Berlin (1926)

Im August 1926 verliess der Dirigent Ernö Rapeée nach einem einjährigen Engagement im Ufa Palast am Zoo Berlin. Fritz Feld verriet er in der BZ am Mittag vom 27. Juli 1926 seinen Wunsch für die Zukunft: „Ein Kino von 10 000 Menschen. Ein Orchester von 250 Musikern. Ein Chor von 150 Stimmen und 400 Scheinwerfer. Das Programm umfasst Film, Oper, Symphonie, Operette, Varieté, Ballett, Kabarett. Es soll nicht länger als zwei Stunden dauern. Von morgens 10 Uhr bis nachts um 12 wird durchgespielt. Eine doppelte Arbeitsschicht, zwei Orchester, zwei Chöre usw. selbstverständlich. Das sind meine Träume. Zunächst wird so etwas nur in Amerika möglich sein; aber was in Amerika heute ist, wird in Deutschland in drei Jahren sein.“

Ernö Rapée ca. 1930

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Robert Scholz: Griffith dreht in Berlin (1924)

Robert Scholz als Gauner

Der Meister der amerikanischen Regisseure, D.W. Griffith, dreht seit zwei Wochen an einem Film in Berlin. Ich habe Gelegenheit gehabt, seine Arbeit aus nächster Nähe zu beobachten, denn ich habe in seinem Film mitgespielt…
Nach dem telephonischen Anruf seines Operateurs, der mich schon von früher her kannte, suchte ich ihn in dem großen Hotel auf, wo er Wohnung genommen hat. Ich trat in das Zimmer, wo sich Griffith mit seinem Operateur und mit seinen Hilfsregisseuren befand. Er sprach einiges mit mir und prüfte mich mit einem scharfen, durchdringenden Blick. Dann – als ich schon gehen wollte, rief er mich zurück und ließ sich etwas vorspielen, was kaum ein deutscher Regisseur jemals gemacht hat. Er ließ sich eine Szene vorspielen, und ich musste ihm ohne Partner, allein, die Szene, die Szene, die ich mit einer Partnerin spielen sollte, vormachen. Er achtete dabei vor allem auf den Ausdruck des Gesichtes und auf das Tempo der Bewegung.
Die Aufnahme selbst fand in Adlershof statt. Mit einem stattlichen Stab war Griffith dorthin ausgezogen, um das Leben der Berliner Bevölkerung auf die Leinwand zu bannen. Er suchte nicht das Berlin der Vergnügungen auf, sondern das Stadtviertel der Armen. Er drehte ohne Manuskript. Mit seinen Hilfsregisseuren formte er, ganz seinen plötzlichen Einfällen folgend, Züge und Gruppen. Ließ sich arme Frauen und Kinder vormarschieren, Krüppel und Arbeitslose. Er sagte uns nichts darüber, was der Inhalt seines Films sein sollte, und augenscheinlich wollte er auch nichts darüber sagen. Als ich meine Szene spielen sollte, erklärte er mir die Szene bis in die kleinsten Einzelheiten, und als es nachher zu einer Großaufnahme kam, da ließ er die Szene voll ausspielen, so voll, wie es ein deutscher Regisseur niemals tut. Er hatte offenbar keine Angst, dass er etwa ein paar Meter Negativ mehr verbrauchen wird.
Er machte den Eindruck eines mit vollem Bewusstsein arbeitenden Künstlers, der ganz genau weiß, was er will, und auch, was er aus seinen Schauspielern hervorzuholen vermag. Die Gruppen dirigierte er mit kurzen, knappen, aber eindrucksvollen und einprägsamen Worten, so dass ein jeder begreifen musste, worum es sich bei der Szene handelte.
Wie gesagt, ich weiß nicht, was der Inhalt seines Filmes ist. Aber, dass er nach Berlin gekommen ist, um in den armen Vierteln von Alt-Berlin und in den Arbeitervorstädten zu drehen, dass er den Schauplatz seiner Berliner Szenen im Schatten der Fabrikschlote suchte, wird vielleicht einen Schluss darauf zulasssen, was sein Ziel war, als er nach Deutschland gekommen ist.

8 Uhr Abendblatt, 2. August 1924, Nr. 180

Sendungen über Film im Fernsehen 1956

Ich habe was vergessen. Preisgekrönte Filme des Amateurfilmwettbewerbs des Süddeutschen Rundfunks. 5. Januar
Die Unsterblichen. Ein Querschnitt durch biografische Filme. Südwestfunk Baden-Baden. 8. Januar
Im Wirbel der Stars und Synkopen. Hollywood-Melodie. 13. Januar, 21. Februar, 9 März, 18. Mai, 4. Juli
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme ferngesehen, nah betrachtet. Leitung: Jürgen Roland. 20. Januar, 21. März, 14.Mai, 8. Juni, 13. August, 11. September, 8. Oktober, 217. November, 17. Dezember
Ein Lausbub hat Geburtstag. Hans Richter – 25 Jahre beim Film – In ‚eigener’ Sache. Regie: Jürgen Roland. 28. Januar
Filmball am Rhein
. Reporter: Elena Gerhardt und Jürgen Graf. Leitung der Sendung: G. Meyer-Goldenstädt. Eine Übertragung aus der ‚Rheinhalle’ in Düsseldorf. 6. Februar

Das Schönste an diesem Abend war, dass es mir erspart geblieben ist, dabei zu sein. Dafür bot das Deutsche Fernsehen freilich einen „Ersatz“, von dem zusammenfassend zu sagen ist: Wer es nicht selbst gesehen hat, wird es nicht glauben! Über eine Million Menschen saßen vor den rund 350 000 westdeutschen Fernsehgeräten, um Augen- und Ohrenzeugen einer vollendeten Blamage zu werden. Im Programm war angekündigt worden: 21.15 Uhr – Filmball am Rhein, eine Direktübertragung aus der Rheinhalle zu Düsseldorf. Es wurde eine schlimme Sache daraus. Gleich zu Anfang sah ich am Tisch der Europa-Film neben Heidemarie Hatheyer den weißen Schopf Walter Koppels im Jupiterlicht aufleuchten. Wenn er es sich doch nur nicht versagt hätte, auch ein paar Worte in eins der wie Sapper-Töpfchen vorgehaltenen Mikrophone zu sprechen. Wieviel tausend Glückwunsch-Telegramme wären ihm gewiss gewesen, wenn der Realfilm-Chef bei dieser passenden Gelegenheit seinen berühmten Spio-Ausspruch wiederholt haben würde. „Dieses Fernsehen, meine Herren, ist keine Unterhaltung, sondern eine Belästigung.“

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Sendungen über Film im Fernsehen 1957

Endausscheidung im Schmalfilm-Amateur-Wettbewerb. 14. Januar

Die flimmernde Leinwand: Wien im Film. Zusammenstellung und Leitung: Wehner-Aeckerle und Sauer. 21. Januar
Die flimmernde Leinwand: Der Humor Charlie Chaplins. Zusammengestellt von Corinne Pulver und Friedrich Sauer. 21. Februar
Die flimmernde Leinwand. Filmpioniere: Dr. Arnold Fanck. Leitung der Sendung: Friedrich Sauer. 03. September

Blende auf. Atelierberichte aus Wie ein Sturmwind und Viktor und Viktoria, Bericht vom Filmball und ein Interview mit dem Regisseur G.W. Pabst. Leitung der Sendung: Hans Scholz. 24. Januar
Blende auf. Filmbericht aus Berlin. Leitung der Sendung: Hans Scholz .21. März
Blende auf. Filmberichte aus Berlin. Der Filmnachwuchs – Sorgen, Chancen.
U.a. mit Margit Nünke und Nadja Tiller. Leitung: H. Scholz. 25. April

Das Künstlerporträt: Maria Schell. 27. Januar
„Zu den Künstlerporträts ein kurzes Wort. Am 27. 1. war (aus Hamburg) Maria Schell an der Reihe. Sie erzählte ganz hübsch aus ihrem Leben und lächelte dabei nach jedem Satz, wie wir’s von ihr gewohnt sind. Auch einige Filmausschnitte waren zur Hand. Aber nach welchem Gesichtspunkt wird denn eigentlich der Kommentar zu dieser Sendung gestaltet? Er triefte geradezu von Allgemeinplätzen und ließ auch nicht ein Stäubchen der Kritik auf den Star fallen, so als ob das Fernsehen eine Gedächtnisstunde für den Maria Schell-Klub veranstaltete. Es entstand der unerwünschte Eindruck, dass die Künstlerin auch in diesem Fall ihre Mitwirkung von Drehbuchvorbehalten abhängig gemacht hat. Und das sollte man ihr nicht antun“.
Star-Revue Nr. 4, 11.2.1957

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Joe May: Filmzukunft in Deutschland

Joe May

Der Prophet ist keine Rolle für mich. Aber es ist vielleicht doch interessant, sich klar zu machen, welchen Weg der deutsche Film gehen muss, wenn er überhaupt gehen soll.
Der Krieg hat uns zu einem merkwürdigen Binnenleben verführt. Es ist für uns alle schwer, wieder herauszukommen. Die meisten deutschen Filmleute haben Filme für deutsche gemacht und dann wundert man sich, wenn große Teile der Welt die kalte Schulter zeigen.
Es ist bestimmt falsch, Filme in einem Allerweltsgeschmack machen zu wollen. Der nationale Stil wird immer zu spüren sein, vorausgesetzt, dass der Regisseur überhaupt Stil hat. Aber entbehrlich sind die Begleiterscheinungen, die sich vollkommen grundlos aus Eigenarten des deutschen Films herausgebildet haben.
Unsere Filme werden leicht zu tragisch. Gewiss: jeder wirksame Film muss dem Menschen ans Herz gehen, aber er soll sich freihalten von der düsteren Einförmigkeit, von der Übersteigung der schmerzlichen Akzente, von der Grau-in-Grau Malerei. Man lebt doch nicht nur an Nebeltagen, und ein bisschen Sonne braucht schließlich jeder. Sogar der Film.
Wir verkennen das leicht. Schuld ist, dass wir einen Begriff von „Unterhaltung“ haben, den die Welt nicht kennt. Im Ausland geht man ins Kino, um sich ein paar Stunden geistig angenehm zu erfrischen. Man will mitlachen, vielleicht auch mitweinen – aber unter keinen Umständen will man mit einer Zentnerlast auf der Seele atmen müssen. Man will auch nicht in Konflikte und proleme verstrickt werden, die man mit Aufbietung gfroßer seelischer Kräfte verfolgen muss.
Das Problem! Dieses Wort spielt eine verhängnisvolle Rolle in Deutschland. Man sieht in dem Film einen Tummelplatz schwerer seelischer Konflikte, die immer unlösbar ineinander verhäkelt werden. Ich glaube, man verwechselt da zwei Dinge miteinander. Komplizierte seelische Probleme können auch mit der vollendetsten Technik nicht fotografiert werden – ihre Diskussion ist schließlich Sache der Bühnenliteratur, die für diesen Zweck höchst wirksame Mittel hat. Aber der Film? Weiterlesen

Der Selbstmord der Filmschauspielerin Eva May – Tragödie einer jungen Frau

Eva May ( 29. Mai 1902 -10. September 1924)

Wien, 11. September
Eva May ist erst am vergangenen Sonnabend aus Berlin hier eingetroffen. Sie hatte sich dort gerade von ihren Eltern getrennt, die nach Schweden reisten, wo Joe May die Aufnahmen für seinen Film „Kolportage“ [das wurde dann Der Farmer aus Texas] vorbereitet. Eva May, die schon mehrmals verheiratet war, hatte sich neuerdings mit ihrem Vetter Fritz Mandl, dem Generaldirektor der Württembergischen Patronenfabrik, verlobt. Eva May war in letzter Zeit des Öfteren mit dem Vetter in Baden bei Wien und in Marienbad zusammengetroffen, und war nur nach Berlin gefahren, um ihre Eltern auf kurze Zeit wiederzusehen. Auch jetzt war sie wieder nach Baden gefahren und wohnte dort, wie auch ihr Verlobter, in dem sehr eleganten „Hotel Herzoghof“. Angeblich wurde an der Selbstmörderin keinerlei Verstimmung beobachtet. Sie verbrachte den Sonntag und auch den Montag in bestem Einvernehmen mit ihrem Bräutigam, stand am Dienstag morgen ziemlich früh auf und war bereits um ½ 8 Uhr angekleidet in ihrem Zimmer. Herr Fritz Mandl machte seiner Braut einen Morgenbesuch und fand sie in anscheinend guter Stimmung vor.
Als er ihr einen Augenblick den Rücken kehrte, hörte er einen kurzen Knall.
Als er sich erschrocken umwandte, sah er gerade noch, wie Eva May vornüber sank. Die Unglückliche hatte, ohne dass der Bräutigam auch nur das Geringste bemerkte, einen Revolver ergriffen und sich ein Geschoß durchs Herz gejagt. Sie war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde dem Leichenschauhaus von Baden zugeführt. Die Eltern wurden sogleich telegraphisch benachrichtigt und befinden sich bereits auf der Fahrt nach Wien.

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Victor Holländer: Noch einmal Musik und Film (1920)

Den sehr geschätzten Aufsatz des Herrn Hans Landsberg möchte ich mir gestatten, in einigen Punkten zu ergänzen, resp. zu widerlegen.
Es ist nicht zu leugnen, dass eine Originalmusik zu neuen, künstlerischen Filmwerken eine weite Aufsicht für schaffende Musiker bietet; ich kann mich aber nicht damit einverstanden erklären, dass die Musik jeden wichtigen Einschnitt, jede Bewegung illustrieren muss. – Der Verfasser, der ja die nächsten Filme der Ufa zu komponieren beabsichtigt, wird in der Praxis sein blaues Wunder erleben.
Ich habe dies bei der Komposition der Musik des Sumurun-Films am eigenen Leibe verspürt und bin zu dem Schlusse gelangt, dass die Musik zunächst nur die allgemeine Stimmung des Films untermalen kann; sie kann Stimmungswechsel wiedergeben, darf sich aber keineswegs in Details verlieren. Ich möchte nur auf ein paar Kleinigkeiten aufmerksam machen, die dem Komponisten verhängnisvoll werden können.
Er ist zum Beispiel bei der Aufnahme eines Tanzes zugegen und mißt die Länge des Tanzes auf das Genaueste; nun aber denkt der Komponist, und der Tausendkünstler Lubitsch lenkt; er schneidet nachträglich den Film; plötzlich ein anderes Bild, währenddessen die Musik den Tanz spielt; nach einer Weile zeigt die Leinewand wieder den Tanz, aber die dazu passende Musik ist vorüber. Tableau! – Oder der Vorführer kurbelt schneller oder langsamer als die Musik gedacht ist; da muss halt der Dirigent die Musik wie einen Kuchenteig in die Länge ziehen – oder galoppmäßig beschleunigen, je nach der Laune des Kurblers. – Auf die Sekunde lässt sich keineswegs die Musik einstellen. – Ganz besonders markante Stellen z.B. ein Fall, ein Schlag, ein Klingelzeichen usw. lässt sich nur dann korrekt musikalisch wiedergeben, wenn der Schlagwerker des Orchesters den Film genau verfolgt und selbstständig eingreift.
Alles in allem gibt es für den Komponisten Möglichkeiten und Anregungen in Fülle, es ist nun seine Sache, die wichtigsten Momente und Stimmungen in der Musik festzuhalten und dem Gefüge einen geistigen Zusammenhang zu geben.

8-Uhr-Abendblatt, 22. Oktober 19201920)

Billy Wilder 1947 in Berlin

Im August 1947 war Billy Wilder In Berlin, um für seinen Film A Foreign Affair einige atmosphärische Außenaufnahmen zu drehen. Für die Berliner Presse arrangierte Paramount eine Voraufführung von Wilders Film The lost weekend. Danach kam es zu folgendem Interview.

Erwarten Sie nicht, dass ich Ihnen etwas erzähle! Fragen Sie mich, durchlöchern Sie mich mit Fragen!
Also frage ich. Haben Sie schon einen deutschen Nachkriegsfilm sehen können?
Ja, ich kenne Staudtes Die Mörder sind unter uns von Hollywood her. Ich muss sagen, wir waren drüben etwas enttäuscht. Wir hatten etwas Besonderes erwartet.
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Klaus Pringsheim: Musikalische Filmzukunft (1924)

Mit der üblichen Kinomusik geht es nun wirklich nicht mehr. Das Problem „Künstlerische Filmmusik“ – als Teilproblem der Filmkunst – ist erkannt, ist anerkannt; die Einsicht, dass Musik Teil des Filmwerks, nicht Zutat der Vorführung, Sache der Produktion, nicht erst des reproduzierenden Theaters zu sein hat, beginnt zu dämmern; das musikalische Gewissen der Produktion ist erwacht.
Noch ist Filmmusik unentdecktes Neuland; aber der Wille, es zu entdecken, regt sich, der artistische Reiz unerschlossener Probleme übt seine Wirkung. Unnütz, heute die Ästhetik der kommenden Filmmusik ergründen zu wollen; nur aus Beispielen, Versuchen, Irrtümern werden Regeln, wie es zu machen und wie es anders zu machen, sich gewinnen, werden Gesetzmäßigkeiten des filmmusikalischen Geschehens sich abstrahieren lassen. Wir sind heute dabei, Erfahrungen zu sammeln. Und wir erfahren, das weit problematischer als das Problem der Komposition die praktische Frage der Ausführung und der Verbreitung ist; die Schwierigkeiten, die kompositorische Aufgabe zu lösen, sind, um die Wahrheit zu sagen, eine Bagatelle, gemessen an den Schwierigkeiten, die dem Komponisten gemacht werden.
Alles künstlerisch Neue, Gottseidank, hat die Tendenz, sich durchzusetzen, muss die Kraft haben, sich nicht sabotieren zu lassen. Solche Tendenz, das Neue zu sabotieren, besteht allemal – es ist der passive Widerstand der Trägheit, Bequemlichkeit, Gewohnheit, verstockten Ungeistigkeit. Wer vertritt, wer übt, wenn es um Filmmusik geht, diesen Widerstand? Selbstverständlich nicht der Produzent, der Geld und Mühe aufgewandt hat, die Musik schreiben und (für die Uraufführung) einstudieren zu lassen. Selbstverständlich das Theater, dem das weitere Schicksal des Films überantwortet ist. Welchen Grund, fragt sich dessen Direktor, denn er ist, was den Ernst und die Reinheit seiner künstlerischen Ziele betrifft, ein gehobener (Ins Großunternehmertümliche gehobener) Schaubudenbesitzer – welchen Grund hätten wir, dem Publikum, dass sich bei der bisher üblichen Sorte Musik wohl fühlt, höhere musik-künstlerische Bedürfnisse beizubringen?
Gewiss, das Publikum hätte schließlich nichts dagegen, all den abgestandenen Unfug sich abgewöhnen zulassen, die ewigen Butterfly-Potpourris, die kitschig missbrauchte H-Moll-Sinfonie, das wahllos, stillos, gewissenlos zusammengestellte Zeug, den Schund, den Ersatz, dies einförmige Kunterbunt widerkünstlerischer Unzulänglichkeit. Nur eben: man gewöhnt es ihm nicht ab. Das Filmtheater ist keine kunst-moralische Anstalt. So denkt, wenn er denkt, der Direktor. Welchen Grund also hätte sein Kapellmeister, sein Orchester, besondere, ungewohnte Anstrengung aufzubieten? (Obgleich es nicht immer die schlechtesten Musiker sind, die sich heute aus der Verelendung ihres Standes in den sicheren Unterstand des Filmtheaters geflüchtet haben.)
Darum keinen Vorwurf gegen den Filmtheatermann, sein Standpunkt ist logisch und ehrlich, er heuchelt nicht Prätentionen, die ihm das Geschäft verwirren würden; er ist kein Mäzen, er ist ein Kaufmann, der mit Filmreproduktionen handelt, und kennt nur ein Argument: Gangbarkeit der Ware. (Darum auch nur: Musik, wie sie dem kaufenden Publikum eben recht.)
Künstlerische Verpflichtung bleibt in den Bezirk der Fabrikation gebannt. Wie also, soll in Zukunft der Fabrikant sich ausbedingen: diesen Film nicht ohne diese Musik-? Vielleicht ließe, von Fall zu Fall, ein Theater mit sich reden, würde, um der Films wegen (selbstverständlich nicht: um der Musik willen), die Musik in Kauf nehmen. Aber wann hat der Produzent Gelegenheit, mit Theater zu reden? Zwischen Produktion und Reproduktion schiebt sich, vermittelnd, trennend, der Verleiher; der sorgt dafür, dass von allen künstlerischer Ambition, die der Fabrikant seinem Erzeugnis vielleicht mit auf den Weg gegeben, nichts übrig bleibt. vielleicht

Der Verleiher – mit seinen Zielen verglichen sind die des Filmtheaters heilig-ernsteste Kunst – die Welt ist ihm Absatzgebiet seines Artikels, und er hat sie in Rayons erteilt; das ist alles, was er von der Welt wissen will. Musik? Gott soll schützen (Gott schütze alle Musik vor Filmverleihern).
So geht es nicht, und so geht es nicht. Aber irgendwie, trotz allem, wird es gehen müssen. Das Neue – heute kann es nur, mit einem lächerlich unzureichenden Schlagwort, „künstlerische Filmmusik“ genannt werden – das Neue wird sich durchsetzen, wird sich nicht von sekundären Widerständen unterdrücken lassen. Eines Tages wird irgendeine Filmmusik, Gott weiß, welcher Richard Strauß sie schreiben wird, „Erfolg“ haben, die Leute reden mehr von der Musik als vom Film, die Theater drängen sich, sie zu spielen, und am Ende ist sie gar ein Objekt für Verleiher geworden, dann werden, über Nacht, Filmpublikum und Filmindustrie ihr musikalisches Gewissen entdeckt haben. In der Tat: wird dies geschehen? Noch lockt Filmmusik den Musiker fast nur als artistisches Abenteuer. Fraglich ist, ob der Film je die werkende Kraft besitzen wird, die Musik der Zeit in seinen Bereich zu zwingen. Er wird die entscheidende Anstrengung nicht scheuen dürfen; oder die Filmmusik, die noch immer nur Verheißung, kommende Kunst, ein Stück Zukunft ist, geht an ihrer Ohnmacht zu Grunde: An ihrer Ohnmacht, die Musik auszulösen, ohne die, nichts für ungut, sie bestenfalls eine halbe Sache bleibt.

8 Uhr Abendblatt, Berlin, 9. Januar 1924, Nr. 7

Hans Landsberger: Verfilmte Musik oder musikalischer Film 1920

Titelblatt der Originalmusik zu Der Golem, wie er in die Welt kam

Über die Beziehungen von Film und Musik ist so vieles in Fach- und Tagespresse in letzter Zeit geschrieben worden, dass es mir nunmehr an der Zeit zu sein scheint, diese Frage öffentlich einmal vom wissenschaftlichen und künstlerischen Standpunkt zu beleuchten. Berechtigterweise hat man – ich möchte sagen instinktiv – schon seit den Anfängen der Kinematographie dazu gegriffen, zu den Filmvorführungen eine Musik spielen zu lassen. Wenn nämlich die optische Wahrnehmungsfähigkeit des Beschauers vom rein Bildhaften des Photographischen dazu übergegangen ist, sich auf die Bewegung einzustellen, ist es nur natürlich, dass sich im menschlichen Gehirn die Assimilation mit dem akustischen Bewegungsmoment, das durch die Musik dargestellt wird, auf das leichteste und angenehmste vollzieht. Diese Zusammenwirkung wird um so enger sein, wenn besonders erregende Momente wie das Dramatische oder Komische auftreten, die dann ihrerseits wieder durch die musikalische Parallele (Musik ist ja der beste Schilderer aller dieser Vorgänge) unterstrichen und gehoben werden. Wenn also feststeht, dass das Wesentliche am Film übereinstimmend mit dem Wesen der Musik die Bewegung ist, so handelt es sich in praxi eigentlich nur noch um die Frage, welcher Art denn die Begleitmusik eines Films zu sein hat, um den bewussten oder unbewussten Forderungen des Zuschauers zu entsprechen. Die Lösung ergibt sich eigentlich von selbst. Ein Musikstück gibt unter einem bestimmten Gesichtspunkt (nämlich seinem Titel) dem menschlichen Auffassungsvermögen freien Raum, sich zu der musikalischen Bewegung seine Gedanken (resp. Worte) selbst zu bilden; auch der Film schaltet – leider noch viel zu wenig! (siehe die vielen Filmtitel zwischen den einzelnen Bildern!) – das gesprochene Wort aus und ersetzt es gleichfalls durch Bewegung. Wer also – wie die Versuche von Film-Oper und –Operette – versucht, das aus der Bewegung glücklich ausgeschaltete oder durch sie abgelöste Wort wieder einzuführen, verstößt gegen einen wesentlichen Grundsatz der Weiterlesen

Titelregister der IFA-Berichte

Bis auf drei Filme konnten alle Titel identifiziert werden.

1 x 1 der Ehe. 1949. R: Rudolf Jugert 12/49
3 x Komödie. 1949. R: Viktor Tourjansky 4/Sonder/49

Abenteuer in der Südsee (Son of Fury: The Story of Benjamin Blake) USA 1942. R: John Cromwell 6/49
Adieu Cherie. F 1946. R: Raymond Bernard 4/49
Affäre Blum. 948. R: Erich Engel Sonder 49
Alibi (L’Alibi). F 1937. R: Pierre Chenal 7/49
Andere,Die. 1949. R: Alfred E. Sistig 8/49
Anonyme Briefe. 1949. R: A.M. Rabenalt 3/49
Arabische Nächte (Arabian Nights). USA 1942. R: John Rawlins 12/49
Artistenblut. 1949. R: Wolfgang Wehrum 12/49
Arzt und Dämon. (Dr. Jekyll and Mr. Hyde). USA 1941. R: Victor Fleming 4/49

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Bericht der IFA-Filiale Berlin für Dezember 1949, erstellt am 8. Januar 1950

Film-Abschlüsse/ Film-Umsatz:
Der Umsatz hat sich im Dezember fast auf gleicher Höhe gehalten wie im Vormonat. Die Weihnachtswoche lag diesmal besonders ungünstig, darum war auch das Weihnachtsgeschäft nicht das, was zu einem großen Teil erwartet wurde.
Der Dezembermonat stand völlig im Zeichen des amerikanischen Films in Berlin. Genau 24 Interessenten-Vorstellungen fanden hintereinander statt mit 48 Filmen. Auch der Einsatz amerikanischer Filme war besonders stark.
Die MPEA hat versucht, mit allen Mitteln bis zum 31.12. noch ihre Filme abzustoßen, und es ist ihr wohl auch zum größten Teil gelungen. In einem Sonderbericht hatte ich bereits auf diesen umfangreichen Einsatz amerikanischer Filme hingewiesen.
Da die Situation der Firma noch nicht klar erkennbar ist und über das tatsächlich feststehende Programm eine Veröffentlichung auch nicht erfolgte. müssen wir auch im Januar mit einer gewissen Zurückhaltung arbeiten.

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Bericht der IFA-Filiale Berlin für August 1949, erstellt am 6. September 1949

Dieser Bericht ist nicht vollständig überliefert. Er bricht am 2. September 1949 ab. Nicht eruiert werden konnte der Originaltitel des Films „Der große Regen“, der in keiner Fachzeitschrift besprochen wurde.

Im August wurden einige Filme neu herausgebracht und damit eine stärkere Terminierung unserer Filme für die folgenden Monate erreicht. Das Wetter in Berlin lässt Kassenrekorde oder andere geschäftliche Höhepunkte nicht zu. Wir sind zufrieden, dass wir umsatzmäßig in Berlin hinter der MPEA und Schorcht rangieren und alle anderen Verleih-Unternehmen beträchtlich hinter uns zurückgeblieben sind. Die Kino-Theater zeigen durchschnittlich – ob Spitzenfilm, Durchschnitts- oder schwächerer Film – noch immer den gleichen Umsatzrückgang. Theater mit Ergebnissen von 50 % bilden durchaus die Spitze. Nur wenige amerikanische und deutsche Filme haben genügend Anziehungskraft, zum normalen Kinobesuch anzuregen.

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Bericht der IFA-Filiale Berlin für Juli 1949, erstellt am 9. August 1949

Der Monat Juli ist bei allen Verleih-Unternehmen in Berlin der bisher schlechteste gewesen. Wir haben in einigen Sonderschreiben an Sie zum Ausdruck gebracht,dass wir auch nichts gewonnen hätten, wenn die zugkräftigsten Filme unseres Programme uraufgeführt worden wären. Der außerordentliche Rückgang hängt zunächst noch immer mit dem Einkaufshunger der Bevölkerung zusammen, mit einem absoluten Geldmangel und nicht zuletzt mit dem herrlichen Wetter. Doch schon heute dürfen wir die Hoffnung haben, dass der Tiefstand überwunden ist. Dass wir im Juli keine Filme herausgebracht haben, werden Sie verstehen können, da die besten amerikanischen und deutschen Kassenschlager, die normalerweise als solche anzusprechen wären, nur unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt haben.
Mit der Vermietung der neuen Filme ist begonnen worden. Wir konnten Ihnen mitteilen, dass sämtliche Filme für die Uraufführungs-Theater vergeben sind, mit Ausnahme der hier noch nicht eingetroffenen Filme Flüchtig und Im Schatten einer Lüge. Eine Anzahl der Filme des Programms sind für Berlin nicht mehr neu. Die Filme Schweigen ist Gold, Die schöne Unbekannte, Die zünftige Bande, Zwei in Paris, Ritter der Nacht, Unter falschem Verdacht, Christiane, Die Frau am Kreuzweg, Der Weg zur Hölle und Alibi wurden teilweise unter anderem Titel bereits in der Zeit von 1945 bis 1948 in Originalfassung mit deutschen Untertiteln ausgewertet. Eine Auswertungsmöglichkeit besteht für alle diese Filme jedoch noch im britischen Sektor von Berlin und in einem großen Teil des amerikanischen Sektors. Für den französischen Sektor, jetzt insgesamt 34 Theater, scheiden diese Filme aus. So muss deshalb gebeten werden, bei Fertigstellung der deutschen Fassungen der Filme Der Doppelgänger, Der Doppeladler, Nicht schuldig, Herzklopfen diese sofort nach Berlin zu geben, damit sie noch vor Veröffentlichung des Sommerprogramms in Berlin ausgewertet werden können. Weiterlesen

Bericht der IFA-Filiale Berlin für Juni 1949, erstellt am 19. Juli 1949

Durch die Transportsperre sind Erschwerungen in unserer Disposition eingetreten, vor allem deshalb, weil einige sehr dringend erwartete deutschsprachige Kopien nicht eintrafen. Der Mangel an Kopien, der nun nach der Zusage der Generaldirektion behoben wird, hat einen großen Anteil am Umsatzrückgang gehabt, obwohl selbstverständlich Geldmangel, augenblickliche Zeitumstände und das Sommerwetter ein übriges dazu tun. Keinesfalls aber ist daran schuld das starke Angebot der anderen Verleihunternehmen. Die MPEA, die jetzt mit allen Mitteln versucht, alle verfügbaren Uraufführungstheater für sich zu beanspruchen, muss mit Erstaunen feststellen, dass ihr durch andere Verleihunternehmen der Weg erschwert wird. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die neue Staffel der MPEA, von der gestern der Sensationsfilm Im Zeichen des Zorro anlief, außerordentlich starke Geschäfte verspricht. Weiterlesen

Sonderbericht der IFA-Filiale vom 1. Juni 1949 – S6/49

Die schwierige Situation in Berlin zwingt uns, diesen Sonderbericht für Sie abzufassen.

Nachdem wir am 12. Mai vor der erfreulichen Tatsache standen, dass viele große Schwierigkeiten behoben zu sein schienen, trat schon in der zweiten Woche eine Verschlechterung der politischen Verhältnisse ein, die dann zum Eisenbahnerstreik geführt hat. Die S-Bahn von Berlin, das wichtigste Verkehrsmittel innerhalb unserer Stadt, steht still. Stellen Sie sich vor, dass z.B. von Frohnau niemand mit der S-Bahn in das Stadtinnere gelangen kann, oder vom südlichen Zipfel (Südende) nach Lichtenberg, oder von Wannsee nach Neukölln. Dieser Streik, der zwar allgemein als unbedingt notwendig erachtet schien, schädigt unsere Geschäftsinteressen in einem unvorstellbaren Maße.
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Bericht der IFA-Filiale Berlin für April 1949, erstellt am 16. Mai 1949 – 4/49

I. Film-Abschlüsse
Wir haben gewisse Schwierigkeiten, Filme in den Erst- und Zweitaufführungstheatern zu placieren, da alle Kunden den Maßstab des Films, den sie zu spielen wünschen, an die deutsche Fassung der Filme anlegen. Von den in letzter Zeit angelaufenen Filmen Der Doppeladler, Capitaine Fracasse gibt es z.B. solche nicht d.h. noch nicht und von Halsband der Königin ist die technische Wiedergabe durchaus als gelungen zu bezeichnen, das Kopienmaterial jedoch wirkt verschleiert und unklar. Sofern die Berliner Verhältnisse sich wieder den normalen nähern, müssen wir auch unbedingt von jedem der angelaufenen Filme sofort zwei bis drei Kopien zur Verfügung haben. Diese Tatsache wird jedoch auch der Generaldirektion durch Erfahrungen in anderen großen Städten Deutschlands hinreichend bekannt sein. An die Synchronisation französischer Filme muss aber – und das habe ich in einigen gesonderten Schreiben zum Ausdruck gebracht – der strengste Maßstab angelegt werden. Von den in München synchronisierten Filmen ist man bei keinem der Verleih-Unternehmen, so auch der amerikanischen und englischen Filme, zufrieden gewesen. Es gibt einige Fachleute, die in dieser Hinsicht Behauptungen aufstellen, die nahezu unglaubhaft sind. Sie lassen sich jedoch in einem Brief, vor allen Dingen ohne Angabe des Quellenmaterials, nicht niederlegen. Weiterlesen

Bericht der IFA-Filiale Berlin für März 1949, erstellt am 15. April 1949 – 3/49

Monatsbericht März 1949
Der Umsatz im Berichtsmonat für die französischen Filme ist nur um 11.000,– geringer als im Monat Februar, wobei die dritte Währungsreform den entscheidenden Anteil am Rückgang hat.

Zur Zeit befinden sich eine größere Anzahl schwacher Filme im Einsatz. Die stärkeren Publikumsfilme sind in den wichtigen Erst- und Zweitaufführungs-Theatern bereits eingesetzt gewesen. Es bleibt dabei erstaunenswert, dass Der Graf von Monte Christo, der in Berlin allein von 150 vorhandenen Filmtheatern in den 3 Westsektoren in 138 Theatern gespielt wurde, in der Zeit vom 1.1.1949 bis 31.3.1949 die hervorragende Besucherzahl von 272.910 erzielte. Auch Martin Roumagnac und Der unbekannte Sänger erweisen sich als weiterhin publikumsstark. Narcisse und Unter falschem Verdacht erscheinen nun in den kleineren Theatern. Beide Filme werden 100 Abspielungen bei 150 Theatern in Berlin, die zur Verfügung stehen, erreichen. Das sind Zahlen, die normalerweise nur für die allergrößten Revue- und Sensationsfilme in den Vorkriegszeiten und bisher aufzuweisen sind. Auch die Ergebnisse mit den Filmen Adieu Chérie, Carmen, Der Doppelgänger, Engel der Nacht, Die grosse Illusion, Die Lüge der Nina Petrovna, Narcisse, Unter falschen Verdacht sind durchaus erfreulich, wobei zu bemerken ist, dass Der Doppelgänger und Die grosse Illusion bisher nur in der Originalfassung vorliegen.

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Bericht der Ifa-Filiale Berlin für die Zeit vom 1.1. bis 31.8. 1948

26. August 1948

Die Ifa-Filiale Berlin hat ihre Position in Bezug auf das deutsche Wirtschaftsleben und in kultureller Hinsicht gegenüber dem Jahre 1947 noch vergrößern können. Der Name IFA ist für jeden Berliner, auch der anderen Sektoren, zu einem festen Begriff geworden. Er verbürgt vor allen Dingen eine hervorragende Kundenbedienung, Anerkennung bei den Theaterbesitzern im allgemeinen und genießt großes Ansehen bei Personen, die innerhalb der deutschen Filmwirtschaft, des Theaterlebens eine Rolle spielen. Die Verleihleitung der Ifa Berlin war von jeher bereit, keine Mühe zu scheuen, um selbständig, möglichst ohne Unterstützung der Militär-Regierung, Schwierigkeiten zu beheben. Ende des Jahres 1947 konnten Beobachter die Feststellung treffen, dass das Wirtschaftsleben sich in Berlin im Aufstieg befand. Ein Stillstand trat ein, als die erste Krise der Alliierten sich für die Deutschen spürbar machte. Trotzdem ist keinerlei Rückgang in der Entwicklung der Ifa in finanzieller Hinsicht und auch in anderer Beziehung eingetreten. Die Besucherziffern für die Filme der Ifa sind: Weiterlesen

Dr. Rudolf Kayser – S. Fischer Verlag

Dr. Rudolf Kayser (1889 – 1964)

Die Frage nach den Wegen zum künstlerischen Film ist nicht leicht zu beantworten, da sie einen ganzen Komplex von Einzelfragen umschließt. Zunächst kommt es darauf an, das Manuskript wirklich unter dem Gesichtpunkte des Kinos herzustellen; die Analogien zu Literatur und Theater müssen unterbleiben. Haben auch einige bedeutende Darsteller einen besonderen Film-Stil gefunden, der nicht den äußeren Zwecken, sondern dem Wesen des Films entstammt, so lässt sich das für die Autoren kaum behaupten. Nicht auf Psychologie, Beschreibung, Mannigfaltigkeit der Charaktere und des Geschehens kommt es an (denn aus ihnen können nur die teils sentimentalen, teils kolportagehaften Stücke entstehen, die man kennt), sondern auf Phantastik und Groteske, auf den Rhythmus in körperlicher Bewegung, Dekoration und Landschaft. Der musikalisch-rhythmische Charakter des Films wird immer maßlos unterschätzt. Zumeist überhaupt nicht beachtet. Daher kommt es auch, dass sich bisher noch kein Komponist gefunden hat, der zu Films eigene Begleitmusiken schreibt.
Der Grundcharakter des Films ist ein optischer und kein literarischer. Die zweidimensionale Fläche, die keine größere Tiefenentwicklung erlaubt; die bildhafte Ausprägung der Vorgänge; die Verteilung von Licht und Schatten; die Gruppenbildung durch die Figuren, ihre optischen Beziehungen zu Landschaft und Räumen …. das sind Faktoren, die nicht nur für den Filmregisseur, sondern auch für den Autor von grundlegender Bedeutung sind. Denn er muß endlich seine Aufgabe dahin erkennen: dass er ein optisches Spiel schaffen soll; ja, ein Spiel, mit all den romantisch-musikalisch-triebhaften Elementen, die auch dem Spielen der Kinder zugrunde liegen, nicht aber Dramen und Epen.
Daraus ergibt sich, dass literarische Werke sich nicht ohne weiteres verfilmen lassen. Nur solche kommen in Betracht, die wirklich in die optische Sprache übersetzbar sind, d.h. vor allem romantisch-phantastische und grotesk-komische. Wenn literarische Werke mit Haut und Haaren verfilmt werden, zeigt sich zumeist nicht nur grobe Verstofflichung, sondern auch völlige Akzentverschiebung; der eigentliche Gehalt der Dichtung ist verschwunden, und Nebensächlichkeiten sind zur Hauptsache geworden.
Dass solche künstlerischen Gesichtspunkte auch in die Filmindustrie Eingang finden möchten, wäre sehr zu wünschen. Die bisherigen Methoden lassen sich keinesfalls fortsetzen. Der Vorschlag, eine Vermittlungsstelle zwischen Autoren und Filmfabriken einzurichten, ist bereits verwirklicht. Nach dem Vorbilde der Vertriebsstelle der Bühnenschriftsteller ist vor längerer Zeit eine Geschäftsstelle des Verbandes deutscher Filmautoren eingerichtet worden, der verschiedene Verleger die Verfilmungsrechte an ihren Büchern übertragen haben. Diese Geschäftsstelle bemüht sich, die künstlerischen Vorschriften der Verlage bzw. der Autoren genau zu befolgen und nur nach ihrer Berücksichtigung mit den Fabriken abzuschließen. Zu wünschen wäre aber, dass eine zentrale Instanz geschaffen wird, die sich aus Persönlichkeiten zusammensetzt, die wirkliches Verständnis für den Kunstcharakter des Films besitzen. Deshalb wäre es notwendig, dass nicht nur Autoren, sondern vor allem auch jüngere Maler und Regisseure (Ludwig Berger, Leopold Jeßner, Karl Heinz Martin…) an sie berufen werfen.

Der Vorschlag, durch mehrere Filmfabriken dasselbe Stück herzustellen, wäre durchführbar nur auf dem Wege des Wettbewerbs, durch den dem Preisträger das Vorführungsrecht übertragen wird. Sicher könnten so interessante Ergebnisse gezeiotigt werden. Von Vorneherein aber über dasselbe Stück mit verschiedenen Fabriken abzuschließen, ist in jeder Beziehung unmöglich. Der Vergleich mit dem Theater ist da nicht am Platze, da ja über Bühnenvorstellungen nur für einen bestimmten Ort abgeschlossen wird, Filme aber freizügig sind. So wenig es möglich ist, ein und dasselbe Buch eines lebenden Autors in mehreren Verlagen erscheinen zu lassen, so wenig kann auch ein Film gleichzeitig durch verschiedene Fabriken hergestellt werden. Das ist rechtlich wie wirtschaftlich wie auch künstlerisch gleich unmöglich.

Nationalzeitung – 8 Uhr Abendblatt, 15. Juli 1920

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The National Library of Israel, Jerusalem. Thanks to the copyright and permission service

Über Rudolf Kayer:
https://en.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Kayser
http://web.nli.org.il/sites/NLI/English/collections/personalsites/archive_treasures/Pages/kayser_G.aspx

Leopold Jessner – Intendant des Staatlichen Schauspielhauses, Berlin

Leopold Jessner (1878 – 1945)

Ich halte nichts von den sogenannten expressionistischen Experimenten, mit denen uns der Film so gerne imponieren und reizen will und finde, dass Versuche und Spielereien dieser Art als dem, was wir als tiefsten, innersten Ausdruck einer künstlerischen Weltanschauung und als konzentrierten Ausdruck einer in uns lebenden Kunstwelt fühlen und empfinden im allergünstigsten Fall nichts als das Geräusper und Gespuck auf die Leinwand kommen kann. Ich glaube also demnach, dass die sogenannten expressionistischen Filme das Schicksal aller Modetorheiten und liebhaberischen Übertreibungen haben werden. Dagegen kann man meiner Meinung nach dem Filme keine besseren Dienste leisten, als wenn man ihn ständig in seinen Photographien zu verbessern und zu verfeinern strebt. Auf dieser Linie scheinen mir noch die allergrößten Möglichkeiten zu liegen. Man sollte sich offen und ehrlich zu dem bekennen, was der Film zu bieten vermag, ohne zu versuchen, ihm ein – schamhaft posierendes Mäntelchen umzuhängen, dafür aber Phantasie, Intelligenz und Geschmack in den Dienst der Sache stellen und auf diese natürlich und dem Wesen des Films entsprechende Weise die dringend erwünschte Veredelung dieses augenblicklich populärsten und weitreichendsten aller Unterhaltungsmittel herbeiführen helfen.
Die von Ihnen angeregte Reform in der Behandlung der Film-Manuskripte ist wohl an sich dringend erwünscht, wenn ich auch freundlich glaube, dass nur in den allerseltensten Fällen eine mehrfache Inszenierung desselben Manuskriptes zu erreichen sein wird. Das Charakteristische dieser Industrie ist doch ihr ungeheurer Stoffmangel und die Sucht des Publikums, immer wieder neue Kombinationen zu sehen, selbst, wenn es sich immer wieder um dasselbe Grund-Thema handelt. Ein gutes Theaterstück kann man immer wieder neu genießen, einen Filmtext kaum. Das Auge wird müde, da die sprechende Seele fehlt.“

Nationalzeitung – 8 Uhr Abendblatt. 15. 7. 1920

Georg Engel – Schriftsteller

Georg Engel (1866 – 1931)

Es ist mir ganz klar, dass zu den vielen Unveränderlichkeiten und erstorbenen Petrefakten innerhalb der Kunstbeurteilung, die trotz Revolution und Weltenwende dumm, leer und anspruchsvoll stehen geblieben sind, an erster Stelle der Gemeinplatz von der Kunstlosigkeit des Films gehört. Man will eben noch nicht sehen, dass der Film seine eigene Ausdrucksform besitzt, die sich eben nur durch das Bildhafte, durch Licht, Schatten und Bewegung äußern kann. Er gibt infolgedessen nicht den Gedanken und vermag ihn keineswegs zu erschöpfen, sondern er umschreibt ihn – durch die Bildsprache, genau so, wie frühe Völker ihre Schrift sich in Bildern ausleben ließen. Es wird daher dem Film in seiner höchsten Gestaltung immer etwas Naives und Rudimentäres anhaften, das aber, wie alles Geschehen, dem einfachen Volksempfinden leichter eingeht als die begriffliche Beweisführung. Man sollte deshalb nicht gar so niedrig von dem „Geschehen“ denken, schreibt doch ein nicht ganz unwürdiger Denker und Dichter der Deutschen:
„Mir hilft der Gruß, auf einmal seh ich Rat,
Und schreibe getrost: im Anfang war die Tat.“
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Karl Heinz Martin. Regisseur der Reinhardt-Bühnen

Die Verspätung meiner Antwort liegt daran, dass die Frage mich erst auf Umwegen erreichte. So erhielt ich freilich auch die Gelegenheit, zugleich schon auf die Gedanken der ersten Ihnen zuteil gewordenen Antworten eingehen zu können.
Ihr Vorschlag beruht auf der richtigen, auch mir geläufigen Einsicht, dass der Film, dass Werte und Möglichkeiten des Filmes im Manuskript und beim Manuskript beginnen; er scheint mir aber dann durch die übliche Verwechslung des Theaters mit der Filmkunst irre geleitet zu werden. Der Aufbau des Filmmanuskriptes auch als literarischer Gattung – als solche sehe ich es durchaus an – ist von dem des Dramas so verschieden, wie ihre Ausführung auf der Bühne und vor dem Aufnahmeapparat verschieden sind und so verschieden muss ihre Behandlung sein. Ich will von den wirtschaftlich-industriellen Bedingungen, die beim Film heute eine größere Rolle als beim Theater spielen, ganz absehen, obwohl schon an ihnen die Ausführung Ihres Vorschlages scheitern muss. Aber allein eine technische Bedingung verbietet sie – die, welche schon Rudolf Kayser anführte, dass nämlich das Drama an einem Theater bleibt, der Film aber in jede Straße kommt.
Die Hindernisse beginnen aber noch tiefer. Da das Filmspiel, das vom Theaterspiel recht verschieden ist, die primitiv leiblichen künstlerischen Instinkte – die nicht wertloser sind als die differenzierten – freimacht, auch die „komödiantischen“ des Schauspielers, wird der Film in ganz anderer Weise als das Drama, bei dem freilich auch Schiller diese Rücksicht nahm – dem einzelnen Schauspieler „auf den Leib“ und für den einzelnen Regisseur geschrieben sein. Die Rolle Asta Nielsens wird Henny Porten weder spielen wollen noch spielen können, und Asta Nielsen werden gerade ihre wertvollen künstlerischen Fähigkeiten eine Rolle verbieten, die der Henny Porten liegt. Was Sie vorschlagen, ist reizvoll für Fachleute und mehr eine interessante Probe als ein Experiment, und Experimente zwar, aber nicht Studien darf man dem Publikum vorsetzen.
Experimente zwar reizen gerade mich, und für mein Gefühl und meine Erwartungen wird gerade im Film, der gewisser als alles das Reich der unbegrenzten Möglichkeiten ist, zu wenig experimentiert. Nicht auf dem technischen Gebiete freilich, wie Herr Leopold Jeßner meint. Die Photographie, die Tricktechnik und alles sind außerordentlich weit und entwickeln sich selbstsicher rapid weiter, dazu habe ich, nach dem, was ich sehe und tue, alles Vertrauen. Aber nützt die Regie diese unbegrenzten Möglichkeiten aus? Sie erschöpft sich in längst konventionellen, nur formal gebändigten Massenszenen und immer banalen Großaufnahmen. Spielt sie genug und ernst genug diese Architektur aus Menschenleibern? Ist der Filmregisseur mit dem Apparat, der hier sein Auge sein muss, hinter der Ekstase der Schauspieler her?
Und das Manuskript. Wie arm mit Stoffen gefüllt ist dieses Reich der unbegrenzten technischen, bildnerischen und fabulierischen Möglichkeiten! Eifersuchtskonflikte, Ballszenen und gestohlene Briefe. Fällt den Dichtern nichts anderes ein, und wollen sie immer weiter höchstens die Reize auch nicht mehr unbekannter Milieus wirken lassen?
Nein, sie sollen, gerade wie der Regisseur, aus den Bedingungen des Films phantasieren. Die sind schon ernsthaft untersucht, ich darf an Aufsätze zum Beispiel der Neuen Schaubühne, etwa an meines Mitarbeiters Rudolf Leonhard „Bemerkungen zur Aesthetik und Soziologie des Films“ erinnern [Dreden, Heft 1, Jg. 2, Januar 1920]. Lassen Sie mich ein Paradoxon daraus zitieren: „Der Film ist eine selbständige literarische Gattung – innerhalb der bildenden Kunst“. Er ist eine Dichtung, die aus einer Bilderfolge besteht. In dieser und in diese soll der Filmdichter phantasieren und experimentieren. Mit „Expressionismus“ gerade so viel und gerade so wenig wie das Theater und wie die Literatur selbst. Verlangt ein Film den Stil, den man mit einem missbrauchten Schlagwort „expressionistisch“ nennt, so soll er ihn beim Dichter haben und wird ihn beim Regisseur finden. Es ist einer der Wege zu seiner Reise. Die aber, die jetzt zu beginnen scheint, wird seine frischeste Jugend sein. Die jungen Autoren, deren Exkludiertheit Herr Cassirer und deren Exklusivität ich beklage, suche ich gerade. Wo sind die jungen Dichter, die mir neue Filme schreiben, aber nun auch wirklich neue, nicht nur Variationen der alten, und wer lässt sie mit mir zusammen experimentieren? Nicht nur auf dem grotesken und romantischen Gebiete; vom kindlichen Sentimentalismus zynischer Exzentrik will ich, wenn sie Gefühle und Schicksale in Bilderfolgen ausdrücken können und mit mir künstlerisch aus dem Objektiv denken wollen, mit ihnen durch das Reich der unbegrenzten Möglichkeiten hin – darstellen. Denn gedruckt dürfte der Film erst nach der Herstellung werden. Erst retrospektiv darf er, ein selbständiges Literaturwerk auf dem Bilderstreifen, in die allgemeine Literatur zwischen den Buchdeckeln eingehen. Die Filme, die Herr Cassirer vorschlägt und vorbereitet, scheinen mir Buchfilme zu sein, die sich zum Film wie das Buchdrama zum Theater verhalten (und so wenig wie „Buchdrama“ ein Einwand gegen ein Drama ist, soll dies ein Einwand gegen sie bedeuten). Es braucht gar nicht das Experiment des szenischen Wettbewerbes mehrerer Filmfabriken; eine genügt, wenn sie ihrem jungen Dichter und ihrem jeweiligen Regisseur freie Hand lässt, und wenn der Dichter, zu optischer Richtung seiner Phantasie, zu „Bildhaftigkeit in einem ganz neuen, beweglichen und bewegten, erst durch den Film ermöglichten Sinne entschlossen, sich dem warten Regisseur gesellt.
Und auch an Sie, Herr Redakteur, habe ich eine Bitte: Befreien Sie den „Filmteil“. Lassen Sie die Filmkritik aus dem lokalen Teil in die Nachbarschaft der anderen Künste übersiedeln. Auch wir brauchen einander.

Nationalzeitung – 8 Uhr Abendblatt, 8. August 1920

Fernsehen über Filme 1955

Was bin ich? Ein neues psychologisches Extemporale mit Robert Lemke und sieben unbekannten Größen. Am 2. Januar mit Vico Torriani, am 23. Oktober mit Ruth Leuwerik

Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Die flimmernde Leinwand, von Geiselgasteig bis Hollywood. Leitung: Friedrich Sauer. Am 12. Januar, 16. Februar – Die flimmernde Leinwand. Von Geiselgasteig bis Hollywood. Leitung: Friedrich Sauer 17, Mai, 28. Juli, 6. Oktober, 19. November

Maurice Chevalier zu Gast bei Margot Hielscher. 12. Januar – . Zu Gast bei Margot Hielscher. Prominente – fast privat. Leitung: Kurt Wilhelm 24. April, 6. Juni, 30. September, 31. Dezember

Im Wirbel der Stars und Synkopen. Hollywood Melodie. 19. Januar, 22. Februar, 25. März, 14. April, 4. Mai, 22. Juni, 22. Juli, 27. Juli, 23. September

Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme – fern gesehen, nah betrachtet. Redaktion: Jürgen Roland 24.Januar, 5. März, 12.April, 6. Mai, 1. Juli, 12. August, 26. September, 17. Oktober, 28. November, 20.Dezember
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Filmkunst aus Paris und Rom. 7. Februar, 16. März,

Kulturfilmschaffen des Auslandes. Zwei Filmschöpfungen aus Amerika und Italien: I. Der tödliche Dschungel. Kampf der Tiere im Urwald. – II. Die Gottesanbeterin. Insekt oder Raubtier? 21. Januar

Fernandel. Ein großer Schauspieler in seinen bekannten Filmszenen. Zusammenstellung und Sprecher: Michael Kehlmann 26. Januar

Rätsel und Wunder der Natur. III. Die Filmkamera belauscht den Charakter der Tiere. Dr. Nicholas Kaufmann, der Leiter der Ufa-Kulturfilm-Produktion, gibt Erklärungen zu seinem Film. 10. Februar
IV Folge. Gefilmtes Leben – ferngesehen. Erläutert von Dr. Nicholas Kaufmann. 19. April

Filmschaffen des Auslandes
. In dieser Sendereihe zeigen wir heute zwei Dokumentarfilme aus England und Indien: 1. Fernost zu Besuch. Studenten aus Pakistan, Burma und Indien suchen Verbindung mit der westlichen Zivilisation. 2. Kulu – das glückliche Tal. Im schönsten Teil des Himalaja. 24. Februar (auch 25.3.) Weiterlesen

Kann der deutsche Film besser sein?

In seiner Sendereihe „Das Gespräch des Monats“ hatte das NWDR-Fernsehen am 30. November zu einer Diskussion des Themas „Kann der deutsche Film besser sein?“ eingeladen. An der Diskussion nahmen u.a, teil: Horst von Hartlieb (Verleiherverband), Alfred Rauschenbach (Produzentenverband), Dr. Günter Schwarz, Dieter Fritko (Export-Union), Hans Wiese (Spio), Walter Koppel, Dr. Toni Schelkopf, Hans-Georg Dammann (Produktion), Alf Teichs (Verleih-Dramaturg), Volker von Collande (Regisseur) sowie als Mitglied des Bundestagsausschusses für Presse, Film und Funk, MdB Georg Kahn-Ackermann. Außerdem sah man Vertreter des Filmkontors, der Treuhand, Produktions-und Verleihmitarbeiter, Kritiker und filminteressierte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. In seinen Eingangsworten betonte der Diskussionsleiter, Oberstaatsanwalt Dr. Kramer, dass die Fragestellung des Diskussionsabends nicht polemisch aufzufassen sei – dennoch begann Walter Koppel die Debatte mit der Bemerkung, daß die Veranstalter durch ihr Thema unterstellten, der deutsche Film sei schlecht. Weiterlesen

Ernst Lubitsch. Regisseur der Projektions-A.-G. „Union“

Ernst Lubitsch

Der Vorschlag ist an und für sich in der Idee sehr interessant und reizvoll. In der Praxis halte ich ihn aber nicht für durchführbar. Der Vergleich mit dem Theater, auf den Sie sich stützen, hinkt meiner meinung nach. Ein Theater nimmt nämlich ein neues Stück eines modernen Autors zur Aufführung an, und erwirbt dadurch für seinen Wirkungskreis auch ein Monopolrecht, d.h. in derselben Stadt darf nur das eine Theater dieses Stück spielen.Es würde keinem Theaterdirektor einfallen, heute eine Novität herauszubringen, damit sie morgen am Konkurrenztheater nebenan gespielt wird.
Der künstlerische Wettbewerb in dem von Ihnen vorgeschlagenen Sinne kann nur für Stücke oder Films eintreten, die frei sind. Man kann von keinem Filmunternehmer verlangen, dass er in eine neue Idee ein Vermögen hineinsteckt, wenn er nicht das Monopolrecht über diese Idee erhält.

Nationalzeitung – 8 Uhr Abendblatt, 8. August 1920

Paul Cassirer – Kunsthändler, Verleger

Paul Cassierer (1879 – 1926)

So interessant Ihr Vorschlag ist, die Filmmanuskripte mehreren Filmfabriken zur Aufnahme zu übergeben, so dass, wie im Theater, der Film von den verschiedenen Filmschauspielern dargestellt wird, so glaube ich leider nicht an die Verwirklichung dieser Idee; denn die Filmfabrik verhält sich zum Filmmanuskript nicht so wie das Theater zum Dramenmanuskript. Der Weg des Dramenmanuskriptes ist im allgemeinen folgender: Die Herstellung des Buches durch den Verleger, die Aufführung durch ein oder mehrere Theater. Der Weg des Filmmanuskriptes dagegen ist ein anderer. Das Filmmanuskript geht direkt zum Filmfabrikanten; der Filmfabrikant führt den Film „aus“, das Filmtheater führt den Film „auf“. Was beim Theater ein Organ ist, zerfällt beim Film in zwei Stationen. Nun sind die Unkosten nicht, wie beim Theater, am größten bei der Aufführung (die Aufführungskosten sind verhältnismäßig sehr klein), sondern bei der Fabrikation, d.h. bei der Ausführung. Eine mehrfache Ausführung durch verschiedene Regisseure und durch verschiedene Filmdarsteller würde die Unkosten in einer ganz anderen Weise vergrößern als es etwa beim dramatischen Werke wäre.
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Walter Hasenclever

Walter Hasenclever (1890 – 1940)

Sie fordern mich auf, zu der Frage Stellung zu nehmen, ob der Film durch Einschaltung neuer Faktoren an Niveau gewinnen könne. Wenn Ihr ausgezeichneter Vorschlag, den Buchverleger mit der Vermittlung zwischen Autor und Filmunternehmen zu betrauen, praktisch durchgeführt werden soll, so müßte zunächst dafür gesorgt werden, dass eine Filmgenossenschaft geschaffen wird, die ähnlich wie die Bühnengenossenschaft und der Bühnenverein auf gesetzlicher Basis die Haltung der Filmunternehmungen zu beaufsichtigen und das Verhältnis zwischen Filmschauspieler, Filmregisseur und Filmdirektor zu regeln hätte. Besonders das Verhältnis der Filmschauspielerin zu den oberen Instanzen müsste einer eingehenden Revision unterzogen werden. Solange es Generaldirektoren gibt, die dafür, dass sie an vier Telephonen gleichzeitig telephonieren und die Bilanz der Gesellschaft verschleiern, mit einigen hunderttausend Mark im Jahre nicht zu schlecht bezahlt sind, bezweifle ich, dass in den Kreisen der Filmtrusts eine Neigung besteht, Ihren Plänen näherzutreten. Die Autoren, denen es wie immer, so auch hier, an Mut und Initiative fehlt, werden sich weiterhin von den Kommis der Branche belehren lassen, was ein guter und was ein schlechter Film ist. Es wird soweit kommen, dass begüterte Pferdehändler, die im Nebenberuf Filmdirektoren sind, in den Fachzeitschriften ein Preisausschreiben für Filme erlassen, die ihre Mätressen spielen. Sie – die Autoren – zahlen zwar dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ihren jährlichen Beitrag, aber auf diesem gefährlichsten und verbrecherischstem aller Tummelplätze, dem Film, überlässt man sie ruhig den Furien.
Nationalzeitung – 8 Uhr Abendblatt, 24. Juli 1920

Christoph Winterberg

Christoph Winterberg

Im Mai 2018 schrieb Rolf Aurich im Zuge seiner Recherchen zu Dr. Alfred Bauer an Christoph Winterberg, den Inhaber des Antiquariats an der Donau in Neuburg. Winterberg war ein guter Bekannter des Gründungsdirektors der Berlinale gewesen und hatte nach dessen Tod der Kinemathek einen relativ unbedeutenden Teil des Nachlasses übergeben. Besaß Winterberg vielleicht noch weitere Stücke aus dem Nachlass, konnte er aus seinen Gesprächen mit Bauer etwas zu dessen Charakterbild beitragen? Auf diese Fragen bekam Aurich keine Antwort, der Brief kam als unzustellbar zurück. Wo war Christoph Winterberg? Vielleicht wusste der australische Sammler Bill Gillespie etwas?
Gillespie hatte bei seinen jährlichen Visiten in Deutschland immer wieder Filmplakate von Winterberg gekauft und teilte mit, dass er zwar im Juli 2017 mit Winterberg verabredet war, der aber nicht gekommen sei und telefonisch auch nicht zu erreichen war. Vielleicht war er ernsthaft krank oder gestorben – dann wäre aber doch etwas aus seiner sagenhaften Film-Sammlung aufgetaucht. Niemand wusste genaues über Winterbergs Sammlung; er selbst hatte in einem seltenen Moment von Offenheit erklärt, sie befände sich in einem Lager von 500 qm. Das sei aber inzwischen so voll, dass es darin keine Gänge gäbe und man nur noch über die Kisten klettern könnte. Zum Bestand äußerte er sich nur vage: 550.000 Standfotos, 60.000 Plakate, unzählige Bücher, 250 Drehbücher und natürlich Ephemera wie Film-Verschlussmarken und Preise seien vorhanden. Die Mengenangaben waren bestimmt nicht verlässlich; wie sollte man die Zahl der Fotos und Plakate ermitteln, wenn sie so gut wie unzugänglich waren? Und sollte das alles verschwunden, vielleicht auf der Müllkippe gelandet sein? Nein, so war es nicht, aber auch nicht weit davon entfernt. Und dafür war vor allem Winterberg selbst verantwortlich.

Wer war Christoph Winterberg?
Winterberg war in einem Maß verschwiegen, das schon an Skurrilität grenzte. Für einen Sammler war das ganz und gar untypisch; fast jeder Sammler redet gern und ausführlich über sein Sammlungsgebiet, über neue Erwerbungen und über andere Sammler. Nicht so Winterberg; niemand wusste etwas über sein Leben, seinen Wohnort, seine persönlichen Verhältnisse. Sein Eifer, möglichst unsichtbar zu werden, führte absurderweise dazu, dass seine Herkunft aufgedeckt wurde. Christoph Winterberg war der Adoptivsohn des Komponisten Hans Winterberg; seine Mutter Luise Maria Pfeifer flüchtete 1945 aus dem Sudetenland und gab bei der Geburt ihres Sohnes Christoph am 18. 10. 1945 in Esslingen am Neckar den Kunstmaler Oswald Pillhatsch als Vater an. Ob Christoph den Nachnamen seiner Mutter oder den seines Vaters trug, ist nicht klar. 1968 heirateten der Komponist Hans Winterberg und Luise Maria Pfeifer; der Komponist adoptierte seinen Stiefsohn Christoph, der immerhin schon volljährig war und nun den Namen Winterberg annahm. Warum änderte er seinen Namen? Hatte ihn seine Mutter darum gebeten, wollte er selbst einen neuen Namen? Und wenn ja, wie lautete der alte Name? Wir wissen es nicht.

Winterbergs Haus in Rennertshofen, Antoniberg

Hans Winterberg und seine Frau wohnten zunächst in Bad Tölz und zogen später in ein aufgegebenes Schulhaus nach Rennertshofen, Ortsteil Stepperg. Nach dem Tod seines Adoptivvaters und seiner Mutter übernahm Christoph das Haus und richtete dort sein Archiv ein. Im Februar 2002 verkaufte er den musikalischen Nachlass seines Vaters, des Komponisten Hans Winterberg, an das Sudetendeutsche Musikinstitut in Regensburg und schloss dazu einen bemerkenswerten Vertrag. Alle übergebenen Dokumente sollten bis zum 31.12. 2030 für jegliche, auch hausinterne Nutzung gesperrt sein. Ebenso dürfe die Existenz des Nachlasses und seine Herkunft unter keinen Umständen bekannt gemacht werden; Fragen nach Verwandten oder Nachkommen von Hans Winterberg müssten sämtlich negativ beantwortet werden, Winterberg selbst solle in allen Veröffentlichungen des Instituts als sudentendeutscher, aber keinesfalls als jüdischer Komponist bezeichnet werden. Diese letzte Bedingung kann als antisemitisch gedeutet werden, ist aber wie der ganze Vertrag eher Ausdruck von Paranoia und Verfolgungswahn – eben ein echter Winterberg. Eine Komposition kam nicht in den übergebenen Nachlass; auf ihrer Titelseite stand der Ortsname „Rennertshofen“, an dem nun auch Christoph Winterberg wohnte; das durfte natürlich keiner wissen. Dass die Konditionen des Vertrags vom Sudetendeutschen Musikinstitut akzeptiert wurden, ist eine Merkwürdigkeit für sich. Der Vertrag wurde auf Betreiben des Enkels von Hans Winterberg später aufgelöst; die Kompositionen von Hans Winterberg befinden sich bis heute im Original noch in Regensburg, sollen aber in die Sammlung exil-arte in Wien gehen. Langfristig werden dort alle Dokumente des Komponisten Hans Winterberg und seiner Familie konzentriert werden.

Einige Begegnungen mit Christoph Winterberg
Das erste Mal sah ich Christoph Winterberg am Leopold-Kino in München. Das war in den frühen 1970er Jahren, das Kino war noch nicht aufgeteilt in Leopold 1 und 2; Winterberg, daran erinnere ich mich genau, tauschte die Fotos in den Schaukästen aus. Ich nehme an, dass ich ihn öfters bei dieser Tätigkeit beobachtet habe; vielleicht habe ich auch ein paar Worte mit ihm gesprochen. Wenn er geantwortet hat, dann vielleicht „Hmm, kann sein“ oder noch kürzer „Hmm“ oder gar nicht. Ich ging damals viel ins Leopold und in das Filmmuseum im Stadtmuseum; Winterberg habe ich nie in einem dieser Kinos gesehen. Später hörte ich, dass er eine Zeitlang auch bei Transit-Film gearbeitet hat – wann, als was und wie lange? Keine Ahnung. Auf jeden Fall besaß er umfassende Kenntnisse zum deutschen Film; er mag zu den Sammlern gehört haben, die nie ins Kino gehen und alles nur aus der Literatur kennen. Mit der Literatur kannte er sich jedenfalls sehr gut aus.

Etwa Mitte der 1970er Jahre machte Winterberg seinen Filmladen in der Schelling/ Ecke Luisenstraße auf. Christoph stand an einem Tisch in der Mitte eines winzigen Raums; auf dem Tisch stapelten sich Plakate, hinter Christoph standen die Regale mit Büchern. Die wahren Schätze hortete er möglicherweise im Hinterzimmer, vielleicht hatte er sie überhaupt nicht im Geschäft, sondern in seinem Archiv. Wo war das Archiv, woraus bestand es, gab es Listen, konnte man ihn in seinem Archiv vielleicht besuchen? Die Antwort war eindeutig und immer: Nein, nein, nein. Es gab allerdings Ordner mit Kleinbildern von Plakaten der dreißiger bis siebziger Jahre und es gab tatsächlich einen Sammler, der mit Winterberg ein großes Tauschgeschäft gemacht hat. Manfred Christ hatte von dem Grafiker Boris Streimann zahlreiche Filmplakate geerbt oder einfach nur übernommen; das war eine sehr schöne, wenn auch grafisch etwas einseitige Sammlung. Christ tauschte die Streimann-Plakate gegen frühe und sehr seltene deutsche Nachkriegsplakate der Motion Picture Export Association. Diese Sammlung hat Manfred Christ, wenn ich das richtig erinnere, an die Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung in Wiesbaden vermacht; und seitdem hat man nie mehr etwas von ihr gesehen. Eine Auswahl der Plakate von Boris Streimann gab Winterberg zur Auktion. Der Erfolg war eher bescheiden.

Dr. Alfred Bauer im Gespräch mit

Christoph Winterberg

Besonders gute Geschäfte wird Winterberg in seinem Laden nicht gemacht haben, aber darum ging es ihm vielleicht auch nicht in erster Linie. Er war Verleger geworden und hatte 1976 Alfred Bauers „Deutscher Spielfilm-Almanach 1929 bis 1950“ (plus erstmaligem Namenindex) als Reprint der ersten Ausgabe von 1950 (filmblätter Verlag) herausgebracht; 1981 folgte Band 2 für die Jahre 1946 bis 1955. Als letztes Buch im Verlag Winterberg erschien 1991 „Das Filmangebot in Deutschland 1895–1911“ von Herbert Birett.

Winterberg wollte seinen Verlag weiter ausbauen und verfolgte das Projekt eines Kataloges der in Deutschland bis 1945 erschienenen Filmplakate. Es gab ein Exposé und ein Treffen zwischen dem Direktor des Deutschen Filmmuseums Frankfurt, einem Mitarbeiter der Deutschen Kinemathek und Winterberg, und das war das Ende dieses Projektes. Das Deutsche Filmmuseum war nicht interessiert und blieb, als ein ähnliches Projekt von anderer Seite Jahre später noch einmal aufgerufen wurde, bei seiner Meinung. Nicht nur Winterberg war frustriert.
Ich hatte merkwürdigerweise über lange Zeit ein gutes Verhältnis zu Christoph. Ich zeigte und schenkte ihm einige Film-Verschlussmarken; dafür bekam ich das Buch „Kein Geistlicher hat ihn begleitet“, das Helmut Käutner 1956 unter dem Pseudonym Kong Li veröffentlicht hatte. Das war für ihn ein gutes Geschäft; er begann mir zu vertrauen, ließ mich sogar wissen, dass er einen Porzellanbambi in seiner Sammlung habe. Wir verloren uns aus den Augen, als ich nach Berlin zog. In der Wendezeit fuhr er in die DDR und organisierte u.a. einen ganzen LKW voller Plakate der DEFA. Wahrscheinlich stellte er sich vor, dass die Plakate im Lauf der Zeit gesuchte Sammlerstücke werden würden.
Um die Jahrtausendwende wollte er wie so viele Sammler in fortgeschrittenem Alter sich selbst und seine Sammlung versorgt wissen. In völliger Verkennung der finanziellen Möglichkeiten der Kinemathek machte er folgenden Vorschlag: Die Kinemathek möge ihm auf Lebenszeit eine Leibrente zahlen und eine Lagerhalle für seine Sammlung anmieten. Dann würde er mit allem, was er besaß, nach Berlin ziehen und die Kinemathek als Erben einsetzen. Er weigerte sich standhaft, eine Liste seiner Sammlungsstücke zu übergeben. Wenn es aber zu einer Einigung käme, dann könnte man ihn nach einzelnen Titeln, nach Fotos oder Plakaten fragen, und er würde diese dann temporär zur Verfügung stellen. Weiter konnte er einer Institution wirklich nicht entgegenkommen.
Das Abkommen kam nicht zustande. Jahrelang versuchte Christoph dann mit anderen Institutionen, unter anderem auch der Akademie der Künste, ins Geschäft zu kommen. Er hatte klare Vorstellungen über den Wert seiner Sammlung, aber er konnte sich nicht überwinden, seine Sammlung zu zeigen. Da es keine Bestandslisten gab, hätte er die Adresse in Rennertshofen preisgeben müssen. Und das wollte er auf keinen Fall.
Christoph Winterberg war ein Mensch voller Ängste, ein Hypochonder erster Güte. In einem Lokal suchte er sich eine Ecke, die möglichst nicht einsehbar war; als Getränk bestellte er sich Apfelsaft, war sich aber nie ganz sicher, ob der nicht vergiftet sei. Bei einem seiner letzten Treffen in einem Lokal mit dem australischen Sammler Bill Gillespie verließ er den Tisch, um auf die Toilette zu gehen. Bill holte sein Handy heraus, um etwas nachzusehen. Bei seiner Rückkehr herrschte Christoph seinen Gast an, er solle das Handy herausgeben und das Foto, das er von ihm gemacht habe, löschen. Gillespie hatte kein Foto gemacht.
Winterberg war in dauernder Angst vor Anschlägen, vor Verunglimpfungen und öffentlichen Beleidigungen. Allein die Erwähnung seines Namens war schon verdächtig; sofort konstruierte er ein gegen ihn gerichtetes Komplott. Nähe ließ er nicht zu, gleichwohl suchte er Kontakt. Eine Zeitlang rief er mich jeden Samstag oder Sonntag zu Hause an; er wollte nichts Besonderes, nichts Konkretes – nur reden, reden.
Jahre später nahm er eine Lappalie zum Vorwand, um sich mit mir zu zerstreiten. Er hatte groteske Vorstellungen, wie ich meinen Fehler wieder gutmachen sollte. Aber noch besser: Es gab einen neuen „besten Feind.“

Das Ende des Christoph Winterberg
Ich weiß nicht genau, wann er sich aus der Szene der Filmsammler zurückzog. Man trank dort gerne ein gutes Bier miteinander, man schwätzte, handelte und machte auch Witze übereinander. Das alles war nichts für Christoph, der in der Szene „Caligari“ genannt wurde. „Caligari“ war nicht witzig, „Caligari“ nahm ernst und übel. Christoph löste sein Geschäft in der Luisenstraße auf und eröffnete ein Buchantiquariat in Neuburg an der Donau, unweit von Rennertshofen. Eine Zeit lang kam er damit über die Runden und verkaufte auch noch an Filmsammler. Bill Gillespie erzählt, dass Christoph jedes Gespräch mit einer Schimpftirade auf die Filminstitutionen begann. Er sah sich als freischaffenden Filmarchivar, dem die Institutionen dankbar sein sollten. Hatte er sich nicht all die Jahre für den Film aufgeopfert? Natürlich blieb auch die Drohung nicht aus, dass er seine Sammlung vernichten werde – das war letztlich eine Geste der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Und jedes Gespräch, jede Verhandlung mit ihm stand unter dem Vorbehalt, dass ihm zunächst und als Grundbedingung eine wie auch immer geartete Entschädigung für erlittenes Unrecht zustünde. Als ich ihn das letzte Mal 2012 bei der Eröffnung der Ausstellung „Licht und Schatten“ in den Räumen der Hypo-Vereinsbank in München sah und mit einem Handschlag begrüßen wollte, wandte er sich an den neben ihm stehenden Herbert Birett: „Meinst Du, dass ich dem Sudendorf die Hand geben soll?“ Birett war überrascht und redete ihm zu: „Ja, das kannst Du doch.“ „Na, wenn Du meinst“ und reichte mir maliziös lächelnd seine Hand.

Lagerraum Antoniberg

Er war allmählich im Paradies aller Quengler und Besserwisser angekommen. Die Geschäfte wurden weniger, ein grosser Verkauf noch für ca. 100.000 Euro – natürlich viel zu wenig – und dann hörten sie ganz auf. Christoph zog sich in sein Haus zurück, in sein kleines, großes Reich aus Bananenkisten. Er hatte auch Spielfilme gesammelt, fast alle in 35 mm. Damit nur niemand herausbekam, welche Filme er besaß, hatte er an den Dosen die Seitenbeschriftung entfernt. Damit übertraf er wirklich jeden Sammler an Merkwürdigkeit. Sein Neffe hatte ihn ausfindig gemacht, ihn zu Hause besucht, das Erbe von Hans Winterberg geregelt und sich über die Unmenge an Bananenkisten gewundert. Christoph erklärte ihm, das sei ein veritabler Schatz und eine Million Euro wert. Aber en detail verkaufen wollte er nicht mehr.

Sterbeurkunde Christoph Winterberg

Ein Polizist hatte mit ihm Bekanntschaft geschlossen und besuchte ihn seit Ende der achtziger Jahre. Christoph musste mit dem Geld sehr haushalten, Strom, Wasser und Heizung funktionierten nur unregelmäßig. Er war abgemagert und wohl auch krank und bewohnte in seinem Haus nur noch einen Raum. Am 20. Februar 2018 fand der Bekannte seinen Leichnam; auf dem Körper lagen zwei Bananenkisten, die sich ineinander verkeilt hatten. Hatte ihn seine Sammlung erschlagen und war er zu schwach, die Kiste von dem Körper zu entfernen? Das Todesdatum konnte nicht genau festgestellt werden; es lag zwischen dem 9. und dem 20. Februar 2018.
Es fand sich ein Testament, in dem der Polizist als Generalerbe eingesetzt war. Der Generalerbe tat, was er und wahrscheinlich jeder andere für das Beste hielt. Er verkaufte einen großen Teil der Bananenkisten sowie die Filmkopien an einen Film-Devotionalien-Händler. Die Filmkopien wurden gleich weiterverkauft, die Bücher bekam ein Internet-Antiquar. Und gab es denn nun einen Restnachlass Alfred Bauer, vielleicht mit einem Tagebuch aus seiner Zeit in der Reichsfilmintendanz? Vielleicht, ja, kann sein – vielleicht ist er auch vernichtet, in den Müll geworfen, schmort noch in unausgepackten Kisten. „Hmm, wer weiß?!“

Winterbergs Körper, so war es im Testament bestimmt, wurde verbrannt, die Asche in der Ostsee verstreut.

Es halfen: Rolf Aurich, Frank Becker, Bill Gillespie, Helmut Hamm, Henrik Krasemann Peter Kreitmeir, Hans-Peter Reichmann, Fritz Tauber, Christian Unucka.

Zu Hans Winterberg: https://forbiddenmusic.org/2015/06/10/the-ominous-case-of-the-hans-winterberg-puzzle/
Website von Peter Kreitmeir: www.kreitmeir.de

Why do you ask me about Hitler?

Vorbemerkung
1939 wurde Marlene Dietrich offiziell amerikanische Staatsbürgerin; sie sammelte Kriegsanleihen für den amerikanischen Staat und engagierte sich als Showstar für die Unterhaltung der amerikanischen Truppen in Europa. Aber was ist mit der Zeit zwischen 1933 und 1939? Man weiß, dass sie Emigranten unterstützt hat, aber hat sie sich auch offen gegen das „Dritte Reich“ erklärt? Abgesehen von der Tatsache, dass sie vor und nach ihrem jährlichen Europaaufenthalt immer davon sprach, dass sie nur noch einen Film für die Paramount drehen wolle und dann aber endgültig nach Europa zurückkehren möchte, hielt sie ihre Zukunftspläne möglichst vage. Sie schloss kein Engagement aus, gab nur ganz selten eine politische Stellungnahme ab und liess sich von keiner Partei vereinnahmen. 1933 erklärte sie bei ihrer Rückkehr nach den USA: „I can’t imagine why you should ask me about the Nazi movement. I am an actress not a politician. Why do you ask me about Hitler? I’m sure Herr Hitler has never once heard of me. He doesn’t know about me.“ [Miss Dietrich doubts Hitler knows of her. The American, 27.9. 1933]
Diese Zurückhaltung hatte gute Gründe. Ihre Mutter und ihre anderen Verwandten lebten weiterhin in Deutschland und konnten leicht durch kritische Äußerungen gefährdet werden. Die Film-Produktionsfirmen dagegen sahen in jeder offenen Kritik an den Nationalsozialisten ihre Exportchancen nach Deutachland gefährdet. So stellte sich Marlene in der Öffentlichkeit möglichst als politisch indifferent dar, interessiert nur an Luxus, Männern und der High Society. Filmangebote aus Deutschland schlug sie nie direkt aus, sondern behauptete stets, dass sie langfristig gebunden sei und man vielleicht später noch einmal reden solle.

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Der Faust-Film vor den Interessenten

Vorbemerkung:
Die neugegründete Verleihfirma Parufamet, ein Zusammenschluss von Paramount, Ufa und Metro Goldwyn Mayer, zeigte in Berlin am 25. August 1926 in einer Pressevorführung drei Filme aus ihrem Programm: La Boheme (USA 1926; Regie: King Vidor), Die schönste Frau der Staaten (American Venus. USA 1926; Regie: Frank Tuttle) und Faust von F. W. Murnau.
In Wien wurde Faust am 14. September 1926 im Central-Kino der Presse vorgeführt. Der Rezensent des Reichsfilmblatt (Ausgabe 2. Oktober 1926) bemerkte eine pausenlose Vorführung und eine Länge von 80 Minuten. Das entspricht einer Vorführgeschwindigkeit von 26 bzw. 27 Bildern pro Sekunde.

Vor seinem Siegeszug
Nachmittags 3 Uhr, am U.T. Nollendorfplatz große Autoanfahrt. Die ganze „Branche“ ist versammelt: Verleiher, Theaterbesitzer, Künstler, Techniker, Literaten, Neugierige.
Pünktlich läuft der Pommer-Murnau-Jannings-Film an. Er findet eine kritische Gemeinde. Aber bald ist jeder Einwand dem genialen Wurf gegenüber verstummt. Keine Claque rührt sich. Lautlos – leider nur von der barbarischen Musik eine Pseudomusikanten gestört, sitzt man da. Übersieht die mäßige Projektion, übersieht die unfestliche Enge dieses für einen Großfilm völlig ungeeigneten Kinos und erlebt den Siegeszug voraus, den dieser festliche, dabei doch so unopernhafte Film durch Deutschland und die Welt antreten wird.
Zum Schluss: ein kurzer, ehrlicher Beifallssturm. Gruppen bilden sich im Hause, vor dem Hause. Man kann sich noch nicht trennen. Man diskutiert.
Ein prominenter Theaterkritiker will sofort an Pommer und Murnau kabeln. Man bedauert, Camilla Horn, Jannings und Ekman nicht zu sehen. Hoch gehen die Wogen der Begeisterung.
Ein Sieg des künstlerischen Großfilms – auf der ganzen Linie.
Herr Graf, der Vorsitzende des Zentralverbandes, meint: „Den Film möchte ich unter den Arm nehmen und damit losreisen. Millionen kann er einbringen – vorausgesetzt, dass er richtig lanciert wird. Auf das Herausbringen dieses Films kommt alles an. Mit Ufa-Wochenschau, Margarethenlieder und einem Komiker als Mephisto geht es natürlich nicht. Dieser Film ist ein Festspielfilm.“
Ein Festspielfilm – das ist sein Charakter. Die ganze Welt wartet auf diesen Film.
Ihn auszuwerten, zu verleihen, zu spielen – gehört zu den dankbarsten Aufgaben, die Theaterbesitzer und Verleiher je zu erfüllen hatten.

Um die Faust-Titel
Der Faust-Film ist in einer Interessentenvorführung gezeigt worden.
Aus begreiflichen Gründen wurde die Presse vorher gebeten, die Kritik bis zur öffentlichen Uraufführung zurückzustellen.
Es sei daher auch nicht unsere Absicht, diese Forderung zu missachten. Aber etwas mußss über den Film schon jetzt gesagt werden, aus dem einfachen Grund, weil es bei der Premiere zu spät ist.
Das sind die Filmtitel. Bekanntlich hat die Ufa Gerhart Hauptmann mit ihrer Ausführung betreut.
In einer Montags-Zeitung wurden Proben aus den kommenden Titeln veröffentlicht. Und die schlimmste Befürchtung des Filmmenschen ist eingetroffen. Die Faust-Titel sind in Versform gehalten.
Was das für das Tempo des Films und sei nen Rhythmus bedeutet, das werden die Leute, die in dem verfilmten Faust nur den Versuch des Films sehen, ein höheres „literarisches“ Niveau zu erreichen, nie begreifen.
Nun hat aber der gestern gezeigte Faust-Film Titel. Sie stammen wohl von Kyser. Es mag an einigen etwas auszusetzen sein. Aber als Gesamtheit gesehen, genügen sie den Anforderungen, die man an sie stellen kann, vollkommen. Sie sind knapp gehalten, ihre Sprache ist schön und würdig – und sie sind in Prosa geschrieben.
Hauptmanns Titel kennen wir noch nicht. Wir können deshalb heute noch nicht über sie urteilen. Aber die zuständigen Stellen bei der Ufa mögen bei Empfang der Titel unparteiisch und ohne auf Hauptmanns Namen zu achten, urteilen, welche Titelfassung dem Film am besten gerecht wird.
Entsprechen die Hauptmann-Titel nicht den Erwartungen, dann möge man Extravorstellungen für die „Literaten“ mit „literarischen Titeln“ geben.
Aber denen, die den Film lieben, gebe man einen Faustfilm mit Filmtiteln.
G[eorg] Herzberg, Film-Kurier, 26. August 1926, Nr. 199

PEM: Berliner Erinnerungen – Es war einmal eine Film-Fachpresse…

„Da sagten die Kinder, die Geschichte war fein; nun erzähl uns noch eine, Großmütterlein…“
(Refrain eines Otto Reutter-Chansons)

Eines Tages im Jahre 1933 übernahm Dr. W. Lohmeyer, dem ich für seine ersten Artikel im „Junggesellen“ die Kommas gepumpt hatte, die Chefredaktion des Berliner „Film-Kurier“ und ließ in Fortsetzungen den Roman „Nur nicht weich werden, Susanne“ des „Angriff“-Kritikers und bald „Reichsfilmdramaturgen“ Willi Krause erscheinen. Albert Schneider, der 1933 das „Film Journal“ verließ, schrieb in der „Lichtbildbühne“ unter der Überschrift „Kosmopolitisch ist nicht international“ einen Leitartikel gegen mich, den ich mir aufgehoben habe, weil unsereiner doch erst auf einen Hitler warten muss, um seinen Namen auf der ersten Seite einer Zeitung angegriffen zu finden. „Wer liest schon die B.Z. am Mittag?“ pflegten wir die Schauspieler immer zu trösten, wenn dieses Blatt ihnen eine schlechte Kritik geschrieben hatte; da ich aber zu dieser Zeit schon im Ausland war, konnte mich diese Attacke nur stolz machen.
Erinnerungen verschönen bekanntlich, und die Vergangenheit erscheint uns nur deswegen schöner, weil wir damals eben jünger waren. Das trifft nicht nur auf die alte, sagenumwobene Ufa zu, sondern auch auf die Fachpresse, die man vor 1933 las. Und wenn man eines Tages daran gehen wird, die wirkliche Geschichte des deutschen Films zu schreiben anstatt die jetzt üblichen „Gartenlauben“-Fassungen, wird man auch die vergilbten Jahrgänge des „Film-Kurier“, der „Lichtbildbühne“, des „Reichsfilmblatt“ und all der anderen Blätter durchsehen müssen, um zu sehen, wie sich die Bankrotte und Erfolge von Anno Dazumal wirklich abgespielt haben, und dabei feststellen können, dass manche Filmschaffende von einem Misserfolg den Rest ihrer Tage gut leben konnten.

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Die seltsamen Abenteuer der amerikanischen Filmindustrie mit O. W. Fischer

Al Daff, Chef der Universal, und O. W. Fischer

300 Fans hatten sich am 11. Januar 1957 im Flughafen München-Riem eingefunden, um O. W. Fischer, den beliebtesten und teuersten Filmschauspieler der Bundesrepublik, zu verabschieden. Fischer flog zu Dreharbeiten nach Hollywood. Aber er käme ja, so seine Worte, nach drei Monaten schon wieder zurück. So war der Plan, aber es kam alles ganz anders. Nach einem Dutzend Drehtagen an dem Film My man Godfrey unter Regisseur Henry Koster kündigte die Universal den Vertrag mit Fischer und erhob Schadensersatzklage wegen Verweigerung der Arbeit. Schon Mitte März war der Star wieder in Deutschland.

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Interview 1977

Zur Retrospektive Marlene Dietrich 1977 in Berlin versprach Werner „Instant“ Plack, ein alter Bekannter von Marlene, ein Interview zu vermitteln. Wolf Donner, damals der neue Leiter der Filmfestspiele, und ich stellten einen Fragenkatalog zusammen. Natürlich ließ Marlene niemanden in ihre Wohnung; Plack und Donner sollten die Fragen unter der Tür durchschieben. Sie schickte dann den Fragebogen sehr schnell zurück und Donner schrieb am 9. Mai an Plack:
Dieses Interview ist das skurrilste, das ich je gelesen habe. Die Abneigung, sich den Fragen zu stellen, hätte Marlene Dietrich kaum frostiger, aber auch lustiger als auf diese Weise demonstrieren können. Ich glaube allerdings kaum, dass man das wird drucken können.“
Für den Begleitband zur Retrospektive wurden 10 Fragen und Antworten ausgewählt. Hier jetzt alle Fragen und Antworten.

Zunächst ein paar Fragen zu Ihren Filmen. Welche haben Sie heute noch besonders gut in Erinnerung? Weiterlesen

Fernsehen über Filme 1954

t.v. – Total verdreht. Heitere Fernsehausschnitte aus amerikanischen Filmen. Zusammenstellung: Hans Scholz 5. Januar
Im Wirbel der Stars und Synkopen. Hollywood-Melodie Nr. 13 15. Januar –
Nr. 14: 27. Januar – Nr. 15: 10. Februar – Nr. 16: 24. Februar – Nr. 17: 10. März
Weitere Sendungen, nicht mehr numeriert, am:
24. März, 7. April, 21. April, 5. Mai, 4. Juni, 30. Juni, 14. Juli, 28. Juli, 11. August, 25. August, 8. September, 22. September, 11. Oktober, 20. Oktober, 11. November und 1. Dezember
Manuskript und Filmauswahl: Michel Kehlmann. Sprecher: Heinz Piper
Klingendes Film-Mosaik. Musikalische Querschnitte aus deutschen Musikfilmen. Zusammenstellung: Wilhelm Bühler. 19.Januar
Greta Garbo. Eine große Filmschauspielerin ihren großen Szenen. 5. März
Hoppla, jetzt komm ich!
Hans Albers – ein Kapitel deutscher Filmgeschichte mit Ausschnitten aus seinen Filmen. 31. März
Vergangen, nicht vergessen. Wir stöberten in alten Filmarchven. Zusammenstellung Ilse Aeckerle und Herbert Victor. Musikalische Begleitung: Olaf Bienert. 6. April
Charlie Chaplin. Der große Schauspieler in unvergessenen Filmszenen. 14. April:
Angeklagt: Der Wildwestfilm. Die Abenteuer mit Pionieren, Pferden und Pistolen – seit 50 Jahren geliebt und verurteilt. In Ausschnitten gezeigt und scharf unter die Lupe genommen von Karl-Heinz Richter und Wolfgang März. 29. April
Paula Wessely. Eine liebenswerte Künstlerin in ihren bekannten Filmszenen. 8. Mai:
Emil Jannings. Ein großer Schauspieler in seinen bedeutenden Filmszenen. 26. Mai:
Sonderbericht
zur Eröffnung der 4. Internationalen Filmfestspiele Berlin 1954. 16. Juni:
Treffpunkt Berlin. Eine Übertragung aus der Waldbühne anlässlich der 4. Internationalen Filmfestspiele 1954 mit beliebten Rundfunk-Künstlern. 19. Juni
Klassische Dichtung auf der Leinwand. Ausschnitte aus alten Filmen, zusammengestellt und kommentiert von Fr. Aeckerle. 22. Juni:
Clark Gable. Ein bekannter Schauspieler in seinen großen Filmen. 23. Juni: Sonderbericht zu den 4. Internationalen Filmfestspiele Berlin 1954. 25. Juni
Abschlussbericht zu den 4. Internationalen Filmfestspiele Berlin 1954.. 28. Juni:
Heinrich George. Ein unvergessenerr Schauspieler in seinen großen Filmen. 21. Juli
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme – ferngesehen, nah betrachtet. Eine Sendung von Jürgen Roland. 30. Juli
Als der Tonfilm zur Welt kam. Ein Gespräch mit Dr. h.c. Joseph Masolle und Hans Grothe mit Beispielen aus den Anfängen des Tonfilms. Leitung: Sven Kluwe. 17. August
Adele Sandrock. Eine unvergessener Schauspielerin in ihren großen Filmszenen. Manuskript und Sprecher: Michael Kehlmann. 18. August
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme – ferngesehen, nah betrachtet. Eine Sendung von Jürgen Roland. 21. August
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme – ferngesehen, nah betrachtet. Schloss Hubertus – Brot, Liebe, Fantasie – 08/15 – Sie. Eine Sendung von Jürgen Roland. 4. September
So kennen wir ihn. Charles Laughton in seinen großen Filmszenen. 15. September
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Neue Filme – ferngesehen, nah betrachtet. Redaktion: Jürgen Roland. 25. September.
Weitere Sendetermine der Reihe 16. Oktober – 30. Oktober – 29. November – 11. Dezember – 28. Dezember
Kulturfilmschaffen des Auslandes. Wir machen Sie mit zwei eindrucksvollen Neuschöpfungen aus Italien bekannt: Die Gottesanbeterin – Insekt oder Raubtier? und Der tödliche Dschungel – Kampf der Tiere im Urwald. 10. November:
Der Hauptfilm hat noch nicht begonnen. Die flimmerende Leinwand, von Geiselgasteig bis Hollywood. Leitung: Friedrich Sauer. 13. November:
Marianne Hoppe. Eine große Schauspielerin in ihren bekannten Filmszenen. 19. November:
Evergreens – Immergrün. Unvergessene Filmmelodien. 3. Dezember:
Ein Leben für den Film. Vierzig Jahre Harry Piel. I. „Kintopp und Sensationen. 6. Dezember – II. „Menschen und Bestien“ – 13. Dezember

Ohne Autor: Verzicht auf Hauptmanns „Faust“-Titel? – Hinter den Kulissen des „Faust“-Films

Wie erinnerlich, hat der Verfasser des von der „Ufa“ in Berlin gedichteten „Faust“-Films Hans Kyser vor kurzem an Gerhart Hauptmann einen offenen Brief gerichtet, in dem er gegen die von dem Dichter über Ersuchen der Fabrikationsfirma verfassten Zwischentexte Stellung nahm und dieselben als zu literarisch und für sein „Faust“-Manuskript nicht geeignet bezeichnete. Die „Ufa“ hatte darauf erklärt, dass sie unter allen Umständen an den Untertiteln Gerhart Hauptmanns, die aus nicht weniger als sechshundert Versen bestanden, festhalten werde.
Nun war dieser Tage, wie das „N[eue] W[iener] J[ournal]“ berichtet, in einem Wiener Kino eine Presse- und Interessentenvorführung angekündigt, in der der „Faust“-Film mit den Texten Gerhart Hauptmanns gezeigt werden sollte. Auffällig war, dass der Film in Berlin weder den Interessenten noch dem Publikum vorgeführt wurde. Zur Enttäuschung des Publikums teilte aber vor Beginn der Vorführung der Generaldirektor der Wiener Filiale der „Ufa“, Kommerzialrat Stern, mit, dass der Film mit den Titeln Hans Kysers vorgeführt werde, die Texte Gerhart Hauptmanns aber bis zu der in einigen Monaten stattfindenden Premiere bestimmt fertiggestellt sein werden.
Wie wir erfahren, hat es sich in Berlin bei einer internen Vorführung des „Faust“-Films vor den Fachleuten der „Ufa“ ergeben, dass die Zwischentexte Gerhart Hauptmanns tatsächlich zu dem Film zu schwer und – gehaltvoll sind. Man ist deshalb an den Dichter mit dem Ersuchen herangetreten, die von ihm verfassten Titel einer Änderung zu unterziehen. In Fachkreisen ist man jedoch der Meinung, dass der Film bestimmt mit den Titeln Hans Kysers zur Aufführung kommen wird, da der Dichter über diese Ablehnung verstimmt und nicht gesonnen sein soll, eine Umarbeitung der Titel vorzunehmen. Von den Freunden Gerhart Hauptmanns soll übrigens die Herausgabe seiner „Faust“-Texte als Buch geplant sein.
Was nun den Film betrifft, der nunmehr mit den Titeln Hans Kysers zur Vorführung gelangte, so will es scheinen, als ob tatsächlich zwischen Gerhart Hauptmann und diesem Faust keinerlei Beziehungen bestehen könnten. Es mag den Dichter gereizt haben, zum „Faust“-Problem, das Goethe sein ganzes Leben lang beschäftigt hat, Stellung zu nehmen, und man kann wohl annehmen, dass er für eine Verfilmung des Goetheschen „Faust“ der richtige Textdichter gewesen wäre. Da hätte gerade das Dunkle, Ringende in ihm den geeigneten Interpreten gefunden, und es wäre vielleicht das Filmkunstwerk entstanden, von dem alle Freunde des Kinos, die in der Beweglichkeit und in dem Allumfassenden des Films eine neue Kunst sehen, seit langem träumen.
Der Faust Hans Kysers aber, der sich vorsichtig und bescheiden als eine Verfilmung der Volkssage geriert, aber doch aus dem Bronnen Goethes genascht hat, behandelt das Problem ganz oberflächlich und ungedanklich. Faust ist von allem Anfang an weniger ein Denker, als ein in der Alchemie ergrauter Gelehrter, den nicht Zweifel an dem Worte der Heiligen Schrift zur Teufelsanbetung treiben, sondern die Unmöglichkeit, ein Pestserum zu finden, was allerdings Gelegenheit zu prachtvoll arrangierten Pestszenen gibt. Die „Gretchentragödie“ ist, anders als beim Mederowschen „Faust“, direkt in den Mittelpunkt gerückt, und das Ganze endet damit, dass Gretchen wegen Kindesmordes verbrannt werden soll und mit Faust, der wieder alt geworden ist, auf dem Scheiterhaufen stirbt. Daraufhin Verklärung a la Senta und fliegender Holländer, und Mephisto versinkt, besiegt durch das eine in allen Filmkünsten erstrahlende Wort „Liebe“.
Der Film, der natürlich dem Kinopublikum sehr gefallen wird, bringt prachtvolle schauspielerische Leistungen. Ein wirklicher Faust, wie man ihn auf der Bühne nicht findet, Gösta Geßmann (!) aus Schweden, dann die wunderbar innige Gerte Horn (!) als Gretchen und namentlich Emil Jannings als gemütlich dämonischer Mephisto. Für die Martha hat man sich keine Geringere als Yvette Guilbert verschrieben, die zeigt, dass man Chansons auch filmen kann.
Alles in allem aber sieht man doch, dass die Dichter reine Toren sind. Der Überredung welchens „Managers“ ist es wohl gelungen, Gerhart Hauptmann zu diesem Filmabenteuer zu bewegen?

In Das kleine Journal, Berlin, 18. September 1926

Gerhart Hauptmann und Faust von F.W. Murnau

Vorbenerkung:
Um den Faust-Film von F.W. Murnau aufzuwerten, beauftragte die Ufa am 10. August 1926 Gerhart Hauptmann, für ein Honorar von 20.000,- Reichsmark die Zwischentitel zu bearbeiten. Hauptmann lehnte eine Bearbeitung ab, erklärte sich aber bereit, für ein Honorar von 40.000 Reichsmark gänzlich neue Zwischentitel zu machen.

Neben dem Filmmanuskript hatte Hans Kyser auch die Zwischentitel geschrieben. In einem Offenen Brief wandte sich Kyser an Hauptmann und forderte ihn auf, die Zwischentitel nicht zu verfassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Hauptmann aber gegenüber der Ufa schon vertraglich verpflichtet.
Obwohl es gelegentlich anders berichtet wird, stellte die Ufa keine Kopie von Faust mit den Zwischentiteln von Hauptmann her. Zur Berliner Premiere von Faust erschien eine Broschüre mit Fotos zu dem Film und allen Zwischentiteln von Hauptmann.
Die einzige Fassung von Faust mit den Zwischentiteln von Hauptmann produzierte Stefan Drössler für das filmmuseum münchen; die Premiere dieser Fassung war am 18. April 2019. Eine DVD-Edition ist in Vorbereitung.
Die folgenden Briefentwürfe von Gerhart Hauptmann befinden sich im Nachlass Gerhart Hauptmann in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Berlin – Stiftung Preussischer Kulturbesitz.
Die Briefe sind digitalisiert und einsehbar unter https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/suche?category%5B0%5D=Gerhart%20Hauptmann&queryString=Hans%20Kyser&fulltext=

[Telegrammentwurf, nicht datiert]

Hans Kyser Hafenplatz 1 Berlin
Expressbrief nicht erhalten. Von einer Filmkorrektur kann garnicht die Rede sein. Ufa verlangt von mir die nicht vorhandenen Bildzwischenschriften, die ich auch vertraglich übernommen habe.
Inwiefern dies in deine Rechte eingreift, weiss ich natürlich nicht, da ich nur mit Ufa zu tun habe. Sonst aber ist mir ganz unerfindlich, wieso meine Mitarbeit einem alten Freunde unerwünscht sein könnte.
Gruss
Hauptmann

[Undatiert; wahrscheinlich nach Erscheinen des Offenen Briefes geschrieben; Hauptmann Darstellung widerspricht den Aussagen der im Katalog „Hätte ich das Kino! – Die Schriftsteller und der Stummfilm: Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach a.N., 1976 abgedruckten Briefe der Ufa.]

Geehrter Freund
Dein Brief zeigt die Fähigkeit, die allereinfachste Sache temperamentvoll zu komplizieren.
Die Direktion der Ufa trat an mich heran, mit der Bitte, die Schriften [gemeint sind die Zwischentitel] zu einem Faust-Film zu schreiben, was ich zuerst ablehnte. Ob ich, so wurde ich daraufhin gefragt, wenigstens die vorhandenen Schriften revidieren und einen Rat geben wolle, wie sie zu verbessern seien. Dazu war ich schließlich bereit.
Ich sah den Film, dessen Materie ohne Beschriftung einer naiven Menge nicht verständlich werden kann. Die Schriften aber im Film-Manuskript, sogenannte Titel in der Filmsprache, waren, wie ich mich später überzeugen konnte, von einer so vollendeten Leere und Nichtigkeit, dass keine Verbesserung dieses dürftige und leichtsinnig hingeschmierte Zeug lebensfähig gemacht hätte.