Archiv der Kategorie: Projektionsgeschwindigkeit

Projektionsgeschwindigkeit des Südfilm-Verleihs 1928

1928 veröffentlichte die Südfilm zu ausgewählten Filmen ihres Verleihprogramms in ihrem Werbeheft Südfilm-Journal Musikaufstellungen mit Angaben zur Vorführgeschwindigkeit. Diese Musikaufstellungen wurden auch durch die Filmmusik-Union vertrieben. Ab dem 1. April 1929 wurde das Format des Südfilm-Journals vom grossen Zeitungsformat auf das kleinere Magazin-Format umgestellt. Es erschienen jetzt keine Musikaufstellungen mehr. Nicht alle Musikaufstellungen enthielten Angaben zur Projektionsgeschwindigkeit. Wahrscheinlich waren inzwischen 28 Bilder/Sekunde für Filme der Südfilm allgemein üblich.
Die Original-Ausgaben des Südfilm-Journals durfte ich in der Bibliothek der deutschen Kinemathek Berlin einsehen. Für Unterstützung danke ich Cordula Döhrer.

Wenn ein Weib den Weg verliert (Café Electric)
Österreich 1927. Regie: Gustav Ucicky
Mit Willy Forst, Marlene Dietrich
Musikaufstellung: H. Worch
30 Bilder /Sekunde

Küsse, die töten (Verheimlichte Sünde) OT: Le baiser qui tue
Frankreich 1928. Regie: Jean Choux
Mit André Soral, Claude Harold
Musikaufstellung: Kapellmeister Alexander Schirmann
28 Bilder/Sekunde

Dorine und der Zufall
Musikaufstellung: Kapellmeister Alexander Schirmann
Österreich 1928.
Regie: Fritz Freisler
Mit Fay Marbé, Ernst Verebes,
28 Bilder/Sekunde

Saxophon Susie
D 1928. R: Karel Lamac
Mit Anny Ondra, Mary Parker
Musikaufstellung: Paul Dessau
28 Bilder/Sekunde

Die tolle Komtess
D 1928. R: Richard Löwenbein
Mit Dina Gralla, Tilla Garden
28 Bilder/Sekunde

Aus dem Tagebuch eines Junggesellen
D 1928. R: Erich Schönfelder
Mit Reinhold Schünzel, Iwa Wanja
Musikaufstellung: Paul Dessau
28 Bilder/Sekunde

 

 

Die Bildfrequenz der Nibelungen

Anzeige in der BZ am Mittag, 25.2.1924

Im Uraufführungskino begannen die Vorstellungen für „Siegfrieds Tod“, dem 1. Teil der Nibelungen, um 18.30 und um 20.45.
Wenn es zwischen dem Ende der ersten und dem Anfang der zweiten Vorstellung für den Zuschauerwechsel eine Pause von 15 Minuten gab (das ist allerdings für den UFa-Palast am Zoo extrem knapp), bleiben 2 Stunden für den Film. „Zu spät kommende Zuschauer werden nach dem ersten Gesang eingelassen“, erklärt die Anzeige der Ufa. Das heißt, dass es mindestens nach dem ersten Akt – von Lang „Gesang“ genannt – eine kurze Pause von mindestens 60 Sekunden gab. Die Orchestermusiker haben bestimmt nicht zwei Stunden ununterbrochen durchgespielt. Wahrscheinlich wurde also – wie sonst auch allgemein üblich – nach jedem Akt (Gesang) eine kurze Pause gemacht. Bei sieben Akten sind das sechs Pausen a 60 – 90 Sekunden. Die Filmvorführung dauerte also ohne Vorprogramm, Reklame oder sonstigen Schnick-Schnack netto etwa 1 Stunde und 55 Minuten.
„Siegfrieds Tod“ hat eine Länge von 3216 Metern. Mit 24 Bildern pro Sekunde läuft der Film eine Stunde, 57 Minuten und 33 Sekunden. Das ist zu langsam. Wahrscheinlich sind 25 (1:52:51) oder 26 Bilder pro Sekunde (1:48:30).

Variationen der Geschwindigkeit

Dieser Text zur Vorführgeschwindigkeit von Stummfilmen ist in „Film und Fernsehen in Forschung und Lehre“, Berlin, Nummer 8, 1985 erschienen. Ich habe ihn nur unwesentlich verändert übernommen; die ursprünglich nummerierten Anmerkungen wurden unter dem jeweiligen Absatz zusammengefasst.

Die Vorführnorm von 24 B/sec ist an den Ton gebunden. Da es bei Stummfilmen keinen Ton gibt, existiert auch keine Vorführnorm. Allerdings kennen wir die Erfahrung, daß Bewegungen im Stummfilm bei 24 Bildern zappelig werden; weitgehend besteht auch eine Übereinkunft, daß Stummfilme mit 16 Bildern aufgenommen wurden. Weil im Tonfilm Aufnahme- und Vorführge- schwindigkeit in der Regel identisch sind, hat sich die Auffassung herausgebildet, daß dies auch beim Stummfilm der Fall ist. Ist es aber nicht.
Nicht die Aufnahmegeschwindigkeit, sondern der Ton ist der Urheber der Norm. Für die Vorführung von Stummfilmen hat sich bis 1930 eine Konvention entwickelt, und diese veränderte sich, wie jede andere Konvention auch. Stummfilme stur nur mit 16 B/sec vorzuführen ist also falsch, aber verbreitet. Eine erste These lautet: Stummfilme werden heute in der falschen Geschwindigkeit gezeigt.

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Schnelligkeit der Projektion

In: Der Film, Nr. 30, 30. Februar 1926
Anmerkung: In der ersten Hälfte des Beitrags wird von einer bestimmten Geschwindigkeit pro Minute gesprochen. Das ist falsch; es muß Geschwindigkeit pro Sekunde heißen.

Auf dem Pariser Kongreß hatte, wie kurz berichtet, Oskar Messter, der Altmeister der deutschen Kinematographie, den Antrag gestellt: „Um die künstlerische Wirkung des Films zu erhöhen, ist der Rhythmus der Projektion zu normalisieren.“ Die „Vereinigung Deutscher Filmfabrikanten“ übermittelt uns nunmehr die Begründung, welche ihr verdientes Ehrenmitglied diesem Antrage auf dem Pariser Kongreß gegeben hat und die uns interessant genug erscheint, um weiteren Kreisen vermittelt zu werden.
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